Prozess in Wien

Chefinspektor zusammengeschlagen: Fünf Jahre Haft für Russin

30. Jänner 2012, 16:25

"Abreibung" für Spitzenpolizisten, weil er auf Rückzahlung eines Darlehens drängte - Drei Jahre teilbedingt für Mitangeklagten

Wien - Eine gebürtige Russin, in deren Auftrag am 5. Mai 2011 ein suspendierter Chefinspektor der Wiener Polizei zusammengeschlagen und schwer verletzt wurde, ist am Montagnachmittag im Straflandesgericht wegen Anstiftung zu dieser Straftat sowie wegen schweren gewerbsmäßigen Betrugs zu einer fünfjährigen Freiheitsstrafe verurteilt worden. Ein Slowake, der den Spitzenbeamten gemeinsam mit vier weiteren, nicht ausgeforschten Männern verprügelt hatte, erhielt drei Jahre Haft, davon ein Jahr unbedingt. Die Urteile sind nicht rechtskräftig.

Hintergrund dürfte ein Darlehen des Polizisten an die unter Finanznöten leidende 51-Jährige gewesen sein, wobei der Beamte "Wucherzinsen" verlangt haben soll. Angeblich verlangte er für die rund 20.000 Euro, die er der Witwe borgte, 17 Prozent Zinsen pro Monat. Als der Beamte immer nachdrücklicher sein Geld zurückverlangte, bat sie ihn zu sich nach Hause, wo sie ihn sogleich in ihr Schlafzimmer geleitete. Aus der ersehnten Rückgabe des Geldes wurde aber nichts. Sobald der Polizist auf der Bettkante Platz genommen hatte, traten mehrere mit Sturmhauben maskierte Männer auf den Plan und versetzten dem 53-Jährigen zahlreiche Faustschläge und Fußtritte. 

Sprung durch Terrassentür

Der Chefinspektor hatte sich heftig gegen die Schläge zur Wehr gesetzt. Gegen die Übermacht hatte er jedoch keine Chance. Er musste sich schließlich laut Anklage hinknien, seine Taschen leeren und seine Armbanduhr hergeben. Danach richtete einer der Männer ein Sturmgewehr auf den völlig verängstigten Polizisten. Dieser war der Anklageschrift zufolge "davon überzeugt, dass sein Tod nun unmittelbar bevorstand". Er habe "als einzige Möglichkeit, um dieser Situation zu entkommen, die Flucht durch die geschlossene, zweifach verglaste Terrassentür" gesehen.

Dieser gewagte Sprung rettete den 53-Jährigen aber noch nicht. Die Männer, von denen außer dem 33-jährigen Slowaken kein einziger ausgeforscht werden konnte, verfolgten ihn bis auf den Gehsteig und zerrten ihn zurück ins Haus. Dem übel zugerichteten Polizisten kam schließlich ein Streifenwagen zu Hilfe: Nachbarn waren auf die wüsten Szenen aufmerksam geworden und hatten den Notruf verständigt.

Schmerzensgeld

Laut nicht rechtskräftigem Urteil hatte die 51 Jahre alte Russin zwei Personen - einem vermögenden Geschäftsmann und ihrer langjährigen Kosmetikerin - mit der Vorgabe, die Darlehen für ein "Schmuckinvestment" zu benötigen und alsbald gegen exorbitant hohe Zinsen zurückzahlen zu können, knapp 550.000 Euro herausgelockt. Den Betrag, den ihr der Chefinspektor borgte - insgesamt rund 25.000 Euro -, wertete der Schöffensenat (Vorsitz: Christian Böhm) nicht als Betrug. Die gebürtige Russin wurde in diesem Punkt im Zweifel freigesprochen.

Dafür bekam der Chefinspektor vom Gericht ein Schmerzensgeld von 5.300 Euro für die erlittenen Verletzungen zugesprochen. Der 53-Jährige war im Vorjahr in Folge zahlreicher Verfehlungen selbst verurteilt worden. Er erhielt wegen Amtsmissbrauchs in sechs Fällen, Nötigung unter Ausnützung seiner Amtsstellung, Verletzung eines Amtsgeheimnisses, Betrugs und versuchter Bestimmung zur falschen Zeugenaussage zu 18 Monaten bedingter Haft verurteilt worden. Dieses Urteil ist noch nicht rechtskräftig. (APA)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 44
1 2
Craig Christ
01
31.1.2012, 16:44
Klingt aber auch nach wenig.

