Urheberrecht

Existenzsicherung im virtuellen Niemandsland

Kommentar der anderen | 30. Jänner 2012, 18:00
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    foto: epa/pawel supernak

    Die Frage, wie im Internet Urheberrecht eingeklagt werden soll, scheidet die Geister: Polnische Abgeordnete demonstrieren mit Anonymous-Masken gegen einen Copyright-Schutzparagrafen.

Die Plattform "Kunst hat Recht" tritt gegen die Gratiskultur im Internet an und fordert die Vergütung geistigen Eigentums - Von Michael Kos

Daraus ein Votum für die Verschärfung des Urheberrechts abzuleiten ist verkehrt.

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Medienwirksamer als eine Debatte über das Recht der Kunst mag das virtuelle Scheibeneinschlagen des Online-Mobs ja sein - dieser stilisiert sich gern zum glühenden Verfechter der "Gratiskultur". Doch dem Großteil der Kunstschaffenden geht es um etwas Unaufgeregtes: das konstruktive Aushandeln eines "common sense". Angesichts bedrohter Lebensgrundlagen stellt sich die Frage, warum ausgerechnet die Wahrung des Urheberrechts den Kunstschaffenden "ins eigene Fleisch schneiden" sollte? Konrad Becker ("Mehr Rechte gegen die Kunst", DER STANDARD, 26. 1.) konstruiert in seinem Beitrag das Bild von "verunsicherten Kulturschaffenden, von Rechtsanwälten umklammert, von Regelwerken behindert, nur als Superstars Profiteure der Verwertungsindustrie" - das Gegenteil ist der Fall.

Angesichts der gerade im Internet großen Nachfrage nach künstlerischen Inhalten hat es herzlich wenig Sinn, Spezialfälle der Appropriation Art oder eine Innovationsdebatte innerhalb der Kunst in der Diskussion anzuführen. Worum es wirklich geht, ist viel lebensnäher: Die Künstlerinnen und Künstler wollen sich nicht das Recht nehmen lassen, über die Verwendung ihrer Werke selbst zu bestimmen - und sie haben ein Recht darauf, von denjenigen bezahlt zu werden, die ihre Werke nützen.

Deswegen kam es zu einer gemeinsamen Initiative. "Kunst hat Recht" wird von heimischen Kunstschaffenden aller Kunstsparten getragen, im Schulterschluss mit ihren Verwertungsgesellschaften. Die Solidarisierung mit "Kunst hat Recht" ist rasant - mehr als 2500 Kunstschaffende haben sich schon in den ersten Tagen angeschlossen.

Die Rolle der Verwerter wird leichtfertig zu jener des Beelzebubs dramatisiert, ja sogar als Legitimation für die missbräuchliche Verwendung urheberrechtlich geschützter Werke benützt: eine krude Logik, die zudem auf Vorurteilen fußt.

Die Verwertungsgesellschaft bildende Kunst Wien zum Beispiel vertritt als Verein rund 2300 bildende Künstler. Das heißt im Klartext: Sie gehört ihren Mitgliedern! Eine Verwertungsgesellschaft ist keine Industrie, sondern eine sinnvolle Lobby, sie erfüllt einen kollektiven Auftrag und vergütet die individuellen Urheberrechte, die Künstlerinnen und Künstler bei medialer Nutzung ihrer Werke haben. Diese Vergütungen stellen einen Faktor der Existenzsicherung dar, der gerade für weniger bekannte Künstler substanziell ist. Es ist kein Almosen, sondern eine Bezahlung für Leistungen. Nur ganz wenige "Stars" können von ihren direkten Künstlergagen leben.

Adaption der Privatkopie

Nicht die Juristen einer Verwertungsgesellschaft nehmen die Kunstschaffenden in den Schwitzkasten, sondern jene Medien, Provider und Internet-Unternehmen, die mit kostenlosen künstlerischen Inhalten ihre Geschäfte machen. Die veränderten Rezeptions- und Reproduktionsformen in der digitalen Sphäre haben gravierende Einbußen vor allem bei der Leerkassettenvergütung (mehr als 50 Prozent) zur Folge. Eine zeitgemäße Adaption der Privatkopie in Form der Festplattenabgabe - wie es sie in Deutschland längst gibt - wird aber in Österreich seit Jahren verhindert. Das trifft die Kunstschaffenden direkt, sie müssen ihre Tonstudios schließen, ihre Filmprojekte auf Eis legen und unterschreiten beschämend geringe Einkommensgrenzen, um in weiterer Folge sogar selbst noch aus der Künstlersozialversicherung zu fallen.

