Arbeitgeber-Ranking

Ignoranz schadet Firmen

Oliver Mark, 30. Jänner 2012, 18:30

Experten orten Defizite im Umgang mit Bewerbern - Studie von "Career's Best Recruiters" kürt Bawag P.S.K. zu Österreichs bester Arbeitgebermarke

Die Bawag P.S.K. ist Österreichs bester Recruiter. Auf den Plätzen zwei und drei landen die Erste Bank und die Allianz Elementar Versicherung. Deloitte Consulting und Zizala Lichtsysteme komplettieren die Top Fünf. Das ist das Ergebnis der Studie "Career's Best Recruiters", die von der Kommunikationsagentur GPK durchgeführt wird und die Employer-Branding-Maßnahmen von Österreichs 500 größten Arbeitgebern - nach Umsatz und Mitarbeiterzahl - untersucht. Und zwar anhand von 67 Kriterien wie Antworten auf Bewerbungen, Social-Media-Aktivitäten, Präsenz in Online-Stellenbörsen und Auftritten bei Recruiting-Messen. In der Rangliste inkludiert sind auch 55 öffentliche Institutionen, die abgeklopft wurden. Die Bawag P.S.K. erreicht als Primus knapp 80 von 100 möglichen Punkten.

Gute Kinderstube

"Was ich bei der Rekrutierung falsch mache, kann ich fast nicht mehr gutmachen", warnt Wolfgang Elsik, Leiter des Department of HR-Management an der WU Wien. Er fungierte als wissenschaftlicher Leiter der Studie, am Montag wurden die Gewinner in Wien präsentiert. Der Begriff "Krieg um Talente" werde zwar teilweise inflationär verwendet, dennoch unterstreicht Elsik die Bedeutung, sich als attraktiver Arbeitgeber zu positionieren: "Das ist noch nicht ausreichend im Bewusstsein der Personalverantwortlichen verankert." Dabei gehe es um ganz banale Dinge wie Höflichkeit: "Dass Firmen auf Bewerbungen zumindest reagieren." Eine gute Kinderstube, die keineswegs selbstverständlich ist, wie ein Blick auf Detailergebnisse der Untersuchung beweist.

Mehrheit reagiert nicht einmal

Um den Umgang mit Bewerbern unter die Lupe zu nehmen, wurden die 500 Unternehmen mit jeweils vier verschiedenen Initiativbewerbungen konfrontiert. Von den 2.000 versendeten Jobavancen wurden 1.055 nicht bzw. zu spät beantwortet. Die Frist war 72 Stunden für eine Bewerbung via Mail und 14 Werktage für Antworten per Post. Das heißt, dass fast 53 Prozent der Firmen nicht adäquat reagierten. 27 Prozent der Initiativbewerbungen wurden individuell beantwortet, 20 Prozent in automatisierter Form. Von den Branchen schneiden Versicherungen mit einer Antwortquote von 68,8 Prozent vor Personaldienstleistern mit 60,5 Prozent am besten ab.

Interessant ist auch, dass es keine Korrelation zwischen Branchen, die sich am lautesten über den Fachkräftemangel beschweren, und sinnvollen Recruiting-Maßnahmen gibt. "Ganz im Gegenteil", bedauert Studieninitiator Markus Gruber. Kfz-Handel-, Bau/Holz- und IT-Unternehmen finden sich zum Beispiel unter den Schlusslichtern.

Arbeitgeber und nicht Bewerber müssen überzeugen

Ein "Umdenkprozess" müsse schnell in Gang kommen, meint auch Armin Trost, Professor für Human Resource Management an der Hochschule Furtwangen in Deutschland. Die Studie "Career's Best Recruiters" wurde heuer erstmals nach Deutschland exportiert, unter der wissenschaftlichen Federführung von Trost. Er konstatiert einen eklatanten Trugschluss: "Wir sind mit der Überzeugung aufgewachsen, dass es mehr Bewerber als Stellen gibt." Diese "tief verankerte" Denkweise stehe dem Perspektivenwechsel im Wege, kritisiert er: "Arbeitgeber müssen überzeugen, viel mehr als Bewerber." Die müssten sich wie Kunden behandelt fühlen.