"Er erhielt wegen Amtsmissbrauchs in sechs Fällen, Nötigung unter Ausnützung seiner Amtsstellung, Verletzung eines Amtsgeheimnisses, Betrugs und versuchter Bestimmung zur falschen Zeugenaussage zu 18 Monaten bedingter Haft verurteilt worden"

Duerfte ein ziemlich sympatischer Kerl sein.

peter schmidt
 
02
31.1.2012, 13:15
als man diesen bakary zu dritt verprügelt hat gabs 8 monate bedingt.

Arsch Lecken
12
31.1.2012, 11:51

Es ist wirklich traudig das so etwas nicht öffter passiert. wenn man gegen korrupte beamte immer so vorgehen würde hätten wir bald nen echten rechtsstaat. aber das will unsere "elite" wohl nicht

Vorstadtmama
 
10
31.1.2012, 12:08

In Rußland passiert sowas eh öfter. Und genau deshalb haben die keinen Rechtsstaat.

free spirit
02
31.1.2012, 11:33
wie man sich bettet...

nächstes mal bitte ohne weinen, warmduscher...

G. Bitte!
00
31.1.2012, 11:05

Die Frage die hier offen bleibt: Was hat ein leitender Beamte überhaupt in solchen Kreisen zu suchen!? Zudem: Wurde hier überprüft ob es hier überhaupt ein "Darlehen" gegeben hat? Oder ist das eine Schutzbehauptung und es steckt noch was ganz anderes dahinter?

Lappe ohne Rentier
00
31.1.2012, 10:27
Komisch!

Ich habe im Bildungsfernsehen gelernt "Inspektor gibt es keinen." Kenne sic da wer aus?

Herzelichst
Ihr Lappe

Hustler
00
31.1.2012, 12:43

Das muß heissen "Inspektor gibtz kan"

AlBundyFan
 
012
31.1.2012, 09:11
. Er erhielt wegen Amtsmissbrauchs in sechs Fällen, Nötigung unter Ausnützung seiner Amtsstellung, Verletzung eines Amtsgeheimnisses, Betrugs und versuchter Bestimmung zur falschen Zeugenaussage zu 18 Monaten bedingter Haft verurteilt worden

habe mich damals schon gefragt, als ich das 1.mal davon las, wie es sein kann, daß ein polizeibeamten bei diesen vebrechen - und für einen polizeibeamten sollten eigentlich noch strengere maßstäbe gelten - nur eine bedingte strafe bekommt.

mMn hätte der kerl für diese taten mind. 10 jahre knast verdient gehabt - wer seine position als polizist so ausnutzt, der musste als abschreckendes beispiel für seine kollegen die volle härte des gesetzes zu spüren bekommen.
so ist das natürlich für alle anderen polizisten das signal, daß ihnen eh nit wirklich was passieren kann - selbst wenn sie aufgedeckt werden.

402
02
31.1.2012, 13:26

Ja, da haben sie was falsch verstanden, sie glauben die Exekutive dient den Bürgern, in Österreich hat die Exekutive aber nur sich selbst, der Politik und der Wirtschaft zu dienen. Gottseidank gibts auch noch vereinzelt Exekutivbeamten die das noch nicht mitbekommen haben.

Vorstadtmama
 
23
31.1.2012, 08:37
..das Urteil ist gerecht..

Die Dame hat sich einen privaten Schlägertrupp gemietet (so knapp bei Kasse scheint sie ja doch nicht gewesen zu sein) und somit die öffentliche Ordnung gefährdet. Wäre das Urteil hier nicht abschreckend ausgefallen, könnte das von der "Szene" als Signal gewertet werden, dass Selbstjustiz und organisierte Kriminalität in Österreich geduldet wird. Die Justiz hat hier nicht den Beamten geschützt "der sich mit Hunden ins Bett gelegt hat und deshalb mit Flöhen aufgewacht ist" sondern das Gewaltmonopol des Staates.

speedbrain
00
31.1.2012, 13:53
ich find, alles ist gerecht

Data100
12
31.1.2012, 10:11
Ja...