Zur Schadensbegrenzung wollen die Kunstschaffenden keineswegs das Urheberrecht verschärfen, wie es manche glauben machen wollen. Sie fordern schlicht, dass dort, wo sich ein bereits bestehendes Recht in einen anderen Bereich hinein verschleift, selbiges auch zur Anwendung kommen muss.

Weder politisch noch gesellschaftlich ist es wünschenswert, dass Kunstschaffende immer weniger von ihrer Arbeit leben können. Es bestärkt einen, dass laut einer aktueller Umfrage mehr als 90 Prozent der Österreicher die Ansicht teilen.

Es ist letztlich der digitale Kunstfreund, der von uns - der Künstlerschaft - als Partner gewonnen werden soll. Wir halten mit unseren Contents das Niveau eines globalen Mediums hoch, das an sich zur Nivellierung tendiert. Umgekehrt sind wir die Letzten, die der Kriminalisierung des Privaten oder einer Informationszensur Vorschub leisten wollen. Wenn als Resultat unserer Initiative wieder mehr Fleisch an den Knochen kommt, ist die Kunst nur mit Recht ihrer sukzessiven Entwertung entgegengetreten. (Michael Kos, DER STANDARD - Printausgabe, 31. Jänner 2012)

Michael Kos tritt für die Initiative "Kunst hat Recht" ein. Er arbeitet als Bildhauer und Maler in Wien.

Nachlese

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 261
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Animation
 
00
27.2.2012, 21:44
jedem künstler monatl. 2000€ und geteiltes staatl. equipment in ausreichendem umfang

und nur mehr arschlöcher und narzissten werden auf urheberrechte und geistiges eigentum pochen. ein eintrag in den enzyklopädien der welt als urheberIn/erfinderIn und die tatsache die welt bereichert und die globale kultur einen schritt weiter gebracht zu haben muss ausreichend sein.

docNukem
11
16.2.2012, 15:30
Und die Lobby macht mächtig Dampf ....

lauter Komische Artikel, wie Dumm und schlecht doch die ACTA-Gegner sind und wie Toll und Gut die Befürworter dieses abkommens sind.
Nur komisch, das die ganzen Propagandaschreiber darauf angewiesen scheinen, mit Lügen, Halbwahrheiten und Unsinn zu "Argumentieren".
Macht schon einen lustigen eindruck, ist als wenn der Göbbels eine "Wahrheit" zu sagen hatte.
Diese Jubelperser gehen so langsam auf die Nerven eines jeden Denkenden Menschen, dieser Propagandamüll gehört ins Doof-TV, in welchem es egal ist ob jemand lesen oder schreiben kann.
Insbesondere für Pseudointelektuelle Bezahlschreiber ohne Inhalt.

kakophobikerin
01
15.2.2012, 22:39
gravierende Einbußen vor allem bei der Leerkassettenvergütung (mehr als 50 Prozent)

und nicht nur bei der leerkasetten tritt dieses problem auf.
auch der verkauf von beispielsweise festnetztelefonen ist sehr zurückgegangen, das treibt die festnetztelefonhersteller in den ruin. hiergegen muss vorgegangen werden, gesetzlich!

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11

das was ich vermutet habe ist wahr: wie viele andere der unterzeichnerInnen hat Herr Kos keine ahnung, was diese initiative wirklich fordert!
hier nachzulesen:
http://www.kunsthatrecht.at/wp-conten... rungen.pdf
das steht unter anderem (ein wenig verschlüsselt):
1. vorratsdatenspeicherung
2. netzsperren für urheberrechtssünder
3. filterung (und überwachung) von content durch die provider

das ist nicht nur eine verschärfung, das ist zensur!

mehrwegkommunikation
00
11.2.2012, 13:34
marty fink
23
Mit Velaub Herr Kos:

Wie die Verteilung von welchen Flattaxes auch immer auf Leerwaren, Radio- und Fernsehgebühren auch immer aussieht - mich kümmert es einen feuchten Dreck, welche Probleme dabei bestehen. Vorteile neuer Vertriebsmethoden bestehen auch ohne pauschales Füllhorn, die Zeiten ändern sich und man sollte sich halt weg von der Förderung zur Entlohnung bewegen...ja stellen sie sich vor: Zusehen, welche Entlohnung aus welchen Verkäufen auch immer entstehen.
Die Musik auf meiner Festplatte ist bezahlt, ich sehe keinen Grund für eine zusätzliche Föderung von Künstlern mit denen ich nichts am Hut habe!
Vielleicht wird's Zeit MIT der Zeit zu gehen...den mir dem Konsumenten bleibt noch immer der Konsumverzicht, das geht ganz einfach!

gestiftelter kater
13
die Gleichzeitigkeit des Threads

"Kunst hat Recht" mit den Bemühingen um ACTA kann kaum Zufall sein. Wer heute Schutz für "geistiges Eigentum" fordert, muss auch deutlich zu ACTA Stellung nehmen, denn ACTA bedroht beispielsweise die Freiheit - auch von Kunst und KünstlerInnen - massiv.

