Gastkommentar Henriette Riegler

EU-Mitgliedsstaat Kroatien - Wer ist der Nächste?

Gastkommentar | Henriette Riegler, 30. Jänner 2012, 15:24

Montenegro, Serbien und der Kosovo sind die Nachfolgestaaten Jugoslawiens, die sich nach Kroatien Europahoffnungen machen

Was bedeuten die zwei herausragenden Ereignisse der letzten Wochen in der Südosterweiterung - die Zustimmung des kroatischen Elektorats zum EU-Beitritt des Landes sowie die Ankündigung der diesjährigen Beendigung der internationalen Supervision des Kosovo? Dass wir über kurz oder lang alle Nachfolgestaaten in der Europäischen Union sehen werden, wie es die Union noch vor wenigen Jahren emphatisch als ihr Politikziel formuliert hat? Sind wir Zeugen des Beginns einer neuen Ära in den Beitrittsbemühungen der Nachfolgestaaten Jugoslawiens oder handelt es sich eher um ein zufälliges Aufeinandertreffen ohne strategischen Hintergrund? Ersteres hofft man, Zweiteres erscheint angesichts der aktuellen Lage wahrscheinlicher.

Kroatien als "natürlichster" Kandidat

Wenn denn die Erweiterung der Union ihre mehr evolutionäre als revolutionäre Kernpolitik darstellt, figuriert Kroatien nach Slowenien als der "natürlichste" Kandidat: Es ist politisch, ökonomisch und auch kulturell - und vergessen wir nicht die kulturelle Ähnlichkeit als ein ungeschriebenes Beitrittskriterium - dem mitteleuropäischen "Club-Bestand" ähnlicher als die anderen Nachfolgestaaten. Freilich geht es nach der prinzipiellen Zustimmung der EU, einem Land Kandidatenstatus zuzugestehen, auch darum, einen im Laufe der Erweiterungsgeschichte immer aufwendiger gewordenen Beitrittsprozess zu absolvieren. Diese Hürden hat Kroatien überwunden, jetzt kann nur noch das slowenische Veto - das schon Kroatiens Beitrittsverhandlungen erheblich verzögert hat - dem Beitritt im Wege stehen. Nach der Wahl Janez Jansas zum slowenischen Ministerpräsidenten am Wochenende könnte Kroatiens Beitritt sich genau deshalb erneut verzögern. Kroatien ist hier nicht allein: Auch die Blockade Mazedoniens durch Griechenland ist der bilaterale Streitfall, der die europäische Entwicklung des Landes seit Jahren torpediert. 

Kandidatenstatus

Damit sind die nächsten sicheren zukünftigen EU-Mitglieder - wer? Montenegro, Serbien? Montenegro wird sicherlich als Nächstes den Kandidatenstatus erhalten, ob das für Serbien genauso gilt? Seit Beginn seiner Beitrittsbemühungen hat sich Serbien durch seine Kosovopolitik diese sicher scheinende Chance wieder und wieder verdorben. Vor die Wahl gestellt zwischen der Mitgliedschaft in der EU und einem offen oder strukturell gewaltsamen Anschluss des Kosovo an Serbien, entschieden sich die politischen Eliten Belgrads immer für Letzteres. Zeitweise schien es, als ob die hier überaus tolerante EU diese Reihung in der nationalen Agenda mit einer Politik des Augezudrückens sogar hinzunehmen bereit war. Im März wird ein weiteres Mal über die Kandidatur Serbiens beraten werden - eine Änderung der serbischen Kosovopolitik ist bis dahin nicht zu erwarten.

Was heißt dies nun für die kosovarischen Europahoffnungen? Das zweite wichtige Ereignis in den Bemühungen der Nachfolgestaaten um den EU-Beitritt war die Bekanntgabe der internationalen Gemeinschaft, ihre Supervisionstätigkeit mit Ende des Jahres einzustellen und dem Kosovo damit vollständige Souveränität einzuräumen. Und genau dies ist in Wahrheit das basale Beitrittskriterium - Souveränität. Darum kann Montenegro der nächste Beitrittskandidat sein, sind die Chancen Bosnien-Herzegowinas aber gering, in seiner jetzigen Verfassung je EU-Mitglied zu werden. Bosnien-Herzegowina unverzichtbare Souveränität zu geben kann jedoch nicht über einen einfachen Rückzug der internationalen Gemeinschaft erreicht werden, zu wenig engagiert hat man einer inneren ethnischen Aufteilung des Landes nach dem Krieg zugestimmt und bisher wenig getan, um staatliche Reintegration zu betreiben.

