Polnische Regierungspartei wegen Anti-Piraterie-Abkommen ACTA unter Druck

30. Jänner 2012, 14:28

Die Hälfte der Jungwähler kehrt der Bürgerplattform den Rücken

Die Diskussion um das internationale Abkommen gegen Produktpiraterie im Internet und Urheberrechtsverletzungen, ACTA (Anti-Counterfeiting Trade Agreement), hat der rechtsliberalen Regierungspartei PO (Bürgerplattform) bei einer ihrer treuesten Wählerschichten geschadet: den jungen Polen. Nur noch 20 Prozent der bis 24-jährigen würden derzeit die Partei von Ministerpräsident Donald Tusk wählen, ergab eine am Montag veröffentlichte Umfrage des Instituts MillwardBrown SMG/KRC für den Fernsehsender TVN. Seit Anfang Jänner ist die Unterstützung der Rechtsliberalen bei den jüngsten Wählern fast um die Hälfte (um 17 Prozentpunkte) gefallen.

Zuwachs um 11 Prozent

Von den Imageproblemen der Regierungspartei profitiert die nationalkonservative PiS (Recht und Gerechtigkeit) am meisten, die derzeit in der Wählergruppe bis 24 Jahre auf 22 Prozent der Stimmen rechnen kann. Das bedeutete einen Zuwachs um 11 Prozent. Die Gruppierung mit der stärksten Unterstützung aus den Reihen der Jugendlichen ist die antiklerikale Bewegung Palikots (RP), die aktuell von 31 Prozent der bis 24-jährigen unterstützen (Zuwachs um 2 Prozent).

Allgemein sehen die Umfrageergebnisse für die PO nicht so dramatisch aus. Die Unterstützung für die Partei von Ministerpräsident Donald Tusk ist zwar um 5 Prozentpunkte gefallen und beträgt aktuell aber noch 33 Prozent. Damit stehen die Rechtsliberalen unangefochten an der Spitze des Parteienrankings. An der zweiten Stelle liegt die PiS mit 22 Prozent (Zuwachs um 2 Prozent). Dann kommen die RP mit 13 Prozent (plus 1 Prozent), die mitregierende Bauernpartei PSL mit 9 Prozent (unverändert) und das Bündnis der demokratischen Linken (SLD) mit 8 Prozent (minus 1 Prozent).

Massive Proteste

Trotz massiver Proteste von Internetusern in ganz Polen will die polnische Regierung am ACTA-Abkommen gegen Internet-Piraterie festhalten. Die Botschafterin Polens in Japan hatte am vergangenen Donnerstag das Dokument unterzeichnet, was die Proteste im Land noch verstärkt hatte. Erst danach hat Tusk zum ersten Mal angedeutet, die Regierung könnte das ACTA-Abkommen dem Parlament doch nicht zur Ratifizierung vorlegen, wenn die Ansicht tatsächlich berechtigt sei, dass ACTA die Meinungsfreiheit bedrohe.

Datenschützer fürchten, dass es zur Überwachung von Internetnutzern und zur Zensur im Netz missbraucht werden könnte

Die österreichische Regierung hat die Unterzeichnung des umstrittenen Abkommens am vergangenen Dienstag beschlossen. Kritische Stimmen und Protestaktionen gab es außer in Polen und Österreich auch noch in der Slowakei, Estland oder Deutschland. Kritik kam auch aus dem Europaparlament, das auch noch zustimmen muss. Der EU-Ministerrat hatte während des polnischen Vorsitzes in der zweiten Jahreshälfte 2011 den Beitritt zu ACTA beschlossen. Die Unterzeichner des ACTA-Abkommens verpflichten sich zur Kooperation und zur Schaffung neuer Gesetze, die die Durchsetzung von Urheberrechten erleichtern sollen. Damit soll etwa der weltweite Kampf gegen gefälschte Arzneimittel oder Datenklau erleichtert werden. Datenschützer fürchten, dass es zur Überwachung von Internetnutzern und zur Zensur im Netz missbraucht werden könnte. (APA)

