Salzburg

Die Suche nach Klarheit

Heidemarie Klabacher, 30. Jänner 2012, 17:18

Symphonische Qualitäten bei der Mozartwoche

Salzburg - Abgeklärt? Eher etwas uninspiriert war das Konzert der Philharmoniker unter Pierre Boulez. Nicht einmal Mitsuko Uchida wollte es in Mozarts Klavierkonzert KV 459 gelingen, zum Dialog zu verführen. Außer im Finale. Jubel gab dennoch, auch für Schönbergs Begleitmusik zu einer Lichtspielscene op. 34, die von einem Verlag in Auftrag gegeben wurde, der auf Stimmungsmusiken für Stummfilme spezialisiert war.

Aufhorchen ließen besonders die effektvoll herausgearbeiteten Bläserpassagen und die insgesamt verhalten und transparent entwickelte Grundspannung. Mehr Emphase und Drive hätte man sich dagegen bei Schönbergs Klavierkonzert op. 42 gewünscht: immerhin ein "autobiografisches" Werk, das erst von Jahren des Erfolges und der Lebensfreude, dann vom Aufstieg der Nazis und von Flucht und Exil erzählt. Die Wiedergabe wirkte, bei aller Brillanz, die Uchida ins Treffen führte, akademisch steif.

Igor Strawinskys Pulcinella-Suite ließ Boulez geradezu naiv neoklassisch beginnen, um dann die Possen des Flegels umso drastischer ausmalen zu lassen: kein in sich geschlossenes, aber ein reizvolles, unverwechselbares Genrebild.

Zum Debütanten der Mozartwoche: Der spanische Dirigent Pablo Heras-Casado hat sich am Pult des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks als umsichtiger Kapellmeister präsentiert, der mit präzisen Vorgaben brillante Effekte erzielt.

Man hört Mendelssohn-Bartholdys dritte Symphonie nicht gerade selten, aber selten so differenziert. Heras-Casado verzichtete auf das Auswalzen der elegischen Passagen im ersten Satz oder auf Effekt durch Lautstärke im martialischen Schluss. Die Gewitterbilder waren mit kräftiger, aber sparsam aufgetragener Farbe gemalt. Ein federleichtes Vergnügen das Allegro.

Die große Überraschung im Großen Festspielhaus war Heras-Casados Zugang zu Mozart: Das Klavierkonzert Es-Dur KV 482 mit dem grandiosen Emanuel Ax war bewegend. Brillant das Allegro; als feine, beinahe romantische Klangmalerei kam der zweite Satz daher, als sanft klagendes Lied. Ein Vergnügen: die präzisen Wechselspiele zwischen klassischer formaler Strenge und romantischer Traumverlorenheit. Wenn man von Mozart'scher "Heiterkeit und Klarheit" spricht, meint man eine Interpretation wie diese. (Heidemarie Klabacher, DER STANDARD - Printausgabe, 31. Jänner 2012)

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