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Per SMS vom Nebenzimmer kommunizieren, oder die Freundschaften per Facebook pflegen: Das Jahr 2012
Man weiß, man ist im Jahr 2012, wenn das Handy piept und die Freundin schreibt: "Schon wieder so kalt, jetzt reicht's." "Unerträglich." schreibt man zurück. Was ist der Unterschied zu früher? Man stand sich gegenüber und zitterte gemeinsam. Aber irgendwann rafft man sich auf und ruft an. Fragt wie's geht. Hört zumindest die Stimme, was menschliches! Ja, gut, alles bestens, sagt die Freundin, die Halsentzündung zwischendurch letztes Monat hätte sich halt gewaschen gehabt, aber jetzt ist ja alles wieder in Butter. Von der Halsentzündung hat man nichts mitbekommen, man hat sich ja nicht gesehen. Und gehört auch nicht. Und trotzdem hatte man das Gefühl, man pflegte die Freundschaft, durch die wichtigen SMS zwischendurch. Einmal traf ich eine Bekannte, die ich ein bisschen durch eine kleine Lebenskrise begleiten durfte. Viele SMSe, ein paar Telefonate. Als wir uns wiedergesehen haben, ausnahmsweise in Persona, stellte ich fest, dass sie langes Haar hatte. Von nix auf lang. Ich war erschüttert. Diese Telefone gaukeln uns Kontakt vor, den wir gar nicht haben.
SMS aus dem Nebenzimmer
Dazu passt die Geschichte der Bekannten, deren Ehemann im Nebenzimmer lag und kränkelte. SMS von ihm an sie: "Bitte die Heizung runterdrehen." "Ok" schreib sie zurück. Nach einiger Zeit SMS von ihm: "Wahnsinn, die Nachrichten wieder." "Ja, traurig" schrieb sie zurück. Wieder SMS von ihm "Wie soll das weitergehen?" "Das weiß der Himmel." schrieb sie zurück." Pause. "Willst du was von dem Hendl?" schrieb sie. Er: "Nein, danke, keinen Appetit." Pause. SMS von ihm: "Jetzt reichts mit Tippslerei in der Wohnung, das ist ja lächerlich." Sie: "Stimmt." Er: "Kann ich dich anrufen?"
Ich nehme an, das reale Wiedersehen irgendwann, ganz zufällig, so im Bad oder so, gab dann aber ein ordentliches Hallo. Noch ärger ist Facebook. Einmal habe ich jemanden, mit dem ich darüber täglich und über Monate in Kontakt war, persönlich getroffen. Zufällig. Und brachte kein Wort raus, weil der anders gelächelt hat, als ich mir das vorstellte. Das brachte mich völlig aus dem Konzept. Um die Freundschaft zu retten, wurde ich dann schizophren und behielt mir den Facebookfreund, so wie ich ihn mir vorgestellt habe. Mit dem klappt's immer noch blendend. Den echten Menschen dazu, den schweige ich weiter an, wenn ich ihn treffe. Macht nichts, ihm geht's genauso. Haben wir auf Facebook dann besprochen. (derStandard.at, 30.1.2012)
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Zu der Zeit, als ich noch World of Warcraft (ein Online.Rollenspiel) aktiv gespielt habe, habe ich mehrere ausgesprochen nette Menschen kennen gelernt. Einer davon lebt zufällig in Wien und wurde zu einem recht engen Freund, eine andere aus einer kleinen Ortschaft in Deutschland habe ich einmal besucht und eine ganze Gruppe an Leuten letzten Sommer in Berlin getroffen.
Bei diesen drei sehr unterschiedlichen Treffen war unsere Kommunikation immer sehr gut und interessant, obwohl sie vorher nur über Chat und Internet-Telefonie stattfand. Auch beim Gruppentreffen hat sich keiner der zehn Leute "eingegraben" und die Gespräche waren NICHT vom gemeinsamen Spiel beherrscht (was alle überrascht hat). Kommunikation klappt auch mit Netzbekannten!
Man ist ja nicht gezwungen, elektronisch zu kommunizieren. Wenn man sich nichts mehr zu sagen hat, ist doch die Elektronik nicht schuld.
Andererseits beitet das Internet tolle Möglichkeiten, neue Leute zu treffen. Nur weil man sich nicht sieht, bedeutet das nicht, dass man nicht echt befreundet sein kann. Die ewige Diskussion über "echt", weil physisch anwesend und "falsch", weil elektronisch unsichtbar, ist einfach absurd, aber tief eingeprägt ( http://karinkoller.wordpress.com/2011/08/1... chon-echt/ ).
Da kann ich nur zustimmen. Ich kenne persönlich niemanden, der sich nur über SMS unterhält, aber nie persönlich. Dafür kenne ich aber Leute, mit denen hab ich mich etliche Male via Internet unterhalten, allerdings auch von Angesicht zu Angesicht (es hat halt nicht immer jeder Zeit sich persönlich zu treffen).
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