Die Wahlbeteiligung der Puerto Ricaner ist so hoch, dass auch bei den Vorwahlen in Florida in diese Wählergruppe große Hoffnung gesetzt wird
Craig Romney legt sich ins Zeug für seinen Vater. In fließendem Spanisch erklärt er bei einer Konferenz des Hispanic Leadership Network in Miami den Anwesenden, warum Mitt Romney die einzig richtige Wahl für die republikanische Präsidentschaftskandidatur 2012 ist: "Mein Vater ist ein Mann mit Integrität und Charakter, ein Mann mit Familiensinn, ein Mann des Glaubens."
Ob Romneys Spanisch seine Wirkung zeigen konnte, wird sich am Mittwoch bei den republikanischen Vorwahlen in Florida zeigen. Kurz vor dem Showdown versuchen Mitt Romney, Newt Gingrich, Ron Paul und Rick Santorum sich gegenseitig noch Stimmen der hispanischen Bevölkerung streitig zu machen.
Besonders viel verspricht man sich von der Mobilisierung der Puerto Ricaner in Florida. Weil Puerto Ricaner durch ihre Anbindung an die USA automatisch auch
amerikanische Staatsbürger sind, stellen sie einen besonders großen Prozentsatz
(29 Prozent) der hispanischen Wählerschaft in Florida. Außerdem wäre da noch eine überdurchschnittlich positive Grundeinstellung, vom Wahlrecht tatsächlich Gebrauch zu machen.
Wahltag ist Feiertag
Ein Blick auf die Insel - ein assoziierter Freistaat der USA - offenbart, dass Wahlen in Puerto Rico einen außerordentlichen Stellenwert haben. Wahlbeteiligungen von beinahe 80 Prozent lassen Politiker in aller Welt vor Neid erblassen. Puerto Rico reiht sich damit zwischen Dänemark, Neuseeland, den Niederlanden und Finnland ein. Die Wählerschaft geht - egal ob arm, reich, jung oder alt - gleichermaßen zur Urne. Wahlen sind dort im wahrsten Sinne des Wortes ein Volksfest. Es ist ein Feiertag, niemand arbeitet, feiernde Parteianhänger ziehen durch die Stadt. "Es gibt eine Menge sozialer Anreize, wählen zu gehen", fasst der Politologe Luis Raúl Camara von der Universidad de Puerto Rico zusammen.
Caravanas in den Straßen von Orlando
Dem Fehlen dieser sozio-kulturellen Aspekte scheint es auch geschuldet zu sein, dass all jene Puerto Ricaner, die mittlerweile auf dem amerikanischen Festland leben, weniger Interesse zeigen, sich am politischen Leben zu beteiligen, als die Bewohner der Insel. Die Wahlkampfstrategen der Republikaner versuchen deshalb, möglichst viel vom puertoricanischen Wahlflair zu importieren, um die hispanische Bevölkerung zum Wählen zu animieren. Sogenannte "Caravanas", Autokarawanen mit Fahnen und Werbebannern der republikanischen Kandidaten, die durch spanische Stadtviertel ziehen, sollen Aufmerksamkeit erregen - mit mäßigem Erfolg.
Zugeständnisse und Anbiederung an den puertoricanischen Gouverneur Luis Fortuno gehören für die republikanischen Präsidentschaftsanwärter dieser Tage zum Standardrepertoire. Vergessen sind Aussagen, in denen sie eine scharfe Einwanderungspolitik forderten. Mitt Romney bezeichnete eine Gesetzesvorlage, die es illegalen Einwanderern ermöglichen soll, die Staatsbürgerschaft zu erhalten, falls sie ein College absolvieren oder in der Armee dienen (den sogenannten DREAM Act), in der Vergangenheit noch als "Freibrief für Kriminelle". In Florida und vor hispanischen Wählern rudert er kräftig zurück und kann sich schon vorstellen, dass gewisse Aspekte des Gesetzesvorschlages Sinn machen.