A. M. Steinhauer
 
00
31.1.2012, 12:20
Falsch²

Mein lieber Herr horli. Sie schleudern offensichtilich, ähnlich ihres Vorwurfs dem Standard gegenüber, ebensowenig mit "Qualitätsinformationen" um sich. Ich nahm mir soeben die Zeit, die von Ihnen gepostete Letztfassung der ACTA Vereinbarung, sorgfältig durchzulesen und kam zu dem Schluss, dass den zustimmenden Staaten sehrwohl Überwachung, wenn nicht sogar Überwachungspflicht (Artikel 36,3d) durch den ACTA-Ausschuss(welcher nebenbei, wenn auch nur einstimmig, den ACTA-Text beliebig "anpassen" oder "erweitern" kann) aufgezwungen wird und das aufgrund dieses Umstandes durchaus Anlass zur Sorge besteht. Sie sollten den Text vielleicht auch einmal durchlesen und nicht nur überfliegen ;)

horli
00
31.1.2012, 17:48
keine Überwachungspflicht

Aus §36 3d geht für mich keine Überwachungspflicht aus, sondern dass der Ausschuss mit DRITTEN über Verfahren zur Überwachung INFORMATIONEN AUSTAUSCHEN kann. [1]

Daraus eine Pflicht zur Überwachung abzuleiten ist falsch.

Das ein Gremium neue Regeln verhandeln kann ist eine Binsenweisheit die nirgendwo geschrieben stehen muss um zu gelten.

PS: Ich habe den Text im Gegensatz zu vielen anderen vollständig gelesen.

[1] Zitat

(3) Der Ausschuss kann beschließen,
d) mit Dritten Informationen und vorbildliche Verfahren über die Eindämmung von Verstößen
gegen Rechte des geistigen Eigentums auszutauschen; dies betrifft auch
Erkennung und Überwachung von Produkt- und Markenpiraterie,

Jägermeister
00
31.1.2012, 10:47
Link zur Online-Petition von AVAAZ - aktuell bereits 1,200.000 Unterzeichner

Unter dem nachfolgenden Link kann man die Online-Petition von AVAAZ gegen die endgültige Umsetzung von ACTA unterzeichnen:

https://secure.avaaz.org/en/eu_sav... ?slideshow

Zur Zeit gibt es bereits 1,200.000 Unterzeichner ...

Vorratsdatenspeicherung und ACTA gemeinsam ergeben ein geradezu unheimliches Instrumentarium zu totalen Überwachung der Aktivitäten des Einzelnen - die zur Beschwichtigung gerne vorgebrachte Ansicht, dass die durch die VDS generierte Datenmenge gar nicht ausgewertet werden kann muss m.M. nach erst belegt werden ...

Am 11.2. soll es übrigens - von Deutschland ausgehend - einen AKTIONSTAG GEGEN ACTA geben - man kann nur auf rege Beteiligung auch in Österreich hoffen ...

horli
00
31.1.2012, 18:11
Täuschung

Ich habe das auch, bevor ich den Original ACTA Text gelesen habe, unterschrieben.

Nachdem ich ihn gelesen habe, würde ich meine Unterschrift gerne wieder zurücknehmen. Darüber hinaus fühle ich mich mit falschen Informationen hinters Licht geführt und vor einen anderen Karren gespannt.

In Wahrheit geht es nicht wie behauptet gegen Internet Überwachung, Zensur etc. (denn die steht auch nicht im Text) sondern um Widerstand gegenüber der Durchsetzung von Rechten an geistigen Eigentum generell.

Die Kampagne, die da läuft ist eine Täuschung.

horli
11
30.1.2012, 17:07
Falsch

ACTA führt in Europa und Österreich NICHT zu neuen Gesetzen.
Alle Schweinereien die da drinnen stehen sind bei uns schon Gesetz!

Von Überwachung und Zensur des Internets steht in der Letztfassung nichts mehr:

http://register.consilium.europa.eu/pdf/de/11... 6.de11.pdf

Ich frage mich lesen die Redakteure einer "Qualitätszeitung" eigentlich die Originalquellen oder quasseln sie einfach das Unrichtige nach das dahergeredet wird?

Andreas Grois
00
30.1.2012, 16:10

Damit soll der Datenklau erleichtert werden. Genau so ist es.

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