US-Forscher: Wernicke-Zentrum liegt vor dem auditiven Cortex und nicht dahinter, wie lange Zeit angenommen wurde
Washington - Lange Zeit hatte man angenommen, dass sich das Sprachzentrum im hinteren Teil der Großhirnrinde
befindet, und zwar hinter
dem für die Verarbeitung von Geräuschen zuständigen sogenannten auditiven Cortex. Nun stellte sich heraus, dass dies offenbar ein jahrzehntealter Irrtum war. Für eine
am Montag in der Fachzeitschrift "Proceedings of the National Academy of
Sciences" (PNAS) erschienene Studie werteten Forscher des medizinischen Zentrums
der Georgetown University in Washington, D.C., mehr als 100 Untersuchungen zur Gehirnaktivität aus.
Sie suchten dabei nach dem genauen Ort des für die Verarbeitung von Sprache
zuständigen sogenannten Wernicke-Zentrums.
Vor auditivem Cortex
Den Forschern zufolge liegt das nach dem deutschen Neurologen
Carl Wernicke benannte Zentrum tatsächlich drei
Zentimeter weiter vorne und damit vor dem auditiven Cortex. "Die Lehrbücher
müssen nun neu geschrieben werden", sagte Studienautor Josef Rauschecker.
Die Forscher erhoffen sich von ihrer Erkenntnis neue Möglichkeiten bei der
Behandlung von Patienten mit Hirnschäden. "Wenn ein Patient nicht sprechen kann,
oder Sprache nicht versteht, dann wissen wir jetzt ziemlich genau, wo der
Schaden sich ereignet hat." Die Arbeit basiert auf 115 Studien, bei denen die
Hirnaktivität mittels Magnetresonanz-Tomographie (MRI) oder
Positronen-Emissions-Tomographie (PET) untersucht wurde. (APA, red)