Haplogruppen deuten auf eine gemeinsame "Urmutter", die vor etwa 140.000 Jahren lebte
Washington/Perugia - Die Urmutter aller modernen Pferde
durchstreifte die Steppen Asiens vor etwa 130.000 bis 160.000 Jahren. Dies geht
aus genetischen Analysen eines internationalen Forscherteams hervor, das einen
neuen Stammbaum der Pferde aufgestellt hat. Zugleich bestätigten die Forscher,
dass die Zähmung von Pferden nicht von einem Zentrum ausging, wie das etwa von
Rindern und Schafen bekannt ist, sondern unabhängig an vielen Orten Asiens und
Europas geschah. Sie präsentieren den Pferde-Stammbaum in den "Proceedings" der
US-amerikanischen Akademie der Wissenschaften.
Das Team um die Italiener Alessandro Achilli von der Universität Perugia und
Antonio Torroni von der Universität Pavia hatte die genetischen Eigenheiten von
83 Pferden untersucht. Die Forscher analysierten das Erbgut in den
Mitochondrien, den Kraftwerken der Zellen, die nur von der Mutter weitergegeben
werden. Dabei fanden sie 18 sogenannte Haplogruppen mit spezifischen genetischen
Merkmalen, die jeweils auf einen gemeinsamen Ursprung einzelner Pferdegruppen
hinweisen. Alle diese Gruppen deuten wiederum auf eine gemeinsame "Urmutter", die vor
etwa 140.000 Jahren lebte. Das Przewalski-Pferd, das vielen Forschern als
einziges, heute noch lebendes Wildpferd gilt, habe dabei eine genetische
Sonderrolle.
Mit der Genanalyse lasse sich zwar kein exaktes Datum für das Domestizieren
festlegen. Archäologische Funde deuten nach Angaben der Forscher jedoch auf eine
erste Zähmung der Pferde vor 7.000 bis 6.000 Jahren hin. Ein Vergleich mit dem
nun aufgestellten Stammbaum zeige, dass die Tiere an mehreren Orten Europas und
Asiens domestiziert worden seien, schreibt das Team. (APA/red)