Ungarn in den Medien

Kolumne | Paul Lendvai, 30. Jänner 2012 18:58

Die Kampagne für die Verteidigung des Images Ungarns läuft auf Hochtouren

Ungarn sei seit dem Sieg von Fidesz (im April 2010) auf dem richtigen Weg. Die ungarnfeindlichen Angriffe hätten überhaupt keine faktische Grundlage. Wir müssten viel stärker auf die Schmähungen und Verleumdungen antworten. Wenn notwendig, sollten wir, genau wie unsere Feinde und Gegner, Journalisten bezahlen, auch Artikel platzieren. Auch bekannte Auslandsungarn sollten sich zu Wort melden, und die Botschaften müssten auch viel kämpferischer in Form von Korrekturen und Leserbriefen auftreten. All das sagte der ungarische Vizepremier Zsolt Semjén kürzlich in einem Rundfunkinterview (Magyar Hirlap, 16.1.2012).

Die Kampagne für die Verteidigung des Images Ungarns läuft, vor allem seit der dramatischen Verschlechterung der Finanzlage, auf Hochtouren. Vor Weihnachten kündigte der Regierungssprecher an, die Geheimpolizei würde die für die Flucht der ungarischen Sparer verantwortlichen Gerüchtemacher ausforschen. Die Botschafter in den für Ungarn wichtigen Hauptstädten schreiben in zwei Wochen mehr empörte Leserbriefe als ihre Vorgänger in zwanzig Jahren. Außenminister Martonyi schrieb am 9. Jänner einen eher umgänglich formulierten Brief an seine Kollegen in der EU. Die publizistische Begleitmusik besteht aber auch aus geharnischten Artikeln, vor allem gegen ungarnstämmige Kritiker, von den weltberühmten Künstlern wie András Schiff und Ádám Fischer bis zu den angesehenen Schriftstellern und Wissenschaftern, wie György Konrad, Agnes Heller und Charles Gati. Die ausländischen Publizisten und Korrespondenten sollten entweder laut dem Rezept von Herrn Semjén bestochen oder als Ignoranten bzw. (bei jüdischer Herkunft) als "fremdherzige" Landesverräter mit "zweifelhafter Vergangenheit" diskreditiert und eingeschüchtert werden.

Wie es der Ungarnexperte des Wiener Instituts für Internationale Wirtschaftsvergleiche, Sandor Richter, formulierte: "Immer die anderen sind schuld, der Internationale Währungsfonds (IWF), die Opposition, die West-Konzerne. Es fehlt an Selbstreflexion." Deshalb sollte der dieser Tage veröffentlichte Sonderband der von der Deutschen Gesellschaft für Osteuropakunde (DGO) herausgegebenen Zeitschrift Osteuropa, Quo vadis, Hungaria?, eine Pflichtlektüre für sämtliche europäische Außenminister und Chefredakteure bzw. ihre Assistenten von Berlin bis Wien und Brüssel werden. In 29 Essays beschreiben deutsche und ungarische Wissenschafter und Fachleute die Ungarnkrise, für die alle Parteien die Verantwortung tragen. Die Herausgeber - Manfred Sapper und Volker Weichsel - ziehen die Schlussfolgerung aus den mehr als 400 Seiten der Analysen: "In nur anderthalb Jahren hat der Fidesz eine Ordnung errichtet, die an ein Parteienregime erinnert. Uneingeschränkte Machtkonzentration ist das Prinzip. Auf dem Spiel steht der politische Kernbestand des geeinten Europa: Freiheit und Rechtsstaatlichkeit."

Die Präsidentin der DGO ist die hochangesehene CDU-Politikerin und frühere Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth. Man kann diesen Sonderband unter ihrer Obhut vorbehaltlos empfehlen. Es ist höchste Zeit, dass die Ungarn und die Europäer von den Verschwörungstheorien und dem parteipolitisch geprägten Freund-Feind-Denken Abschied nehmen. (DER STANDARD, Printausgabe, 31.1.2012)

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    • Iran im Fadenkreuz [166]

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Posting 1 bis 25 von 89
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paci
06.02.2012 15:36

stoppt den lendvaiwahnsinn!

