Neue Studie über evolutionäre Größenveränderungen mit überraschendem Ergebnis
Washington/Wien - Angeblich gibt es ihn noch irgendwo in Zentralafrika,
behaupten zumindest Kryptozoologen. Von der "richtigen" Wissenschaft wird die
Existenz des Afrikanischen Zwergelefanten allerdings nicht anerkannt - auch wenn
klar ist, dass es vor langer Zeit auf etlichen Inseln niedliche Minidickhäuter
gegeben haben muss. So existierte früher einmal auf Sizilien und Malta der
Sizilianische Zwergelefant, der gerade einmal einen Meter hoch war und 170 kg
wog.
Wie lange aber dauerte es, bis sich die riesigen Tiere auf abgelegenen Inseln
zu solchen Zwergen verkleinerten? Und wie lange brauchte die Evolution, um aus
den ersten, zunächst nur mausgroßen Säugetieren Giganten wie die heute lebenden
Blauwale oder Elefanten zu machen? Diesen beiden Fragen ging ein internationales
Forscherteam nach, das für 28 Säugetiertypen ermittelte, wie schnell sich in den
vergangenen 70 Millionen Jahren ihre Größe veränderte.
Das überraschende, im Fachblatt PNAS veröffentlichte Ergebnis: Die
evolutionären Schrumpfungsprozesse vollziehen sich mehr als zehnmal schneller
denn Wachstumsprozesse ähnlicher Größenordnung. Konkret hatte es in etwa "bloß"
100.000 Generationen gedauert, um Elefanten zu schafsgroßen Zwergausgaben zu
miniaturisieren, während die umgekehrte Entwicklung von Schafs- zu
Elefantengröße rund 1,6 Millionen Generationen dauerte. Und damit aus einer Maus
ein Elefant wird, braucht es zumindest 24 Millionen Generationen, wie Forscher
um den US-Biologen Alistair Evans ermittelten.
Im Meer übrigens wächst es sich doppelt so schnell wie an Land, das beste
Beispiel sind die Wale: "Im Wasser ist es schlicht und einfach leichter, schwer
zu sein", wie es ein beteiligter Forscher formuliert. Und auch für die schnellen
Schrumpfungsprozesse hat Evans eine Erklärung: "Wenn man kleiner wird, braucht
man weniger Futter und kann sich schneller reproduzieren." (tasch, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 31. Jänner 2012)