Asma al-Assad, Syriens First Lady, wollte angeblich fliehen
Seit längerer Zeit ist die syrische First Lady aus der Öffentlichkeit so gut wie verschwunden, aber am Montag hieß es aus Rebellenkreisen, Aufständische hätten Asma al-Assad daran gehindert, Syrien zu verlassen. Ob diese Meldung stimmt, sei dahingestellt: Es würde bedeuten, dass die Syrian Free Army oder eine andere bewaffnete Gruppe die Straße zum Flughafen Damaskus kontrolliert. Das ist schwer zu glauben.
Dass sich die Gattin Bashar al-Assads mit ihren drei kleinen Söhnen (Hafiz, 10, Zein, 8, Karim, 7) aus Syrien wegwünscht, kann man sich hingegen gut vorstellen. Die Zeiten der Vogue-Interviews und der "Rose der Wüste" -Apologien sind vorbei. Heute ist sie nur die Frau eines Mannes, der sein Volk abschlachtet. Viele werfen ihr persönlich vor, dass sie nicht das tut, woran sie am Montag angeblich gehindert wurde: ihren britischen Pass zu nehmen und abzuhauen. Denn ihre - sunnitische - Familie stammt aus Homs, wo es besonders schlimm ist.
Asma al-Assad, 36 Jahre alt, ist in London geboren, wo sich ihr Vater, Fawaz al-Akhras, als Kardiologe niedergelassen hatte. Ihre Schulzeit verbrachte sie teilweise in einer christlichen Schule - durchaus eine syrische Tradition. Sie studierte Informatik am King's College und arbeitete danach bei der Deutschen Bank und bei JPMorgan.
Während dieser Zeit lernte sie Bashar al-Assad kennen, der sich nach seinem Medizinstudium als Ophtalmologe spezialisierte. Damals war noch der Erstgeborene Hafez al-Assads, Basil, als dessen Nachfolger vorgesehen. Er starb 1996 bei einem Autounfall auf jener Autobahn, auf der nun die Rebellen Asma gestoppt haben wollen.
Die Syrer schlossen sie - sie heirateten im Jahr 2000, als Bashar Präsident wurde - sofort in ihr Herz. Asma war auch ein PR-Asset Syriens im Ausland: schön, gescheit und weltgewandt neben ihrem hölzernen Gatten, der im eigenen Land den Spitznamen "Giraffe" trug. Anzuziehen verstand sie sich auch, was ihr den Einzug in Hochglanzmagazine verschaffte.
Auffällig war, dass die Assads auf Staatsbesuchen immer ihre kleinen Kinder mitnahmen. Ob da auch Angst mitschwang, ist schwer zu sagen. Gerade wegen ihrer Sichtbarkeit war Asma angeblich in der Familie - besonders bei Bashars Schwester Bushra und deren Geheimdienstler-Gatten - nicht sehr beliebt. Vielleicht wollte sie ja wirklich weg, vielleicht ist das der erste Riss im Clan, das erste Zeichen des Zusammenbruchs. (Gudrun Harrer/DER STANDARD, Printausgabe,31.1.2012)