Flexibilisierung

Zeitarbeit 2011 mit neuem Rekord

30. Jänner 2012, 14:07

Fast 75.000 Zeitarbeiter oder 2,3 Prozent der Beschäftigten - WKÖ will das Image verbessern, sieht kein Lohndumping

Wien - Die Zeitarbeit hat in Österreich weiter zugenommen: Mit 74.783 Zeitarbeitern bei der Stichtagserhebung (31. Juli 2011) waren um 13,2 Prozent mehr Arbeitnehmer als Zeitarbeiter beschäftigt als im Jahr davor. Damit wurde ein neuer Rekord an sogenannten "überlassenen Beschäftigten" erzielt. Rund 2,3 Prozent der Beschäftigten in Österreich sind Zeitarbeiter, also bei einem Unternehmen beschäftigt, das sie einem anderen Unternehmen zur Arbeit überlässt.

Der Trend zur Zeitarbeit, zur Flexibilisierung der Arbeit, werde weitergehen, erwartet Gerhard Flenreiss, Bundesobmann der Personaldienstleister in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ): "Zeitarbeit ist die sicherste Form der flexiblen Arbeit, sicherer als etwa ein Freier Dienstvertrag". Die Übernahmen von Zeitarbeitern in die Stammbelegschaft werden sich jedoch eher gering halten.

Nachfrage stabil

Die Nachfrage nach Zeitarbeitskräften sei heuer im ersten Quartal relativ stabil, für das zweite Quartal gebe es schon große Unsicherheit bei den Erwartungen der Kunden, erläuterte Flenreiss heute Montag bei einer Pressekonferenz in Wien. Zuwächse werden saisonbedingt im Bereich Bau und Infrastruktur erwartet, hingegen rechne man in der Produktionsgüterindustrie mit schwächerer Nachfrage. Einen Ausblick ab dem zweiten Quartal will Flenreiss aus heutiger Sicht nicht machen. Zu groß sei die Unsicherheit bei den Unternehmen, insbesondere in der Industrie.

Gegliedert nach Bundesländern gab es per Ende Juli 2011 die meisten überlassenen Arbeitskräfte in Oberösterreich, gefolgt von Wien. Im Burgenland stieg die Zahl der Zeitarbeiter - ausgehend von einem niedrigen Niveau - um 95 Prozent. Rund ein Drittel der Leiharbeiter arbeitet in der Industrie, ein weiters Drittel im Gewerbe und das dritte Drittel ist in verschiedenen Bereichen, etwa im Gesundheitswesen, im Handel, bei Banken oder in der IT etc. tätig. Mit 80 Prozent ist der weitaus überwiegende Teil der Zeitarbeiter männlich. Ein Viertel der Zeitarbeiter sind Angestellte, drei Viertel Arbeiter.

Das Image der Zeitarbeiter sei in Österreich nach wie vor verbesserungswürdig, hieß es bei der Pressekonferenz der WKÖ. Flenreiss kann den schlechten Ruf nicht verstehen, da in Österreich Zeitarbeiter denselben Kollektivvertragslohnanspruch hätten wie deren Kollegen in der Stammbelegschaft. Bei einer Zeitarbeitsenquete soll das Phänomen von allen Winkeln beleuchtet werden. "Zeitarbeit verdient Anerkennung", lautete bereits eine Kampagne der WKÖ. Zeitarbeit ist jedenfalls keine vorübergehende Erscheinung, sondern hat sich in den vergangenen zehn Jahren mehr als verdoppelt: Im Jahr 2002 gab es erst 31.207 überlassene Arbeitskräfte, nun sind es fast 75.000.

Forderungen

Die Forderungen von Arbeitnehmerorganisationen, wie eine Höchstfrist für die Zeit der Überlassung an ein Unternehmen, oder eine maximale Quote von Zeitarbeitern in einer Firma, kann der Vertreter der Personaldienstleister in der WKÖ nicht nachvollziehen. Derartiger "Zwang" würde die Arbeitnehmer "bevormunden" und in das Recht beider Vertragsparteien auf freie Vertragsgestaltung eingreifen, meint er. Ob eine Übernahme in die Stammbelegschaft nach 6 oder 36 Monaten stattfindet, macht aus Sicht der WKÖ für den Arbeitnehmer keinen Unterschied. In Österreich jedenfalls sieht er die Vorwürfe, durch den Vormarsch der Zeitarbeit würde Lohn- und Sozialdumping passieren, nicht gerechtfertigt. "Zustände wie in Deutschland sind in Österreich rechtlich unmöglich". Bei den großen Firmen in der Branche gebe es auch fast überall Betriebsräte, sieht Flenreiss die Leiharbeiter gut vertreten.