Das Ranking nach Branchen - 22 wurden insgesamt untersucht - führen Unternehmensberatungen mit im Schnitt 43 Prozentpunkten an. Auf den weiteren Plätzen rangieren Banken/Finanzdienstleister (41 Prozent), Rechtsberatungen (38 Prozent) und Versicherungen mit 36 Prozent. Am unrühmlichen Ende der Skala finden sich öffentliche Dienstleister mit 22 Prozent und Medien/Werbung/Telekommunikation mit nur 18 Prozent.

Hofer vor Rewe

In der Kategorie Einzelhandel reüssiert Hofer vor Rewe International, Spar und Bipa. Bei den Dienstleistungen hat das Verkehrsbüro die Nase vorne, weiters am Stockerl sind die Lotterien und bwin. Die Rubrik Großhandel/Vertrieb gewinnt Robert Bosch AG vor Philips Austria und Bene. Im Energie-Ranking behält Salzburg AG die Oberhand vor Verbund und der EVN. IT/Software sichert sich T-Systems vor Hewlett-Packard und Microsoft Österreich. Porsche Austria holt sich Kfz-Handel/-Service vor Ford und G. Pappas Automobil. Bei Nahrungsmittel-/Konsumgüterherstellern kann Henkel überzeugen, auf den Plätzen landen McDonald's und Procter & Gamble.

Bei den öffentlichen Dienstleistern kann das Bundesministerium für Landesverteidigung und Sport mit seinen Rekrutierungsbemühungen am ehesten punkten, gefolgt vom Bundesministerium für Finanzen und der Finanzmarktaufsicht (FMA). Die Kategorie Transport/Verkehr fährt die ÖBB Holding vor LKW Walter und Flughafen Wien ein. Die Sonderpreise gingen an Siemens für die Homepage, die Allianz Versicherung für die Social-Media-Aktivitäten und an Spar für Sonderaktivitäten. Zum "Aufsteiger des Jahres" wurde Trenkwalder gekürt.

Deutschland schneidet besser ab

Die Studie fördert große Unterschiede zwischen Österreich und Deutschland zutage. Unternehmen aus dem Nachbarland schneiden im Employer Branding über alle Branchen hinweg besser ab als ihre Pendants in Österreich. In der Erhebungskategorie Homepage beispielsweise kommen österreichische Firmen auf 43 Prozentpunkte, deutsche auf 60 Prozent. Bei der Bewerbungsresonanz liegen österreichische Unternehmen bei 39 Prozent, deutsche bei 44 Prozent. Detto bei Online-Stellenmärkten, wo das Verhältnis 24 zu 29 Prozent beträgt. Viel Potenzial orten die Studienautoren im Bereich Social-Media-Aktivitäten mit nur 15 bzw. 23 Prozentpunkten, die vergeben wurden. Weniger als die Hälfte aller getesteten Arbeitgeber haben überhaupt betreute Social-Web-Präsenzen.

Die Rangliste soll als Anstoß für Verbesserungsmaßnahmen dienen, wie Initiator Markus Gruber betont. Und nicht als Bashing-Instrument missbraucht werden, um einzelne Firmen an den Pranger zu stellen. "Deswegen veröffentlichen wir auch keine negativen Ergebnisse." Die Studie weist nur die 100 besten Unternehmen aus. (om, derStandard.at, 30.1.2012)

Hinweis zur Studie:
Die Arbeitgebermarken werden anhand von 67 verschiedenen Kriterien analysiert. Die zweite Phase besteht aus dem "Bewerbungscheck", der den Umgang mit Initiativbewerbungen durchleuchtet. Abgerundet wird das Ergebnis von einer Online-Befragung, in der Bewerber von ihren Erfahrungen mit den Arbeitgebern berichten.

Firmen können ihre persönliche "Career's Best Recruiters"-Studie bestellen. Darin enthalten sind detaillierte Ergebnisse über das jeweilige Unternehmen aus allen drei Erhebungspasen. Kostenpunkt: 2.240 Euro.

