Solmaz Khorsand bloggt aus den USA

Ohne Krankenversicherung lebt es sich schwer

Blog | 30. Jänner 2012, 11:46
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    foto: reuters

    Solmaz Khorsand musste einen Augenarzt aufsuchen. Zum Schnäppchenpreis von 75 Dollar fand sie einen. Bis 300 Dollar hätte sie zahlen können.

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    Staatliche Gesundheitsversicherung: Ein Streitthema in den USA. Diese Frau besucht eine medizinische Einrichtung im Rahmen von Medicaid, einen Gesundheitsfürsorgeprogramm für Menschen mit geringem Einkommen, Kinder und behinderte Menschen.

Wenn Arztbesuche zur Geldfrage werden

Ohne Krankenversicherung lebt es sich schwer in den USA. Nun ja, bei Schnee, streikender Heizung und trockener Luft, ist es nur eine Frage der Zeit bis ich einen Arzt konsultieren muss. Bis dato habe ich es mit dem Rest meiner prekären Altersgenossen gehalten. In der Regel streife ich schniefend durch die Gänge der CVS-Drogerie, überwältigt von der Auswahl der Sofort-Abhilfeprodukte jeglicher Probleme.

Irgendwann gebe ich mich geschlagen vom Medikamentenschlaraffenland und lande erschöpft und irritiert beim dortigen Informationsschalter und damit bei Katja. Die russische Apothekerin starrt nur angewidert auf das infizierte Etwas und schickt mich zurück in die Selbstmedikationshölle. Nach zahlreichen stümperhaften Doktorspielchen, bleibt mir nichts anderes übrig als zum Profi zu gehen. Mein infiziertes Auge sehnt sich nach einem Experten. All jene, die in meiner Nähe in Clinton Hill, einer Nachbarschaft in Brooklyn praktizieren, verlangen 300 Dollar für den unversicherten Besuch. Plötzlich beginne ich für und wider abzuwägen. Ist es das wert? Übertreibst du nicht, du Hypochonder? So schlimm ist die Schwellung doch gar nicht, du hast ja noch das linke Auge, wenn das rechte endgültig zuklappt. Blödsinn.

Nach ein paar Anrufen und herzzerreißenden Bittgesuchen finde ich schließlich Dr. J., der nur 170 Dollar für seinen fachmännischen Rat verlangt. Dr. J. praktiziert im chassidisch jüdischen Teil von Brooklyn. Seine Klientel besteht fast ausschließlich aus frommen jüdischen Männern und Frauen, die im Wartezimmer Platz genommen haben. Kurz mustern mich drei Männer mit den langen Bärten, den schwarzen Mänteln und Hüten, bevor sie sich im Flüsterton wieder ihrer religiösen Diskussion widmen. Mit dem pinkem Kapuzenpullover und mit den neugierigen Augen - zu mindest dem einen funktionierenden Auge - ist ganz klar, dass ich nicht aus der
Gegend stamme. Gegenüber von mir sitzt eine ältere Frau, die das Sortiment des Optikers durchstöbert, der mitten im Wartezimmer des Augenarztes Brillen verkauft.

Innerhalb einer halben Stunde hat er zwei gelangweilten Patientinnen Brillengestelle angedreht. Bevor ich mir seine Brillen ansehen kann, werde ich aufgerufen von der Ordinationsgehilfin. "Das hier ist Salome Khorsand, ihre rechtes Auge ist angeschwollen und mmh ... sie hat keine Krankenversicherung", stellt sie mich Dr. J. vor. Er lächelt mitfühlend. Dann pickst er mir ins Auge mit seinem Finger, diagnostiziert so etwas wie einen Pickel und verschreibt mir eine Salbe. „Machen Sie sich keine Sorgen wegen dem Geld", sagt er, als er mich verabschiedet. Erleichtert darüber nicht zu erblinden, schaue ich auf die Rechnung. $75 Dollar. Geradezu ein Schnäppchen. Bleibt nur zu hoffen, dass das fürs Erste der letzte Arztbesuch war. (Solmaz Khorsand, 30.1.2012)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 112
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Philip L. Carret
03
31.1.2012, 13:51
Amerika darf nicht Europa werden

!

Episteme
00
31.1.2012, 11:18

Falls Sie "sowas wie einen Pickel" haben und es sich dabei um ein Gerstenkorn handelt, empfehle ich Ihnen, eine gekochte Kartoffel in Scheiben zu schneiden, diese in ein Geschirrtuch zu wickeln und ihr Auge damit zu bedecken. Hilft :)

Ein Spanier
08
31.1.2012, 08:23

Niemand merkt sich hier, dass in der USA 50 Bundesstaaten gibt und die Funktionieren ist total anders zwischen sie. Also, gibt es Bundesstaaten, wo das System ähnlich wie in Europa ist und Andere, die aus die Dritte-Welt aussehen.

Was ich über die Amerikaner erfahren habe ist, dass sie wenig bewusst sind darüber, wie die Sachen in andere Bundesstaaten laufen. Was wir nicht verstehen. Also, manche Amerikaner haben hier über die Güte von dem amerikaner Versicherungsystem gesprochen und sicher haben sie Recht... und Andere haben das Gegenteil gesagt. Es kommt darauf an!

chiquadrat
10
31.1.2012, 15:02
jetzt kommen die google translate posts auch im Standard

Ein Spanier
04
31.1.2012, 15:06

hahahaha, Entschuldigen Sie, aber ich wohne in Wien und lerne Deutsch! Eine Übersetzung wäre viel schlechter ¬¬

chiquadrat
01
dann mal ein herzliches willkommen! :)

seppl absmui
00

hola amigo!

