Rechtsextremismus

Nichts als Polemik

Leser-Kommentar | 6. Februar 2012, 10:37

In Österreich braucht es endlich eine schonungslose, offene und radikale Kampagne gegen den Faschismus

Jetzt ist er endlich vorbei, der umstrittene Burschenschafterball, und vor allem die Wiener atmen wieder auf: "Gut is' gangen - nix is g'schehn." Die versammelten Demonstranten vor der Hofburg waren sogar so freundlich, mit einem kleinen Feuerwerk für noch mehr gute Stimmung zu sorgen, die Würstelstandbesitzer hatten alle Hände voll zu tun, jedermann gab seinen Senf dazu - süß oder scharf - und Würstln waren überall zu finden. Der Rest war nichts als die übliche Polemik gegen rechts.

Überzeugungskraft fehlt

Es ist etwas Sonderbares um die derzeitige Regierung: Alles, was sie in die Hand nimmt, vermurkst sie, und so verwundert es auch nicht, wenn man ihr nicht einmal die Polemik gegen den Rechtsextremismus so richtig abnimmt. Was waren das nicht für lautstarke, aber substanzlose Tiraden, welche wir all die Jahre gegen den Rechtsextremismus zu hören bekamen, und jetzt hat der Ministerrat endlich beschlossen, dem tollwütigen Zahntechniker einen Orden umzuhängen, damit der Glanz dieser Ehrenmedaille auf dem berüchtigten Burschenschafterball erstrahle und von drei vollen Krügeln Bier reflektiert werde.

Wenn unsere Damen und Herren Politiker aus dem Klub der roten Dichter gegen den Rechtsextremismus polemisieren, fehlt ihnen trotz aller Lautstärke stets die Überzeugungskraft, es hört sich so an wie: "Der Rechtsextremismus ist pfui!"

Eine ernsthafte Bemühung, mit schlagkräftigen und sachlichen Argumenten zu operieren oder gar die abgefallenen Wähler wiederum zum Guten oder Vernünftigen bekehren zu wollen, fehlt eigentlich vollständig. Man hat sich als Antifaschist "geoutet" und seiner öffentlichen Pflicht damit Genüge getan.

Auch das muss nicht verwundern, wenn man bedenkt, dass die rechtsextreme Szene auf verdeckte Sympatisanten beim Verfassungsschutz zurückgreifen kann und auch weder die Staatspolizei noch den Staatsanwalt allzu sehr fürchten muss.

Ein wenig klingt das alles nach Weimarer Republik. Letztlich muss auch wieder einmal gesagt sein, dass die freiheitliche Partei ihre parlamentarische Präsenz vor allem dem Sozialisten Kreisky zu verdanken hat.

Vielleicht ist dies aber auch nur die letzte Konsequenz einer Demokratie gewesen, die Redefreiheit für alle zu garantieren. Dennoch stört in dieser Eintracht natürlich nur das hinterlistige Verbot der Wiederbetätigung, was hinter den Kulissen der Parteipolitik jedoch niemals so eng gesehen wurde, man war ja kulant. Man gönnt sich sogar gegenseitig einen Orden, wenngleich sich die also Dekorierten eigentlich fragen müssten: "Wos woar mei Leistung?"

Von der Vergangenheit überwältigt

Freilich rächt es sich jetzt, dass man jahrzehntelang lieber harmlose "Grasraucher" schikaniert hat, anstatt mit aller gebotenen Strenge der Wiederbetätigung zu Leibe zu rücken. Natürlich war es auch fatal, dass sich Österreich gleich nach dem Krieg auf die "Moskauer Deklaration" von 1943 berief und zum "ersten Opfer Hitlers" avancierte; dieser Opfermythos, der gegenüber den Alliierten zweifellos sehr praktisch war, befreite die Österreicher von jeder Verantwortung und wurde so lange wiederholt, bis schließlich ganz Österreich daran glaubte als eine unverbrüchliche Wahrheit.

Manchmal hat man überhaupt das Gefühl, diese Nazis seien gleich den Mongolen unter Dschingis Khan ein wildes Reitervolk gewesen, das von weither aus der Steppe kam, Österreich überfiel und dann wieder spurlos verschwand.

Eine Zeit lang gab es sogar überhaupt keine Nazis, hatte es nie gegeben, und keiner war dabei gewesen.