Link
www.careersbestrecruiters.com

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Nachlese
"Career's Best Recruiters": Umgang mit Bewerbern - Gelebte Schizophrenie

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 99
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thomas perlich
00
23.4.2012, 18:47
Aber die Erstgenannten...

... nehmen auch keine Bewerber über 45 !!!!!

Flip
00
31.1.2012, 23:13

>>Und nicht als Bashing-Instrument missbraucht werden, um einzelne Firmen an den Pranger zu stellen. "Deswegen veröffentlichen wir auch keine negativen Ergebnisse
.... Auf den letzten Plätzen zu landen ist doch schon ein Grand Abstink. Wenn Holz/Bau auf den letzten Plätzen nach Branchen landet, merkt euch einfach wer zu meiden ist: Porr, Stabag, Alpine. So einfach ist das.

josef1234567
01
31.1.2012, 16:44
Hinweis auf hohe Personalfluktuation?

Zumindest von LKW Walter weiss ich, dass die Personalabteilung gut ist, weil sie laufend neue Leute bringen muss. Sehr viele gehen nach 2-3 Jahren wieder, die haben sogar in der Krise Leute eingestellt.
Resumee: wenn die Personalabteilung gut funktioniert und laufend neue Leute bringt, dann kann das Klima ruhig härter sein.

Der Österreicher
00
31.1.2012, 14:49

Firmen können ihre persönliche "Career's Best Recruiters"-Studie bestellen. Darin enthalten sind detaillierte Ergebnisse über das jeweilige Unternehmen aus allen drei Erhebungspasen. Kostenpunkt: 2.240 Euro

Na Bumm!!!

sociovation
00
31.1.2012, 15:22
Für Firmen wie die Erste Bank oder PSK

wahrscheinlich eine Anschaffung, die sie nahe an den Ruin bringt...

MrTee
00
31.1.2012, 12:19
Melde dich bei xing an und du wirst einmal im Monat angerufen.

Gerade jetzt wieder, hört sich verlockend an. Ich denke, ein Jobwechsel steht ins Haus.

Aso?Echt!
00
31.1.2012, 11:14
Interessante Quoten

Mal unabhängig von der Antwortzeit bekommen also nicht einmal ein Drittel aller Bewerber eine individuelle Antwort, jeder fünfte gleich eine automatisierte Absage.

--> Firmen schreiben also zum überwiegenden Teil (53%) aus ohne aktuellen Bedarf zu haben?

samba cat
01
31.1.2012, 12:19

"mit ... Initiativbewerbungen konfrontiert"

ich753
19
31.1.2012, 11:03

hatte vor fast 10 Jahren beruflich einiges mit HR Abteilungen mittlerer und größerer Firmen zu tun.
Kurz zusammengefasst: Wenig Fähige, dafür umso mehr arrogante Wichtigtuer.

RS69
 
00

Ich hab differenziertere Erfahrungen gemacht: So wie überall gibt es bemühte und ignorante, fähige und weniger gute, höfliche und weniger höfliche.

Am Besten sind bei HR Leuten - und Headhuntern jene - die gemeinsam mit Ihnen als Bewerber dasitzen und diskutieren, was von Ihren Erfahrungen gut zum Job passen.

Hilft ja keiner Seite, wenn man einen Job nimmt, der nicht passt. Und auch nicht, wenn's passt und man nicht dem Bereich vorgestellt wird.

Nerd Nr. 5
01
31.1.2012, 12:58

Beschreibt genau meinen Eindruck, als ich einmal mit einem "echten" HR-Chef redete. Deswegen sind mir Abteilungsleiter lieber.

Geoffrey of Monmouth
01

Hab die selben Erfahrungen mit einer der Top-10-Firmen in der Liste gemacht. Wie man so dermaßen unfähige, von sich selbst überzeugte, Klischeefragen stellende Leute haben kann, die für's Personal zuständig sind, ist mir ein Rätsel.

Nerd Nr. 5
01
Macht korrumpiert

Wer jeden Tag über die Schicksale von Menschen entscheidet, wird sich leicht seiner selbst zu sicher. Wäre eine Genugtuung, wenn die HR-Chefs der schlecht abschneidenden Firmen mal selbst zittern müssten. Bin so froh, jetzt in einem Job mit humaner Behandlung zu sein.

