Appetithäppchen von "Mundräuber" Putin

30. Jänner 2012, 18:19

Premier verspricht Reformen und besseres Investitionsklima - Kritik von Chodorkowski

Portionsweise veröffentlicht Russlands Premier Wladimir Putin sein Programm vor den Präsidentenwahlen am 4. März. Nachdem er schon Iswestija und Nesawissimaja Gaseta mit Artikeln gefüttert hatte, versprach er nun in der Wirtschaftszeitung Wedomosti dem reformhungrigen Mittelstand umfassende Änderungen.

"Wir brauchen eine neue Wirtschaft mit einer konkurrenzfähigen Industrie und Infrastruktur, mit einem entwickelten Dienstleistungssektor und effizienter Landwirtschaft" , schreibt Putin. Um den technologischen Rückstand aufzuholen, will sich Putin auf die Forcierung einiger Sektoren konzentrieren: Pharma-Industrie, Chemie, Herstellung von Verbundmaterialien, Luftfahrt, Kommunikations- und Nanotechnologien. Zugleich kündigte er auf seiner Website eine Steuer auf Luxusautos und teure Wohnungen ab 2013 an, freilich ohne Details.

Die Reformversprechen umfassen aber auch den Staatsaufbau. Exekutive und Justiz müssten sich verändern, forderte er: "Die Verflechtung von Polizei, Staatsanwaltschaft und Gerichten muss abgebaut werden. Aus dem Strafgesetzbuch müssen alle Rudimente des sowjetischen Rechtswesens und alle Elemente entfernt werden, mit denen aus einem zivilrechtlichen Wirtschaftskonflikt Strafverfahren fabriziert werden können" , so Putin. Das solle die Korruption eindämmen und das Investitionsklima verbessern.

Natürlich hätte der Premier als Russlands wichtigster Politiker früher etwas tun können, um die Missstände zu beheben. Doch laut Putin hat Präsident Dmitri Medwedew den Russen die Suppe eingebrockt. Medwedew habe zwar eine Reihe von Reformen initiiert. "Aber spürbare Veränderungen gibt es noch nicht" , konstatiert Putin wie ein Außenstehender.

Pfeffer für Putin gab es stattdessen von anderer Seite: Der inhaftierte Milliardär Michail Chodorkowski verglich ihn mit einem Dieb, der eine Wurst aus der Fabrik habe mitgehen lassen. Immerhin habe er die Wurst keiner alten Frau gestohlen, so Chodorkowski, damit sei er "zwar ein Dieb, aber kein Abschaum" und somit möglicher Verhandlungspartner für die Opposition.

Die Opposition müsse den Dialog suchen, um ihre Forderungen durchzusetzen, ist Chodorkowski überzeugt. Es gelte, unabhängige Medien und Gerichte zu schaffen, die Korruption auszurotten, die Opposition an der Regierung zu beteiligen und die Macht des Präsidenten zu begrenzen. "Russland braucht keine Führer - keine alten und keine neuen", schrieb er aus dem Gefängnis. (André Ballin aus Moskau/DER STANDARD, Printausgabe, 31.1.2012)

Molodez
01
31.1.2012, 19:45
"Kritik von Chodorkowski"

Na und? Werden wir vielleicht zu den US-Wahlen auch von Kritik von Madoff oder zu den Nationalratswahlen mit Kritik von Elsner unterrichtet? Das hat genau den selben Grad an Bedeutung.

Und wenn berichtet wird, dass Chodorkowski, der schon Duma-Abgeordnete bestochen hat dahinfabuliert, man solle die Korruption ausrotten, möge man den Beitrag doch bitte in die Rubrik Humor einordnen. Danke.

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.