Kommentar von Thomas Mayer

Merkels gefährliches Manöver

Kommentar | Thomas Mayer, 30. Jänner 2012, 18:52

Aufpasser-Vorschlag der Kanzlerin schürt Ängste vor Deutschland, stärkt EU nicht

Mit der Idee, Griechenland einen eigenen Haushaltskommissar mit allen Vollmachten vorzusetzen, der über das Parlament in Athen hinweg Budgetbeschlüsse blockieren könnte, hat Angela Merkel sich einen schweren Schnitzer geleistet; den ersten wirklich großen politischen Fehler im Krisenmanagement der EU-Spitzen seit Ausbruch der Probleme in der Eurozone Ende 2009.

Kein Wunder, wenn Präsident Nicolas Sarkozy die Gunst der Stunde nützte und sie mit seinem Alleingang zur Einführung einer Finanztransaktionssteuer in Frankreich gleich noch zusätzlich düpierte.

Dabei war dieses Management für sich genommen ohnehin gepflastert mit Fehlern und Schwächen: zu wenig, zu zaghaft, zu langsam. Das schien die Devise, als es darum gegangen wäre, den Euroraum als Ganzes in der Welt der Investoren energisch zu schützen und zu stärken. Die deutsche Kanzlerin - ganz schwäbische Hausfrau und auf "Sparen, sparen, sparen" fixiert - stand als mächtigste Regierungschefin die ganze Zeit unter Druck. Sie denke nur an Deutschland und erwürge mit der Sparwut ganze Volkswirtschaften der Partner, so der Hauptvorwurf.

Das war nicht immer gerecht. Denn Merkel ist es immerhin zu verdanken, dass in der Union trotz schwerer Konjunktur- und Schuldenkrisen vor allem in den südlichen Eurostaaten ein neues Bewusstsein in Bezug auf strengere Fiskalregeln im Euroraum eingetreten ist. In Italien, in Spanien wird bereits anders und vernünftiger regiert als noch vor zwölf Monaten.

Mehr Integration in der Eurozone, gestraffte gemeinsame EU-Haushaltsregeln oder - zuletzt - der neue Fiskalpakt zeugen von Verbesserungen, für die vor allem die deutsche Kanzlerin sorgte. Anders als vor zwei Jahren gilt es heute als akzeptiert, dass Länder mit gemeinsamer Währung nicht einfach tun und lassen können, was sie wollen, sondern sich an gemeinsame Regeln halten müssen.

Dennoch: Wer die Stimmung beim jüngsten EU-Gipfel in Brüssel beobachtet hat, konnte feststellen, dass diese zwischen den Staatenvertretern so gereizt ist wie lange nicht.

Nicht nur wegen Griechenland, das seine Verpflichtungen nicht einhält. Und wohl auch nur schwer einhalten kann; so wie Portugal, das nur vorerst aus dem Fokus der Volkswut in den reichen Euroländern gegen die "Schuldensünder" im Süden gekommen ist. Das kann sich aber rasch ändern, die portugiesische Wirtschaft springt nicht an, so hart die Regierung auch arbeitet.

Auch enge Freunde und Partner der Deutschen wie Eurogruppenchef Jean-Claude Juncker aus Luxemburg und sogar Kanzler Werner Faymann - sonst ganz auf deutscher Linie - zeigten sich über "Angela" wenig erbaut.

Der Grund ist einfach: Mit ihrem Aufpasser-Kommissar hat sie etwas vorgeschlagen, was Deutschland und dessen Bundesverfassungsgerichtshof für sich nie und nimmer akzeptieren würden: einen Budgetvollzieher von außen, der sich über demokratische Regeln, über Parlamente und Regierungen hinwegsetzen könnte.

Der deutsche Bundestag war es, der gegenüber den EU-Partnern und den gemeinsamen Institutionen vor gar nicht langer Zeit das Budgetrecht der Parlamente als "Königsrecht" der Demokratie verteidigte. Niemals würde er es gegenüber "Brüssel" preisgeben. Merkel hat diesen Grundkonsens in der Union infrage gestellt. Ein gefährliches Manöver. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 31.1.2012)

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RegR Borromäus Maschitz
01
31.1.2012, 18:02
kein "schnitzer"

sondern ein kraftvolles zeichen merkels gegen den griechischen stillstand bei reformen!