Aber hinter den Kulissen sah es anders aus. Zwar spricht man immer wieder von "Vergangenheitsbewältigung", jedoch stellt es sich immer wieder heraus, dass wir vielmehr von unserer Vergangenheit überwältigt werden.

Viele junge (kahlgeschorene) Leute sagen: "Wir sind für die Hitlerei nicht verantwortlich, wir wissen nichts davon." Und es ist wahr, sie wissen wirklich nichts davon. Wo sollten sie das Wissen darüber auch hernehmen? Aus der Schule vielleicht? Da wird allerdings nur äußerst oberflächlich und pro forma über diesen dunklen Abschnitt der Geschichte referiert, schon alleine, um das peinliche Kapitel über den Austrofaschismus rasch überspringen zu können.

Dafür kommt ja alle paar Jahre ein mehrbändiges Werk über den Zweiten Weltkrieg auf Glanzpapier heraus, wo man alle Waffengattungen, Uniformen und Schlachten auf den Feldern der Ehre nachschlagen kann. Vielleicht wären viele dieser jungen Leute gar keine Nazis geworden, wenn sie jemand anderen gefunden hätten, der ihnen ein Bier spendiert und ihnen zugehört, sich für ihre Probleme interessiert hätte.

Leider war aber nur der Klub des Zahntechnikers zur Stelle, sich dieser Aufgabe zu widmen, weil sich die anderen zu gut dafür waren und sich lieber ihre Orden im Schubkarren nachführen lassen - und gute Geschäfte dabei ausbaldowern. (Künstler nicht ausgenommen).

Es ist aber nun einmal nicht alles ein Geschäft im Leben. Wenn man wirklich und tatsächlich gegen die Gespenster von gestern (und vielleicht von morgen) auftreten will, dann muss man als Regierung eben ein paar Euro springen lassen, um eine effektive und durchgreifende Aufklärungskampagne auf die Beine zu stellen, auch wenn damit am gängigen Dogma der Sparprogramme gekratzt wird.

Jeder Unternehmer weiß, auch in der Krise muss investiert werden, und ein Staat ist nicht alleine ein Unternehmen, es gibt auch einen Bildungsauftrag. Obwohl auch hier die Gefahr besteht, dass diese Regierung alles, was sie in die Hand nimmt, wieder einmal vermurkst.

Warum bekommt man in diesem berühmten ORF keine anständige antifaschistische Kampagne zu sehen? Einen richtigen Schocker mit zeitgenössischen Aufnahmen und schonungslosen Berichten, damit die jungen Leute sehen, wie es damals wirklich gewesen ist.

Weil sich der Österreicher selbst damit kompromittieren könnte? Zum Teufel mit den Wehleidigen!

Es geht doch jetzt ums Ganze.

Warum wird in den Schulen nichts getan, um das Bewusstsein der jungen Menschen zu wecken?

Freilich war die Polemik groß, weil der Burschenschafterball just am internationalen Holocaust-Gedenktag stattfinden musste. "Ja, ja", konnte man allerorts hören, "der Holocaust-Gedenktag ist wichtig" - aber welche großangelegte Veranstaltung gab es denn an diesem Tag, um als Gegenveranstaltung zum Burschenschafterball gelten zu können? Da und dort einen kleinen Vortrag und im ORF die "Gedanken für den Tag"; alles im netten Plauderton. "Wissen S', was i ma denk für den Tag?", spräche der Travnicek. "I denk österreichisch - wissen S' eh ..."

Es scheint, als hätten die Leute, die vor der Gefahr warnen, selbst die Ausmaße der Gefahr noch nicht erkannt. Wenn die rechtsradikale Agitation radikal wird, muss eben die antifaschistische Aufklärung ebenso radikal werden, sie muss ebenfalls die Massen bewegen können. Freilich müsste sich auch das Verhältnis zwischen der Regierung und den Regierten drastisch verändern.

"Aufklärung? Sollen's im Internet nachschauen, die jungen Leut'" - das genügt nicht. Man macht es sich zu einfach, wie diejenigen, die ihre Kinder vor den Computer setzen, damit sie nicht lästig sind.

Was unsere Zeit braucht, ist endlich eine schonungslose, offene und radikale Kampagne gegen den Faschismus. Und dann möchte ich die jungen rechtsradikalen Schreihälse sehen, ob es ihnen nicht auch die Hälse zuschnürt, wenn sie auf alten Originalaufnahmen sehen, wie die kleinen Kinder in die Baracken getrieben werden, wo die Gaskammern sind, und ein SS-Häuptling zynisch dazu grinst. Dann möchte ich diese Rechten sehen, ob ihnen nicht auch die Tränen kommen.