Souveränität zu besitzen und sie den Nachbarn zuzugestehen ist die unverzichtbare Beitrittsreifeprüfung - und sie sollte es auch sein. Das Ringen darum kann ohne EU nicht stattfinden, aber eine EU, die dazu in der Lage ist, muss ihren eigenen Mitgliedern Erweiterungssolidarität abverlangen. Zurzeit kann oder will sie das nicht. (Gastkommentar von Henritte Riegler, 30.1.2012)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 55
1 2
CHeFred
00
Serbien?

Slavenka Drakulic in Eurozine: "Slovenia is a member of the EU, Croatia is just about to enter it, Montenegro will soon start negotiating. Even Macedonia, suffering from the Greek ban of its name, has a better chance of a future membership than Serbia – as long as Belgrade is not prepared to solve the Kosovo problem."
http://www.eurozine.com/articles/... ic-en.html

rari
00
31.1.2012, 22:44
wer ist das...

nächste Griechenland ?

NANANANANANANANA BATMAN
10
31.1.2012, 16:10
serbien wird niemals eu-mitglied

aber dafür immer wieder "letzte bedingungen" erfüllen.

josefstalin
00
31.1.2012, 16:05
Wer ist der Nächste?

Mein Tipp: GRIECHENLAND !
Und sagt nicht die sind eh dabei.
Ich meine den Wiedereintritt von Griechenland.

Ergates faber
02
31.1.2012, 16:04
Je mehr desto besser...

dann ist bald alles vorbei.
Serbien, Albanien, Bosnien, Ukraine, Weißrussland, Türkei, .....
Ich hoffe schon viel früher......

cannery row
04
31.1.2012, 12:10
ist schon gut so..

erweitern, bis das ding platzt. anders kapieren es manche nicht.

peace & love
11
31.1.2012, 11:22
gehirngewaschene schulmeisterei.

sorry, aber ton dieses kommentars nervt einfach nur.

Betrachter
23
31.1.2012, 10:58
Bad guys

Frage: Warum sollte Serbien die Unabhängigkeit des Kosovos anerkennen, wenn dies 5 MS der EU auch nicht tun? Vor 2 Wochen hat Tadic einen akzeptaplen 4-Punkte vorgestellt, der jedoch von den Kosovoalbanern ohne sich den Vorschlag auch nur anzuschauen gleich abgelehnt wurden.
Waren die Separationsbestrebung am Westbalkan (Cro, BiH, Kosovo-überall per Verfassung staatstragendes Volk) gegen den serbischen Willen, dann berief man sich auf das Selbstbestimmungsrecht.Schlagen die Serben eine Teilung vor (RS, Nordkosovo), dann werden sie gleich als rückwärtsgewandte Chauvinisten bestimmt. Europa hat vergessen, dass im II. WK in Cro, BiH und Kosovo Völkermord an den Serben begangen wurde (ca. 500 000 Opfer).Deswegen waren sie gegen einen Zerfall

Toni Mayr
41
31.1.2012, 09:23

Typisches realitätsfernes Diplomatengeschwätz! Solche Diplomaten haben keine Ahnung was wirklich in der Gesellschaft abgeht und lassen sich nur von den jeweiligen Regierungen Honig um den Mund schmieren! Kroaten kulturell näher als Serben? Dem widerspreche ich. Oder muss man röm. kath. sein? Ich möchte den Unterschied sehen, wenn es die Rep. Srpska Krajina mit internationaler Unterstützung zur Unabhängigkeit gebracht hätte. Kroatien würde sich ebenso verhalten wie Serbien jetzt. Da hatten die Kroaten aber recht mit einem gewaltigen Kriegsverbrechen vollendete Tatsachen zu schaffen, dass wird jetzt sogar belohnt. Das Kriegsverbrechen der Serben im Kosovo - da nicht vollendet - hängt immer nach!

samuel kant
25
31.1.2012, 13:19

der unterschied zwischen kosovo und kroatien ist ganz leicht, nur für serben schwer begreiflich.

im kosovo, das einen verfassungmäßigen autonomie-status hatte, fingen die serben an alle albaner zu deportieren. es folgte ein krieg im dem die überwältigende bevölkerungsmehrheit (albaner) siegte. zum schutz der bevölkerungsmehrheit im kosovo wurde von der internationalen staatengemeinschaft serbien das gewaltmonopol für den kosovo entzogen und ein neuer staat gegründet.

in kroatien beschlossen bewaffnete serbische nationalisten einen neuen staat zu gründen und vertrieben so viele nichtserben wie sie konnten. nach der militärischer aufrüstung der bevölkerungsmehrheit in kroatien besiegte diese die serbischen nationalisten und vertrieb sie.