Referendum im August 2012
Viel wichtiger für die Puerto Ricaner ist allerdings die Frage nach dem zukünftigen politischen Status ihres Herkunftslandes. 51. Bundesstaat der USA, eigenständiger souveräner Staat oder weiterhin freistaatliches Anhängsel der USA? Zwischen diesen Optionen hat das Volk im August 2012 bei einem Referendum zu entscheiden. Die Tatsache, dass bei der letzten GOP-Debatte in Florida der Moderator
Wolf Blitzer für die Frage nach Puerto Ricos Unabhängigkeit so wenig
Zeit anberaumt hatte, sorgte bei vielen puertoricanischen Kommentatoren
für Unmut. Nur Rick Santorum durfte Rede und Antwort stehen, alle
anderen Kandidaten mussten ihre Position zur politischen Zukunft Puerto
Ricos für sich behalten. Mitt Romney und Newt Gingrich ließen deshalb in den vergangenen Tagen keine Chance ungenützt, um ihre Ansichten kundzutun. Beide betonten, dass sie sich in diese Frage nicht einmischen wollen und die Puerto Ricaner selbst darüber zu entscheiden hätten, dass sie aber jedenfalls - sollte dies der mehrheitliche Wunsch sein - eine bundesstaatliche Angliederung Puerto Ricos unterstützen würden.
Verwechslungsgefahr mit den puertoricanischen Republikanern
Traditionell wählt die puertoricanische Bevölkerung der USA - vor allem jene aus den nordöstlichen Bundesstaaten - eher demokratisch. Allerdings gibt es viele neu Zugezogene in den südlichen Bundesstaaten wie etwa Florida, die sich, wenn überhaupt, in die Wählerlisten der Republikaner eintragen lassen. Das oftmals auch gar nicht aus politischen Gründen, sondern in dem Glauben, dass die Republikaner in den USA aufgrund ihrer Namensverwandschaft ebenso wie der "Partido Estadista Republicano" auf Puerto Rico einen unabhängigen Staat unterstützen würden.
Als eine der am schnellsten wachsenden Bevölkerungsgruppe könnten die Puerto Ricaner das berühmte Zünglein an der Waage für Kandidat Romney oder Gingrich werden. Am 18. März wird denn auch auf der Insel selbst darüber entscheiden, welcher Kandidat der Republikaner in der Präsidentschaftswahl geschickt werden soll. Allerdings endet die Mitbestimmung damit auch schon wieder. Der widersprüchliche politische Status der Insel, die zwar territorial zu den USA gehört, allerdings kein eigenständiger Bundesstaat ist, will es nämlich, dass bei der tatsächlichen Präsidentschaftswahl am 6. November nur die Stimmen jener Puerto Ricaner gezählt werden, die auf US-amerikanischem Festland wohnen. (ted, derStandard.at, 31.1.2012)
Erst am kommenden Dienstag will er seinen Rückzug offiziell bekanntgeben und dann Mitt Romney unterstützen - Hatte bisher nur zwei Vorwahlen gewinnen können
Die Suche nach einem geeigneten Kandidaten für die Vizepräsidentschaft der Republikaner ist voll angelaufen. Der Betreffende soll vor allem keinen Schaden anrichten und Mitt Romney nicht mit seinem Glanz überstrahlen.
Puerto Rico ist kein "assoziierter Freistaat", sondern ein Territorium im vollen Besitz der USA und unter direkter Herrschaft der U.S. Bundesregierung (d.h. Präsident, Kongress und Supreme Court). Obwohl diese die Wahl einer ortsansässigen Regierung bewilligt, Washington D.C. hat das letzte Wort wegen allem, was Puerto Rico betrifft.
Da Puerto Rico kein US-Staat ist, die einzigen Freiheiten, die die Bewohner der Insel haben, sind die, die die U.S. Bundesregierung ihnen erlauben.
Deshalb ist es von großer Bedeutung, ob Puerto Rico US-Staat wird oder nicht. Dann wenn ja, gewinnen sie Souveränität und alle Schutzvorkehrungen, die die US-Verfassung den US-Staaten gewährt. Vor allem würde das Freiheit von Washington D.C. bedeuten.
Per Briefwahl!
Die ohne Prozess gefangengehaltenen Auslaender koennen nur traeumen, dass sie Recht und Wahlfreiheit bekommen. Gleiches gilt fuer die anderen 11.200.000 Gefangenen auf der Insel.
ist kein teil der usa, sondern auf unbestimmte zeit von kuba gepachtet. aber du kannst davon ausgehen, dass die dort stationierten us soldaten ihre stimme abgeben können.
die puerto ricaner wollten den status quo bei allen bisherigen wahlen beibehalten und haben demnächst wieder eine wahl darüber. ich hoffe dass sie endlich den status klären. entweder teil der usa oder ein eigener staat. kolonie im klassischen sinne kann man hier nicht sagen, denn dann hätten sie keinerlei rechte wahlen über die form der zugehörigkeit abzuhalten.