Wer sich mit ACTA nicht auskennt, kann sich hier gut informieren: http://www.edri.org/ACTA_Week

john lebovski
12
sehr richtig!

da fordert jemand aus purem eigensinn ziemlich kaltschneuzig überaus massive eingriffe in die freiheitsrechte, ohne sich auch nur im entferntesten mit den folgen für die allgemeinheit zu befassen. wer sich selbst als künstler sehen will, sollte mit verlaub etwas umfassender und "sozialer" denken und nicht nach den "einfachen lösungen" rufen!

MME
12
31.1.2012, 18:24
Verschleifendes Recht

Im Medium Internet, geht die Durchsetzung des Rechts nur mit dem totalen Zugriff der Verwertungsgesellschaften auf jeden Computer.
Diesen Gesellschaften, die keiner demokratischen Kontrolle unterliegen, dürfte über mich mehr wissen als Staatsorgane oder meine nächsten Verwandten?

Dann müssten die Künstler die für dies Initiative unterschrieben haben, auch damit einverstanden sein auch ihre Computer lückenlos überwachen zu lassen?

Ist das die Welt die sie sich vorstellen Herr Kos?

Zukunftsoptimist1
21
31.1.2012, 21:11
Haben Sie einen besseren Vorschlag,

wie sich Urheber geistigen Eigentums gegen ihre willkürliche Ausbeutung schützen könnten?

WoS2u
10
Bitte um Definition des Begriffes

"geistiges Eigentum".
Das kenn ich schon:
http://www.geistiges-eigentum.eu/definitio... gentum.php

Selbstverständlich schöpft jeder Künstler nur aus sich - wie eine Monade - oder Gott gleich aus sich heraus..

& verleibt sich wie Apple faktisch den Apfel (oder das Bild davon) als "geistiges Eigentum" ein.

Zukunftsoptimist1
11
Aber bitte -

Die Legaldefinitionen der §§ 1 bis 6 des österreichischen Urhebergesetzes sollten genügen?! (kann bei RIS heruntergeladen werden).

john lebovski
21
31.1.2012, 21:55

jammern's bitte nicht gar so. auf diesem planeten werden täglich milliarden nicht-künstler geistig und körperlich ausgebeutet. als wahrer künstler sollte man es zunächst schätzen, wenn sich seine werke schnell verbreiten. wer die verbreitung schafft kann jedenfalls genug verdienen!

Zukunftsoptimist1
11
31.1.2012, 22:38
man sollte fragen und jammern

unterscheiden können und auf berechtigte Fragen verständlich antworten. Anders ist eine sinnvolle Diskussion wohl nicht denkbar.

john lebovski
11

kann ihnen die frage leider erst beantworten, wenn sie erklären, inwiefern denn die künstler derzeit durch die garatiskultur im internet "willkürlich ausgebautet" werden.

Zukunftsoptimist1
11
und ich kann Ihnen die gewünschte Erklärung

nur dann geben, wenn Sie zeigen, dass Sie die Grundbegriffe von physischem und geistigem Eigentum, wie er in demokratischen Staaten gehandhabt wird, grundsätzlich anerkennen. Wer beim geistigen Eigentum auf dem Standpunkt der Kommunisten steht, ist für eine sachliche Diskussion darüber nicht geeignet.

john lebovski
11

sie scheinen mir ein sehr "reaktionärer" kunstfreund zu sein. hier gleich die "kommunistenkeule" schwingen, nur weil das mittelalterliche, geistige monopolrecht in der jetzigen form und vor allem aufgrund der deswegen geforderten freiheitsverluste für die gesamte gesellschaft in frage gestellt wird, ist halt so gar nicht kreativ und künstlergemäß.
wiegen sie doch mal ab, der tatsächliche rechtsverlust für milliarden von menschen, dass sie nicht mehr frei im internet kommunizieren können, gegen den "potenziellen finanziellen verlust" einiger hunderttausend künstler weltweit. ich denke, es wäre an den künstlern, eine lösung zu finden, die für die große mehrheit akzeptabel ist und nicht umgekehrt!!!!

gestiftelter kater
01

die geistigen "eigentümer" von marken und patenten freuen sich jedenfalls, wenn künstler als copyright-"eigentümer" vorpreschen und lautstark recht auf ihr im internet fluktationsfähiges "geistiges eigentum" fordern.

