Auftakt im Zivilverfahren gegen Kulterer und Co - Bank will 48 Millionen Euro
Wien - Der Prozessreigen im Umfeld der Kärntner Hypo ist um ein
Zivilverfahren reicher: Das Verfahren der Hypo Alpe Adria Bank International AG
gegen ihre ehemaligen Vorstände Wolfgang Kulterer, Günter Striedinger und Josef
Kircher und andere mit einem Streitwert von 48 Millionen Euro ist am Dienstag am
Handelsgericht Wien gestartet. Eingeklagt werden Schäden, die der Bank aus dem
ersten Vorzugsaktien-Deal 2004 entstanden sein sollen.
Richter Oliver Götsch äußerte am ersten Verhandlungstag "Bedenken gegen die
Schlüssigkeit der Klage". Unklar ist ihm auch die geltend gemachte Schadenshöhe.
Bei der Fortsetzung am 3. Juli soll dann die Frage der Schlüssigkeit sowie jene
einer möglichen Verjährung weiter geprüft werden. Zusätzliche Termine wurden für
Ende September ins Auge gefasst. Eine Unterbrechung des Zivilverfahrens, um auf
das Ergebnis aus dem Strafverfahren gegen Kulterer & Co zu warten, das am
27. März 2012 in Klagenfurt beginnt, hält der Richter für "nicht zielführend".
Dort würden andere Fragen untersucht.
Vorzugsaktien
Kernthema des Zivilprozesses ist der Vorzugsaktien-Deal aus dem Jahr 2004.
Damals hatte die Hypo Alpe Adria Vorzugsaktien der Hypo-Leasing um 100 Mio. Euro
gekauft und im Juli und August an Investoren weitergegeben. Diese hatten ihre
Käufe teils mit Krediten finanziert, die sie von der Hypo-Tochter in
Liechtenstein erhielten. Die garantierte Rendite der Aktien war dabei deutlich
höher als die Kreditzinsen.
Das Geld wurde als Eigenkapital dargestellt, was der Bank Rügen durch
Finanzmarktaufsicht und Nationalbank einbrachte. Die Verbuchung als Eigenkapital
musste geändert werden, was die Banker nicht daran hinderte, 2006 neuerlich
Vorzugsaktien um 100 Mio. Euro aufzulegen und an Investoren zu verkaufen.
Auch dieses Geld wurde in der Bilanz vorerst als Eigenkapital dargestellt.
Bereinigt wurde die Causa erst durch die BayernLB. Sie veranlasste den Rückkauf
aller Aktien, ließ es aber dabei bewenden, Anzeigen gegen die Protagonisten gab
es nicht. Nun versucht die mittlerweile notverstaatlichte Bank, die
Vergangenheit juristisch aufzuarbeiten, was zu einer Fülle an Prozessen führt.
(APA, red, DER STANDARD, Printausgabe, 1.2.2012)