Protest angekündigt

Jobkahlschlag bei Nokia Siemens Networks

31. Jänner 2012, 14:51

In Deutschland fallen 2.900 Stellen weg, in Finnland 1.200, weltweit 17.000

München - Der krisengeschüttelte Netzwerkbauer Nokia Siemens Networks (NSN) streicht in Deutschland ein Drittel seiner Arbeitsplätze. Bis Ende des Jahres müssten 2.900 Mitarbeiter gehen, teilte die Gemeinschaftsfirma von Siemens und Nokia am Dienstag mit. Zudem schließt das Gemeinschaftsunternehmen sein bisheriges Landeshauptquartier in München und verlagert 1.600 Stellen. In Deutschland werde das Geschäft künftig an den fünf Standorten Berlin, Bonn, Bruchsal, Düsseldorf und Ulm gebündelt, teilte NSN am Dienstag mit. Alle anderen Standorte müssen zusperren. In München beschäftigt NSN bisher 3.600 Mitarbeiter. Auch NSN-Finanzvorstand Marco Schröter muss umziehen, er hatte sein Büro bisher in der bayerischen Landeshauptstadt.

Derzeit beschäftigt NSN nach eigenen Angaben rund 9.100 Mitarbeiter in Deutschland. Weltweit will der verlustträchtige Telekommunikationsausrüster 17.000 Arbeitsplätze und damit ein Viertel der Jobs streichen, um sich zu sanieren.

Arbeitnehmer entsetzt

Arbeitnehmervertreter reagierten entsetzt und kündigten Widerstand an. "Wir Betriebsräte werden zusammen mit der IG Metall alles tun, um den Abschied von NSN aus Deutschland zu verhindern", sagte Betriebsratschef Georg Nassauer. "Wir wehren uns zusammen mit den Beschäftigten gegen diesen Kahlschlag", erklärte Gewerkschaftsfunktionär Michael Leppek. "Unser Ziel ist es, durch einen Tarifvertrag zur Zukunftssicherung möglichst viele Arbeitsplätze bei NSN zu erhalten und die Schließung des Standortes München abzuwenden." Am Mittwoch wollen die Beschäftigten vor dem Vorstandssitz in München protestieren.

NSN-Landeschef Hermann Rodler verteidigte die Einschnitte. "Wir müssen in Deutschland diesen schwierigen Schritt machen, um sicherzustellen, dass NSN ein wirtschaftlich nachhaltiges Unternehmen ist." Im Inland werde sich sein Haus auf Forschung und Entwicklung für mobile Breitbandtechnik und optische Netze konzentrieren. In Finnland legt NSN die Axt an 1.200 seiner dort 6.900 Stellen.

Die beiden Mutterkonzerne schwiegen zu der Ankündigung. Siemens hatte bereits in Aussicht gestellt, dass der dritte Sanierungsanlauf der Tochter mit gut einer halben Milliarde Euro im Konzern zu Buche schlagen werde. NSN kämpft seit seiner Gründung 2007 mit Verlusten und wachsender Konkurrenz aus dem Fernen Osten. Für Nokia und Siemens hat sich das Geschäft mit Telefonnetzen zu einem Milliardengrab entwickelt. Erst im vergangenen Jahr pumpten die beiden eine Milliarde Euro in die Sorgentochter. Ein Teilverkauf an Finanzinvestoren war zuvor gescheitert, ein Ausstieg mittels Börsengang gilt unter Experten als aussichtslos. Die Zukunft von NSN als Joint Venture an sich ist ohnedies ungewiss. Die beiden Partner haben sich vertraglich bis 2013 aneinandergebunden. (APA/Reuters)

elduderino
00
zwei einäugige

nsn ist das produkt aus zwei schon lange kränkelnden geschäftsbereichen. eher ein wunder, dass es nsn überhaupt noch gibt. netzwerk lösungen für ein endgerät, dass sich nicht verkauft hat und jetzt die microsoft sw schmiede nutzt.
selbes in himmelblau wie zuvor noch bei siemens. mit dem endgeräteverkauf ist die dahinterliegende netzwerksparte zusammen gebrochen. nokia hat dies einfach nicht kompensieren können...

Bertel Mann
01
31.1.2012, 19:15
Und wie wirkt sich das auf NSN in Österreich aus?

Vielleicht könnte eine Qualitätszeitung ja mehr tun, als APA/Reuters-Meldungen kopieren.

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00
31.1.2012, 16:42
Dass NSN ein neues Logo hat

ist mir bisher irgendwie entgangen.

MB2201
05
31.1.2012, 16:24
Ex-Siemens Mitarbeiter zahlen fuer Managementfehler

Ex-Siemens Mitarbeiter zahlen nun fuer die jahrelangen Managementfehler ihrer Fuehrung.

roa64
22
31.1.2012, 15:49
Kahlschlag

schön wenn es einmal die Deutschen selber trifft.
Ich sage aus eigener Erfahrung, das deutsche Konzerne bislang gerne österreichische Töchterunternehmen bis zum gehtnichtmehr mehr oder weniger legal auspressen und dann wegwerfen.

Edelpiefke
30
31.1.2012, 16:16

Komplexösi, gehässiger.

Prognoseforscher Dr. Tunnelblick
03
31.1.2012, 16:45
stimmt aber leider

zusätzlich ist dann meistens noch die österr. Niederlassung die Spielwiese der manager aus Deutschland die quasi abgeschoben wurden weil sie zu schwach waren in ihrer performance oder sonst irgendeinen huscher hatten...

Herbert Novak1
05
31.1.2012, 15:36
Eigentlich muß ein paar Vorstände in Siemens und Nokia gehen

Eigentlich muß ein paar Vorstände in Siemens und Nokia gehen. Das gemeinsame Unternehmen ist ein Produkt der Obererbsenzähler; aber die erhoffte Synergie ist nicht eingetreten, die Produktpolitik ist daneben gegangen, vor der Joint-Venture waren Siemens & Nokia noch weit vorne am 2. Platz, danach steht NSN auf dem 4. Platz. Statt die falschen Propheten im Management müssen 17.000 Leute gehen. Ohne die 1. und 2. Verwaltungsebenen funktioniert NSN genau so gut.

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