US-Wahl

Polarisierte Staaten von Amerika

Analyse | Florian Niederndorfer, 30. Jänner 2012, 16:44

Barack Obama ist mit seinem überparteilichen Heilsversprechen wohl gescheitert - Das liegt aber längst nicht am Präsidenten allein

"There's not a liberal America and a conservative America; there's the United States of America", sagte Barack Obama vor acht Jahren bei seiner viel gerühmten ersten großen Rede vor den Honoratioren der Demokratischen Partei. Ein Ende der Spaltung Amerikas hat er 2008 vor seiner Wahl zum 44. Präsidenten der USA versprochen. Misst man ihn jetzt, wo sich seine erste Amtszeit dem Ende zuneigt, an diesem Vorhaben, fällt es schwer, das Wort des Scheiterns zu vermeiden. Die Republikaner, so scheint es, stemmen sich mit ganzer Kraft gegen die politischen Ziele des ersten schwarzen Präsidenten, mehr noch als es die Demokraten unter Obamas republikanischem Vorgänger George W. Bush zu tun vermochten.

Das, so die Politikwissenschaftler Keith T. Poole von der University of California in San Diego und Howard Rosenthal von der New York University, ist freilich nicht erst seit gestern so. Die beiden haben das Auseinanderdriften des Land of the Free in ihrem 2006 erschienenen Buch "Polarized America" mittels eines aufwendigen Messverfahrens veranschaulicht. Und im vergangenen Jahr upgedatet. Das Ergebnis: Seit Ende des Bürgerkriegs standen sich die beiden großen Lager nicht mehr so unversöhnlich gegenüber wie heute. Die Moderaten beider Parteien befinden sich seit Jahren im Rückzug, nur zehn Prozent der Abgeordneten in beiden Kammern des Kongresses lassen sich heute noch so einordnen. Der konservativste Demokrat präsentiert sich demnach um Lichtjahre liberaler als der liberalste Republikaner.

In den Sechzigern schlossen sich die Reihen

Die Spaltung in Rechts und Links - und die Marginalisierung der politischen Mitte - beherrscht aber schon seit den Sechzigerjahren den Diskurs. Damals wechselten konservative Demokraten aus den Südstaaten, etwa der notorische Rassist und "Dixiecrat" Storm Thurmond aus South Carolina, die politische Seite und traten zu den Republikanern über. Auch Ronald Reagan, später Präsident und konservatives Rollenmodell, war früher Demokrat. Und liberale Republikaner, zum Beispiel der spätere Parteichef Howard Dean und der heutige Verteidigungsminister Leon Panetta, traten der Demokratischen Partei bei.

"Es gibt tatsächlich ein rotes Amerika und ein blaues Amerika", schreibt der "New Yorker"-Kolumnist Ryan Lizza und spielt dabei auf die traditionellen Parteifarben der Republikaner (Rot) und der Demokraten (Blau) an. Das liege freilich nicht nur an den Parteien selbst. Immer mehr Amerikaner bleiben demnach politisch unter sich, es hätten sich zusehends politisch segregierte Landstriche gebildet. Obama alleine könne diesen seit Jahrzehnten andauernden Trend nicht zur Umkehr zwingen.

Die Finanz- und Wirtschaftskrise tut das ihre, um die sozialen Zentrifugalkräfte zu verstärken. So trägt auch die zunehmend auseinandergehende soziale Schere an der politischen Polarisierung Schuld, konstatieren Poole und Rosenthal. Während in den Fünfzigern und Sechzigern Besserverdienende eher zu den Demokraten tendiert haben, wählten diese seit der Neuausrichtung der Grand Old Party in Richtung Wirtschaftslibertarismus immer öfter republikanisch. Dass die aktuelle Hoffnung der Republikaner, Mitt Romney, als Gouverneur von Massachusetts eine Gesundheitsreform ins Rollen brachte, der jene Obamas mehr als ähnlich ist, ist in diesem Zusammenhang die Ausnahme, welche die Regel bestätigt. (flon, derStandard.at, 30.1.2012)

Link:

The New Yorker: The Obama Memos

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 164
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Yuppi
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Interessant

Ich habe dies nie von diesem Blickwinkel betrachtet. Dennoch bezweifele ich das die Staaten ihren Wahlmännern jemals einen anderen Kandidaten wählen lassen als was deren Bürger wollen. Das würde wahrscheinlich zu massiven Protesten und Gewalt führen.

