Gaza

"Unsere Grenze ist das Leben unserer Bürger"

Reportage | Andreas Hackl, 31. Jänner 2012, 14:06
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    Von israelische Wachtürmen aus wird der Grenzzaun nicht aus den Augen gelassen.

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    Hinter dem Grenzzaun. Palästinenser laden Schotter auf. Sind es "Austester"?

Ein Lokalaugenschein am Grenzzaun zum Gazastreifen macht deutlich: Israels Militär traut den positiven Signalen der Hamas nicht

Vom israelischen Wachturm aus betrachtet wirkt der Grenzzaun zum Gazastreifen fragil und klein. Nur einige hundert Meter dahinter ist das Siedlungsgebiet von Beit Hanoun und Gaza-Stadt zu sehen. Zwischen dem von der israelischen Armee bewachten Zaun und den 1,7 Millionen Palästinensern liegt nur ein Stück vom Regen durchnässter Wiese, auch Pufferzone genannt.

"Heute ist der Feind sehr clever", erklärt ein Hauptmann des israelischen Militärs, der seit fünf Monaten entlang dem nördlichen Gazastreifen im Einsatz ist. Er spricht von palästinensischen "Austestern", die sich in dieser Pufferzone bewegen würden, um die Reaktionen der Armeeeinheiten auf solche Annäherungen zu studieren. Eine gefährliche Angelegenheit. Denn wer diesem Zaun zu nahe kommt, wird verhaftet oder gar erschossen. Der Hauptmann, der wie alle Armeeangehörigen in diesem Bericht anonym bleiben möchte, erzählt von einer Operation, bei der am 18. Jänner zwei Palästinenser getötet wurden. Nähere sich jemand dem Zaun, gebe seine Einheit normalerweise Warnschüsse ab oder schieße der Person in die Beine. Doch bei 100 bis 200 Meter Entfernung beginne die kritische Zone.

"Die zwei sind nahe an die Straße gekommen. Wir wussten vom Geheimdienst, dass sie Sprengstoff legen wollten", erklärt er. Als sie nur mehr rund 30 Meter vom Zaun entfernt waren, eröffneten Panzer das Feuer. Beide starben. "Wir mussten sie neutralisieren", sagt der junge Hauptmann in grüner Uniform, den Blick Richtung Grenzzaun gerichtet. Vor dem Zaun sind Betonbarrikaden zu sehen, zu denen die breite Fahrspur eines Panzers führt. Im Hintergrund sind laufend Gewehrschüsse zu hören. Doch darüber müsse man sich keine Sorgen machen. "Das ist nur ein Schießplatz für Zivilisten", sagt er.

"Die schlechte Situation bewahren"

Vom Aussichtsturm geht es im Geländewagen zurück zum "Schwarzen Pfeil" - einem Denkmal, das an eine Militäroperation im Jahr 1955 erinnert, bei der 150 israelische Fallschirmspringer eine ägyptische Militärbasis im Gazastreifen angriffen. Die Operation war eine Vergeltung für die ägyptische Unterstützung der Angriffe palästinensischer Kämpfer. Sie gilt heute als großer militärischer Erfolg.

Doch 56 Jahre später sind die militärischen Erfolge Israels im Gazastreifen schwer auszumachen. Immer noch werden Raketen auf israelisches Territorium geschossen. Der Waffenschmuggel blüht, und der militärische Flügel der Hamas ist wohlauf. Durch Abschreckung und laufende Vergeltungsschläge will Israel die eigene Zivilbevölkerung vor Raketenangriffen schützen. Doch obwohl die politische Führung der Hamas scheinbar vom alten Weg abkehrt und mehr internationale Integration sucht, scheint für den israelischen Militärapparat vorerst alles beim Alten zu bleiben.