Nee-Chee
05
31.1.2012, 11:00
Oje.

"Interessant ist auch, dass es keine Korrelation zwischen Branchen, die sich am lautesten über den Fachkräftemangel beschweren, und sinnvollen Recruiting-Maßnahmen gibt. "Ganz im Gegenteil", bedauert Studieninitiator Markus Gruber. Kfz-Handel-, Bau/Holz- und IT-Unternehmen finden sich zum Beispiel unter den Schlusslichtern."
Das mit der "Korrelation" üben wir lieber nochmal, Kollege, hm.

fanta
01
31.1.2012, 10:12

Für Berufseinsteiger sind Bewerbungen natürlich ungut - aber die gute nachricht ist, dass in vielen Branchen gute Leute seht gesucht sind und sich diese leute die Firma aussuchen und nicht umgekehrt. Und wenn eine Firma da ungut auffällt - sorry, es gibt auch andere Arbeitgeber!

Nerd Nr. 5
00
31.1.2012, 13:00
Wer bereit ist in Wien zu arbeiten schon

Für wen der Standort aber das Wichtigste ist, der ist schnell auf 1-3 Firmen beschränkt.

STOPP DER UNTERFREMDUNG!
00
31.1.2012, 09:54
lächerlich

wenn man schaut, was für Firmen da aufscheinen

the incredible mürrenz
01
31.1.2012, 09:42

Für viele Unternehmen sind Bewerber offenbar nur lästige Bittsteller.

So Ren
02
31.1.2012, 09:05
Kann ich nur bestätigen.

So Ren
010
31.1.2012, 09:13

2 von 3 Unternehmen, bei denen ich gearbeitet habe (noch arbeite) haben ein HR das ist unter jeder Kritik. Im Prinzip gehts nur drum die Leute möglichst billig anzuwerben und wenn möglich über den Tisch zu ziehen. Wenn dazu billige Grauzonentricks angewendet werden ist das gut. (na was glauben sie wie loyal ich dem Unternehmen gegenüber sein werde wenn ich das rausfinde ;) )Ausserdem scheinen sich dort die "interessantesten" Köpfe zu tummeln. Ein HR Chef der schon aus Prinzip nicht grüßt weil du nicht auf seiner Stufe stehst und das auch noch öffentlich proklamierst hat dort ihmo eigentlich nix verloren. Naja, der Arbeitsmarkt bietet GsD genug Möglichkeiten :)

Harald Bruckner
02
31.1.2012, 13:55
stimmt

Den Firmen ist gar nicht bewusst, dass ihnen diese Denkweise sehr viel kostet. Aber irgendwelche Boni aufgrund irgenwelcher nichtssagender Kennzahlen sind wichter als der Hausverstand.

Hydrogeniumhydroxid
31
31.1.2012, 08:46
Dazu müsste man die Bewerbungen sehen.

Was soll ich mit Bewerbungen machen, aus denen man nur lesen kann, dass der/die BewerberIn offensichtlich keine Ahnung hat, was die Firma eigentlich macht, und/oder die Anzeige entweder nicht gelesen oder nicht verstanden hat?
Individuell antworten, dass Sie leider zu dämlich sind? Schweigen ist auch eine Form der Höflichkeit!

TheTimeLord
02
31.1.2012, 15:51

Oder eher "Unhöflichkeit".. Manche Firmen wissen auch nicht, wen sie eigentlich suchen.. Da gehen Ausschreibung und die eigentlichen Stellenbeschreibung sehr weit auseinander...

michikklas
00
31.1.2012, 08:21

Interessant wer im Bereich Öffentlicher Dienst gewonnen hat. Ist aber eh klar, dass der Standard das nicht veröffentlichen darf. :-)

hooting eye joe
00
31.1.2012, 17:10
Gewinner im Öffentlichen Dienst

ist: Das Bundesheer. Mehr unter:
http://www.bundesheer.at/cms/artik... hp?ID=5936

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