Yuppi
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inte

occupy now!
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Wenn das stimmt,

was in diesem Artikel geschrieben wird, dann habe ich mich sehr in der Person des Obama getäuscht!
http://www.sein.de/news/2009... santo.html

occupy now!
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und so etwas bekommen die Amerikaner vorgesetzt!
http://video.google.de/videoplay... 360739397#

peter schmidt
 
00
Sie sollten nicht zuviel auf die Elois hören.

)so(
00
31.1.2012, 23:42
Die Medien- und Bewusstsindustrie nährt sich von diese bipolare Zuspitzung

Die sie (zumindest mittelbar) selbst erzeugt. Wenn man sein Mitmenschen nicht mehr als seinesgleichen wahrnimmt - sei es, weil sie nicht die gleiche Sprache sprechen, andere Weltanschauungen, Religionen, soziale Standards, Kulturen udgl, Reibungsflächen bilden, so erfolgt automatisch die (räumliche) Segregation - in den umzugsaffinen USA umso rascher. Werden Mitmenschen als Gegner und nicht als Solidarpartner betrachtet, so profitiert in der Regel jene strippenziehende Minderheit, die die Mehrheitsgesellschaft aufspaltet und einen starken Staat innerlich aushöhlt. Solche Strategien lassen sich in Staaten mit Mehrheitswahlrecht (USA, GB) ungleich besser umsetzen als in Demokratien mit Verhältniswahlrecht.

Odo
13
31.1.2012, 12:16
Was die Überwindung der politischen Spaltung der US-Gesellschaft anbelangt wäre Senator McCain definitiv ein besserer US-Präsident geworden als Obama.

McCain hätte auch wesentlich besser mit dem US-Kongress zusammengearbeitet, da er langjährige Erfahrung damit hat, wie der Kongress "funktioniert" und er daneben auch in den Reihen der Demokraten viele Freunde hat. Obama dagegen hat keinerlei Bindungen zu irgendeinem auch nur halbwegs namhaften Republikaner.

Und auch Mitt Romney wäre in Sachen Polarisierung auf jeden Fall eine bessere Wahl als Obama, da Romneys Positionen weniger weit von der Mitte weg sind als die des Präsidenten.
Im übrigen hat Romney anders als Obama auch Erfahrung damit, mit einer Mehrheit der gegnerischen Partei im Kongress zurechtzukommen, da er in MA als Gouverneur mit einer riesigen demokratischen Mehrheit in beiden Kongresskammern zusammenarbeiten musste.

Walter KURTZ
 
56
31.1.2012, 09:17
Obama ist selbst schuld - denn die Fakten sind:

Kein Kandidat (geschweige denn Präsident der jüngeren Geschichte) ist weiter von der Mitte der US Wähler entfernt als Obama.
Obama hat nie in seiner Karriere gelernt, Kompromisse einzugehen. Nicht in Chicago und schon gar nicht im Senat, wo er im Prinzip nur ätzende Kommentare über Bush geschoben hat - in Angelegenheiten, wo er heute genauso, wenn nicht (nach seiner damaligen Meinung) schlimmer agiert.
Obama hat Gesetze von einer radikalen Gruppe um Pelosi schreiben lassen und dadurch bewußt die moderaten Demokraten abgeschossen.
Kompromisse mit den Republikanern hat er schon in den ersten Tagen seiner Präsidentschaft ("I won!") torpediert und hat die GOP gegen sich geeint.
Obama reagiert auf Kritik unter dem Niveau eines Präsidenten.

christoph hofbaur
13

genauso wie's im artikel steht:

die reps leben abgeschirmt in ihrer rote-welt-propaganda-journalismus [wird als "opinion" bezeichnet] und glauben wahrlich, was auf fox news ausgestrahlt wird.

Walter KURTZ
 
11

Propaganda? Fox News? Tja, immer wenn sowas kommt, weiß man, daß der andere eigentlich keine Argumente hat...

Muffel
 
00
Geh bitte!

Bei dem was Sie in ihrem Posting von sich gegeben haben ist's nicht mal der Mühe wert zu argumentieren, weil sie meilenweit an der Realität vorbeigeschlittert sind. Jeder Satz ist eine glatte Lüge.

Walter KURTZ
 
00

Tut die Wahrheit über Obama so weh?

occupy now!
11

Ganz richtig: Fox-Teaparty-Republikaner ... ein glänzendes Dreigestirn! Dazu kommt jetzt noch die Wallstreet mit ihrer Antisemitenphobie: alles, was Anti -Wallstreet, links und Antiglobalisierung ist, ist auch gleich antisemitisch.