Der Vorteil für den Arbeitgeber bei der Beschäftigung von Zeitarbeitern sei nicht etwa "billigere Arbeit", sondern "primär Flexibilität", betont Flenreiss. Ein Kostenvorteil ergebe sich höchstens bei den Systemkosten, also in der Personalabteilung, nicht aber bei den Lohnkosten. Der Kunde, also das Unternehmen, in dem der Zeitarbeiter tätig ist, habe eine "kurze Rücksendefrist", der Arbeitnehmer stehe dann aber nicht auf der Straße: Beim Zeitarbeitsunternehmen gelte eine Kündigungsfrist von mindestens 2 Wochen für Arbeiter, 6 Wochen für Angestellte. Dass zwei Drittel der Beendigungen von Zeitarbeitsverhältnissen keine Kündigungen, sondern "einvernehmliche Lösungen" sind, zeige keineswegs Druck auf Zeitarbeiter, die dadurch auf Ansprüche verzichten würden, sondern diese seien mündig genug um selbst zu entscheiden, meint Flenreiss. Den Forderungen der Arbeiterkammer Oberösterreich (AKOÖ) nach einer Zehn-Prozent-Höchstquote für Leiharbeiter sowie einer Einschränkung der einvernehmlichen Lösungen kann der Wirtschaftskämmerer überhaupt nichts abgewinnen. (APA)

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25 Postings
Herbert Novak1
02
31.1.2012, 10:07
Zeitarbeit, ein Zeichen der Rückgratlosigkeit der Politik

Eines muß angemerkt werden. In Deutschland muß eine Leiharbeitskraft nach 6 Monatiger Beschäftigung von der Beschäftiger übernommen werden. Bei uns kann eine Leiharbeitskraft von Leaser zum AMS jenach "konjukturelle Laune" hin und her bis zu ihre Pension geschoben werden. Es existiert grauen Bereiche wo weder der Beschäftiger noch der Leaser zuständig sind, das müssen die Leiharbeitskräfte selbst einstecken. Außerdem Kündigung während des Krankenstandes ist ein gängiger Praxis von Personalleasingfirmen, die sparen sich bis zu 6 Wochen Krankenentgelt auf Kosten der GKK, im klar Text kommen du und ich Kosten für die Personalleasingfirmen auf. Die Leiharbeitskräfte haben nix davon.

super web checker
03
31.1.2012, 09:03
Wo...

bleibt die wirksame Interessensvertretung für die Arbeitnehmer? Ach ja, die sind gerade damit beschäftigt den Kündigungsschutz für ihre Leute bei Telekom und Post zu sichern. Und um die Privilegien der Betriebsräte muss sich ja auch jemand kümmern. Und die Beamten Privilegien, ÖBB Pensionen, Lehrer Arbeitszeiten, etc. etc.

Warum nur hab ich das Gefühl, dass ich von der AK ziemlich im Stich gelassen wurde?

Fritz Meyer
02
31.1.2012, 09:16
Frag mal die Arbeitslosen.

Die AK fühlt sich für die auch nicht zuständig.

Fritz Meyer
02
31.1.2012, 09:01
Tagelöhnerei nimmt weiter zu.

Kein Grund zur Freude, ausser für die Frühkapitalisten und Sklaventreiber, die bestens daran verdienen und den Sozialstaat und die Beschäftigten systematisch um Lohn und Abgaben betrügen.

aculus populus
 
03
31.1.2012, 08:37
Erfahrung als Leasingkraft (LK)

4,5 Stunden zu Verfügung um die Arbeit der ein Fixangestellten (FA) in 8 Stunden macht.
Bezahlung pro Stunde knapp über die Hälfte des FA.
Nach 3 Monaten ist man drauf gekommen dass die LK doch noch schneller arbeiten können und bei gleich bleibende Tätigkeit hat man noch die 0.5 Stunden eingespart, sprich in 4 Stunden die Arbeit eines FA erledigt. Der Lohn ist dadurch zusätzlich gesunken. Reaktion: Vogel gezeigt und gegangen...war ja auch nur ein Notjob.

