EU-Gipfel in Brüssel

Kritik an "Statthalter"-Idee für Athen

30. Jänner 2012, 15:41

Faymann: "Beleidigen muss man niemanden in der Politik" - Asselborn: "Deutschland sollte vorsichtiger sein"

Brüssel - Auf deutliche Kritik ist ein Vorschlag aus Deutschland gestoßen, eine Art "Statthalter"-Kommissar der EU für Griechenland einzusetzen. Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) sprach sich vor einem informellen EU-Gipfel am Montag in Brüssel gegen einen "Aufpasser" zur Kontrolle Griechenlands bei der Umsetzung der Sparpolitik aus. Die dänische Ministerpräsidentin Helle Thorning-Schmidt, deren Land gerade die EU-Präsidentschaft innehat, sagte: "Das ist nicht die Diskussion, die wir jetzt haben."

Faymann antwortete vor einem Treffen der europäischen Sozialdemokraten in Brüssel vor dem EU-Gipfel auf entsprechende Fragen: "Mit so Ausdrücken wie Aufpasser fange ich eigentlich gar nichts an. Ich finde, Griechenland hat - das ist auch ganz klargestellt worden - harte Bedingungen zu erfüllen." Es sei für die Griechen sicher nicht leicht, diese würden es sich aber auch nicht leicht machen. "Das ist ein Prozess, der mehrere Jahre dauert, bis Griechenland wieder am Markt Geld bekommt. Bis dahin sind diese Bedingungen einzuhalten, aber beleidigen muss man niemanden in der Politik. Das bringt nichts und führt nur in die falsche Richtung", so Faymann.

"Wir debattieren gerade, wie wir mit Griechenland weiter verfahren. Das geschieht in voller Achtung der griechischen Demokratie und der griechischen Bevölkerung. In den kommenden Tagen wird es eine Lösung dazu geben", sagte Thorning-Schmidt bei dem Treffen der Sozialdemokraten.

Juncker gegen Aufpasser

Auch nach den Worten von Eurozonen-Chef Jean-Claude Juncker wäre ein "Sparkommissar" nur für Griechenland "nicht akzeptabel". "Den Vorschlag sollte man nicht in Richtung Griechenland singularisieren", sagte Juncker vor Beginn des informellen EU-Gipfels. "Wenn das die generelle Regel ist, wenn ein Land nicht tut, wozu es sich verpflichtet hat, dann könnte das eine Idee sein."

Eine Debatte zu Griechenland sei beim Gipfel nicht vorgesehen, erklärte Juncker. Es gehe bei dem Treffen der Staats- und Regierungschefs um Wachstum und Beschäftigung. Der Fiskalpakt für eine striktere Budgetkontrolle, der beim EU-Gipfel beschlossen werden soll, werde jedenfalls "nicht verwässert".

Asselborn mahnt mehr Vorsicht ein

Der luxemburgische Außenminister Jean Asselborn sagte: "Ich glaube, das größte Land der Europäischen Union, Deutschland, sollte in seinen Erklärungen etwas vorsichtiger sein. Ich glaube, es ist nicht so einfach, dass die deutsche Politik sagt, es braucht einen Kommissar, oder man muss Griechenland entmündigen." Asselborn kritisierte "diese Töne vor jedem Gipfel", dass "die Griechen nichts unternehmen und dass wir jetzt den Schritt machen müssen, dass die politische Autonomie Griechenlands unterbunden werden müsste".

Wenn jemand das Recht habe, solche Forderungen zu stellen, dann nur die europäischen Institutionen, sagte Asselborn. Man müsse hier "sehr sensibel" vorgehen. Deutschland müsse aufpassen, "dass man hier nicht mehr verletzt als notwendig. Wenn man von einem Staatskommissär oder von totaler Kontrolle spricht, dann schaltet man die griechische Regierung und das griechische Parlament aus. Ich glaube, das sollte man nicht machen." Asselborn betonte aber, die europäischen Institutionen müssten Griechenland die Botschaft vermitteln, dass noch mehr Anstrengungen nötig seien, um die geschützten Wirtschaftssektoren zu öffnen. "Alles andere, diese Drohgeschichten führen in die falsche Richtung."

