Privatisierungspläne

Deripaska verpasst Hafeneinfahrt

André Ballin, 30. Jänner 2012, 18:23

Russische Präsidentenwahl bremst Deripaskas Privatisierungspläne aus

Moskau - Pech für Oleg Deripaska: Die handstreichartige Übernahme des Hafens Wanino in Russlands Fernem Osten ist ihm missglückt. Über den Hafen verschifft Deripaska einen Großteil seiner Tonerde- und Aluminiumproduktion nach Asien und Amerika.

Wanino ist mit einem Umschlag von 5,9 Millionen Tonnen Gütern 2011 einer der größeren Häfen an der russischen Pazifikküste. Der einst als Umschlagplatz für die Gulag-Transporte nach Kolymna gegründete Port hat sich inzwischen auf den Transport von Kohle, Metalle, Erzen und Holz spezialisiert.

Offiziell kontrolliert das Amt für Staatseigentum, das 55 Prozent der Aktien besitzt, den Hafen. Doch Minderheitsaktionär Deripaska (seine Holding En+ ist über die Offshore-Gesellschaft Soleggiato Investments Ltd mit 28 Prozent an Wanino beteiligt) bestimmt seit längerem dessen Entwicklung - gegen den Willen des Hafenmanagements.

Der Konflikt eskalierte als Deripaska versuchte, das Management auszutauschen. Generaldirektor Alfir Bogudinow sollte durch den En+ nahe stehenden Dmitri Lissin ersetzt werden. Erst ein Brief der Belegschaft an Premier Wladimir Putin und Gouverneur Wjatscheslaw Sport stoppte den Coup. Mit dem Wechsel des Generaldirektors habe Deripaska versucht, "den Verkauf des staatlichen Aktienpakets zu seinen Gunsten sicher zu stellen", heißt es im Brief. Die Mitarbeiter fürchten Massenentlassungen, wenn das von Deripaska lancierte Entwicklungsprogramm für Wanino durchgesetzt. Es gab sogar Proteste im Dock.

Entscheidung vertagt

Das Wirtschaftsministerium hat auf Bitte Sports den Managerwechsel gestoppt. Der Gouverneur hatte vor sozialen Unruhen in der Region vor der Präsidentenwahl gewarnt. Da Regierungschef Wladimir Putin nach den Unregelmäßigkeiten bei der Dumawahl ohnehin unter Druck steht, wurde die Entscheidung somit vertagt.

Eigentlich wollte die Regierung den Hafen bereits im Mai 2011 privatisieren. Doch die Auktion wurde zur Farce. Der Gewinner, die unbekannte Firma Seltechstroi, bot mit umgerechnet 270 Millionen Euro das knapp Zwölffache des Mindestgebots und stach damit nicht nur Deripaska, sondern auch den ebenfalls interessierten Milliardär Wladimir Lissin aus.

Einen Monat später war der Sieg schon wieder Makulatur. Der Käufer konnte die Summe nicht zahlen. Die Aufgabe von Seltechstroi bestand wohl darin, den künftigen Käufer zu behindern, oder ihn dazu zu zwingen, den Höchstpreis zu zahlen, vermutet Andrej Stojanow, Analyst bei Brokerkreditservice.

Nun soll das Paket erneut versteigert werden. Nach dem missglückten Coup um das Management ist Deripaskas Chance darauf zwar gesunken. Ein Sprecher von En+ bestätigte dennoch, dass der Konzern weiterhin am Kauf des Kontrollpakets interessiert sei. Der Verkauf könnte dabei noch heuer über die Bühne gehen.

Inoffiziellen Angaben zufolge versucht Deripaska mit Hilfe seiner Beziehungen zum Kreml, das Amt für Staatseigentum dazu zu bewegen, nicht das ganze Kontrollpaket zu verkaufen. Damit würde die Zahl der Bewerber - und damit auch der Preis - deutlich sinken.

Für Deripaska ist nicht das Hafengeschäft an sich wichtig, sondern die Möglichkeiten, die sich daraus für seine anderen Geschäftszweige ergeben: Sein Konzern Rusal plant zwei neue Aluminiumfabriken in Ostsibirien. Daneben will der Oligarch in dem Gebiet eine Kupfer- und Molybdänmine erschließen und mehrere Kohlebergwerke in Betrieb nehmen.

China ist einer der wichtigsten Handelspartner Deripaskas, dessen Konzern Rusal in Hongkong gelistet ist. Wanino braucht er, um seine Rohstoffe billig verschiffen zu können. (André Ballin aus Moskau, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 31.1.2012)

Luis Pircher1
00
31.1.2012, 12:34
Ich denke, ganz gleich, wie der Deal ausgeht...

dass da sicher einige Meischikof und Plechovskij mitschneiden, sofern sie einen Grassovskij im Kreml sitzen haben.

Adam Markus
02
30.1.2012, 23:51

Und was genau ist daran jetzt schon wieder so sonderbar? So läuft doch jede Privatisierung ab, ob in Russland, Österreich oder sonstwo.

Überall profitieren nur eine Handvoll Männer mit besten Verbindungen und viel Geld, während die ArbeitnehmerInnen und vor allem die Gemeinschft draufzahlen.

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