Schuldenkarussell noch ohne Ausfahrt

30. Jänner 2012, 17:44
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    foto: apa/markus leodolter

    Das Geld liegt auf der Schiene auch abseits der Milliardentunnels - im Bild ein Sondierstollen für den Koralmtunnel. Wo es gehoben werden kann, darüber gehen die Expertenmeinungen auseinander.

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    grafik: standard

Betrachtet man die Investoren der 37 Anleihen, die die ÖBB bisher begeben hat, gehört der Republik nur mehr ein Bruchteil des ÖBB-Schienennetzes

Die Grünen drängen auf einen Stopp des Schuldenkreisverkehrs.

***

Wien - Der Schutzmantel, mit dem Verkehrsministerin Doris Bures (SPÖ) die ÖBB vor Ausverkaufsgelüsten des Koalitionspartners schützen will, scheint einigermaßen löchrig. Denn genaugenommen geht es der Republik mit dem um Milliarden Euro ausgebauten Bahnnetz wie mit zahlreichen Reisezugwaggons und Güterbahnhöfen, die in Cross-Border-Leases verschoben wurden: Sie gehören Österreich längst nicht mehr.

Von den 11,5 Milliarden Euro, die über 37 Anleihen vom Teilkonzern ÖBB-Infrastruktur aufgenommen wurden, werden die Hälfte von institutionellen Investoren aus Frankreich gehalten, rund ein Fünftel von deutschen und geschätzte zehn Prozent von schweizerischen. Österreicher Provenienz sind demnach nur rund 15 Prozent der Anleihezeichner (siehe Grafik).

Aufgegliedert nach Investorentypen stammt das geborgte Geld, das überwiegend in den Ausbau des Hochleistungsstreckennetzes investiert wird, zu 60 Prozent von Fonds und zu zehn Prozent von Banken. Weniger als ein Viertel der Geldverleiher wird der Versicherungsbranche zugeordnet.

Daran dürfte sich auch so bald nichts ändern. Denn der im September 2011 von Bures und ÖBB präsentierte Investitionsplan für das Zielnetz 2025+ sieht einen Ausbau des Schuldenbergs auf 30 Milliarden Euro vor. An den Tunnels unter Koralpe, Semmering und Brenner soll nicht gerüttelt werden. Nicht an den Grundfesten rütteln will auch die ÖVP. Sie will "Optimierungspotenziale" heben (und so die Ausgaben pro Jahr um 25 Prozent oder 500 Millionen Euro senken), stellt die Tunnelprojekte aber nicht infrage.

"Wer die ÖBB aus der Umklammerung der internationalen Finanz- und Bau-Mafia und vor dem Abverkauf nach AUA-Muster ans Ausland retten will, muss unbezahlbare Großprojekte stoppen und das Schulden-Ausverkauf-Karussell aufhalten", kontert Grünen-Verkehrssprecherin Gabriela Moser. Sie hält insbesondere die von ÖVP-Funktionären erstellte Rechnung, wonach die ÖBB ihren 25-Prozent-Anteil an Annuitäten durch Einnahmen aus der Schienenmaut bedienen werde, für "ein Märchen". Die zuletzt 447 Mio. Euro an Infrastrukturbenützungsentgelt (IBE) reichten nicht für die Selbstfinanzierung des Bahnbetriebs, geschweige denn für Ersatzinvestitionen und Streckenerhalt, rechnet Moser vor, die dringend den Tritt auf die Tunnelbremse fordert. Der Bedarf sei etwa auf der Südbahn gar nicht mehr gegeben, dort würde künstlich Verkehr generiert, indem das IBE gesenkt wurde. Mit oder ohne Tunnels: Speck zum Wegschneiden liegt auf der Schiene: Der Gleismittenabstand, also der für Verschub notwendige Sicherheitsabstand zwischen zwei Zuggleisen beträgt in Österreich 4,70 Meter, in Deutschland nur 3,9. Die Differenz besteht in Millionen Kubikmetern Schotter, mit denen die Gleiskörper aufgefüllt werden. Das kostet Millionen, ist für Lieferanten aber äußerst lukrativ. (ung, DER STANDARD, Printausgabe, 31.1.2012)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 59
1 2
fredi 1990
00
den schüssel- und den pröll-gedächnisstollen sofort stoppen!

weiters den brenner-tunnel! solange wir in der wirtschaftskrise die pleitestaaten retten müssen, wird mit sicherheit nicht mehr güter auf der bahn befördert!

die kehrseite: zig-tausend arbeitslose bei den baufirmen - aber eher mehr ausländer!

