Impfungen: Was Senioren von Jungen unterscheidet

Untersuchung warum das Immunsystem älterer Personen, insbesondere auf Erstimpfung, schwächer reagiert als das jüngerer Personen

Wien - Wiener Virologen haben herausgefunden, welche weißen Blutkörperchen nach einer erstmaligen Impfung bei älteren Menschen schlechter ansprechen und warum ihre schützende Reaktion im Endeffekt schwächer ausfällt: Es handelt sich offenbar um eine Kombination von eingeschränkten Funktionen von B- und T-Helferzellen.

"Wir haben am Beispiel der Impfung gegen die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME, Anm.) untersucht, warum das Immunsystem älterer Personen, insbesondere auf Erstimpfung, schwächer reagiert als das jüngerer Personen. Für solche Untersuchungen eignet sich die FSME-Impfung besonders gut, weil es - im Gegensatz z.B. zur Influenza - junge und ältere Personen gibt, die noch nie Kontakt mit dem FSME Virus hatten und auch nie gegen FSME geimpft wurden", sagte Judith Aberle vom Department für Virologie der MedUni Wien.

Die Vorgehensweise

21 Senioren zwischen 60 und 80 Jahren und zwölf Personen zwischen 20 und 30 Jahren wurden zunächst zweimal gegen FSME geimpft, nach einem Jahr erfolgte die dritte Impfung für einen längeren Impfschutz.

Begleitend dazu wurde in Blutproben zunächst nach jeder Teilimpfung untersucht, wie stark das Immunsystem mit der Bildung von B-Gedächtniszellen reagierte. Diese Immunzellen sind für einen langanhaltenden Impfschutz verantwortlich und produzieren bei Kontakt mit dem Virus sehr schnell Antikörper.

Immunantwort fällt bei Senioren schlechter aus

Judith Aberle: "Unsere Ergebnisse zeigten zunächst einmal, dass die FSME-Impfung bei jungen Menschen eine starke Antikörper und B-Gedächtniszellantwort hervorrief. Bei älteren Personen war die Zahl der spezifischen B-Gedächtniszellen, die gegen das FSME-Virus gebildet wurden, dreifach niedriger als bei den jüngeren Probanden."

Zwar führte die dritte Teilimpfung nach einem Jahr in beiden Altersgruppen zu einem vergleichbaren Anstieg der B-Gedächtniszellen, doch die eigentliche Immunantwort mit der Bildung von Antikörpern fiel bei den Senioren trotzdem deutlich schlechter aus.

Der offenbare Grund dafür, so die Virologin: "Für die Bildung von Antikörpern durch die aktivierten B-Zellen sind auch funktionsfähige T-Helfer-Zellen (CD4-positive Zellen, Anm.) notwendig. Und deren Zahl ist laut den Befunden bei älteren Menschen stark verringert."

Notwendigkeit kürzerer Impfintervalle

Die wissenschaftliche Arbeit, die jetzt online in der Fachzeitschrift "Age" herausgekommen ist, ist nicht nur für die FSME-Impfung aussagekräftig. Die Expertin: "Die Ergebnisse sind auch von allgemeiner Bedeutung für Impfungen, die erstmals in höherem Alter gegeben werden."

Jedenfalls stützen die Ergebnisse die Notwendigkeit kürzerer Impfintervalle bei Senioren, wie sie in den österreichischen Richtlinien zur FSME-Impfung empfohlen werden. (APA)

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