Mann40
02
31.1.2012, 08:34

Der Hr. Flennreis kann das seiner Urstrumpftante erzählen, die würde ihn enterben.

Abschaffung der Zeitarbeit, oder der Verdienst muss ein Drittel über der Bezahlung der Festangestellten liegen.

maggo22
03
31.1.2012, 03:24
Das Image der Zeitarbeiter ist (Mitleid) bestens, die Zeitarbeit an sich ist das Problem liebe WKÖ.

Rhaegar Targaryen
111
30.1.2012, 23:30
Eine Bankrott

Erklärung für unsere Politik und allen voran für die SPÖ, dass diesen Personalleasing - Abzocksklaventreibern kein Riegel vorgeschoben wird.

Und immer wird suggeriert wie unheimlich seriös diese Dienstleister sind, und überhaupt gehts den Skla... entschuldigt, den Leasingkräften doch eh so gut, und der Stammbelegschaft sind sie ja auch praktisch gleichgestellt...

Schon komisch das vermutlich im Freundes und Bekanntenkreis kaum jemand einen kennt der als Leasingkraft zufrieden war.

super web checker
00
31.1.2012, 08:55
Bankrott ist richtig

die Lösung wird aber nicht in einem Verbot liegen sondern darin, dass die Leute, die als Zeitarbeiter arbeiten für ihr Risiko und ihren Einsatz auch entsprechend bezahlt werden. Leider hat sich bei der Frage gezeigt, dass die Gewerkschaften und ihre Kollektivverträge keine Lösung sind.

alexanderletten
 
05
30.1.2012, 22:16

"Der Trend zur Zeitarbeit, zur Flexibilisierung der Arbeit, werde weitergehen, erwartet Gerhard Flenreiss, Bundesobmann der Personaldienstleister in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ).."

"Der Trend zur Zeitarbeitskraft, zur Flexibilisierung der Arbeitskraft werde weitergehen.."

Die blöd glotzende und launische Arbeit selbst unterscheidet nicht zwischen Tagelöhner oder fest Angestellten.

Andreas W
04
30.1.2012, 20:02
Solange ueber 20 % die OEVP waehlen, kann's nicht so schlimm sein!

Denn die wirklich Reichen und insb Ausbeuter machen gerade mal etwa 2-3 % aus!

V995
05
30.1.2012, 19:41
flexibilisierung

ich nenne es ausbeutung und moderne sklaverei

Lobo Paso
 
07
30.1.2012, 15:46
Wie nannte man sowas früher? Ach ja......Tagelöhner!

Peter_23
17
30.1.2012, 16:57
Es sind Tagelöhner

Auch die Kündigungsfristen von nur wenigen Tagen entsprechen dem typischen Tagelöhner.

super web checker
00
31.1.2012, 08:57

bitte verrate uns doch, in welchem Gesetz die Kündigungsfrist von nur wenigen Tagen steht

chelene chirsch
00
31.1.2012, 10:29

im vertrag zwischen leaser und auftraggeber steht das.

im zweifelsfall rennt es dann so, dass die gehälter nicht zum monatsende, sondern auch schon mal zur monatsmitte des darauffolgenden monats gezahlt werden - auf dieser basis kann man dann die geleasten tagelöhner auch schön pressen und ggf. "einvernehmliche" varianten ausarbeiten.

wäre auch nicht das erste mal, dass hier schlicht daten gefälscht werden.

meine drei jahre bei hewlett packard waren jedenfalls nicht gerade das, was hier im artikel in bunten farben skizziert wird.

