Kombinations-Brandmauer

Riesen-Rettungsschirm soll 1,5 Billionen schwer werden

31. Jänner 2012, 16:12

Regierungs- und IWF-Vertreter sollen an einem Kombipaket basteln, das aus verschiedenen Töpfen gespeist wird

Hamburg - In der europäische Schuldenkrise soll die "Brandmauer" einem Pressebericht zufolge viel höher ausfallen als bisher geplant. Wie die "Financial Times Deutschland" ("FTD") ohne Nennung von Quellen berichtet, seien beim Weltwirtschaftsforum in Davos darüber vertrauliche Gespräche zwischen ranghohen Regierungs- und IWF-Vertretern geführt worden. Dabei sei es um eine Kombination dreier Rettungsschirme gegangen, wodurch das Gesamtvolumen des neuen Schutzwalls auf insgesamt 1,5 Billionen - 1.500.000.000.000 - Euro ansteigen soll. Der ständige Euro-Rettungsschirm ESM, der im Sommer an den Start geht und den aktuellen Schutzschirm EFSF ablösen wird, verfügt bisher über ein Drittel dieser Summe. 

Das Vorhaben, für das die EU-Kommission laut "FTD" schon einen Zeitplan ausgearbeitet hat, wurde demnach von US-Finanzminister Timothy Geithner, IWF-Chefin Christine Lagarde, EZB-Chef Mario Draghi und den Finanzministern Deutschlands und Frankreichs, Wolfgang Schäuble und Francois Baroin, besprochen. Erreicht werden soll die Gesamtsumme laut dem Blatt durch eine Kombination von ESM und EFSF sowie durch zusätzliche Mittel des Internationalen Währungsfonds (IWF).

Am Montag hatten die Staats- und Regierungschefs der EU auf ihrem ersten Gipfel im Jahr beschlossen, den permanenten Rettungsschirm ESM vorzuziehen und schon ab Juli einzuführen. Die deutsche Kanzlerin Merkel will auch in China um das Vertrauen in die Währungsunion werben. Dabei wird in der deutschen Regierung nicht ausgeschlossen, dass China doch noch einen Beitrag leisten könnte zur "Hebelung" der Gelder des Euro-Rettungsschirms. Zugleich signalisierte die deutsche Regierung ihre Offenheit für weitere Direktinvestitionen. Außerdem einigte man sich auf dem Gipfel auf einen Fiskalpakt für eine stärkere Budgetkontrolle. Neben den 17 Euroländern wollen auch acht Nicht-Euro-Staaten in der EU den Pakt unterschreiben - nur Großbritannien und Tschechien treten nicht bei.

Athen ringt um Schuldenschnitt

In Griechenland gehen unterdessen die Bemühungen um eine Lösung in der Krisenfrage weiter. Griechenlands Regierungschef Lukas Papademos hat neue Hoffnungen auf eine baldige Einigung über einen griechischen Schuldenschnitt geweckt. Papademos hatte sich nach einem Treffen mit Vertretern der Europäischen Zentralbank (EZB) und der Europäischen Union in der Nacht zuversichtlich gezeigt, die Verhandlungen über einen Forderungsverzicht privater Gläubiger bis Ende der Woche unter Dach und Fach zu bringen. Der Schuldenschnitt gilt als wichtige Voraussetzung für das zweite griechische Hilfspaket, das die Zahlungsunfähigkeit des hoch verschuldeten Landes abwenden soll. 

Glaubt man der EU-Bankenaufsicht EBA, würde ein griechischer Schuldenschnitt keinen zusätzlichen Kapitalbedarf für Europas Banken bedeuten. Die Institute könnten die dann fälligen Wertberichtigungen mit dem Eigenkapitalpuffer verrechnen, den sie im Rahmen des jüngsten europäischen Blitzstresstests ohnehin anlegen müssen, sagten zwei mit den Überlegungen der EBA vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Mit dem Puffer sollen die Folgen der Euro-Schuldenkrise abgefedert werden. Die wichtigsten europäischen Kreditinstitute müssen nach dem Willen der EBA bis Ende Juni auf eine Kernkapitalquote von neun Prozent kommen, und zwar auch unter der Annahme, dass alle Staatsanleihen auf Marktwert abgeschrieben werden. Die Kapitallücke der Banken beläuft sich in diesem Blitzstresstest auf knapp 115 Milliarden Euro.

