Rätselhaftes Phänomen

Vermeintliche Kindergräber in Krefeld-Gellep sind Kopfgräber

30. Jänner 2012, 16:02

Archäologin präsentiert Ergebnisse einer Gebissanalyse

Krefeld - Das römisch-fränkische Gräberfeld Krefeld-Gellep mit rund 6.500 Grabstätten in der Nähe des Römerkastells Gelduba in Deutschland gilt als das größte erforschte Gräberareal nördlich der Alpen - und doch birgt es immer noch Geheimnisse. An sechs unterschiedlichen Stellen waren Gräber gefunden worden, deren Gruben teilweise nicht größer als 40 mal 90 Zentimeter sind. Jahrzehntelang hielten Archäologen diese für Kindergräber - zu Unrecht, wie die Archäologin Margareta Siepen am Montag erklärte. Vielmehr handle es sich bei den Funden aus dem vierten Jahrhundert um Kopfgräber.

Skelette seien wegen des sandigen Bodens nicht mehr erhalten. Auch Grabbeigaben wurden nicht gefunden - nur Gebisse. Diese Zahnfunde habe Siepen an einem pathologischen Institut in Amsterdam untersuchen lassen. Das überraschende Ergebnis: Es handelte sich um die Zähne von jungen Männern im Alter zwischen 17 und 25 Jahren. Wer aber waren diese Männer?

Rätselhaftes Phänomen

Parallelen zu dieser Form der spätantiken Bestattung hat Siepen bisher nicht gefunden. Die Archäologin schließt aus, dass es sich um geköpfte Straftäter handelte - diese wurden nicht auf Friedhöfen beigesetzt. Auch Hinweise auf einen Kopfkult wie bei den Kelten gebe es nicht. "Meine These ist, dass die Menschen nicht vor Ort gestorben sind", sagte Siepen. Vielleicht seien es junge Soldaten gewesen, die anderswo umgekommen seien. Die Archäologin erhofft sich mehr Aufschluss von Isotopen-Untersuchungen am Zahnschmelz der Gebisse. Damit könne man feststellen, wo die Menschen aufgewachsen seien.

Anhaltspunkte zur Klärung des rätselhaften Phänomens könnte der Fall des römischen Feldherrn Varus liefern: Nach Varus' vernichtender Niederlage in Germanien und seinem Freitod im Jahr 9 wurde sein Kopf über Umwege nach Rom gebracht und dort im Familiengrab bestattet. (APA/red)

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16 Postings
public observer
 
00
31.1.2012, 09:42
vollkommen abwegige hypothese...

... wieso sollen gräberfunde aus dem 4. Jhdt. einen zusammenhang mit Varus' "Freitod" aufweisen?

"Anhaltspunkte zur Klärung des rätselhaften Phänomens könnte der Fall des römischen Feldherrn Varus liefern: Nach Varus' vernichtender Niederlage in Germanien und seinem Freitod im Jahr 9 wurde sein Kopf über Umwege nach Rom gebracht und dort im Familiengrab bestattet."

bestattung hat immer mit kult zu tun. dass im kopf die seele (am ehesten noch) wohnhaft ist, wird überall auf der welt angenommen.

das unbedingt auch die herzen und sonstiges gedärm bestattet werden müsste, haben erst diejenigen bestimmt, die sich teure rituale leisten konnten.

arg, wenn geschichtsklitterung (Hl. Röm. Reich german. Nation) schon in der archäologie beginnt.

Zinsenfeger
00

Von Zusammenhang ist auch nicht die Reden, sondern nur von einer Parallele, und zwar der einzigen die bislang bekannt ist.

Dass es sich um "Ausnahmeszenarien" handelt (der Kopf ist gemeinhin transportabler als die ganze Leich) klingt jetzt aber auch nicht ganz unplausibel.

martial
05
31.1.2012, 11:20
bestattung hat immer mit kult zu tun. dass im kopf die seele (am ehesten noch) wohnhaft ist, wird überall auf der welt angenommen.

Also das ist ja mal vollkommen falsch. Seelenvorstellungen sind allein in Europa seit der Antike in einem stetigen Wandel und das gilt noch viel mehr für den Rest der Welt, wenn auch das Christentum eine gewisse Vereinheitlichung gebracht hat. Die Griechen gingen davon aus, dass der Sitz der Seele im Zwerchfell (!) liegt.

