Aber wenig Wissen über ihre gewerkschaftliche Vertretung - Kampagne der GPA-djp für Anrechnung der Schulausbildung auf Lehrzeiten gestartet
Wien - Elf Prozent der Schüler über 15 Jahren gehen neben
der Schule arbeiten, zeigt eine am Dienstag präsentierte Ifes-Umfrage
im Auftrag der GPA-djp (300 Befragte, September 2011). Weitere 51
Prozent arbeiten in den Ferien. Die größte Gruppe unter den
arbeitenden Schülern übt eine angemeldete Nebenbeschäftigung oder
einen Ferialjob (57 Prozent) aus, wie aus den Unterlagen zur heutigen
Pressekonferenz hervorgeht.
Dass die GPA-djp auch Interessensvertretung für Schüler ist, ist
allerdings 43 Prozent der Schülern nicht bekannt. Bei Problemen im
Job würden sich 69 Prozent der Befragten an ihre Eltern wenden, 58
Prozent würden bei ihrem Chef Rat suchen. An die Arbeiterkammer
würden sich nur 22 Prozent, an die Gewerkschaft 13 Prozent und an den
Betriebsrat lediglich acht Prozent wenden.
Die GPA-djp fordert angesichts der großen Zahl arbeitender
Schüler, diese stärker über ihre Rechte und Pflichten aufzuklären.
Passieren soll das in Form von "Berufs-, Bildungs- und
Arbeitsweltorientierung" durch Experten aus Gewerkschaft oder
Arbeiterkammer ab der sechsten Schulstufe. Außerdem fordert die
Schülergewerkschaft die Abschaffung von Pflichtpraktika. Dabei würden
Schüler oft als billige oder kostenlose Arbeitskräfte missbraucht.
Stattdessen soll es Programme zur Berufserfahrung während der
Unterrichtszeit mit kollektivvertraglicher Entlohnung geben.
Der GPA-djp-Vorsitzende Wolfgang Katzian kündigt in den
Presseunterlagen zudem eine Informations- und Mobilisierungskampagne
an den berufsbildenden mittleren oder höheren Schulen (BMHS) an, bei
der es um die Anrechnung von Schul- auf Lehrzeiten geht. Derzeit
würden jedes Jahr BMHS-Absolventen trotz abgeschlossener
Berufsausbildung von Unternehmen in die für diese wesentlich
billigere Lehrlingsausbildung gedrängt. Der Unterschied mache etwa
bei der Arbeit in einem Reisebüro im ersten Jahr mehr als 13.000 Euro
aus. Eine Einigung in den seit Jahren laufenden Verhandlungen ist
laut Katzian im vergangenen Jahr am Widerstand der Wirtschaftskammer
gescheitert. (APA)