MA_dam
10
Die Bahn ist der Sargnagel der Republik!

Ein kleines Land wie Österreich kann sich halt nicht 3 riesige Tunnelprojekte leisten!

Diese Ausgaben für die Bahn sind absoluter Wahnsinn.
Jedes private Unternehmen wäre bei einer deratigen Verschuldung insolvent.

Zhdophanti
01
Also indemfall ist nicht die Bahn Schuld sondern politische Prestigeobjekte ..

Dorian Gray
01
Aber ein Autobahnnetz das jedes noch so mickrige Alpental durchzieht können wir uns leisten.

sagnix
01
31.1.2012, 13:04
Bei diesem "Kommentar der Anderen"...

ist mir sogar das iphone-app abgestürzt.
Also "Lei lei", wir haben eh Fasching Frau Ungerboeck.

I joj
00
31.1.2012, 09:04

Na Prack!!! In der Rubrik "Wirtschaft" so ein Artikel.

Fritz Meyer
00
31.1.2012, 08:59
Dieser Artikel ist eindeutig ein Kommentar.

uabigboss
09
31.1.2012, 07:27
bitte, lieber Standard,

seids so freundlich, und lassts die Frau ung nicht immer so viel Blödsinn schreiben, und wenn es (aus welchem Grund auch immer) schon sein muss, dann soll sie doch das - um Himmels Willen - als "Kommentar" schreiben, und nicht als Reportage!!

in ihrem obigen Artikel gibt es zwei wirklich eklatante Fehler. Diese sind -

"Gleismittenabstand/Verschub"

"Aktien/Anleihen und Eigentumsrechte".

ich erwarte auch nicht dass dieses posting veröffentlicht wird.

-wr-

Geronimo 02
10
31.1.2012, 08:04
:-(

"...Diese sind -

"Gleismittenabstand/Verschub"

"Aktien/Anleihen und Eigentumsrechte".

aha
und was ändert das an der gesamtaussage???

Clemo
02
31.1.2012, 08:26
Aktien / Anleihen

Das 1*1 der Wirtschaft.
Aktien sind Eigenkapital, also Anteile am Unternehmen. Anleihen dagegen nicht. Unterscheidung ist bei Zerschlagung im Falle einer Insolvenz nicht unrelevant.

Ansonsten sind da auch viele, viele Unterschiede. zB wer hat Mitsprache im Aufsichtsrat. Bei der OMV etc, die sind teilprivatisiert, sitzen auch ausländische Kapitalvertreter. Bei der ÖBB dagegen sind alle Vertreter vom Verkehrsministerium als 100% Eigentümer entsandt. Und so gehen die Unterschiede weiter. Wobei es dann viele Mischformen gibt.

Übrigens, nicht vergessen:
Die Wahrscheinlichkeit eines Ausfalls der Anleihen ist genauso hoch wie die Wahrscheinlichkeit der Staatspleite von Österreich. Der Staat haftet. Man will nur EU Budgetdefizit austricksen

Geronimo 02
00
hallo und ;-(

Das 1*1 der Wirtschaft,
oder so....
wenn ich nicht mehr ausgebe als einnehme brauche ich
a) keine anleihen noch aktionäre
und
b) daher nicht mit wen auch immer herumschlagen.
oder?
und anleihengeber werden auch nicht ihre mio's hergeben ohne sicherheiten, oder?
gut, müssen ja nicht von der öbb kommen. garant ist der ö-staat, nicht wahr? und als garantie bekommt der anleihengeber.... no na!
in diesen fall hat er möglicherweise gutschrieften auf verrostete schienen und viel schotter.
und es bleibt sich letztendlich egal, wenn ich mir geld borge, leihe oder mir einen miteigentümer nehme, alle wollen dann mitreden und verlangen immer mitsprache/sicherheiten/etc.

darkblue2
07
31.1.2012, 08:25
Einfach nur peinlich.

sehr viel ändert das!

weil im artikel suggeriert wird, dass fremdkapitalgeber (anleihezeichner) eigentümer der öbb sind. eigentlich bin ich immer davon ausgegangen, dass den mitarbeitern einer qualitätszeitung der unterschied zw fremd- und eigenkapital schon geläufig ist. der meinung zu sein, dass fremdkapitalgeber eigentümer sind, ist schon ein eklatanter fehler, der einer qualitätszeitung nicht passieren darf.

einfach nur peinlich dieser artikel.

