Die islamistischen Wahlsiege in Tunesien und Ägypten und der Aufstand in Syrien verändern auch den regionalen und geopolitischen Kontext, in den die palästinensische Hamas eingebettet ist
Die islamistischen Wahlsiege in Tunesien und Ägypten einerseits und der Aufstand in Syrien andererseits verändern ganz plötzlich auch den regionalen und geopolitischen Kontext, in den die palästinensische Hamas eingebettet ist: Ihre große Mutterpartei, die Muslimbrüderschaft in Ägypten, ist dort stärkste Kraft und somit Gesprächspartnerin des Westens, und die syrischen Muslimbrüder, deren Unterdrückung durch Hafiz al-Assad der Westen noch widerspruchslos hingenommen hat, sind nun Partner im Kampf gegen das syrische Regime.
Die arabischen Golfstaaten haben die Chancen erkannt: Der katarische Kronprinz hat Hamas-Chef Khalid Meshal am Wochenende nach Jordanien begleitet, von wo er 1999 auf Druck der USA ausgewiesen wurde. Die Hamas soll aus dem iranisch-syrischen Einfluss gelöst werden, und die Anfänge sind gemacht: Zwar wird das offiziell dementiert, aber das Hamas-Politbüro ist de facto bereits aus Damaskus abgewandert. Hamas-Premier Ismail Haniyeh reist soeben nach Katar - von wo er gut präpariert einen Trip nach Teheran antreten wird.
Die Hamas wird sich entscheiden müssen, und zum Seitenwechsel gehört unweigerlich auch ein Schub an Pragmatismus in der israelisch-palästinensischen Frage. Manche Beobachter sehen diesen Paradigmenwechsel bereits. Wenn er erfolgt, wird sich der Westen - aber auch Israel - neu mit der Hamas befassen müssen. (DER STANDARD, Printausgabe, 31.1.2012)