Volumen an faulen Krediten: Zehn Milliarden Euro
Wien - Gottwald Kranebitter ist "mit Herz, Hirn, Händen und Füßen dabei": 2010 sei in der Hypo Alpe Adria, deren Chef er ist, das Jahr der Analyse gewesen, 2011 habe man die Bank auf Schiene gestellt und mit dem Abbau begonnen, heuer werden man die "Nachhaltigkeit der guten Teile der Bank sichern". So beschrieb Kranebitter seine Tätigkeit am Montag im Klub der Wirtschaftspublizisten in Wien. 2011 habe die Bank ein Ergebnis "nahe der Nulllinie" erwirtschaftet, wobei er die Frage, ob man drüber oder drunter liegt, nicht beantwortete. (Verlust 2010: eine Milliarde.)
Allerdings sei die Grenzfrage plus/minus null "nicht wichtig, was zählt ist, was mit den notleidenden Krediten passiert", wie ein Aufseher kommentiert. Und die sind so gering nicht, wie Kranebitter erläuterte. Mit zehn Mrd. Euro machen sie fast ein Drittel der Bilanzsumme (36 Mrd. Euro) aus, abgeschrieben wurden im Vorjahr 3,5 Mrd. Der weitere Abbauplan für die faulen Kredite: 1,5 bis 2,5 Mrd. Euro im Jahr.
Für heuer hat sich der Bankchef zum einen vorgenommen, schwarze Zahlen in die Bilanz zu bringen, zum anderen wird das Institut (ohne die faulen Kredite) verkaufsfit getrimmt. Das Geschäft in Österreich, Italien und Südosteuropa soll versilbert werden, "am liebsten wollen wir das gesamte Südosteuropa-Netzwerk verkaufen, allenfalls auch einzelne Banken", so Kranebitter. Beides ist derzeit aber illusorisch, denn "die Märkte sind trocken. Der Zeitraum für Verkäufe ist nicht bestimmbar, wir rechnen mit zwei Jahren und mehr", erklärte Kranebitter.
Was er erneut beteuerte: Zu den 1,5 Mrd. Euro, die die Steuerzahler bislang in die Bank gesteckt haben, soll nichts mehr dazu kommen. Ob etwas davon zurückfließen wird, das wollte der Banker freilich nicht sagen. Nur so viel: Die Landeshaftungen seien um drei Mrd. Euro gesunken; derzeit garantiert das Land Kärnten noch mit 17,5 Mrd. Euro und der Bund mit 600 Mio. 2017 sollen die Haftungen dann Vergangenheit sein.
Apropos: Ein großes Thema ist und bleibt die Vergangenheitsbewältigung (siehe Artikel unten). Man habe 300 Fälle auf mögliche kriminelle Machenschaften untersucht, rund 70 Anzeigen gibt es, letztlich rechnet Kranebitter aber nur mit "20 bis 30 großen Fällen". Wobei er große Erwartungen an den (noch nicht bestellten) "Sonderbeauftragten" hat, der künftig die großen Causen herausfiltern soll, bei denen Anzeigen Chancen auf Erfolg haben. Er soll an den Eigentümer berichten, aber dem Vorstand unterstellt sein.
Wer übrigens wissen will, was der Herz-Hirn-Hand-&-Fuß-Banker mit seiner Seele tut, bekommt folgende Auskunft: "Die habe ich nicht verkauft." (gra, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 31.1.2012)