Bagolyvár
05.02.2012 17:23
Ungarn in den Medien

Oder in Französisch:
http://lebulletincritique.over-blog.fr/article-h... 35671.html

Mormoloc
15.02.2012 21:19
Sie wissen, wer die Gründer dieses Journals waren?

Und wer heute da schreibt? Rechte Recken.

Bagolyvár
05.02.2012 12:00
Ungarn in den Medien

Jetzt auch in Englisch:
http://www.jpost.com/LandedPag... ?id=254396

Bagolyvár
04.02.2012 23:47
Ungarn in den Medien

Jetzt auch in Englisch:
http://www.dailymail.co.uk/debate/ar... orted.html

Mormoloc
15.02.2012 21:19
Ja klar... wenn Tabloids schon herhalten müssen...

Bagolyvár
15.02.2012 21:51
Wer ist Robert Schuhmann?

Mormoloc
16.02.2012 15:36
Eben - wer soll das sein?

Wie wäre es, wenn Sie es uns mal mitteilen täten.

Alexander Patjomkin
02.02.2012 17:19
Ja ja..., die "freie" Medienwelt..

Das Wort "frei" ist für mich nicht ganz unbefleckt. Wir wissen schon wo der freie Finanzmärkte, die freie Liebe usw. führen. Auf dem ersten Blick ist das super, nach einer Zeit kommt man man darauf, dass gerade das Wesentlichste bleibt auf der Strecke.
Bei der freien Medien ist es auch nicht anders. Die Wahrheit bleibt auf der Strecke... Jeder schreibt, was er will...

Ibsen
02.02.2012 09:41
So ist das: Die Kampagne für die Verteidigung des Images Ungarns läuft auf Hochtouren, sogar in kleineren Zeitungen

Ein in Wien lebender Oberarzt verteidigt die Politik von Viktor Orbán zum Beispiel in einer kleinen regionalen Tageszeitung im Komitat Vas:

http://www.vasnepe.hu/hetvege/2... szurkolnak

Nur... wenn es in Ungarn so sehr gut ist, warum lebt und arbeitet der Herr Oberarzt in Wien?

Bagolyvár
04.02.2012 23:19
Nun liebe Aranyos

weil er in 1956 Ungarn verlassen musste, denn, entgegen einem gewissen Lendvai, hat er die Tage der Revolution nicht im Keller verbracht sondern ging auf die Strasse. Die Begabung des jungen „innsbrucker“ Medizinstudenten fiel seinem damaligen Professor auf, der ihn nach seinem Versetzung, den jungen Mitarbeiter nach Wien mitnahm. So einfach ist es!

omar chamra
02.02.2012 09:28
Die verschiedenen Anhaenger der voelkischen Orbanregierung

wollen hier beweisen, dass Lendvai Recht hat.
Dann erstens kein Auslaender versteht Ungarn, es sei denn er ist ein Rechtsextremist, denn die FPOE unterstuetzt das autoritaere System.
Die Kritiker haben keine rationale Argumente, solche haben nur diejenigen, denen es gelungen ist binnen 21 Monaten Ungarn wirtschaftlich und politisch an den Rand der Katastrophe zu bringen.
Doch viele junge Ungarn verlassen das Land mit einfachen Fahrkarten, um im von Orban gering eingeschaetzten Westen zu studieren oder zu arbeiten.

Bagolyvár
04.02.2012 23:25
Ihr ständiges Orbanieren

dürfte Ihnen so etwas wie Selbstbefriedigung bereiten.

asd123
02.02.2012 12:17

War es nicht Gyurcsány, der gesagt hat: "Wenn es jemanden nicht gefällt, kann gehen..." (Übersetzung?)