Und dann reden wir weiter. (Leserkommentar, Roman Müller-Balač, derStandard.at, 6.2.2012)

Autor

Roman Müller-Balač, Jahrgang 1967, ist freischaffender Autor und dilettierender Historiker. Er lebt seit 1997 in Chile.

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Frodo Der Hobbit
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setzkastenohnmacht

nach dem überschlafen, es fehlt mir mehr als die hälfte. hilflos.
diese trennung der themen und grad haben wir ball. da verknüpft sich nichts konstruktives. die rechtsrechten verknüpfen sich.

das bollwerk gegen faschismen und nazitümer:
gandhi, jose rizal, martin luther king, befreiungstheologie, und vor allem die 68er bewegungen, woodstock, auch die frz. 68er künstler, und die hainburg-grünen.
dämmerts?

dies alles ist es, was gezielt zerstört und unter den teppich der gutmenschlichen geschichte gekehrt wurde, vereinnahmt, korrumpiert, unterwandert, umdefiniert.
durch wen? die kissinger cabale, schwarzblau, die transatlantiker, die öl-connection.

Frodo Der Hobbit
00

weils eh klar ist, aber ich vergass die medienzaren, deren köpe tief im hinterteil dieser gobalen faktoren stecken, denn daraus kommt macht und geld für die.
von murdoch bis dichand clan, bertelsmänner (sind bereits voll-player), u.v.m.

Frodo Der Hobbit
00
alltagskultur

worauf begründet sich denn jede durchsetzungsfähigkeit und autorität? zb im vergleich zu moderneren ländern?
was zählt, sind stand und machtmittel. und von da geht demütigung aus.
argumente? aber klar, wir sind keine faschisten, wir überzeugen unsere wähler.
schwarzblau war bahnbrechend.

Tornos
01

Inhaltlich durchaus richtig. Aber der Stil ist grauenhaft.

Peter Sichrovsky
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Banalitäten

Kann jemand dem Autor dieses banalen Meisterwerks einmal den Unterschied zwischen Faschismus/ Nationalsozialismus und einer Rechten Partei in einer Demokratie erklären?
Dieser Wischi-Waschi Rundumschlag ist mehr als peinlich und sollte auch dann nicht eröffentlicht werden, wenn es NUR eine perösnliche Meinung ist.
Wie oft muss man sich als Österreicher noch anhören, dass es keine AUFARBEITUNg (was immer das sein soll) der Nazi-Zeit gab und Österreicher die "schlimmeren" Nazis waren?
Bis zum Einmarsch der Deutschen gab es in Österreich keine KZ, keine Rassengesetze und keine gesetzliche Ausgliederung der jüdischen Bevölkerung.
Diese Form der kollektiven Barbarei war und bleibt eine Meisterleistung der Deutschen.

dasandere
30
Leider,

1:0 für den Artikel.

rari
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das was da Neonazis genannt wird...

sind mehrheitlich Pubertierende, denen es Spass macht in ihrer angestauten irrationalen Wut der eigenen Unfähigkeit, diese an ihrer Umwelt gewaltsam auszulassen. Das sollte auch präventiv (rechts und links) erkannt werden und DEM sollte entgegengewirkt werden. Solange Teile unserer Kultur und viele Medien dieses Spannungsfeld aus Sensationsgier vermarkten, kann man mit Fug und Recht behaupten, daß wir aus der Vergangenheit nichts gelernt haben. Ja schlimmer noch: die Symbole werden andere, um die Gesetze zu umgehen, die Menschen-Hetze bleibt die gleiche, wie vor 50, 70, 110 usw. Jahren.
Leider schliessen Demokratie und Menschenverachtung einander NICHT aus.

heinzjohann
 
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Gestern ist nicht heute 2

Wenn wir über Faschismus reden,sollten wir nicht nur in der Vergangenheit verhaftet bleiben,sondern über Hier und Jetzt reden.
Auf welchen gesellschaftlichen Ebenen können faschistische Tendenzen beobachtet werden:
1.Fremdenfeindlichkeit.Alle Fremden- und Asylgestze strozzen doch von Ausländerhass.Man spricht nur noch von Asylanten und nicht von Menschen aus anderen Kontinenten.
2.Sozialschmarotzerdebatte. Diejenigen,die fast nichts mehr haben,werden noch in den Dreck getreten.
3.Aufrüstung zum Überwachungsstaat.Siehe SiPo-Gesetz,Kontrolle der Telekommunikation.
4.Festung Europa.1000e Flüchtlinge ersaufen jährlich im Mittelmeer und alle schauen zu.
5."Experten" lösen gewählte Regierungen ab:Griechenland,Italien,Rumänien.
Reden wir darüber!

