Die "Juden von heute" wurden schon mehrfach bemüht

31. Jänner 2012, 12:08
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Eine Zitatsammlung von Jörg Haider über Ariel Muzicant bis Heinz-Christian Strache

Die Aussage "Die Juden von heute", die FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache am Burschenschafter-Ball getätigt hat, wurde im Laufe der Zeit schon öfter bemüht. derStandard.at hat einen Blick ins Archiv geworfen:


25.5.1993

FPÖ-Chef Jörg Haider wehrt sich gegen die Ausgrenzung der FPÖ. Die Freiheitlichen seien die "Juden von heute", meint er in einem Interview mit der Zeitschrift "Wiener".

Im Wortlaut sagt Haider im "Wiener"-Interview, in dem es um den damaligen Kanzler Franz Vranitzky (SPÖ) geht:

"Wiener: Und so würden Sie Franz Vranitzky einschätzen?

Haider: Er hat solche Grundzüge auf alle Fälle, denn ansonsten müßte er sich ja nicht einer solchen Methode bedienen. Das ist das Zeichen von solchen Systemen, daß man Menschen, die einem unangenehm sind, Gruppen, vor denen man Angst hat, gesellschaftlich an den Rand oder abseits zu stellen versucht. Die Methode: Kauft nicht bei Juden, sprecht nicht mit Juden, das haben wir alles schon gehabt.

Wiener: Und die Juden von heute, das ist die FPÖ?

Haider: Das ist die FPÖ, ja."

Am 27.5.1993 begründet Haider seine Aussage im "Kurier" damit: Ein Teilnehmer an einer FPÖ-Wahlkampfveranstaltung habe kurz danach eine ungerechtfertigte Steuervorschreibung erhalten. Daraus schließe er, dass jemand, der sich zur FPÖ bekenne, Nachteile zu erwarten habe.

22.9.1994

Der Journalist Hans Pretterebner, der frisch zur FPÖ gestoßen ist, erläutert in einer Pressekonferenz die Ausgrenzung der FPÖ. In diesem Zusammenhang spricht er von "zutiefst undemokratischen Vorgängen", "Intoleranz", "massiver Feindbildung" und den "Juden von heute".

28.9.1999

Im Rahmen einer Aktion der Kirchen gegen Ausländerhetze als Reaktion auf die FPÖ-Wahlkampagne spricht der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde, Ariel Muzicant, von einer "Vergiftung der Gesellschaft", die in einer Krankheit enden werde. Er fühle sich an das, "was unser Land in den 30er Jahren erlebt hat", erinnert. Österreich drohe nun auch massiv an internationalem Ansehen zu verlieren. Angesichts der Tatschae, dass es zu wenige Juden in Österreich gebe, seien jetzt die Ausländer als "neue Juden" den Angriffen ausgesetzt.

17.9.2011

Finanzministerin Maria Fekter reagiert auf umstrittene Aussagen des polnischen Finanzministers und EU-Ratsvorsitzenden Jacek Rostowski. Angesprochen auf Rostowski, der gemeint hat, wenn Europa so weitermache, könne es zum Krieg kommen, sagt Fekter: "Auch ich habe mir schon große Sorgen im Hinblick auf die verstärkten Nationalismen, die wir haben, gemacht. Außerdem bauen wir gerade enorme Feindbilder in Europa gegen die Banken, die Reichen und die Vermögenden auf. So etwas hatten wir schon einmal, damals verbrämt gegen die Juden, aber damals waren ähnliche Gruppierungen gemeint. Es hat das zweimal in einem Krieg geendet." Jedenfalls "müssen wir uns wirklich alle anstrengen, damit so ein Szenario mit Sicherheit nicht kommt". Nach einer zweitägigen Nachdenkpause entschuldigt sich Fekter für den Vergleich.

27.1.2012

FPÖ-Obmann Heinz-Christian Strache vergleicht sich auf dem WKR-Ball mit den Opfern der Nazis: "Wir sind die neuen Juden", sagt er zu Ballgästen, ohne zu wissen, dass Journalisten in der Nähe sind. Die Angriffe auf Burschenschafter-Buden vor dem Ball seien "wie die Reichskristallnacht gewesen". (rasch, derStandard.at, 31.1.2012)

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