Chiricahua
04
31.1.2012, 15:55
merkel hat völlig recht!

außergewöhnliche umstände erfordern außergewöhnlich lösungen. es ist ja nicht so, dass die schwächsten länder nur ab und zu mal einen fehler begangen hätten. hier wurde jahrzehntelang nur in den eigenen beutel gewirtschaftet. das stellt auch eine krise nicht ab. alle diese länder haben sich sehenden auges überschuldet und das geld verprasst, und dann soll ich denen respekt und vertrauen schenken und das geld meiner wähler noch obendrauf? ein witz, oder?
diese länder reiten uns alle tief mit rein. da ist es mir wurscht, was die faseln von wegen selbstbestimmungsrecht. deren politik hat versagt, warum soll sie jetzt dann auf einmal greifen? schwachsinn!

dasächts !!
112
31.1.2012, 14:39
ist

ja nichts neues das von den deutschen das übel ausgeht.auch heute geht es um machterweiterung.

Jürgen Rembremerding
15
31.1.2012, 15:29
wenn es gar so übel ist, dann

sollte man Deutschland seine Nettoüberweisungen an die EU umgehend rückerstatten. Ein aufrechter Staat ohne Eigeninteressen sollte stolz genug sein, kein deutsches Geld annehmen.

Die kleine Lücke in der Kasse können ja dann Portugal und Belgien stopfen.

linzergutmensch
00
31.1.2012, 22:54
gerne,

wenn auch österreich seine nettobeiträge zurück bezahlt bekommt.dann müssten wir nicht bei pensionen,im sozialbereich und bei sonstigen staatsausgaben sparen.ausserdem ist die eu eine fehlkonstruktion und es wäre besser es würde sie nicht geben.

ministry of silly walks
00
31.1.2012, 17:32

Wie sie (deutsche Politiker) eingestehen, haben sie (die Deutschen) am meisten von der EU und dem Euro profitiert. Das könnte dann halt auch zu Ende sein.

Andrej Stoltz
01
31.1.2012, 18:32
"Das könnte dann halt auch zu Ende sein."

Das ist sogar schon zu Ende.

Dieses Jahr, 2012, wird zu ersten Mal China ihr (der Deutschen) grösster Exportmarkt sein. Vor USA und Frankreich.

Wer braucht noch Europa ?

zimbo
 
62
31.1.2012, 12:46
Schon gehört, der Chef der Tories, denkt laut über einen Austritt nach,

und meint, mehr als 50% der Briten wären dafür.

Wär doch schön wenn wir uns aus der Zone schleichen könnten, dann braucht auch keiner mehr für die teuren, sinnlosen Gipfel zahlen.

Schwarz Grün
00
31.1.2012, 18:24
es wäre schön wenn sich ...

die briten bald schleichen würden

Rose Bud
13
31.1.2012, 15:47
Und dann?

Dann wie weiter?

Schlaumeyer... und Dampfplauderer

zimbo
 
20
31.1.2012, 16:16
Dann schau ich mir an, was unsere ehemaligen Nachbarn so treiben.

cookieberlin
02
31.1.2012, 17:26

Viel Spaß, denn da gibts was aufs Auge.
Was Sie sehen können: Freier Handel und eine starke Gemeinschaft, keine Kriegsgefahren, starke Strukturentwicklung und fortschrittliche Gesellschaftsentwicklung bei den Nachbarn.
Die andere Seite: Österreich/Zimbo allein zu Haus.
Mit seinen künftig stark steigenden finanziellen Verbindlichkeiten aus den Osteuroparisiken, mit seinen dringend benötigten Einfuhren, auf die dann bildschöne Währungstransferkosten entfallen und vor allem mit seinen Politikstrategen, die sich aber auch auf jedem Parkett gerne zur Seite schieben lassen.
Die reinste Idylle.
Das deindustialisierte/ gefährlich überschuldete GB wollen wir aus Gründen der Pietät schon nicht mehr ansprechen.

zimbo
 
00
LOL,

mit der Propaganda hat man die Ösis zum Beitritt abgelinkt.

Wir leben in einer Finanzdiktatur übelster Sorte.Deswegen werden die gesammelten Stimmen für einen Austritt auch nicht zugelassen, damit der Volkswille im Keim erstickt.

cookieberlin
00

Sie glauben, den österr. Volkswillen zu repräsentieren?

zimbo
 
00
Stmk hat 26% Befürworter.

Warum scheucht man so eine Abstimmung, wie der Teufel das Weihwasser.

Schätze die Österreicher würden sofort austreten, wenn sie das könnten.