EZB sorgt für Geld

Die EZB sorgt inzwischen dafür, dass die Banken mit genügend Euros versorgt werden. Weil das Misstrauen der Banken untereinander enorm groß ist und vor allem südeuropäische Institute kaum noch an Geld kommen, pumpten die Währungshüter schon im Dezember eine knappe halbe Billion Euro in den Markt. Für Ende Februar ist ein zweiter sogenannter Langfrist-Tender mit einer Laufzeit von drei Jahren geplant. Wenn stimmt, was aus Finanzkreisen zu hören ist, dann dürfte die Notenbank an diesem einen Tag die Banken der Eurozone mit mehr als einer Billion Euro überschütten, berichtet das "Handelsblatt". Damit sollen Pleiten à la Lehman Brothers verhindert werden.

Doch war eigentlich weithin erwartet worden, dass die Banken das Geld vor allem für ihre eigene Refinanzierung nutzen. Das billige Geld der EZB hat die Stimmung offenkundig geändert. Die Institute schlagen nun zwei Fliegen mit einer Klappe: Sie streichen eine ordentliche Rendite ein und häufen obendrein mehr Papiere an, die sie im Notfall bei der EZB als Sicherheit hinterlegen können. "Die EZB-Aktion war wichtig", gibt ein europäischer Topbanker zu. "Wahrscheinlich hat sie uns vor dem Abgrund bewahrt. Aber der Markt hat in jedem Fall etwas Zeit gewonnen, die Dinge wieder ins Laufen zu bringen." (APA/Reuters/rom, derStandard.at, 31.1.2012)

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courios
 
01
Die traurige Wahrheit?

Leider kennt sich bei der Krise keine Sau mehr richtig aus! Auch die "Fachleute" nicht.

In einem System wo Computer mit- und untereinander traden kann der Mensch Hände falten und Pappen halten.
Oder Rettungsschirme basteln.

Roter Baron
00

in einem system begrentzer ressourcen
an unbegrenzte gewinne zu glauben...
da würd ich mir das schirmchen an den hut stecken
oder auf vanille-eis.

roter baron

F S 3
05
:) Ein Frage an alle geistig noch Funktionierenden: Wie ist das mit einem angeblichen "Rettungsschirm", der bereits selbst viel zu schwer ist? …

…Bremst der eigentlich irgendwas, oder beschleunigt er eher den freien Fall noch?

Der österreichische Aspekt (ESM-Lehrvideo-Link inside):
http://derstandard.at/plink/132... 4/24647478

Ein alter Plan:
http://derstandard.at/plink/132... 4/24652628



War on 'error, Folge 9,81: "Phallschirme aus Stahlbeton"

Pierre d´Aubusson
01

Ich hab grad mit dem Architekten telephoniert: Zubau bis an die Grenze des Erlaubten. Freie Ackerflächen, die man kaufen könnte, gibts in der näheren Umgebung keine mehr, die Immobilienpreise für Häuser sind schon zu hoch...
Unten am Grundstück noch den Stadel doppelt so groß. Und ein neuer Traktor wär auch fällig.
Was das mit dem Rettungsschirm zu tun hat?
Inflation! Und wenn sie kommt, dann hab ich kein Geld mehr, nur Sachwerte, die auch produzieren...

Oddo Wolf
00

Vielleicht hätten sie die 1500 Mrd. besser in Gold anlegen sollen +10% in 1 Monat.

MrFooBaer
00
wär ca 1/4tel

Weils schon vorher mal in den Diskussionen vorkam, hab ich mal nachgegoogelt:

http://de.wikipedia.org/wiki/Goldreserve sagt:
"[...] Die gesamte, jemals geförderte Goldmenge wurde Ende 2009 auf etwa 165.000 Tonnen [...]"

