Kärnten

Das giftige Erbe der Batteriefabrik

30. Jänner 2012, 17:55
  • Artikelbild
    foto: apa/eggenberger gert

    Blei, Arsen, Cadmium: Die Rückstände der Batterieproduktion belasten Boden und Wasser in Feistritz.

Die Sanierung der "Jungfer Akkumulatorenfabrik" kostet über sechs Millionen Euro - Die Bleikontamination reicht in eine Tiefe von acht Metern

Feistritz - An den einst wichtigsten Arbeitgeber der Region erinnert nur noch das Logo mit dem gelben Bären, das auf einer Hauswand auf dem ehemaligen Fabriksgelände prangt: Die Bären-Batterie-Produktion in Feistritz im Rosental ist seit 1998 eingestellt. Allerdings hat die nach Firmengründer Leopold Jungfer benannte "Jungfer Akkumulatorenfabrik" ihre Spuren hinterlassen: Bleikontaminationen, die bis in eine Tiefe von acht Metern reichen, dazu erhöhte Konzentrationen an Antimon, Arsen, Cadmium, Kupfer, Zink und Kohlenwasserstoffen. Betroffen sind Grundwasser, Boden und die Feistritz - für das Umweltbundesamt Grund genug zur Einstufung in die zweithöchste Prioritätenstufe des Altlastenkatasters.

Die Sanierung steht nun kurz bevor. 6,4 Millionen Euro sollen die Maßnahmen kosten, knapp fünf davon kommen aus dem Altlastensanierungsfonds. Den Rest übernimmt der Eigentümer des Geländes, die Bären-Liegenschaftsverwaltung. "Aus heutiger Sicht können wir den restlichen Betrag finanzieren", sagt deren Gesellschafter Robert Uckermann auf Standard-Anfrage. Im Moment sind zwei Drittel des am Eingang zum Bärental gelegenen Areals an Unternehmen vermietet, auch Bären Batterie hat darauf noch einen - aus nur mehr einer Halle bestehenden - Standort. Uckermann plant, auf der Liegenschaft Betriebe mit dem Schwerpunkt Holz anzusiedeln: "Das Bärental verfügt ja über große Holzreserven." Erster Schritt ist der Bau eines Biomasseheizwerks, das die Feistritzer Bevölkerung mit Fernwärme versorgen soll.

Kein Weiterverkauf

Ob der Unternehmer nach der Sanierung das Gelände weiterverkaufen will? "Das habe ich definitiv nicht vor", sagt Uckermann. Jetzt stehe erst einmal das Behörden- und Vergabeverfahren zur Sanierung an, Anfang Sommer solle dann mit den eigentlichen Maßnahmen begonnen werden, die etwa ein Jahr dauern werden.

"Für die Region wäre es wirklich wichtig, dass das Gelände saniert wird. Immerhin ist da eine Fläche von fast fünf Hektar kontaminiert", sagt Sonya Feinig (SP), Bürgermeisterin von Feistritz. Die Metallindustrie hat in der 2600-Einwohner-Gemeinde eine lange Tradition: Seit dem 16. Jahrhundert wurde am Standort der Jungfer Akkumulatorenfabrik Eisen verarbeitet, 1939 belebte Leopold Jungfer das sechs Jahre zuvor geschlossene Eisenwerk wieder und startete die Batterieproduktion, die in ihrer Blütezeit 450 Mitarbeiter beschäftigte. Jungfer verkaufte 1992 Bären Batterie an den italienischen Fiamm-Konzern, der in den Jahren darauf einen harten Sanierungskurs einschlug. 1998 wurde das Werk in Feistritz geschlossen, 180 Mitarbeiter verloren ihren Job, die Batterieproduktion wurde nach Tschechien verlagert. Seit 2008 ist das Grundstück im Besitz der Bären-Liegenschaftsverwaltung. (Jutta Kalian, DER STANDARD-Printausgabe, 31.1.2012)