Israel habe in Bezug auf den Umgang mit Gaza drei Möglichkeiten, erklärt ein hochrangiger Offizier, der für Südisrael zuständig ist: "Die schlechte Situation beibehalten, mit gutem Vorsatz nach vorne gehen oder eine Militäroperation." Eine große Militäroperation sei jedoch in naher Zukunft nicht wahrscheinlich. Immerhin wolle man nicht bloß "als Übung die alte Munition aufbrauchen".

Zurzeit scheint alles auf die Erhaltung der momentanen Situation hinzudeuten. Obwohl der Offizier einräumt, dass die Hamas durch den Bau vieler Bunker und Tunnels immer schwieriger zu bekämpfen sei und zusätzlich ein wachsendes Waffenarsenal besitze, würde die Zeit nicht unbedingt gegen Israel arbeiten. "Während sie sich vorbereiten, können wir dasselbe tun", sagt er. Der "gute Weg nach vorne" ist durch die Skepsis gegenüber einem positiven Wandel innerhalb der Hamas blockiert. Aus Sicht des israelischen Militärs ist der angekündigte Wandel der Hamas weg von der Gewalt eher zweifelhaft. Grund dafür sind auch die internen Spaltungen der islamistischen Bewegung.

"Ihre DNA ist immer noch der Kampf"

"Die Hamas ist heute in einem Viereck eingeschlossen. Und jetzt suchen sie nach einem Ausgang", meint der Offizier. Und dieser Ausweg habe mehrere Ebenen. Einerseits versuche die Hamas mehr Legitimität zu erlangen. Teil dessen seien die von der politischen Hamas-Führung angekündigte Abkehr von der Gewalt und die häufigen Auslandsbesuche. Andererseits verfolge der militärische Flügel weiterhin ganz andere Ziele.

"Der militärische Flügel folgt nicht unbedingt den Anweisungen der Führung. Sie haben ihre eigenen Vorstellungen", meint er. Die Hamas habe zwar einen gemeinsamen Körper, aber mehrere Köpfe und Schwänze. "Und ihre DNA ist immer noch der Kampf", sagt er, auch wenn die Hamas-Führung erkannt habe, dass mehr Legitimität durchaus gut für sie sei.

Obwohl die Hamas selbst seit längerer Zeit kaum mehr Raketen auf Israel schießt, wird sie von Israel oft für die Angriffe anderer Gruppen, etwa des Islamischen Jihad, verantwortlich gemacht. Das vor allem deswegen, weil die Hamas das Regime im Gazastreifen kontrolliert.

Im Endeffekt scheint jedoch vor allem ein Gedanke die Sicherheitspolitik Israels zu dominieren. "Unsere Grenze ist das Leben unserer Bürger", sagt der israelische Offizier. Selbst wenn viele der Raketen aus dem Gazastreifen im offenen Feld landen und dort keinen Schaden anrichten, bestehe immer die Gefahr, "dass eine Rakete doch in einem Kindergarten einschlägt". (Andreas Hackl, derStandard.at, 31.1.2012)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 62
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Grüffelo
51
Schwache replik und sehr abfgestandenes zitat

Der teilungsplan, die nicutannahme dch die araber, die konferenz v khartoum, der mufti von jerusalem, der terror arafats, die raketen, die angefangenen u verlorenen kreige, uvm duerft ihrem geschichtsbild entglittensein.....

Reddogg
 
01

Aber sorry ich habe sonst nichts gegen schlechter Rechtsschreibung, da ich selbst genug Fehler mache, aber bei Ihnen muss man ja das ganze erstmal studieren bevor man erfährt was Sie sagen wollen. Und man könnte nun genauso von der Gegenseite Punkte aufzählen...

77 88
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Was für eine Chance hatten die Palästinenser ...