Wofram Alpha sagt: http://www.wolframalpha.com/input/?i=... illion+EUR

"165000000kg gold in EUR / 1.5trillion EUR" = 4.29.

Dh. man könnte mit der Summe 1/4-1/5 der gesamten jemals geförderterten Goldemenge kaufen... eh nicht schlecht.

higgs - wozu?
10

theoretisch gar nicht deppert - alleine durch die investitation würd der goldpreis auf ca. 10.000 usd die unze klettern - nur verscherbeln kannst es dann nicht mehr, weil keiner mehr genug geld hat um es zu kaufen, und jene die das geld haben, den esm sowieso direkt als zinsen bekommen - also keinen grund haben das teure gold zu kaufen.

der plan scheitert an der praxis;-))

Oddo Wolf
02

Nicht verkaufen! Den Euro-"Neu" (zinsfrei) mit dem Gold decken und den Draghi mit dem Ruderboot nach Amerika schicken.

F S 3
06
Ein super Vorschlag - aber DER wird leider sicher nicht durchgeführt werden, weil der Plan etwas ganz anderes vorsieht, als normalen Menschen wie du und sie - oder auch Fern-Seher, wie mich - zu mehr Wohlstand und Eierkuchen zu verhelfen…

…Wie das FS3 hier bereits vor Jahren darlegte, ergeben sich diese ganzen Kalamitäten um Euro-Dollar-Irgendwas ganz einfach, weil sie von jenen SO GEWOLLT sind, denen Stabilität und Wohlstand der 99% so etwas von egeal sind, wie nur was.

Das Einzige, was für diese "Eliten" zählt, sind Machterhalt und ihr eigenes Fortkommen.

Und dazu ist es erst einmal notwendig sämtliche Nationalstaaten der Welt den Bach hinuntergehen zu lassen, um ihren eigenen Gesamtstaat mit digitaler "Sei-ja-brav-Währung" einzuführen, um völlige (in ihrer Einbildung) Kontrolle über dich herbeizufantasieren und alle anderen als "Terroristen" ihrer geistigen Wolkenkukuksheime brandmarken zu können.

Der ESM ist der logische, nächste Schritt - aber noch nicht das Ende.

zickzack
02
?

Muß man das nicht eigentlich so sehen das diese Eliten zutiefst erschreckte, traumatisierte Individuen sind die rund um die Uhr von der Angst geplagt werden alles zu verlieren?

Das ist auch der Grund warum sie sich so schrecklich aufbäumen gegen die Trends der Zeit!

Wär besser wenn sies von sich aus verschenken! Dann wären sie wohl auch ihre Angst los.

Fríede sei mit Ihnen!

Oddo Wolf
01

Glaub ich nicht. Für die läuft alles nach Plan (inkl. Bürgerkrieg)

higgs - wozu?
01

naja - eine goldwährung ist nicht die ideallösung, weil es sich dann beim geld erst wieder um ein produkt handelt, und um kein hilfsmittel - des weiteren ist der letzte versuch eine goldwährung zu etablieren für den erfinder einwenig in die hose gegangen - hieß afrikansicher dinar, das ding, und sein erfinder hieß gadaffi;-).

das geld gehört ausschließlich durch die wirtschaftsleistung gedeckt - dh.: geldmenge = wert der waren und dienstleistungen.
dafür darf das geld aber nicht verzinst sein, weil es sonst immer der wirtschaft davonwächst, in seiner menge - wenn wir die geldmenge entzinsen und fix an die wirtschaft koppeln, haben wir erstmalig eine stabile währung die auch gedeckt ist!
mmn. die ideallösung

F S 3
02
Wie wärs mit Gelderzeugung, basierend auf TATSÄCHLICHEN WERTEN? Wie etwa…

…auf die Energiegewinnung - wie das FS3 hier bereits darlegte.

Für jede KWh, die im Staat jemand produziert, kann ein "Wattro" gedruckt werden.

zickzack
02

Bitcoin ist in etwa ein ähnliches Projekt das ist nämlich im Moment auch an die Energiegewinnung gekoppelt.