Aufgrund der großen Unterschiede in den Jenseitsvorstellungen ist es für Archäologen relativ schwer nachzuvollziehen wie sich bestimmte Bestattungssitten und überlieferte Vorstellungen in Einklang bringen lassen. Der Varus Vergleich zeigt aber, dass es in römischer Zeit zumindest möglich ist nur mit einem Kopf ein ordentliches Begräbnis zu veranstalten - ob nur aus praktischen oder kultischen Gründen weiß niemand.

public observer
 
00
31.1.2012, 16:38
Ihre Aussage, dass etwas im Wandel ist, ist nur trivial und hilft nicht weiter

mir geht's nicht darum, zu werten was falsch oder richtig ist, sondern mich würde interessieren, was unter interdisziplinärer (grenz-)wissenschaftlicher Analyse für eine Kopfbestattung als dem "naturgemäßen" Zwecke an Evidenz am nächsten kommt? - Abzüglich von (Desinformation wie aus) herrschender Repräsentation, Kultbetrieb des Klerus oder affirmativer Geschichtsforschung.

Es ist vor der Wahrheit (also subjektivem Glauben) piepegal, ob erst der Tod eines röm. Edelmannes Kopfbestattung in Europa salonfähig machte.

In Indien ist Feuerbestattung deshalb traditionell, um auf Nummer sicher zu gehen, dass die Schädeldecke des Verstorbenen aufknackt und die "Seele" entweichen kann. Das scheint mir persönlich am "vernünftigsten" gedacht.

martial
00
31.1.2012, 18:26

Nach altrömischer Vorstellung brauche ich nicht zwangsläufig einen Körper um ein Grabmahl aufzustellen, das ist relativ egal. Die Varusstelle zeigt uns aber, dass die Begräbnisriten damals nur mit einem Kopf durchführbar waren, nicht mehr und nicht weniger. Es ist anscheinend das einzige (?) vergleichbare Beispiel aus der Antike für so einen Vorgang, und es bedeutet dass diese Kopfgräber aus kultischen oder aber rein praktischen Gründen so angelegt worden sein können. Das ist vielleicht eine unbefriedigende Antwort, aber weiter hat sich hier noch niemand aus dem Fenster gelehnt - außer ihnen, mit einigen trivialen Bemerkungen die nicht ganz richtig waren.

MynniaIgnea
00
31.1.2012, 15:51

Der Kult folgt oft dem praktischen Gedanken. Du kannst nen großen Feldherrn schwer als nicht bestattbar und damit ewig unzufriedenen Geist erklären...das gibt nur Ärger. Dann bestimm lieber, dass man nur ein Körperteil braucht, anhand dessen man ihn zweifelsfrei identifiziern kann. (Seine Frauen hat sicher wieder keiner gefragt :D)

peter schmidt
 
00
31.1.2012, 02:57
Vielleicht aber auch ein serienmordender Germanist der dort

Menschen entsorgt die achtlos die Redewendung "vor Ort" in einem fort verwenden.

tatzelwurm
01
31.1.2012, 08:29

Aber diesmal wurde "vor Ort" (wohl eher aus Unwissen) ausnahmsweise korrekt verwendet: Die Menschen sind sicher nicht in einem Bergwerk gestorben!

Zinsenfeger
00
30.1.2012, 16:10

Eine kopflastige Gesellschaft...

leatherman1
00
30.1.2012, 18:03

sie hätten einen kühlen Kopf bewahren sollen..

themagicman
00
30.1.2012, 22:39

und sich nicht Hals über Kopf ins Unglück stürzen...

Van Nelle
00
30.1.2012, 23:33

denn Stroh im Kopf macht eben kopflos...

Grammelschmalzbrot
00
31.1.2012, 07:27

Die haben einfach NUR den Kopf in den Sand gesteckt!

;-)

lou cyphre
00
31.1.2012, 08:51

wieso zerbrechen wir uns eigentlich den kopf dafüber?

Grammelschmalzbrot
00
31.1.2012, 11:16

Weil man uns hier diese Flausen in den Kopf gesetzt hat vielleicht?

;-)

Hugo Bartwisch
00
31.1.2012, 09:12

*kopfschüttel*

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