Besser als milchig oder wässrig: Wenn ein Bier tatsächlich nach Bier schmeckt
Vor kurzem bin ich
wieder einmal auf die Puntigamer-Werbung für das "bierige Bier" gestoßen. Ein
interessantes Adjektiv! Der Online-Duden (www.duden.de) kennt bierig nicht – er kennt nur gierig,
nierig ("nierenförmig [von Mineralien]) und wierig ("Bildungssprachlich:
insistent anhaltend, andauernd, sich in die Länge ziehend") und bietet diese Wörter
als Alternativen an. Die wollen wir aber nicht, wir wollen bierig auf den Grund
gehen. Bei Google finden sich etliche Belegstellen für das süffige
Eigenschaftswort: Es gibt bierige Wirtshäuser, bierige Überraschungen, bierige
Spezialitäten und sogar einen bierigen Heurigen im 19. Wiener Gemeindebezirk.
Offen bleibt damit die
Frage, was denn unter "bierig" generell zu verstehen sei, und was unter einem "bierigen Bier" im Besonderen. "Bierig" wird wohl heißen: Nach Bier schmeckend,
Bier enthaltend oder, wenn von einem Lokal die Rede ist, auf den Ausschank von
Bier spezialisiert. Das "bierige Bier" freilich wirkt wie ein klassischer Pleonasmus ("alter Greis", "tote
Leiche" usf.), weil es ja eigentlich grundsätzlich im Wesen des Bieres liegt,
bierig zu sein. Jeder Biertrinker würde sich herzlich bedanken, wenn sein Bier
nicht bierig schmeckt, sondern wässrig, milchig, limonadig oder kaffeeig. Ich
nehme aber an, dass die Werber der Brau AG mit der expliziten Hinzufügung des "bierig"
zum Bier mitteilen wollten, das Puntigamer
Bier unterscheide sich kraft einer speziellen Bierigkeit von anderen Bieren, aus
denen das Bierige weniger herauszuschmecken sei. Nicht ganz zu Unrecht, wie ich
meine. Ich bin gerne bereit zu bestätigen, dass etliche amerikanische Dosenbiere
nach allem anderen schmecken als nach Bier, und es selbst zu viel der Ehre
wäre, sie als schwach mit Biergeschmack parfümierte Wässerchen zu bezeichnen.
Wie auch immer - vielleicht macht diese bierige Art der Getränkewerbung ja
Schule: Der teeige Tee, die teekannige Teekanne, die schokoladige Schokolade, der
neuburgerige Neuburger, das dixanige Dixan, der fruchtikussige Fruchtikus, das
schnitzlige Schnitzel und so fort. Womöglich wollen sich ja auch die p.t.
Leserinnen und Leser per Posting an dieser schlichten Art der flotten
Werbespot-Erfindung erproben.
Von Christoph Winder
Winders Wörterbuch zur Gegenwart ist ein Work in Progress.
Zweckdienliche Hinweise auf bemerkens- und erörternswerte Wörter sind erbeten an christoph.winder@derStandard.at.