Interdialekter
07
30.1.2012, 16:50
und Stundenlöhner NOW! Humnakapital auf Knopfdruck! Zeitarbeit fügt sich gut in unsere Wegwerfgesellschaft!

zeitarbeiter werden nur nach stunden bezahlt und werden umgehend zurückgeschickt. unter fix angestellten gibt es mal soetwas wie stehzeiten oder ruhephasen, zwar sehr spärlich, aber soll vorkommen. ich kann mich sehr gut erinnern, wie man sofort die zeitarbeiter heimschickte! "heute nachmittag ist nicht mehr viel los, kannst nach hause gehen, morgen bist ja eh wieder da." vormittags bezahlt und nachmittags unbezahlt wenn anderswo kein bedarf. während sich die fix angestellten "die paar Stdn bring ma auch noch irgendwie rüber" dachten, und sich den vernachlässigten ungeliebten dinge der vergangenheit widmeten.
zeitarbeit ist prekär und die ständige angst nicht zu wissen wo morgen arbeiten und wieviel am monatsende überwiesen wird geht einher

Lil ane
11
30.1.2012, 15:38

Problem sehe ich wenn da nicht Politisch gegen gesteuert wird dann wirds so wie in Deutschland und da kams relativ flott von den Niederlanden rübergeschwabbt. 14 Tage Kündigungsfrist? manche haben grade mal 1-3 Tage.

http://www.der-personaldienstleister.de/service/g... eutschland

Die meisten wollen einen ja nicht länger sondern die Firmen bauen so nur ihre produktionsspitzen ab, dass heißt die chance dadurch in festanstellung zu kommen sind sehr gering. Bisher hab ich aber das in Österreich noch nicht so massiv wahrgenommen wie in Deutschland

K. K. Lacke
05
30.1.2012, 15:24
"Flenreiss kann den schlechten Ruf nicht verstehen, da in Österreich Zeitarbeiter denselben Kollektivvertragslohnanspruch hätten wie deren Kollegen in der Stammbelegschaft."

was "variable" Boni natürlich nicht einschliesst. Auch wenn sie immer ungefähr die gleiche Höhe haben.

Alles Argumentationssache. Man hat ja die Wahl NICHT Arbeiten zu gehen, und was anderes zu suchen, nicht wahr?

"In Österreich jedenfalls sieht er die Vorwürfe, durch den Vormarsch der Zeitarbeit würde Lohn- und Sozialdumping passieren, nicht gerechtfertigt."

so spricht er auch nur weil er noch nie für Trenkwalder & Co arbeiten musste....

"Der Vorteil für den Arbeitgeber bei der Beschäftigung von Zeitarbeitern sei nicht etwa "billigere Arbeit", sondern "primär Flexibilität", betont Flenreiss."

genau... soll er mal überprüfen, Beispielsweise bei der Unicredit. DA wird er schauen...

und btw: "einvernehmlich" heisst nicht "freiwillig"...

francis79
 
05
30.1.2012, 15:13

Die Vereinigung der Zeitarbeitsbranche, der österreichische Sklavenhändlerring und die WKÖ bedanken sich hiermit für die nicht gekennzeichnete Werbeeinschaltung.

The Ghost in the Machine 2.0
 
04
30.1.2012, 14:49
Schlagzeile in anderen Worten: Österreichischer Arbeitsmarkt immer prekärer !

Waldorf and Statler
 
06
30.1.2012, 14:34

Solche Aussagen können auch nur von jemanden kommen, der auf Kosten anderer wie die Made im Speck lebt.

proprius
07
30.1.2012, 14:29
Wiedereinführung

der (modernen) Sklaverei !

tka
07
30.1.2012, 14:26
toll

schön dass hier dem vertreter der arbeit"geber" des langen und breiten platz geboten wird seine talking points herunterzubeten. große überraschung dass der gar nix schlimmes dran findet und keine bedenken hat.

so gut gehts den leiharbeiten, das grenzt ja schon direkt an reine nächstenliebe, dass die unternehmen wo immer möglich leasingleute einstellen, und dass das ganze noch beschönigend als "flexibilisierung" tituliert wird setzt dem noch die krone auf.

tolle berichterstattung im wirtschaftsteil des standard wieder mal

Gegenflieger
04
30.1.2012, 14:08

Kein grund Stolz zu sein.
Eher Traurig.

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