Bierig

    31. Jänner 2012, 17:14
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    Besser als milchig oder wässrig: Wenn ein Bier tatsächlich nach Bier schmeckt

    Vor kurzem bin ich wieder einmal auf die Puntigamer-Werbung für das "bierige Bier" gestoßen. Ein interessantes Adjektiv! Der Online-Duden (www.duden.de) kennt bierig nicht – er kennt nur gierig, nierig ("nierenförmig [von Mineralien]) und wierig ("Bildungssprachlich: insistent anhaltend, andauernd, sich in die Länge ziehend") und bietet diese Wörter als Alternativen an. Die wollen wir aber nicht, wir wollen bierig auf den Grund gehen. Bei Google finden sich etliche Belegstellen für das süffige Eigenschaftswort: Es gibt bierige Wirtshäuser, bierige Überraschungen, bierige Spezialitäten und sogar einen bierigen Heurigen im 19. Wiener Gemeindebezirk.

    Offen bleibt damit die Frage, was denn unter "bierig" generell zu verstehen sei, und was unter einem "bierigen Bier" im Besonderen. "Bierig" wird wohl heißen: Nach Bier schmeckend, Bier enthaltend oder, wenn von einem Lokal die Rede ist, auf den Ausschank von Bier spezialisiert. Das "bierige Bier" freilich wirkt wie ein klassischer Pleonasmus ("alter Greis", "tote Leiche" usf.), weil es ja eigentlich grundsätzlich im Wesen des Bieres liegt, bierig zu sein. Jeder Biertrinker würde sich herzlich bedanken, wenn sein Bier nicht bierig schmeckt, sondern wässrig, milchig, limonadig oder kaffeeig. Ich nehme aber an, dass die Werber der Brau AG mit der expliziten Hinzufügung des "bierig" zum Bier mitteilen wollten, das Puntigamer Bier unterscheide sich kraft einer speziellen Bierigkeit von anderen Bieren, aus denen das Bierige weniger herauszuschmecken sei. Nicht ganz zu Unrecht, wie ich meine. Ich bin gerne bereit zu bestätigen, dass etliche amerikanische Dosenbiere nach allem anderen schmecken als nach Bier, und es selbst zu viel der Ehre wäre, sie als schwach mit Biergeschmack parfümierte Wässerchen zu bezeichnen. Wie auch immer – vielleicht macht diese bierige Art der Getränkewerbung ja Schule: Der teeige Tee, die teekannige Teekanne, die schokoladige Schokolade, der neuburgerige Neuburger, das dixanige Dixan, der fruchtikussige Fruchtikus, das schnitzlige Schnitzel und so fort. Womöglich wollen sich ja auch die p.t. Leserinnen und Leser per Posting an dieser schlichten Art der flotten Werbespot-Erfindung erproben.

    Von Christoph Winder
    Winders Wörterbuch zur Gegenwart ist ein Work in Progress.
    Zweckdienliche Hinweise auf bemerkens- und erörternswerte Wörter sind erbeten an christoph.winder@derStandard.at.

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