Der Artikel gefällt mir
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Bei den Unterfünfzigjährigen kann ich mir nicht vorstellen, dass die in der Schule nix über den Faschismus mitbekommen haben!

Aber die Frage ist doch, was ziehen die Leute für Rückschlüsse aus ein und denselben Fakten, so sie denn überhaupt welche ziehen. Denn Geschichte wiederholt sich ja nicht zweimal gleich.

Die Leute rennen auch nicht durch die Gegend und sagen: ''Ah, wir haben eine Zeit des Umbruchs, neuer Technologien, kollabierender Finanzmärkte, drohender Massenarbeitslosigkeit, so wie nach der Jahrhundertwede um 1900 als die industrielle Revolution über uns hereinbrach. Die Menschen in ihrer Angst suchen Arbeit und wenn sie keine finden, dann suchen sie starke Führer und werden verführt!''

In einer Demokratie wird es immer Menschen geben, die fetzendeppert sind und dennoch höhere politische Ämter anstreben! Und Leute, die sie wählen!

heinzjohann
 
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Gestern ist nicht heute 1

Vorweg möchte ich sagen:Ich bin Antifaschist.
Ich wage zu behaupten,daß ich über die damalige Zeit recht gut informiert bin.In meiner Jugend habe ich Bücher darüber gelesen,Dokus gesehen.Ich habe Kriegsteilnehmer kennengelernt,ehemalige KZ-Insassen und Widerstandskämpfer sind zu meinen "väterlichen" Freunden geworden.
Die Blauäugigkeit des Kommentators ist wirklich erstaunlich.Glaubt er ernsthaft ein Film über die Gräuel der KZ's rühre die Rechten zu Tränen?Die lachen sich doch einen Ast ab! Die Menschenverachtung der Neonazibanden ist einfach erschütternd.Allein in der BRD wurden seit 1989 mindestens 149 Menschen von Rechten umgebracht,Tausende wurden verletzt,viele haben bleibende Schäden davongetragen.

TomTom33
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Habe eigentlich seit meiner Schulzeit,

und das ist mittlerweile einige Zeit her, nie verstanden wie es 1927 zu den blutigen Auseinandersetzungen zwischen Heimwehr und Schutzbund kommen konnte. Wie es dazu kommen konnte, dass Österreicher auf Österreicher schießen.

Wenn ich mir die Entwicklung der letzten Monate bzw. Wochen anschaue kann ich es mir mittlerweile LEIDER vorstellen wie es dazu kommen konnte....

relatio subsistens
04

Wirklich notwendig wäre echte Liberalität (und damit meine ich nicht den "Neoliberalismus"). Der Nationale Sozialismus ist wie jeder Sozialismus zutiefst illiberal.

Thomas Geißler
20

"wie jeder Sozialismus zutiefst illiberal"

Wollen Sie diesen Punkt nicht etwas ausführen?

relatio subsistens
00

Ich verstehe den Sozialismus als eine kollektivistische Ideologie, in der tendenziell das Prinzip gilt: Der gute, sozialistische Zweck heiligt das schlechte Mittel. Damit sind die theoretischen Grundlagen geschaffen, dass der Einzelne oder gesellschaftliche Gruppen und ihre Rechte sehr leicht unter die Räder kommen können. Rechte und Linke tun sich schwer mit anderen Auffassungen und können Pluralität nicht wirklich bejahen.

Thomas Geißler
00

"Rechte und Linke tun sich schwer mit anderen Auffassungen und können Pluralität nicht wirklich bejahen."

Ich schon, aber ich verstehe Sozialismus ja auch nicht als Ideologie die über den Grundrechten steht. Das tut auch keiner denn ich kenne.

Vom Sozialismus reden Viele, von den Anarchisten bis zu den Sozialdemokraten und die Grundwerte Gleichheit, Gerechtigkeit und Solidarität sollten auch die Rechte Einzelner und gesellschaftlicher Gruppen garantieren.

relatio subsistens
01

Das Problem besteht in der "sozialistischen Interpretation" dieser Grundwerte und Grundrechte.