Die Jungfer Akkumulatorenfabrik ist eine von insgesamt 18 Altlasten in Kärnten, österreichweit sind es insgesamt 143.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 103
1 2 3
phantomas phantomas
00
18.2.2012, 12:09
Wieso zahlt die Öffentlichkeit den

Löwenanteil und die Nachfolgegesellschaft nur einen kleinen Bruchteil ? Das kann doch keiner erklären.

altbürgermeister
00
Antimon, Arsen, Cadmium, Kupfer, Zink und Kohlenwasserstoffen

Wahnsinn, wie stark die sterblichen Überreste eines Rechtsextremisten die Umwelt belasten können.

just my 2g Senf
00
Liebe Redaktion,

ein kleiner Hinweis: da es in Kärnten mehrere Orte mit dem Namen "Feistritz" gibt, wäre es zur genaueren Bestimmung hilfreich, gleich am Anfang das Feistritz zu spezifizieren, um das es geht.
Also z.B. "Feistritz im Rosental" am Anfang des Artikels anzugeben, damit man gleich weiß, dass nicht etwa das bei Bleiburg oder im Gailtal gemeint ist (im Text erschließt sich das zwar später, aber angenehmer wäre es eben anders, ohne vorherige Google-Recherche des Lesers, welches denn wo). Vielen Dank :-)

Miklova Zala
 
00
das heißt im klartext

die öffentlichkeit trägt die last für die dringende sanierung bzw. ein umweltproblem, das ein privates profitorientiertes unternehmen hinterlassen hat.

und dann siedelt sich wieder ein neues unternehmen an? ja, dürfens denn das?!

max1210
05
31.1.2012, 15:31

Meines Erachtens muss das der Fiamm-Konzern zu 100% bezahlen. Er hat die "Bären-Batterie" gekauft und ist auch für die später erkannten Umweltschäden verantwortlich.

vallis rosarum
 
00
"fünf Millionen kommen aus dem Altlastensanierungsfond"

So steht es zumindest im obigen Artikel.

prado
03
31.1.2012, 14:30
Jungfern Sanierung ist meistens aufwendig

TanteMitzi
03
31.1.2012, 13:53
So ging das

Herr Bürgemeister/ Herr Landesrat,
wir tun das Beste um die Arbeitsplätze zu sichern. Da kommens uns ein bisserl entgegen. (Außerdem ist Blei ein 100%iges Naturprodukt)

altbürgermeister
00

In diesem Fall: Frau Bürgermeisterin

Yudhistira
00
31.1.2012, 13:43
Was ist eigentlich mit dem Grundstück,

dass die Batteriefabrik damals an Haider abtreten musste?
Oder ist in Ösistan das System der Mitläufer und Mitschneider so dicht, dass Machenschaften, die die Spatzen von den Dächern pfeifen, von Behörden/Justiz unter der Tuchend gehalten werden?

Philippe Djian
011
31.1.2012, 12:43
Sozialisierung von Kosten ...

...die einprivater verursacht hat (nachdem er dafuer zuvor auch noch abgecasht hat). na bravo!

genau solche "subventionen" gehoeren ersatzlos gestrichen!

anstelle dessen ist ein "altlasten"-grundstueck entweder vom eigentuemer zu "entlasten", oder aber es verfaellt an den staat, der dann gerne den "altlastenfonds" dafuer anzapfen darf.

wer bekommt es als naechstes hinten reingeschoben? ...der graf aus luising, dessen jauchegruben entsorgt werden muessen?

diese gesetzliche regelung ist selbst ein "altlast" - und gehoert umgehend bereinigt

Harald Bruckner
01
31.1.2012, 14:24
Wieso gibt es hier kein Strafverfahren?

Bürgerüberwachungs- und Totengräberindustrie
010
31.1.2012, 12:12
"6,4 Millionen Euro sollen die Maßnahmen kosten, knapp fünf davon kommen aus dem Altlastensanierungsfonds."