Alphysiker
01.02.2012 19:32

In diesen Artikeln findet man keine rationale Argumentierung. Man muss glauben was da steht weil Schiff "weltberuhmter" ist, oder weil Konrad "abgesehener" ist. Warum soll man glauben was ein "weltberuhmter" Pianist denkt uber Politik ist nicht erklart. Anders gesagt das ganze Artikel ist auf die angenommene Prestige ein Paar Personen konstruirt.

Und noch dazu wissen wir dass Konrad und Heller sind "abegesehene" heute, weil sie ein Karrier auf politische Opportunismus aufgebaut haben. Das sagt mehr uber wo die Weste ist heute, als uber Ungarn.

asd123
02.02.2012 08:42

Heller ist so angesehen, dass Sie vor kurzem (weil Sie die Übergreffe von der Polizei in 2006 öffentlich geleugnet hat) sogar von Gyurcsány (Sozialistische Partei) einen Preis bekommen hat.

Gastarbeiter
 
01.02.2012 19:30
geharnischten Artikeln... gegen... András Schiff

Ich erinnere mich an András Schiff, als er noch ein Knirps war, und war bereits immens populär in Ungarn. Er hat sich zu einem genialen Klavierspieler entwickelt, und so, fast ein halbes Jahrhundert später, noch popuärer geworden: er könnte mit seinem Auftreten jedes Saal füllen, obwohl er sich sehr kritisch über die Regierung aussert.
Herr Lendvai verdreht die Fakten auf seiner intelligenten Art: er erweckt den Eindruck, dass Herr Schiff in Ungrarn unterdrückt, von den Machhabern verfolgt wäre.

marcopolo1971
 
01.02.2012 13:58

Hier hast Deine Grundlage, Semjén:
http://www.pesterlloyd.net/2012_05/0... richt.html

paci
06.02.2012 15:38

pester lloyd .. schnarch...

Bagolyvár
04.02.2012 23:27
Und wer war Robert Schumann?

Mormoloc
20.02.2012 23:42
Komponist.

Janosch bacsi
02.02.2012 09:44

Auf dem zweiten Bild sehe ich nur holzsammelnden Forstarbeiter (vermutlich Gehilfen), die das eingesammelte Holz für Heizzwecken möglicherweise nach Hause mitnehmen dürfen.

Bagolyvár
31.01.2012 20:55
Re. Pier Nick

Sollten Sie Probleme mit meinen Sätzen haben, so kaufen Sie sich Lendvais Selbstbiografie „Auf schwarzen Listen“ und üben Sie sich im Lesen. Denn begreifen werden Sie es nie , dass bei den lustigen Bemerkungen über die blauen Bänder auf den Kappen nicht um sportlicher Rivalität zweier Fußballvereine geht, dahinter steht Angst, Elend, Leiden und Trauer von Abertausenden.
Fangen Sie an zu zählen wie oft Lendvai das Vertrauen seiner Umgebung missbraucht und/oder Verrat an sie begangen hat, angefangen von der nicht mehr taufrischen Obergenossin, über die Sozialistischen Partei, die K. P., ORF und Bacher, bis Menschenrechtsaktivisten wie Susan Sonntag und Danilo Kisch.
Wenn Sie es doch begriffen haben, dann melden Sie sich wieder zu Wort!

Marcus Maccabaeus
31.01.2012 17:42
Niemand kann abstreiten, dass die Kampagne über die bevorstehende Pleite Ungarns rein politisch motiviert war.

Nachdem Orban jetzt einen Diener gemacht hat steigt plötzlich der Forint und die Zinsen sinken wieder.

G.Albrecht
31.01.2012 14:12
Es fehlt nicht nur an Selbstreflexion

Wie jeder sagen kann, der in Ungarn war und dort viel mit Menschen gesprochen hat: Die können nicht über sich selbst lachen. Der "Herr Karl" auf ungarisch ist nicht vorstellbar, das wäre Staatsverrat...

Und genau das sieht man in den derzeitigen Kampagnien.

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