Alte Idee

Der frühere griechische Ministerpräsident Giorgos Papandreou von der Panhellenischen Sozialistischen Bewegung (PASOK) sagte, derartige Überlegungen gebe es schon länger. "Entweder gehen wir auf demokratische Art und Weise vor, wo jedes Land für seine Politik, nicht nur fiskalisch, verantwortlich ist, oder wir unterminieren die Demokratie in ganz Europa. Meine Überzeugung ist: Wir brauchen mehr, nicht weniger Demokratie." Papandreou sieht sein Land bereits an einem Wendepunkt angelangt, wo die griechischen Anstrengungen nach den Verhandlungen mit den Privatgläubigern mit einem niedrigeren Schuldenstand belohnt würden. "Das ist eine Entscheidung, die wir die nächsten Tage treffen."

Faymann bekräftigte seine Forderung nach einer Zusammenlegung des derzeitigen Euro-Rettungsschirms EFSF mit dem ab Juli geplanten permanenten Schirm ESM, der über eine Kapazität von 500 Milliarden Euro verfügen soll. "So würden wir auf etwa 750 Milliarden Euro kommen", sagte Faymann im Interview mit dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel". Offiziell steht Griechenland nicht auf der Tagesordnung des EU-Gipfels.

Der offizielle Schwerpunkt des Treffens sind Wachstumsinitiativen. "Das ist sicher kein Gipfel, der sich mit Griechenland prioritär beschäftigt, sondern bestenfalls einen Zwischenbericht zur Kenntnis nimmt", sagte Faymann. Für eine Erhöhung der Mittel des Euro-Rettungsschirms plädierte auch der sozialdemokratische Fraktionschef im EU-Parlament, Hannes Swoboda: "Die Richtung ist richtig. Wir brauchen genug Reserven, um im Fall des Falles auch einschreiten zu können", sagte er. "Je mehr wir die Krise auffangen können, desto besser." Deshalb seien auch Maßnahmen für Beschäftigung wichtig. Mehr Jobs würden den Staaten mehr Einnahmen und weniger Defizit bringen. (APA)

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Posting 1 bis 25 von 124
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movado
00
30.1.2012, 20:24
Ha ha haaa

Und sie haben gesagt, die türkei würde das trojanische pferd sein.
Hih hih hi.
Weitermachen mit den griechen.
Drei schritte vor, linker fuss nach rechts, rechter fuss nach links.
Hah hah ha.

Mog Nimma
10
30.1.2012, 18:06
hier herrscht ja wieder einmal eine Stimmung, könnt im Krone-Pendant

tiefer nicht sein. Bei allem für und wider, stellt sich doch vor allem jene Frage: In welcher Form soll denn da eine/r -von Gott weiß woher- der griechischen Administration auf die Finger schauen? Wie soll denn dies praktisch von Statten gehen? Um wirklich effektiv Kontrolle walten zu lassen, wäre ein Apparat von Nöten, dessen Kosten die ganze Aktion schon wieder ad absurdum führen. Ergo: Nichts als populistische Sprüche aus dem Norden, die viel böses Blut zur Folge haben, ein Vorschlag ohne Substanz. Aber hier scheinen die - wenn's scho UNSA Göd woin, donn schaun MIA wos damit g'schiagt" Fragt Euch doch erst mal zuerst, von welche Art denn dieses WIR eigentlich ist?

Anaxagoras
00
30.1.2012, 17:59
Die Idee mit dem Aufseher war sicher daneben.