-joB
02
31.1.2012, 19:07
auch so ein geiferndes Posting wie viele andere hier auch

wenn ich daran denke, dass die Gesellschaft an die ich für die Nutzung der Onlinedienste meinen Obulus entrichte der erste und zentrale pekuniäre Nutznießer des Internets ist, so denke ich, dass von diesem und anderen Betreibern der Onlinedienste ein entsprechender Betrag auch an die Leute wetergeleitet werden sollte, von denen innovative Werke ins Netz gestellt werden.
Ob Pornographie und sonstiger Trash dazu gehören soll, wär zu überlegen.

WoS2u
11
Wer bestimmt was innovativ ist?

Der Künstler?
Die Verwertungsgesellschaften?
Oder doch wir der dumme dumpfe Internetmob in dem wir eure Elaborate kaufen oder nicht.

Streng genommen könnten auch wir abkassieren, wenn wir hier posten.
Dieses dürfens gratis verwenden, geht aber nicht in ihr "geistiges" Eigentum über;-)

Martin Major
 
32
31.1.2012, 18:08

sch* künstler.

WoS2u
15
31.1.2012, 17:29
Quantität & Qualität

Du kannst deine Arbeitskraft als Arbeiter/Angestellter einmal für einen bestimmten Zeitraum für ein mehr oder minder fixes Entgelt verkaufen.
Du kannst als Musiker 100 CD’s zu € 25,- inkl. Mwst oder 3 Mill. Ist aber immer die gleiche Arbeit.
Ist die Arbeit von A&A so viel weniger Wert?
Warum sollen A&A in die Presche springen, wenn es einmal nur 50CDs sind? (Denn so funktioniert das System: du meldest dich als Künstler bei der/den Verwertungsgesellschaft(en) an; sobald du best. Umsätze erreicht hast kriegst du aus dem allgem. Topf entsprechend Zahlungen.)

Zukunftsoptimist1
42
31.1.2012, 21:16
Solche Postings zeigen die totale Ahungslosigkeit.

Ohne Verwertungsgesellschaften könnten und müssten die Urheber ihre Rechte selber geltend machen. Sie müssten ihre Zeit statt mit künstlerischen Aktivitäten mit dem Ausforschen von ihnen nicht genehmigter Verwertung ihres Schaffens verbringen und Verstöße dann gerichtlich einklagen. Das wollen Sie doch sicher nicht? Ok, dann aber sind die Verwertungsgesellschaften die einzigen praktischen Lösungen des problems. Wer allerdings eine bessere weiß, kann das ruhig sagen. Künstler für ihre Leistungen überhaupt nicht honorieren kanns wohl nicht sein; das wäre ja Diskriminierung pur und würde jedem totalitären Regime alle Ehre machen.

WoS2u
23
Wenn sie lesen (& verstehen) könnten

würde sie solche Mails nicht schreiben.
Woraus lesen sie, dass Künstler für ihre Leistung nicht honoriert werden sollten?
Nur weil sich Künstler um die eigene Vermarktung kümmern müssen ist das System ein totalitäres?
Sie haben (unter anderem) das Problem nicht verstanden: wir wollen für Leistungen die wir nicht beziehen auch nicht bezahlen. Das tun wir aber bei den bestehenden System (Festplatten, Druckerabgaben).
Vergleich für Leute wie sie: es ist als ob sie als Mann generell einmal Allimente zahlen müssten, weil sie die prinzipielle Möglichkeit haben ein Kind zu zeugen (oder auch nicht). Und als Draufgabe zahlen sie, wenn sie dann auch wirkl. Eines gezeugt haben für dieses extra noch und höher...

Zukunftsoptimist1
21
Offenbar wissen Sie nicht

dass es ein typisches Kennzeichen totalitärer Staaten ist, fundamentale Grundrechte wie das Urheberrecht zu negieren, aus naheliegenden oekonomischen Gründen.
Es ist ein Kennzeichen demokratischer Rechtsstaaten, für die Möglichkeit einer Nutzung, die von der übewiegenden Mehrheit wahrgenommen wird, auch eine kleine Minderheit, welche von dieser Nutzungsmöglichkeit tatsächlich keinen Gebrauch macht, Gebühren zu verlangen. Für Straßenbenützung, Wasserleitung, Rundfunkempfang usw. usw. Nicht immer ist es ökonomisch sinnvoll, jeden einzelnen Nutzungsvorgang zu erfassen und zu vergebühren. Sich dafür ausgerechnet bei den Urhebern schadlos zu halten ist ausgesprochen unfair.

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