Um als Kolonie zu gelten haben die Puerto Ricaner zuviele Rechte
defkato ist es ein Status zwischen Territorium (also ihrer Kolonie) und Bundestaat.
Die Bewohner haben bis auf die Wahl des Präsidenten und die Kongresswahlen alle Bürgerrechte, wählen ihr eigenes Parlament etc ...
1998 war übrigens der Ausgang des letzen Volksentscheids knapp gegen Statehood mit nur 2.5 für Unabhänigkeit, (gewonnen hat "keine der Optionen mit über 50 %)
Wenn man Ihren Artikel liest, könnte man glauben, dass die Puerto Ricaner in Florida einen sagenhaften Anteil unter den heutigen republikanischen Wählern darstellen da "sie so mobilisiert werden und zu den Urnen strömen".
Allerdings werden alle Hispanics zusammen heute nur etwa 10% der gesamten republikanischen Wähler in Florida ausmachen. Und von diesen 10% sind wieder etwa 6% Kubaner. Da auch noch Mexikaner dazukommen, sind wohl etwa nur 2-3% aller Teilnehmer der GOP primary heute Puerto Ricaner.
Das würd ich mir auch in Österreich mal wünschen dass die Spitzenkandidaten sich bemühen auf türkisch oder serbokroatisch Werbung zu betreiben. So sieht Integration aus!
die hispanics sind ja in dem sinne keine "zugewanderten" (zumindest sind sie schon um ein bisschen länger dort als die "weissen").
einen ortstafelstreit gibt es dort jedenfalls nicht (nichtmal in los angeles, san francisco etc., nur dass die namen halt immer falsch ausgesprochen werden).
Inserate auf serbokroatisch und Türkisch gibt es ja (zumindest in einigen Wiener Bezirken).
Ganz prinzipiell find ich das okay, ich würde mir nur wünschen, dass alle in Österreich lebenden Personen zumindest halbwegs verstehen, was in einem derartigen Inserat steht, auch wenn es deutsch geschrieben wird.
Aber als Zeichen der Wertschätzung diverser Bevölkerungsgruppen - warum nicht? Wenn Strache auf Plakaten mit den serbischen Bandln posieren darf...
das die auf den festland lebenden puerto ricaner jetzt ein bisserl mehr english verstehen und das kreuzerl am richtigen platz setzen..und nicht irrtümlich wieder bei den reps...
...das sind republikanische Vorwahlen - da kann man bei den Demokraten kein Kreuzerl machen!
Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.
Alle Rechte vorbehalten. Nutzung ausschließlich für den privaten Eigenbedarf. Eine Weiterverwendung und Reproduktion über den persönlichen Gebrauch hinaus ist nicht gestattet.
Bitte geben Sie eine E-Mail-Adresse an.
Aktualisierung Ihrer E-Mail-Adresse
Ihre aktuelle und korrekte E-Mail-Adresse ist Voraussetzung für alle Benachrichtigungen, die Sie von derStandard.at erhalten (z.B. Antworten auf Ihre Postings, Hilfe bei vergessenem Passwort). Zusätzlich werden Sie Ihre E-Mail-Adresse künftig für das Login benötigen.
Daher bitten wir Sie um eine kurze Überprüfung und Bestätigung Ihrer E-Mail-Adresse. Ihre E-Mail-Adresse wird dadurch nicht für Dritte sichtbar!
Die von Ihnen angegebene E-Mail-Adresse ist bereits mit einem anderen Account verknüpft. Bitte geben Sie eine andere E-Mail-Adresse an.
Diese E-Mail-Adresse ist leider ungültig. Bitte verwenden Sie eine dauerhafte E-Mail-Adresse!
Eine E-Mail-Adresse kann nicht für mehrere Accounts verwendet werden!
Aktualisierung Ihrer E-Mail-Adresse
Danke für die Bestätigung Ihrer E-Mail-Adresse. Es wurde ein Bestätigungslink an die angegebene Adresse gesendet.
Aktualisierung Ihrer E-Mail-Adresse
Ein unbekannter Fehler ist aufgetreten. Die E-Mail konnte nicht gesendet werden. Bitte versuchen Sie es noch einmal.