Aber für Faymann gilt, lieber eine Idee als gar keine. Wir legen uns in die Sonne und hoffen die Deutschen werden es für uns schon machen. Interessant ist schon. dass die Länder mit dem kleinsten Engagement, jetzt ihr Mundwerk aufreißen.

cookieberlin
00
31.1.2012, 17:40

Den "Kleinen" ein bißchen Futter geben, um sich stark zu fühlen und auf einem Nebenschauplatz mal Souveränität zeigen zu lassen.
Völlig in Ordnung.
Faymann hat seinen Auftritt mit einer großen Süffisanz ausgekostet.
Fehlte da nicht noch ein langer, weißer Schal um den Hals? Hätte noch mehr Eindruck gemacht.
Aber immerhin, endlich mal den Mund aufgemacht, nicht besonders sachdienlich zwar, denn unter der Hand ist man sich einig, den griechischen Herrn noch stärker auf die Finger zu sehen.
Aber er bringt einen in der internationalen Presse zitierten Faymann nach Hause. Wenn das nix ist.
Wie ist es denn eigentlich in der Sache ausgegangen?
Ach ja, Merkel hat sich mit ihrem Fiskalpakt durchgesetzt.

Robert Bond
00
30.1.2012, 17:56
Statthalter?

so jemanden nennt man Masseverwalter.

Robert Bond
01
30.1.2012, 17:55
Statthalter?

LeChacal
10
30.1.2012, 17:48
Deutschland rettet nur sich selbst.

Wer, wenn nicht die Deutsche Bank hat völlig irrational Geld da reingepumpt? Wer, wenn nicht deutsche Firmen liefern denen div. Kriegsgerät? (Ja, französische, ich weiß...)

Jetzt tun alle "überrascht", dass es Griechenland nicht gut geht. Aber wer waren denn die Nutznießer? Waren es die griechischen Bäcker, Lehrer, Bahnführer etc.?

cookieberlin
10
30.1.2012, 18:07

Nein...die Nutznießer waren, wie immer und bei vielen Gelegenheiten, die Deutschen.
Der Nutzen besteht übrigens darin, daß man bis zu 90% der Einlage jetzt abschreiben kann.
Aber damit werden Sie sich in Kürze bestens auskennen, wenn die österreichischen Finanzinvestitionen in Ungarn notleidend werden.
Dann muß ein eigener Bankenrettungsfond her, wozu man wiederum angesichts der zu erwartenden Summen reichlich Kapital aufnehmen muß.
Bis jetzt lief es noch mit etwa +3.5% (Deutschland minus 0.2%) durchaus erträglich.
Allerdings dürften beim Eintreten des Ernstfalls die Ratings sich etwas "südlicher" entwickeln.
Keine guten Aussichten für kleinkarierte Lautmaler.

123155465
03
30.1.2012, 17:33
Genau, Deuschland soll etwas vorsichtiger sein!

Es reicht vollkommen wenn sie zahlen...

politisch verfolgt
13
30.1.2012, 17:22
"Das ist ein Prozess, der mehrere Jahre dauert, bis Griechenland wieder am Markt Geld bekommt. "

klare worte, bis dahin dürfen wir griechenland noch durchfüttern.

theodor körner
00
30.1.2012, 17:16
...dass wir Österreicher auch brennen wie die Luster und nicht nur Deutschland?

arsen hitrach
00
30.1.2012, 17:35

aber die schotter mizi hat doch xagt dass wir alles zurück bekommen. ;)

theodor körner
00
30.1.2012, 17:15
Kann wer dem Faymann verklickern

Dr. Ehrlich
01
30.1.2012, 17:11
wieso nicht? einer der den griechen auf die finger schaut

bei dem was sie mit unserem geld machen.

