250.000 Menschen vom Hungertod bedroht
Mogadischu - Die islamistische Shabaab-Miliz hat dem
Internationalen Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) jede weitere Hilfsarbeit in den
von ihr kontrollierten Gebieten Somalias untersagt. Der "Vertrag" mit dem IKRK
werde "vollständig aufgekündigt", erklärte die Miliz am Montag. Das IKRK habe
Lebensmittel mit abgelaufenem Haltbarkeitsdatum verbreitet und die "Mujaheddin
fälschlicherweise beschuldigt, die Verteilung von Nahrungsmitteln zu behindern".
Die Shabaab-Miliz kontrolliert große Teile des Zentrums und Südens des
bürgerkriegsgeplagten ostafrikanischen Landes.
Das IKRK hatte bereits Mitte Jänner seine Nahrungsmittellieferungen für 1,1
Millionen Menschen in den Regionen eingestellt und dies mit Behinderung durch
örtliche Milizen begründet. Die Organisation hatte aber Nothilfeprogramme
weitergeführt, etwa die Versorgung mit medizinischer Hilfe und Trinkwasser. Die
Shabaab-Miliz erklärte nun, das IKRK habe "Vertrauen missbraucht". Fast 2000
Tonnen Lebensmittel mit abgelaufenem Haltbarkeitsdatum seien verbrannt worden.
Im November hatte die Shabaab-Miliz 16 internationale Hilfsorganisationen aus
den von ihr kontrollierten Gebieten ausgewiesen, darunter das Kinderhilfswerk
der Vereinten Nationen (UNICEF), die Weltgesundheitsorganisation WHO, und das
Flüchtlingshochkommissariat UNHCR. Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz
war damit eine der wenigen Organisationen, die noch in den Gebieten arbeiten
durften. Somalia leidet unter einer extremen Dürre. Nach UNO-Angaben sind
250.000 Menschen vom Hungertod bedroht, in drei Regionen wurde eine
Hungerkatastrophe ausgerufen. Die Gebiete befinden sich größtenteils in den von
den Rebellen kontrollierten Landesteilen.
Al-Shabaab ("Die Jugend") weitet nach Erkenntnissen der Vereinten Nationen
ihren Einflussbereich über Somalia hinaus aus. Im benachbarten Kenia habe die
Miliz Netzwerke zur Anwerbung neuer Mitglieder, zum Einsammeln von Geldern und
zum Training aufgebaut, geht aus einem Bericht hervor. 2010 hatte sich
Al-Shabaab zu dem Doppelanschlag in Uganda während der TV-Übertragung des
Endspiels der Fußball-WM in Südafrika bekannt. Bei den Anschlägen am 11. Juli in
Kampala auf einen Sportclub und ein äthiopisches Restaurant waren 76 Menschen
getötet und Dutzende verletzt worden. Die Miliz sprach von "Vergeltung" für
Ugandas militärische Unterstützung der somalischen Übergangsregierung. Dieser
steht Sheikh Sharif Ahmed, ein abtrünniger früherer Shabaab-Führer, vor. (APA)