Geplante Flucht nach Südafrika an Veto von Beate Z. gescheitert
Berlin - Die deutsche Regierung hat mit der Entschädigung von
Opfern der rechtsterroristischen Gruppe "Nationalsozialistischer Untergrund"
(NSU) begonnen. Es lägen bereits "sehr viele Anträge" von Geschädigten der NSU
vor, sagte eine Sprecherin des Justizministeriums am Montag in Berlin. Es seien
"auch schon Opfer entschädigt worden".
Das Geld stamme aus einem Fonds des Ministeriums für Opfer rechter Gewalt,
die gezahlten Pauschalsummen lägen im Bereich von 5.000 bis 10.000 Euro. Die
Gelder würden unbürokratisch ausgezahlt, ohne dass die Opfer im einzelnen die
Details des erlittenen Schadens nachweisen müssten. Zur Zahl der entschädigten
NSU-Opfer wollte die Sprecherin keine Angaben machen.
Flucht nach Südafrika
Eine bereits geplante Flucht der Zwickauer Neonazi-Zelle nach Südafrika ist
vor gut zehn Jahren am Veto der mutmaßlichen Terroristin Beate Z.
gescheitert, wurde unterdessen aus einem Zeitungsbericht bekannt. Z. wollte
im Gegensatz zu ihren Gesinnungsgenossen Uwe B. und Uwe M. offenbar
nicht weg aus Deutschland, wie die "Welt" vom Montag unter Berufung auf einen
Ermittler berichtete. Diese Darstellung wird laut dem Bericht durch eine geheime
Dokumentation gedeckt, in der die deutschen Verfassungsschutzämter von Bund und
Ländern ihr früheres Wissen über die Terrorzelle zusammentrugen.
Das 24-seitige Papier enthält demnach die Aussage eines V-Manns (Kontaktmann
des Verfassungsschutzes, Anm.) aus der rechten Szene, der im April 2001 über
"Unterbringungsmöglichkeiten in Südafrika" berichtete. "Während B. und
M. mit dem Ziel einverstanden seien und dies auch als Daueraufenthaltsort
anstrebten, beabsichtige Z., die nicht ins Ausland wolle, sich nach der
Abreise der beiden den Behörden zu stellen", heißt es laut "Welt" in der
Dokumentation, die der Zeitung nach deren Angaben vorliegt.
B., M. und Z. seien offenbar zu keinem Zeitpunkt ins Ausland
gegangen, um sich der Verfolgung zu entziehen, berichtete die Zeitung weiter.
Längere Aufenthalte in Bulgarien, Tschechien, Ungarn oder Belgien, über die
immer wieder spekuliert worden war, halten die Ermittler inzwischen für nahezu
ausgeschlossen. Vielmehr gehen die Behörden demnach davon aus, dass die
Rechtsextremisten seit ihrem Untertauchen 1998 bis zum Auffliegen der Zelle im
vergangenen Jahr ununterbrochen über Wohnungen in Sachsen verfügten.
Die jahrelang unentdeckt gebliebene Zwickauer Terrorzelle soll zwischen 2000
und 2007 neun Migranten und eine Polizistin ermordet haben. Außerdem werden der
Gruppe zwei Sprengstoffanschläge in Köln 2001 und 2004 mit insgesamt 23
Verletzten sowie eine Serie von Banküberfällen zur Last gelegt. (APA)