Aber Diktatur ist Diktatur.

cookieberlin
00

Eine Frage hab ich noch.
Wenn Ö eine Diktatur sein soll, welches Land wäre dann nach Ihrer Meinung demokratisch regiert?
Vielleicht sollten Sie für sich den Unterschied von Diktatur und Demokratie erstmal definieren, ggfs. mal ins B-VG schauen.
Möglicherweise geht Ihnen dann ein Licht auf, daß ein Wahlrecht auszuüben nicht immer selbstverständlich war.
Soviel Freiheit wie jetzt gabs noch nie in ganz Mitteleuropa.

zimbo
 
00
Gern, Schweiz oder Island um mal bei Europa zu bleiben.

Ö ist eine Teilrepublik der EU, wie wir derzeit gut sehen können bessere Folklore in politischer Hinsicht.

Wahlrecht gibst auch in Afghanistan, Irak, Demokratischen Volksrepublik Korea, nur wählen könnens dort nix (wie bei uns).

stretfordender
22
31.1.2012, 12:06
Merkel hat Recht

so ein Kommissar wäre schon gut gewesen.
Haben sich halt wieder die Pseudo-Netten durchgesetzt :P

Michael Seeber
01
31.1.2012, 11:50

guter und richtiger kommentar - und was hier im forum zu lesen ist, zeigt, dass man offensichtlich nicht den geringsten funken an demokratischem verständnis vorraussetzen kann. würde österreich unter solche kuratel gestellt werden, wie von merkel für griechenland vorgesehen, ein aufschrei würde durchs forum gehen, und bei den nächsten wahlen hätte die fpö die absolute mehrheit...

Dimple
02
31.1.2012, 13:31
Die Sache ist halt die

die dt. Kanzlerin befürchtet, dass sie das Geld, das für Griechenlands Probleme hergeborgt wird, nie wieder sieht. Und so ganz abwegig ist es auch nicht, wenn der, der Hauptzahler ist, auch etwas mitreden will.

lg
Dimple

Die Ente Lippens
21
31.1.2012, 11:45
So ein Unsinn. Wenn Deutschland für andere zahlen soll, darf Deutschland doch einige Bedingungen stellen.

Frechheit siegt ist offenbar das Motto von Griechenland & Co.

Seltsam?? Aber so steht es geschrieben.
 
12
31.1.2012, 11:40
"...Eurogruppenchef Jean-Claude Juncker aus Luxemburg und sogar Kanzler Werner Faymann.."

guter humor beide in einem atemzug zu nennen.
falls es so gemeint war.

den visionslosen und insgesamt fürchterlich patscherten faymann kennt in brüssel in wahrheit kein mensch.

freiheitdermeinung
45
31.1.2012, 11:33
Ich bin dafuer

dass Deutschland sich zu Grossbritannien und Tchechien gesellt und die anderen machen laesst. Dann braucht auch keiner mehr am deutschen Wesen genesen oder die Deutschen Nazis zu schimpfen oder sonstwas. Man schlaegt nicht die Hand die einen fuettert und wenn es nach den deutschen Waehlern ginge waere schon laengst Schluss mit dem Schreiben von Milliardenschecks an meckernde Nehmerlaender. So einfach ist das. Luxemburg kann ja gerne einspringen oder auch Italien, Spanien oder Bulgarien. Auch Oesterreich waere wilkommen statt Deutschland das Fuellhorn auszuschuetten.

freiheitdermeinung
11
31.1.2012, 11:26
Man nennt sowas Insolvenverwalter

aber gut die "Demokratien" die uns das ganze Schuldenchaos eingebrockt oder doch zumindest zugelassen haben pochen nun auf ihr "Koenigsrecht" und die "Souveraenitaet". Wenn es in der Vargangenheit schief gelaufen ist warum sollte es jetzt besser werden? In ein paar Monaten sprechen wir uns wieder. Dann wird man GR Milliarden ohne Aufpasser zugeschoben haben ohne dass sich wirklich etwas aendert. Alle tun bestuerzt. Mehr Geld muss her um den Fehler auszumerzen und irgendjemand - auch der unsaegliche Schlaumeier Juncker - wird sich dann an Frau Merkel erinnern. Ja, bloed - hat sie DOCH recht gehabt wird man sagen. Zu spaet. Du rettest den "Freund" Griechenland nicht mehr. Wer zahlt fuer diesen Schlamassel ? Na wer wohl ? So ist Demokratie.

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