...blöd nur das solche Abschreckung nur dann angewandt wird wenn ein Hoher Beamter oder ein Politiker verdroschen wird. Was da alltäglich mit Sozialstunden und co., praktisch unbeschollten, davon kommt ist der eigentliche Wahnsinn.

Rosa Stahl
00
31.1.2012, 11:55

das ganze Psy und Soz und Päd ist ein eigener Industriezweig geworden.

Gary Grantscherbn
00
31.1.2012, 11:10

unbescholllllllten bittschön!

ich.tarzan
01
31.1.2012, 08:30

hoffentlich hat dieser sch**ssbulle auch richtig was abgekriegt (immerhin für 5 jahre werden dafür bezahlt)

www.Fehlurteil.at
420
31.1.2012, 00:30

Kripobeamte, die mit Häftling in Lagerhalle fahren und ihn dort stundenlang foltern: 4 Monate bedingt - keine Entlassung.
Für das Verprügeln eines Ex-Chefinspektors, dessen grundlegende Charaktereigenschaften wohl mehr als bewiesen sind: 5 Jahre.
Damals wie heute: Es lebe der Rechts - Staat ... und alle seine Kreaturen.

Gary Grantscherbn
81
31.1.2012, 11:11

Schwachsinn..

JosefGott
01
31.1.2012, 14:55

Zutreffende Selbstdiagnose!

Vorstadtmama
 
11
31.1.2012, 08:43
..sieh es doch so:

Der 53Jährige ist seinen Job los und sieht die 25.000€, die er der Betrügerin geborgt hat, nie wieder. Wichtig ist, dass ein klares Signal gegen das Einsetzen von Schlägertrupps gesetzt wurde. Solche Praktiken gefährden uns alle.

aber hallo..
04
31.1.2012, 09:46

durch das fehlverhalten der polizei sind wir alle potentiell betroffen. de facto brechen polizisti_innen ohne konsequenzen immer wieder das recht das sie schützen sollten.
egal ob lügen, betrügen, foltern oder töten: für polizist_innen immer so gut wie ohne konsequenzen. manche werden sogar befördert wie der herr zwettler - das verfahren gegen ihn wurde "umgehend eingestellt" (http://derstandard.at/131500573... -aufrollen ); florian aus krems wurde von einem polizisten widerrechtlich getötet - das urteil: 8 monate auf bewährung, verbleib iim polizeidienst (http://derstandard.at/129336956... chtswidrig )

Verstoßener Silberrücken
00
31.1.2012, 09:12

Naja, ich sehe für mich persönlich eine geringe Gefahr auf einen privaten Schlägertrupp zu treffen. Ich treib mich aber auch nicht in so einem Milieu herum und verborge Geld an zwielichtige Gestalten...

Prinzipiell finde ich es ja nicht schlecht wenn mal etwas strenger gestraft wird. Aber es ist halt schon sehr offensichtlich, wenn Polizisten bei einer Gerichtsverhandlung dabei sind, ist das Urteil immer sehr(!) wohlvollend zu ihren Gunsten.

Vorstadtmama
 
00
31.1.2012, 12:15

Dort, wo die Dame herkommt, ist jeder in Gefahr, auf private Schlägertruppen zu treffen. Genau so darf es hier nicht werden. Selbstjustiz muß abschreckend bestraft werden - sie gefährdet uns alle.

Mathias Steinlaus
 
12
31.1.2012, 09:46
Sobald Sie nach außen Wohlstand ausstrahlen ...

... wird sich der Schlägertrupp schon um Sie kümmern. Dazu müssen Sie nicht erst in ein gewisses Mileu abtauchen!

In Südamerika und speziell Brasilien sind solche Geschichten an der Tagesordnung. Also das wohlhabende Mitbürger mal in der Nacht besuch erhalten. Wenn die wirtschaftliche und soziale Entwicklung in Ö mal soweit kommt, wie es zB in Italien oder Griechenland schon ist, dann viel Spaß ;-)

Andreas Schneider
016
30.1.2012, 23:58

Amtsmissbrauchs in sechs Fällen, Nötigung unter Ausnützung seiner Amtsstellung, Verletzung eines Amtsgeheimnisses, Betrug und versuchte Bestimmung zur falschen Zeugenaussage:

18 Monate BEDINGTE Haft.

wie soll man das nennen? klassenjustiz? schandurteil? freibrief für kriminelle beamte? aufforderung zum amtsmissbrauch?

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 44
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.