Also von uns Stuerzahlern.

Nachdem die ÖVP-Leistungsträger abgesahnt haben.
Zurück bleibt nur Ausbeutung und Vergiftung.

ikepod
02
31.1.2012, 12:04
der grossteil der giftigen abfälle ist seinerzeit über den feistrizbach in die drau geleitet worden.

ich habe seinerzeit proben am abfluss der fabrick genommen.
diese in der schule analysiert und das ergebnis war
keinerlei giftige inhaltsstoffe.
jedoch gab es zeichen von verätzten klaksteinen und pflanzen beim abfluss.
danach hatte mir ein ehemaliger mitarbeiter erzählt dasss es in der fabrick auffangbecken für die giftigen abfälle gibt , die dann in der nacht "entorgt" wurden.

wer hatte damals das werk kontrolliert?

phantomas phantomas
00
18.2.2012, 12:13
Können Sie uns das bitte in einem verständlichen Deutsch erklären ?

level2k7
 
04
31.1.2012, 11:23

"Jungfer verkaufte 1992 Bären Batterie an den italienischen Fiamm-Konzern." - hier wäre die Möglichkeit einer privaten Haftung notwendig. Unternehmer/Manager berufen sich bei hohen Einkommen auf die große Verantwortung, die sie tragen - wenn dann etwas schief geht haften aber immer die Unternehmen, die Mitarbeiter, die Gesellschaft, etc...Hr. Jungfer bzw. seine Erben leben wahrscheinlich (?) ganz gut vom Erlös des Unternehmensverkaufs.

flohimpelz
00
31.1.2012, 11:00
Immer nur ungustiöse Schreckensmeldungen,

welche aus dem Bärental an die Öffentlichkeit dringen - ich war schon guter Dinge und dachte der Spuk ist vorbei.

tramezzino
04
31.1.2012, 10:59
spannend

wieso wird der eigentümer nicht enteignet, die liegenschaft saniert und der verkaufserlös zur abdeckung der kosten herangezogen?

Senna4ever
00
31.1.2012, 10:55
In diesem Zusammenhang möchte ich nicht

wissen was so unter (fast) jeder Tankstelle verborgen liegt.

tnt
09
31.1.2012, 10:46
Könnte der Altlastensanierungsfonds nich gleich auch die FPK- Partie mitentsorgen??

Entfesselter Prometheus
02
31.1.2012, 10:45
Altlasten = Sondermüll

Zum besseren Verständnis in der derzeitigen Übergangsphase von Normalsprech auf Neusprech.

Che Geh Wara
015
31.1.2012, 10:31
Kosten sozialisieren

Interessant: der Löwen- (oder besser: Bärenanteil) für die Finanzierung stammt aus dem Altlastensanierungsfonds. Zitat Umweltbundesamt: „Die Schadensentstehung liegt in allen Fällen weit zu- rück und Verursacher sind entweder schwierig zuzuordnen, nicht mehr existent, oder möglicherweise nicht zahlungsfähig.“ Verstehe. Die Eigentümer haben verdient, verkauft, stillgelegt. Und andere bezahlen die Rechnung, während die Eigentümer ein neues Geschäft hochziehen. Danke.

Leser1010
 
00
31.1.2012, 09:55
Gut,

dass was gemacht wird. Schade, wenn die Schwermetalle nicht aufbereitet und weiterverarbeitet werden.
Allerdings skeptisch bin ich, wenns um die ansässige Hoilzindustrie geht. Ob die denn so viel besser sind?

tgaog
01
31.1.2012, 09:36

seit fast 15 jahren stillegelegt. aber jetzt kommt man drauf oder wie?

Ohne Gurt im Ionensturm
02
31.1.2012, 10:12

Nein, jetzt beginnt man zu sanieren.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 103
1 2 3

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.