Perfekt inszeniertes Tempo

Kommentar | Colette M. Schmidt
30. Jänner 2012, 19:16

Nach der Gemeindereform wird die Steiermark nichts Utopisches haben, sondern einfach nur ähnlich strukturiert sein wie Oberösterreich

Das Tempo, das Franz Voves und Hermann Schützenhöfer bei ihren Reformen vorgeben, ist für österreichische Verhältnisse fast atemberaubend. Zwei Wochen, nachdem man in einer am selben Tag angekündigten Pressekonferenz Schulschließungen bekanntgab, bat man am Montag Medien kurzfristig in die Burg, um die Pläne zu den angekündigten Gemeindefusionen zu präsentieren.

Noch frühmorgens hätten sich Bürgermeister bei Landeschef Voves die Klinke in die Hand gegeben, erzählte Schützenhöfer beeindruckt. Dass sie führungsschwach seien, kann man Voves und Schützenhöfer in diesen Wochen wirklich nicht vorwerfen. Man sollte sich aber auch nicht von den perfekt inszenierten Sturm-und-Drang-Reformen blenden lassen. Ja, in der Steiermark werden ab 2013 viele Gemeinden fusioniert werden, vielleicht hunderte.

Aber danach wird das Land nichts Utopisches haben, sondern einfach nur ähnlich strukturiert sein wie das vergleichbare Oberösterreich. Jetzt ist es mit 542 Gemeinden extrem kleinteilig. Schon jetzt können die meisten Gemeinden nicht ohne einander überleben. Wenn man nicht über Orte drüberfährt, wie es den "Reformpartnern" durchaus zuzutrauen ist, sondern ihnen etwa die in Aussicht gestellten "Ortsteilbürgermeister" als Ansprechpartner vor Ort belässt, wird es wenig Widerstand geben. Und in ein paar Jahren wird man sich kopfschüttelnd an die Aufregung erinnern - wie an jene über weiße Autokennzeichen. (DER STANDARD, Printausgabe, 31.1.2012)

Share if you care
4 Postings
Ja zur Verwaltungsreform - aber bitte bei den Anderen

Die Bundesschwarzen wollen sich gerne als Verwaltungsreformer verstehen. Das will auch die steirische ÖVP. Bei der Umsetzung hapert es aber gewaltig. Bislang haben sich nur rote Gemeinden dazu entschlossen, sich fusionieren zu wollen. Hingegen wehren sich etliche schwarze Gemeinden verbissen gegen Gemeindezusammenlegungen. In der Region Kaindorf in der Oststeiermark beispielsweise oder im Pölstal im Bezirk Murtal (vormals Judenburg).

Die Realität ist eben doch etwas anderes als die Theorie.

Wichtig ist der Spargedanke bei Zunahme der Effizienz...

Viel weniger Beamte und Politiker müssen in Hinkunft mehr leisten und das um weniger Geld. Man kann nicht die Globalisierung in's Haus holen und glauben, daß die Privatwirtschaft die gleichen Lohnnebenkosten verkraften kann wie früher. Der Tintenburgenapparat muß auf ein Minimum reduziert werden. Die dazu längst überfälligen Evaluierung von unabhängigen Instituten lassen noch immer auf sich warten.

Stimmt

Wenn man bedenkt, in welch zerfetzendem globalen Wettbewerb sich die lokalen Friseure, Installateure und KFZ-Mechaniker befinden - wer kann sich da die 4 Euro noch leisten, welche da im Jahr pro SteirerIn durch die Gemeindereform eingespart werden wird...

...

ob dann der kleine grenzverkehr abnimmt?

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.