... als Israel den Gaza verließ. Doch anstatt ein Beispiel zu bringen, dass eine Ko-Existenz möglich ist, hat man den alten Weg des Krieges und Terrors gewählt. Die Gewächshäuser der israelischen Siedler, die Gaza verlassen haben, wurden nicht etwa "als Geschenk des Himmels" angesehen und weiterbetrieben, sondern in völliger Dummheit und Fanatismus als "Überbleibsel des verhassten Feindes" zerstört. Dahinter steht aber Hamas Strategie: Zerstör die Lebensgrundlage der Palästinenser, dann werden sie dir aus der Hand fressen.

Reddogg
 
01

Ob der Besatzer im Wohnzimmer oder im Schlafzimmer mein Hab und Gut besetzt ist relativ egal oder? Schauen's sich einfach mal die Zahlen an, sowohl von der Bevölkerung her gesehen als auch von dem Land was nach dem Gaza-Abzug in WJL "neubesiedelt" wurde.

DSA
38
Vertrieben

eingesperrt und ermordet>wie in Amerika mit den einheimischen Indianern.
Aber die Indianer waren immer die "Bösen".

rock a boogie beaten
 
10
HUGH!

Grüffelo
64
Wenn mann doch weiss wie böse die I.s sind, verstehe ich nicht

Warum und zu welchem zwecke man sich dem grenzzaun naehert?

Das ergebnis ist beim iran, saudiarabien, somalia, usw usf.....- Dasselbe.

Dass die anstaendigen palaestinenser den bösen I.s nicht trauen, ist klar, jedoch verstehe ich nicht, ev. Koennen mir das die kundigen anti-I. poster hier verklickern, warum nach dem rueckzug inkl. Abbau der siedlungen raketen in stattlicher zahl flogen, bzw. Warum diese suesse charta so liebliche artikel enthaelt.....

mach 84
24
lernen sie Geschichte hätte Kreisky gesagt

lesen sie das dann können sie sich ein Bild machenhttp://www.spiegel.de/spiegel/p... 50350.html

rock a boogie beaten
 
10
Sorry

aber das ist wieder der alte halbwahre Schmarren. Da wird alles auf Begin fokusiert, und dabei vollkommen ausser acht gelassen, dass er selber mit Ben Gurion spinnefeind war. Sogar versuchte, ihm gewaltsam in den Rücken zu fallen. Sein Wahnsinnsglück war, dass B-G Probleme auch ohne ihn genug hatte und sich das mit ihm darin entledigte, dass er ihn abgewatscht in die Reihen der IDF reinprügelte:
http://www.jewishvirtuallibrary.org/jsource/H... alena.html
Und was der (1982!!) über Arafat schrieb, darüber hüllen wir lieber das Mäntelchen des Schweigens.

77 88
23
Lernen Sie Geschichte ...

... die USA waren überhaupt keine Förderer Israels. Es waren die Franzosen! Erst 1976 (Jom Kippur) wurde die enge Freundschaft zw. USA und Israel Realität.
Das Elend der Palästinenser ist hausgemacht. Denn in Israel selbst leben Araber ja ganz gut. Nicht umsonst will die Mehrheit in Israel bleiben, sollte ein Palästinenserstaat gegründet werden. Es gab nicht nur paläst. Flüchtlinge, sondern auch jüdische.
Die arab. Länder haben die Palästinenser bisher als Druckmittel gegen die Israel verwendet. Darum wurden sie nicht integriert.Israel seinerseits hat alle vertriebenen Juden integeriert.

PastaPasta
01

Der Yom Kippur Krieg war 1973. Die engen Beziehungen zwischen den USA und Israel haben im Jahr 1967 (Sechstagekrieg) ihren Ursprung.

PastaPasta
1120

Baruch Kimmerling, ein israelischer Soziologe, bezeichnet den Gaza- Streifen als "das größte Konzentrationslager das jemals existiert hat".

Mary Robinson, ehemalige irische Staatspräsidentin und UN-Hochkommisarin für Menschenrechte, meinte bei einem Besuch zur israelischen Gaza- Blockade: "A whole civilisation is being destroyed before my eyes".

