20 Jahre Haft in Prozess um Angriff auf Friedensdorf
Bogota - Wegen eines Massakers in einem kolumbianischen Dorf sind
sechs frühere Angehörige einer ultrarechten paramilitärischen Miliz zu langen
Haftstrafen verurteilt worden. Die Angeklagten müssten für jeweils 20 Jahre ins
Gefängnis, teilte die Staatsanwaltschaft am Montag mit. Die sechs Männer hatten
ihre Beteiligung an dem Massaker, bei dem im Dorf San Jose de Apartado im Jahr
2005 acht Menschen getötet worden waren, zuvor eingeräumt. Unter den Opfern
waren drei Kinder, das jüngste von ihnen zwei Jahre alt. Wegen des Angriffs
waren bereits zehn Soldaten zu Haftstrafen verurteilt worden.
Die nun Verurteilten gehörten den Vereinten Selbstverteidigungsgruppen
Kolumbiens (AUC) an, einer paramilitärischen Gruppe, die im Auftrag von
Großgrundbesitzern - und häufig zusammen mit Soldaten der kolumbianischen Armee
- gegen die linksgerichtete Guerilla im Land kämpfte. Die AUC lösten sich
zwischen 2003 und 2006 auf, nachdem ihren Mitgliedern ein teilweiser Straferlass
gewährt worden war. Die Ex-Paramilitärs haben die Tötung von etwa 50.000
Menschen während des blutigen Bürgerkriegs eingeräumt.
San Jose de Apartado hatte sich im Jahr 1997 zum Friedensdorf erklärt, um
seinen Bewohnern eine Überlebenschance in dem von Gewalttaten erschütterten Land
zu eröffnen. Zu seinen Prinzipien gehört der Verzicht auf jegliche Kooperation
mit bewaffneten Konfliktparteien. Seit 1997 wurden aber mindestens 210
Dorfbewohner getötet - von Rebellen, Paramilitärs oder Soldaten. Im Jahr 2007
erhielt das Dorf den Aachener Friedenspreis, im vergangenen Jahr war es für den
Sacharow-Preis für Meinungsfreiheit des Europaparlaments nominiert. (APA)