Fischer zu Besuch bei den Sängerknaben

  • "Es ist eine Art Gegenbesuch, denn
die Wiener Sängerknaben waren schon bei mir in der Hofburg zu Gast",
so Fischer.
    foto: apa/fohringer

    "Es ist eine Art Gegenbesuch, denn die Wiener Sängerknaben waren schon bei mir in der Hofburg zu Gast", so Fischer.

Bundespräsident ließ sich durch Gebäude führen und fand gefallen am "Tritsch-Tratsch-Polka" von Johann Strauss

Wien - Die Wiener Sängerknaben sind es gewöhnt vor zahlreichem Publikum weltweit zu singen: Dennoch war der Besuch von Bundespräsidenten Heinz Fischer und seiner Gattin am Montagvormittag etwas ganz besonderes. "Ich fühle mich sehr geehrt", betonte etwa der dreizehnjährige Björn aus Oberösterreich. Er wurde mit seinem Kollegen Michael von der Schulleitung auserkoren, das österreichische Staatsoberhaupt zu empfangen und einen Einblick in das Leben des Knabenchors zu geben.

Führung durch das Schulgebäude

Es ist kurz vor 10.00 Uhr morgens. In der Empfangshalle im Palais Augarten warten auf der linken Seite die Volksschüler der Wiener Sängerknaben auf den Präsidenten, auf der anderen Seite herrscht reges Gedränge der Journalisten. Wenige Minuten später erscheint der hohe Gast: Fischer und seine Gattin betreten das Palais und die Schüler begrüßen das Staatsoberhaupt mit zwei Volksliedern. Danach übernehmen Björn und Michael das Kommando und beginnen mit der Führung durch die Hallen des Gebäudes.

Erster Stopp ist im Mozartchor-Proberaum, wo mit einem ungarischen Volkslied aufgewartet wird. Der Präsident und seine Gattin nehmen sogleich Platz in der ersten Bankreihe und hören gespannt zu. Dann drängt sich schon eine Frage beim Staatsoberhaupt auf: "Wie geht es euch mit Ungarisch?" (Die Wiener Sängerknaben singen auf ihren Konzerten in mehreren Sprachen, Anm.) "Es ist ok und wenn nicht fragen wir unseren Raphael, der ist in Ungarn geboren", bekräftigte Björn. Auch auf Japanisch werde gesungen, das sei ganz normal, da es viele ausländische Mitschüler gebe.

Grießnockerlsuppe und Wurzelfleisch

Es geht weiter in die dritte Klasse Unterstufe. Deutschstunde. Dort wird gerade Johann Nestroys "Der böse Geist des Lumpazivagabundus" durchgenommen. Kurz darauf entführen die beiden Sängerknaben in die Küche und die Internatsräume. Am heutigen Speiseplan stehen Grießnockerlsuppe, steirisches Wurzelfleisch und Nusskuchen. Immer wieder plaudert der Präsident mit den Schülern. So fragt er etwa nach, ob sie ihr Zuhause vermissen würden oder wie das Essen schmecke. "Anfangs hatte ich noch Heimweh nach Villach, aber jetzt nicht mehr. Ich fahre zwei- bis dreimal im Monat nach Hause und das Essen, das ist lecker", betonte Michael.

Nächste und vorletzte Station ist die fünfte Klasse Oberstufenrealgymnasium. Die Oberstufe bei den Wiener Sängerknaben gibt es seit Herbst 2010. Dort sind auch Mädchen zugelassen. Dort zeigt sich einmal mehr die Internationalität unter den Schülern: Ein Mädchen ist erst im vergangenen September von Australien nach Wien gekommen.

"Tritsch-Tratsch-Polka"

Bevor der Besuch des Präsidenten zu Ende geht, gibt es noch ein Kurzkonzert von drei der insgesamt vier Chören der Wiener Sängerknaben - der Mozartchor tourt gerade. Fischer und seine Gattin zeigen sich begeistert, vor allem als die "Tritsch-Tratsch-Polka" von Johann Strauss gesungen wird. Danach tauschen Björn und Michael Geschenke mit dem Präsidenten aus: "Es ist eine Art Gegenbesuch, denn die Wiener Sängerknaben waren schon bei mir in der Hofburg zu Gast", so Fischer. Besonders schätze er den Teamgeist der Sängerknaben: "Die Symbiose zwischen Musik einerseits und Erziehung und Schule andererseits bemerkt man auf der Bühne nicht, aber hier. Und das scheint sehr gut zu funktionieren."

Es ist gegen 11.30 Uhr. Letzte Fotos von den Wiener Sängerknaben mit dem Bundespräsidenten werden noch schnell geknipst, bevor sich der hohe Gast auch schon wieder verabschiedet. Björn und Michael erhalten als Belohnung für ihre Führung noch zwei handsignierte Bücher vom Staatsoberhaupt. (APA)

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