Mostbluzza
01
30.1.2012, 17:05
die griechen schaffen das allein

Ein Gericht in Kreta hat einer Schuldnerin erstmals den Großteil ihrer Bankschulden erlassen, obwohl sie einen Job hat. Das Gericht befand, dass es der Schuldnerin nicht zumutbar sei, ihre Kredite in Höhe von 112.000 Euro zurückzuzahlen. Tausende weiterer Verfahren werden erwartet.

http://www.deutsche-mittelstands-nachrichten.de/2012/01/37143/

in absehbarer zeit sind wir alle GR und dann werden uns hoffentlich auch unsere richter die schulden erlassen ... und wenn nicht, auch wurscht.

faymandi: GR hat keine demokratie. das ist eine 2parteiengeführte-vetternwirtschafts-kleptokratie.
wie österreich.

Poldi Fesch
00
30.1.2012, 22:07
gibt auch ein schoenes Forum dort

Werner F. Grebner sagt:

Tja, in Österreich hieße das geschilderte Verfahren “Privatkonkurs” – nur der Rückzahlungszeitraum wären 7 Jahre, dafür müssen nur mindestens 10% der ausstehenden Schulden in diesem Zeitraum getilgt werden können.

Gibt es in der BRD nicht auch die “Privatinsolvenz”?

Aber dieser Artikel ist ein schönes Beispiel für “Stimmungsmache” anstelle von sachlicher Information, so wie es heute leider üblich geworden ist (auch in gegenteiligem Zusammenhang).

Poldi Fesch
00
30.1.2012, 22:05
ist ja bei uns

nicht viel anders. Wer kennt schon die gr. Konkursordnung

redmund
02
30.1.2012, 17:21

gibt es das nicht auch im Rest Europas, Stichwort "Privatkonkurs"?

Poldi Fesch
00
30.1.2012, 22:09
ja,

eh

LeChacal
63
30.1.2012, 17:01
Diktator

NIEMAND, auch nicht die EU, hat das Recht, einem Volk einen "Aufpasser" oder eigentlich eher "Diktator" ins Haus zu stellen. - D.h., sofern die "kreativen Köpfe" hinter dieser Idee nicht unbedingt wollen, dass sich das Volk mal auf breiter Front erhebt und ihnen die Meinung sagt...

RS69
 
08
30.1.2012, 17:05

Die Aussage ist ja nicht: Wir zwingen Euch einen Aufpasser auf.

Sondern: WENN Ihr von uns weiter Geld wollt, dann verlangen wir einen von uns gestellten Aufpasser.

LeChacal
22
30.1.2012, 17:14
Geht eben auch nicht.

Kein "Aufpasser". - Geld zu gewissen Bedingungen, OK. Auch die Erfüllung der Bedingungen kann in üblicher Weise periodisch geprüft werden.

Aber ein emotionalisierendes Thema auszunutzen, um "einen Mann mit starker Hand" zu etablieren, haben viele Nationen versucht, und vielen hat es geschadet.

schlitzohrlinski
10
30.1.2012, 17:51
aber dass die griechen auf ewigkeit am tropf der anderen staaten hängen werden, stört sie nicht?

und stört die "ehre" der griechen auch nicht!

heuchelei ist das sonst gar nichts und die endgültige entmündigung der gläubiger zugunsten der schuldner!

Allmächtiger Satan
13
30.1.2012, 16:46

Man sollte sich das mimosenhafte Gezetere ersparen und froh sein, dass man nur einen Statthalter schicken will, wäre man nämlich wirklich bösartig, würde man gleich einen Masseverwalter schicken.

cookieberlin
11
30.1.2012, 17:13

Wobei....warum sollte der Sparkommissar nicht mal ein Österreicher sein?
Österreich ist bisher ein zwar zahlendes, aber ziemliches stilles Mitglied der Währungsgemeinschaft, es schwimmt eigentlich nur bequem und risikolos ein bißchen als Randfigur mit.
Auf diese Weise ließe sich das offensichtlich überragende nationalökonomische Wissen der Österreicher, welches in den Kommentaren an dieser Stelle jeden Tag zutage gefördert wird, endlich mal gebündelt zum europäischen Nutzen einsetzen.

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