Felix Meritis
10

Umgekehrt wird ein Schuh draus.

Muffel
 
10

Willkommen auf dem Planeten Erde! Haben Sie was zu verzollen?

Muffel
 
111
31.1.2012, 02:09
@"...wie wenig den Parteien noch an gemeinsamer konstruktiver Politik liegt."

Da gibt's auch nette Gegenbeispiele:

- Bei einem kürzlich verabschiedeten Gesetz, das es erlaubt "terrorverdächtige" Amerikaner (der Begriff wurde extra so definiert, dass er auf ALLE zutrifft) UNBEGRENZT ohne Verfahren einzusperren, stimmten alle bis auf 7 Abgeordnete zu.

- Zu SOPA stellte der REDDIT-Gründer Alexis Ohanian trffend fest: "Why is it that when Republicans and Democrats need to solve the budget and the deficit, there’s deadlock, but when Hollywood lobbyists pay them $94 million dollars to write legislation, people from both sides of the aisle line up to co-sponsor it?"

Es muss also nur Geld aus den richtigen Quellen fließen und schon herrscht traute Einigkeit. ^^

chezgarando
00
31.1.2012, 06:15
keine ahnung warum sie rote stricherl bekommen

von mir gibts GRÜN!!!

Arkturus
01
31.1.2012, 01:48
Das mit den Parteifarben stimmt nicht.

"und spielt dabei auf die traditionellen Parteifarben der Republikaner (Rot) und der Demokraten (Blau) an."

Die Parteien haben offiziell eigentlich gar keine Farben. Dass die Demokraten blau und die Republikaner rot gefärbt werden, ist den TV-Sendern zu verdanken, die sich erst in den 90er-Jahren darauf geeinigt haben, die Parteien in einheitlichen Farben darzustellen.

chezgarando
00
31.1.2012, 06:16
also stimmts doch

irgendwie :]

Truhe
 
12
31.1.2012, 03:38

Wundert mich eh dass da noch kein republikanischer Zelot das sozialistische Rot als Beleidigung angeprangert hat :)

le Sucre
10
31.1.2012, 01:03

bei der Diskusion um die Schuldenanhebung in den USA konnte man erkennen wie wenig den Parteien noch an gemeinsamer konstruktiver Politik liegt. Bis zum letzten Drücker warten um vielleicht doch noch dem politischen "Erzfeind" alles in die Schuhe schieben zu können - das ganze hat die USA fast schon an den Rand des Finanzkollaps gebracht.
Leider kann man diese Tendenz - in gewisser Weise - auch bein uns verfolgen: VP uns SP haben eine tiefe Abneigung gegeneinander, in den Jugendorganisationen bekommen die Leute diesen regelrechten Hass schon eingebrannt ("DIE haben in den 30iger auf unsere Arbeiter geschossen") und die großen Profiteure sind die Extremen und die Populisten...

Tank commander
 
00
31.1.2012, 06:32
Parteien bei uns!

Die Parteien bei uns als einen Block gibt es gar nicht wie in einem Parlament. Ihr versteht es gar nicht wenn da ein Gesetz vor dem Senat kommt braucht man 60 von 100 Stimmen oder Senatoren dir dafür stimmen. Zurzeit hat KEINE Partei 60 Stimmen, also muss unbedingt Konsens her oder das Gesetz ist null und nichts. Im Repräsentanten Haus ist es wieder anders. Die Hälfte ist genügend um ein Gesetz weiter zu bringen. Ihr must euch auch immer wieder merken, bei einer Wahl hat Partei KEINE Stimmen. Der Repräsentant oder Senator wird vom Volk gewählt oder raus geschmissen.

Herr L
00
31.1.2012, 00:05
General Cornwell
44
30.1.2012, 23:10
Der Einiger wollte er sein,

der Spalter ist er geworden.

Amerika ist nun mal nicht links - das hat Obama stets missverstanden und sein Mandat völlig fehlinterpretiert. Die tiefe Spaltung des Landes ist nun seine Ernte...

Hitecut
12
31.1.2012, 09:23

Ähm, wenn man den Artikel liest, dann weiß man, dass diese Spaltung keinesfalls seine Ernte ist, sondern sich lediglich unter ihm weiter fortgesetzt hat. Er hat zwar bei der Einigung versagt, aber die Spaltung geht nicht auf ihn zurück.

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