Geronimo 02
00
hallo und ;-(

es gibt immer mehrere möglichkeiten.
man kann sich auf das wesentliche konzentrieren und daran etwas richtig/falsch finden, oder
man kann sich unwesentlichkeiten heraussuchen und darauf herum reiten weil "man glaubt", nur alles was mir persönlich passt ist ok sonst wird ein beistrich wichter als der ganze artikel.
so als wenn man sich darüber mokiert, dass man ohne blinken überholt wurde, aber
dass dies im ort mit 120 km/h geschehen ist und dabei noch eine sperrlinie überfahren wurde vor einen fußgängerübergang ist wird ausgeblendet, gell!.....

uabigboss
02
31.1.2012, 08:15

das ist - meiner Meinung - die "Gesamtaussage":

Frau ung impliziert mit der zweiten Überschrift dass Investoren Eigentumsrechte ausüben können, was schlicht falsch ist, da es einen Unterschied zwischen Aktien und Anleihen gibt.

Aufgrund dessen schon mal: 2x fail

Desweiteren die fehlerhafte Angabe mit Gleismittenabstand (auf Hochleistungsstrecken und im Bf) und Verschieber.

noch einmal: fail

Welche "Kernaussage" sehen Sie?

Geronimo 02
00
hallo

das ist - RICHTIG ihre Meinung
nur
wass passiert, wenn die zinsen und dazu noch das ausgeborgte geld tatsächlich nicht zurückgezahlt werden kann (siehe gr,po,ir, it, sp,und ...... vielleicht ö)?
was ist DANN falsch an der aussage?

uabigboss
00

ja

und - ?

was ändert das an der Kernaussage des obigen Artikels?

"Gleismittenabstand"

"Eigentumsrechte"

Geronimo 02
00
siehe antwort darkblue 2

. g.bac
01
31.1.2012, 10:29
das die öbb, trotz des lächerliche gringen zinssatz

denn tripple a mit sich bringt, nicht in der lage ist 25% der annuiäten zu bezahlen. wenn jetzt noch die zinsen steigen, dann gute nacht.

also wem das nicht sorgen bereitet, der ist in der glücklichen lage sich keine sorgen machen zu müssen, steuern zu zahlen.

Herr Teuerzahler
01
31.1.2012, 06:21

Betrachtet man die Anleihen, die die Republik begeben hat, gehört ein Teil der Republik Österreich auch nicht mehr Österreich.

Gehören wir bald den Chinesen?

Pogled
00
31.1.2012, 04:16
Prognose

In ca. 25 Jahren werden sich die Ölpreise verdreifacht haben.
Dann werden jene Staaten, welche ein leistungsfähiges Schienennetz besitzen, einen immensen Vorteil haben.

MA_dam
10
Das wird sicher nicht eintreten.

Vor 30 jahren wurde der Blödsinn schon verbreitet.
Zudem gibt es in 2 Jahrzehnten sicher alternative Antriebsarten.

Geronimo 02
00
31.1.2012, 08:02
;-))

und, bitte, WER hat dann leistungsfähige schienennetze???

Max Kahlenberg
00
31.1.2012, 00:35
"Der Gleismittenabstand, also der für Verschub notwendige Sicherheitsabstand zwischen zwei Zuggleisen beträgt in Österreich 4,70 Meter, in Deutschland nur 3,9. Die Differenz besteht in Millionen Kubikmetern Schotter,

mit denen die Gleiskörper aufgefüllt werden. Das kostet Millionen, ist für Lieferanten aber äußerst lukrativ."

Als Öffi-Fan muss ich sagen: Bescheuerter gehts nun wirklich nicht mehr !!!!!!!

revisor69
 
00
Gleisabstand

Die 4,7 m sind mir bisher als vorgegebener Abstand von HL-Trassen bekannt. Die HL-AG wollte dieses Maß für die Neubauten entlang der Westbahn anwenden, ein noch wissender GD-Stv. hat die Herren deswegen mehrmals vor die Türe gesetzt.

DM2006
24
30.1.2012, 22:33

Bei Eisenbahnkommentaren der Frau U, kann man nur eines sagen:
DON'T FEED THE TROLL

Weil um Journalismus geht es da schon lange nicht mehr......

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