Parteikollege und Ex-Minister gemeinsam mit anderen UCK-Kommandanten auf der Anklagebank
Prishtina - Die Verteidigung des wegen Kriegsverbrechen angeklagten,
kosovarischen Ex-Verkehrsministers Fatmir Limaj will im laufenden Prozess auch
Ministerpräsident Hashim Thaci als Zeugen vorladen. Das wurde laut
Medienberichten am Montag in Prishtina (Pristina) bekannt. Thaci ist ein
Parteifreund Limajs aus der PDK (Demokratische Partei). Laut den Anwälten sollen
Thaci und einige andere ehemalige Befehlshaber der "Kosovo-Befreiungsarmee"
(UCK) vor Gericht bezeugen, dass in einem Gefangenenlager in der Ortschaft
Kleqka (serbisch: Klecka) keine Kriegsverbrechen begangen wurden.
Der frühere Verkehrsminister und Vizevorsitzende der regierenden PDK muss
sich wegen des Vorwurfs der Folter und Ermordung von sieben Serben und eines
Kosovo-Albaners während des Krieges im Kosovo 1998/99 verantworten. Die Anklage
wirft ihm zudem vor, im UCK-Gefängnis von Kleqka südlich der Hauptstadt
Prishtina persönlich einen serbischen Gefangenen gefoltert und die Erschießung
von zwei serbischen Polizisten angeordnet zu haben. Auf der Anklagebank befinden
sich weitere neun einstige UCK-Angehörige.
Proteste in Prishtina
Ein paar Dutzend Mitglieder diverser Studentenbewegungen und
Veteranenverbände bekundeten am Montag bei einer Protestkundgebung im Zentrum
von Prishtina ihre Unterstützung für Limaj und die Mitangeklagten. Sie forderten
die Einstellung der Gerichtsprozesse gegen ehemalige UCK-Angehörige.
Limaj ist ein erster UCK-Befehlshaber, der sich wegen Kriegsverbrechen vor
einem kosovarischen Gericht zu verantworten hat. In einem Prozess vor dem
UNO-Tribunal für Kriegsverbrechen im ehemaligen Jugoslawien (ICTY), der gegen
ihn geführt worden war, wurde Limaj 2007 freigesprochen.
Die UCK kämpfte mit Gewalt für die Abspaltung des Kosovo vom damaligen
Jugoslawien. Gegen Limaj laufen auch Korruptionsermittlungen. Ihm werden
Amtsmissbrauch und organisierte Kriminalität vorgeworfen. Limaj beruft sich auf
seine Immunität. (APA)