Toni Mayr
00
31.1.2012, 20:18

Also doch alles gleich, nur andere Worte für andere Volksgruppen! Sie haben sich aber angestrengt, dafür muss ich Sie loben. Helfen tut's aber nicht, da es nachweislich die selbe Ausgangsposition war. Ich gebe zu, dass die Albaner ab den 80ern gewalttätiger als die Kroaten und auch die Krajinaserben waren.

(.) (.)
01
31.1.2012, 16:40
Märchenstunde?

Wann sollen denn damit begonnen worden sein, "alle Albaner aus dem Kosovo zu deportieren"?

ganzsichernicht
 
00
31.1.2012, 08:37
die frage, wer ist der nächste , stellt sich so nicht...

wer ist der nächste "wackelkandidat", der eventuell ausscheiden soll? ich verstehe nichts mehr: einerseits erweiterung, andererseits die größte "zerfalls-finanz u. faschismus krise seit dem bestehen der eu...?? WTF?

ich nicht
510
31.1.2012, 08:16
kroatien hat alles was ein richtiges EU mitglied braucht:

zu niedriges pensionsalter
unbezahlbare staatsschulden
kaputte banken
hohe steuern
rückläufige wirtschaft
schwarzmarkt und schattenwirtschaft
unbrauchbare verwaltungsbürokratie
hohe arbeitslosigkeit
korrupte justiz
fehlende rechtssicherheit
bestechliche politiker

zimbo
 
00
31.1.2012, 16:15
..schöne Küste für feudalen Wellnessbereich.

Filicijo
22
31.1.2012, 11:11

sprechen sie über z.B. österreich ?!!!

zimbo
 
00
31.1.2012, 17:34
Ö auf alle Fälle dabei, eine gut gebende Milchkuh.

Die Wahrheit ist aber der Kuh wird immer Milch entnommen.

Fritz Meyer
14
31.1.2012, 08:48
"zu niedriges pensionsalter"

Unser tägliches Gehetze gegen die Pensionisten gib uns heute.

Wie lang willst DU eigentlich arbeiten? Bis Du tot umfällst?

Oder neidest den Pensionisten nur, dass sie im Gegensatz zu Dir die Tretmühle schon hinter sich haben? Glaub's mir, die haben - im Gegensatz zu solchen wie Dir - GANZ BESTIMMT auch mehrheitlich etwas geleistet.

zimbo
 
00
31.1.2012, 15:33
Und wenn wir schon bis zu unserem Tod arbeiten, dann wären die Pensionseinzahlungen überflüssig.

Erzsébet Lucas
00
31.1.2012, 10:00

Na, selber Frühpensionist und fühlst dich auf den Schlips getreten?
Der Vorposter denkt wohl eher an die pensionierten 53jährigen Beamten, die bei bester Gesundheit sind.
Wir 40jährigen und jünger 'dürfen' vermutlich eh mal bis zum Umfallen arbeiten und es winkt die Volkspension auf Existenzminimum.
Also, genieß deine Frühpension!

Jepedaia Springfield
10
31.1.2012, 07:40
EU-Mitgliedsstaat Kroatien - Wer ist der Nächste?

der am Tropf der EU hängt?

17+4
24
30.1.2012, 19:13
können wir uns den Beitritt Kroatiens überhaupt leisten

wird K ein Nettozahler sein, oder leben die auch am tropf der EU?
Warum wird darüber nichts berichtet?

Der Waehlerwille
 
02
31.1.2012, 11:51
kroatien hat per capita geringere Staatssschulden als Österreich

nächste Frage bitte ..

A la croate
61
30.1.2012, 20:13

Wenns euch Griechenland leisten könnts wird Kroatien wohl auch drinn sein?
Abgesehen davon hat Österreich schon mehr als genug aus dem Zerfall der ehem. Ostblockländer profitiert.

el jefe1
21
31.1.2012, 11:06
Österreich schon mehr als genug aus dem Zerfall der ehem. Ostblockländer profitiert.

da kannst aber nur die Wirtschaftsflüchtlinge gemeint haben. Oder rechnest die unwiederbringlichen Kredite auch dazu. Bin dafür, das nur mehr Staaten mit ausgeglichenem Staatshaushalt aufgenommen werden. Für Länder, die uns nur auf der Tasche liegen, hab ich keine Lust arbeiten zu gehen.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 55
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.