Wäre nicht die richtige Lösung eine Art Freigeld nach Gesells Vorbild??

Anaxagoras
60
Der einzig richtige Weg!!!!!

Oddo Wolf
00

Der einzig richtige Weg?
Der Standard hat den online-Zugang zum Artikel gekappt. Die Diskussion ist wohl zu heiß gelaufen.

Dagmar Rehak Wien
 
01

Nein, Oddo, es ist alles noch da. Du hast nur nicht genau geschaut. Bis auf der Einstiegsseite ist in jedem Unterkapitel ein Link hier her.

peace & love
01
steht in schwerem gegensatz ....

... zum omnipräsenten 'alles ist voll in ordnung & unter kontrolle' - geschwafel.

diese herrschaften verkaufen sogar noch einen schuss ins knie als erstrebenswerte glanzleistung.

Superhead
 
05
Retungsschirm: +6.000 € pro Erwerbstätigem in der EU

Super! Jetzt hafte ich für weitere 6.000 €, aber dafür ist die FI endlich und endgültig gerettet. Alle sind beruhigt.

btw.: Das Kapital der einen sind die Schulden der anderen.
Es ist wie im Mittelalter: Die Experten diskutieren darüber, ob die Erde eine Scheibe ist, doch unser Geldsystem wird in den Medien ja nicht diskutiert. Ich hoffe, ihr versteht den Vergleich.

Zinseszins abschaffen. Funktioniert einfach nicht.

OttotheBusdriver
13
Die EZB sorgt inzwischen dafür, dass die Banken mit genügend Euros versorgt werden.

Wie machen die das?
Haben die bisher so viel gespart?

Oder wird dieses "Geld" einfach per Knopfdruck am Computer "erzeugt"?

Ist das Geld, das ICH mir mit einem Vollzeitjob erarbeite dasselbe, das diese EZB einfach so generiert? Eines dieser Gelder muß völlig wertloses Spielgeld sein - hoffentlich nicht meines.

Aber bei dieser Allianz aus Politikern und Bankstern wird wohl mein Geld bald wertlos sein.

Don Quixote1
00
Was wäre wenn?

EZB schöpft das Geld, gibt den Staaten direkt weiter, ( dei holen es nicht am freien Markt von den Banken) die Zinsen dafür fließen in die Staatskassen zurück, da die EZB keine Gewinne macht. Die Banken sind nicht dazwischengeschaltet, stopfen die Taschen nicht voll, da die von Beteiligung an Rettungen und Risiken eh nichts wissen wollen.

zickzack
00

Leider muß man da auch beachten das die EZB von den Nationalbanken gehalten werden die bis auf wenige ausnahmen privat sind!! Tja und schon wieder fließt das Geld dank Zins zinseszins, und Geldschöpfung aus der Luft in die Hände von privaten. Und die Schulden steigen exponential und sind jbald so lächerlich hoch das niemand mehr weiß ob er lachen oder weinen soll!?!

Don Quixote1
00

Falls die Geldschöpfung grundsätzlich nur der EZB zusteht und nicht den Privaten, besteht das Problem nicht. Das Problem ist es überhaupt durchzusetzen gegen Ackermann und Co. mit Witzfiguren wie Merkel.

zickzack
00

leider ist die EZB zum größten teil privat

Don Quixote1
00

Na und? Jetzt kriegen die Banken von EZB Geld um 2% Zinsen, das den Staaten für 8% und mehr Weitergegeben wird. Wenn die Geldschöpfung durch Kreditvergabe eingestellt wird und die unnötige Beteiligung der Banken gestrichen wird, werden die unseligen Zinsen und Zinseszinsen auch ausgeschaltet. Die Banken kehren zu ihren ursprünglichen Funktion - nämlich, günstige Kredite für die Wirtschaft zu sichern - zurück, und kann das Geld als Ware oder Produkt in Vergessenheit geraten.
Viele werden sich quer legen, aber das ist der Weg. Zu erst muss aber allgemein verstanden werden, dass es kein Wirtschaft der Erde die Zinsen bedienen kann, und jetzt Geldschöpfung aus dem nichts betrieben wird.

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