Ich bin immer wieder enttäuscht, wenn ich sehe, dass der Standard in seiner Berichterstattung diesen Teil der Gleichung auslässt.

Makronaut
114

was wären die nahostforen ohne die üblichen ns-verharmloser. -_-

-> ein weiterer beweis für die notwendigkeit isr's.

aufgeklärtbisheiter
06

"destroyed before my eyes"

DAS hat sie gesagt?

BK W. Shoyssel
01

wann werden die Iren endlich Englisch lernen ...

PastaPasta
02
"destroyed before my eyes"

ihre worte.
einer anderen quelle zufolge (wie ich gerade sehe):
"their whole civilisation has been destroyed; i'm not exaggerating."
"ihre gesamte Zivilisation wurde zerstört; ich übertreibe nicht."
Ist mit google leicht zu finden, oder gleich hier:

http://news.bbc.co.uk/2/hi/midd... 708670.stm

Anders als im Standard üblich, finden hier auch palästinensische Familien und Frauen Erwähnung. Die existieren nämlich tatsächlich, man glaubt es kaum.

aufgeklärtbisheiter
21

"destroyed before my eyes"
ihre worte.

I become a Wiener Schnitzel ;-)

einer anderen quelle zufolge (wie ich gerade sehe):
"their whole civilisation has been destroyed; i'm not exaggerating."

Na, das klingt doch gleich viel englischer.

"palästinensische Familien und Frauen Erwähnung. Die existieren nämlich tatsächlich, man glaubt es kaum."

Ich gehöre nicht zu denen, die das nicht glauben.

PastaPasta
00

Ich weiß zwar nicht worin der Sinngehalt ihres Postings besteht, aber Danke für Ihr Interesse.

Dani B.
103

wenn du ohnehin nur liest, was du lesen willst, dann lohnt sich das lesen nicht, du lernst nichts dazu.

rock a boogie beaten
 
103
????

Wie kann man von KZ-Zuständen reden, wenn sogar die P. selber zugeben, eines der stärksten sich vermehrenden Völker überhaupt zu sein?
http://www.palaestinaonline.de/palaestina3.htm

der schwitzbär der schwitzt sehr
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"Wir mußten sie leider erschießen"

in die Beine schießen wäre nicht gegangen

sie waren nur noch 30 Meter vom Zaun entfernt

da hätten sie wohl noch mit zerschossenen Beinen an den Zaun heranrobben können

in die Beine schießen bevor sie auf 30 Meter heran waren ging auch nicht (?)

Ihr seht, wir mußten sie leider erschießen

[loop, 326 Wiederholungen]

BK W. Shoyssel
00

sorry, aber der Waffengebrauch ist aus meiner Sicht völlig gerechtfertigt, siehe:

http://www.youtube.com/watch?v=E0mrTIlwqQA

David Palestein
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Was vor drei Jahren in Gaza wirklich geschah

http://www.youtube.com/watch?v=_kPe5zcTjH4

NONE
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Alles bekannt, inklusive der gut dokumentierten Kriegsverbrechen - siehe die Phosphorbrandbomben von Israel.

Nur - selbst die USA sind Kriegsverbrecher, und keiner verurteilt die.

Von dieser Seite aus kann man nichts machen. Der IstGH ist ein politisches Instrument.

Man müsste einen neuen internationalen Gerichtshof mit grösseren Befugnissen gründen, inklusive einer Spezialeinheit die auch in fremden Ländern Kriegsverbrecher festnehmen kann - vor allem auch in Europa und den USA. (Dazu müsste so ein Gerichtshof aber unabhängig sein. Wie man an Den Haag sieht ist das zur Zeit nicht der Fall.)

Dr.Ogen
00
31.1.2012, 23:52
Abgesehen von der Tragik des Ganzen

Das Leitbild des Artikels auf der Hauptseite wirkt so, als hätte es der Demo Penis von rechts oben auch zum Gazastreifen geschafft.

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