Thomas Geißler
00

Was ist denn die "sozialistische Interpretation" und was unterscheidet sie von der "nichtsozialistischen Interpretation"?

relatio subsistens
12

Jetzt ist aber Schluss mit der Fragestunde! Lesen Sie mal ein gutes Buch, da werden Sie geholfen ...

Thomas Geißler
00

Unterlegen Sie ihre Aussagen mit etwas Substanz oder empfehlen Sie mir doch ein gutes Buch in diesem Zusammenhang dann brauch' ich keine Fragen zu stellen.

relatio subsistens
01

Sehr empfehlen kann ich zur politischen Philosophie und Sozialismuskritik z.B.

Hans Albert, Traktat über rationale Praxis, Tübingen 1979.

Als sozialethische Grundlage (auch mit Blick auf das Prinzip, dass der gute Zweck das schlechte Mittel nicht heiligen kann) empfehle ich:

Peter Knauer, Handlungsnetze. Über das Grundprinzip der Ethik, Frankfurt a. M. 2002.

Politiktheoretisch in sozialpsychologischer Hinsicht ist sehr erhellend:

Ernest Becker, Escape from Evil.

tom2312
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Ein naiver Kommentar

Gut gemeint, aber leider sehr naiv.

Die Bilder von sterbenden Menschen bringen JEDEN zum Weinen - oder auch nicht.

Der Trick der Nazis war es nicht, Böses zu tun, sondern den Leuten einzureden, dass sie Gutes tun. In jahrelangen Kampagnen wurde den Juden ihr Status als Mitmenschen wegargumentiert. Erst in Worten, dann in Pogromen, dann offiziell mit Judenstern etc.
Die „Endlösung“ war im Rahmen dieser Propaganda die Konsequenz davon.

Man wird Faschismus nicht beseitigen, indem man Faschisten beweist, dass sie unrecht haben.

Deshalb werden Verbote und Entnazifizierung weiterhin das bewirken, was sie am wenigsten wollen: Interesse und Verständnis für diese „unterdrückte“ Ideologie wecken.

Meinungsfreiheit kann nur für alle gelten.

Thomas Geißler
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Das VerbotsG verbietet die NSDAP, ihre Wehrverbände sowie sämtliche Organisationen die mit ihr zusammenhängen, weiters die Betätigung im nationalsozialistischen Sinne und die öffentliche „Leugnung, Verharmlosung, Gutheißung und Rechtfertigung“ des „nationalsozialistischen Völkermordes oder anderer nationalsozialistischer Verbrechen gegen die Menschlichkeit“.

Ich glaube diese Einschränkung ist auszuhalten.

tom2312
02

Ich verstehe, was Sie meinen.

Aber alles, was in Ihrem Zitat nach "weiters" kommt, ist der hilflose Versuch, etwas zu kontrollieren, das sich nicht kontrollieren lässt.

Verbotsgesetze wie dieses (jedenfalls die zweite Hälfte) sollte eine Gesellschaft wie unsere nicht notwendig haben. Das gilt auch für das neue französische Berbotsgesetz - ein Freispiel für die Türkei.

Die Nationalsoziisten waren zum Zeitpunkt der Machtergreifung in Österreich auch verboten. Das solllte genausowenig vergessen wie die Tatsache, dass die NSDAP in Deutschland auch bei den manipuliertesten Wahlen nicht mehr als 45 Prozent der Stimmen hatte.

Wir brauchen keine Verbote, wir brauchen eine kompetente Politik und fähige Politiker. Haben wir leider nicht ...

Thomas Geißler
00

Wenn das VerbotsG "der hilflose Versuch ist, etwas zu kontrollieren, das sich nicht kontrollieren lässt."

Wozu dann die Mühe dagegen Position zu beziehen?

Ich wähle kompetente Politiker und weise jeden anderen darauf hin, dass sein Wunschkandidat vielleicht nicht der Kompetenteste ist.

Die grausame Realität 2012
51

Dem dritten und vierten Absatz kann ich mich vollinhaltlich anschließen:

Daher: Faschisten wegsperren. Man muss denen, die nicht lernfähig sind, garnichts erklären. Nur dem anständigen Teil der Bevölkerung den rechten Mob vom Leibe halten.

Wie Sie den vorletzten und letzten Absatz Ihres Postings mit dem davor Geschriebenen in Einklang bringen wollen, ist mir ein Rätsel.

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