Tintininafrica
14
31.1.2012, 07:59
USA

Ca. 50 mio. Menschen haben in der USA KEINERLEI Krankenversicherung ! Die Einkommensgrenzen bei Medicare sind extrem niedrig. Wer dieses System befürwortet, weiss nicht wovon er redet !
Und das in einem Land, das mehr für Waffen ausgibt als alle andere Länder der Welt Zusammen!

chiquadrat
00
nun ja,

als alle anderen Länder ZUGEBEN für Waffen auszugeben

Moneymaker
02
31.1.2012, 13:25
Eine Krankenversicherung gemäß europäischen Standards war bislang in den USA nicht mehrheitsfähig

und der aktuelle Stand ist damit demokratisch legitimiert.

Die niedrigen Sozialstandards haben zumindest einen positiven Effekt: Einwanderung in das Sozialsystem ist in den USA nicht möglich und sie haben daher - zumindest bislang - deutliche liberalere Zuwanderunsbestimmungen als Europa.

Montgomery McFerryn
234
30.1.2012, 17:20

Eine Mischung aus beiden Systemen wäre interessant, denn in Amerika sind die Menschen viel selbstbewußter wenn es um Gesundheit und Krankheit geht und rennen nicht wegen jedem Wehwehchen sofort zum Arzt.
Operationen und dergleichen sollten durch eine Pflichtversicherung abgedeckt sein, nicht aber der normale Hausarzt oder Facharzt.
Die Medikamente werden doch bei uns wie Bonbons genommen weils ja eh nichts kostet, und die PensionistenInnen rennen zum Arzt aus langeweile.
Unsere Krankenkassen wären sofort saniert und bei jedem Arzt gebe es wieder Platz im Wartezimmer und das ewige warten auf einen Termin hätte ein Ende.

monoton
05
31.1.2012, 11:57

ihnen ist schon klar, das das amerikanische system das teuerste der welt ist?!?!?

hemet nesingwary
32
30.1.2012, 15:53

ist amerika wirklich so schlimm
oder übertreiben die medien ständig?

Gelsomina
46
30.1.2012, 20:37

Sie uebertreiben. Die meisten Amerikaner sind durch ihren Arbeitgeber oder ihre Gewerkschaft versichert. Auch Arbeitslose sind versichert. Pensionisten sind mit Medicare zwangsversichert.

Ich Bins6
12
31.1.2012, 09:27

Versichert kannst ud ja sein in den USA, was dir jedoch oft trotzdem oft nichts hilft wenns hart auf hart geht, diesen Faktor vergessen hier einige immer.

Gelsomina
00
31.1.2012, 18:29

Inwiefern?

sullivan4
00
22.2.2012, 20:49

Ich habe mal gelesen, dass die Art deiner Krankenversicherung direkt mit den Prämienverträge zwischen Arzt und Versicherung zusammenhängt, und dir somit sagt zu welchen Ärzten du gehen "darfst".

Und logischerweise gilt: je schlechter deine Krankenversicherung -> desto niedriger die Prämien -> desto "lausiger" die Ärzte und desto niederiger die Übernahme bestimmter Kosten und Behandlungsmethoden.

Ironischerweise hat die USA die mit Abstand weltweit höchsten Gesundheitsausgaben. Man kann sich ausmalen wo das hineingesteckt wird -> in die private Forschung. Das meiste Hightech-Zeugs und die meisten neuen Medikamente kommen ja großteils aus der USA.

Gelsomina
00
22.2.2012, 21:11

Es haengt davon ab, ob ein Arzt mit einer Versicherung einen Vertrag hat. Mit der Hoehe der Praemie hat das nichts zu tun.

Das ist in Oesterreich nicht anders. Es haben auch in Oesterreich nicht alle Aerzte z. B. einen Vertrag mit der Bauernkrankenkasse oder mit einer Gebietskrankenkasse.

Auch die oesterreichischen Krankenkassen uebernehmen gewisse Behandlungskosten oder Medikamentenkosten nicht.

Was das "Hightech-Zeugs" betrifft - das rettet tausende Leben, auch in Europa.

. spectator
13
31.1.2012, 03:47

Die Times hat mir vor ein paar Monaten erklärt, dass selbst unter der großen Mehrheit von Menschen, die über den Arbeitgeber versichert sind, immer mehr massive Probleme bekommen, weil die Selbstbehalte so hoch sind und steigen.

Also, die Mehrheit ist versichert aber muss trotz Versicherung noch ein paar tausend $ für eine Operation bezahlen.

chiquadrat
00
die selbstbehalte sind aber auch jährlich limitiert

soviel ich weiß, ist dies bei uns nicht so. lasse mich gerne eines besseren belehren!

Gelsomina
05
31.1.2012, 04:17

Die Selbstbehalte steigen in Oesterreich ja auch. Und es gibt genug Freiberufler und Selbststaendige, die unter ihren hohen Versicherungsbeitraegen leiden. Es gibt auch genug, die ueber kuerzere oder laengere Zeit hinweg unversichert sind, weil sie sich die Beitraege nicht leisten koennen.

Jedes Versicherungssystem hat seine eigenen Probleme. Wahrscheinlich ist es leichter, die eigenen Probleme zu ignorieren, wenn man sich mit den Problemen anderer beschaeftigt.

Utrillitn
011
31.1.2012, 00:29

Die Versicherungen werden oft über die Firma abgeschlossen. Ich war halbzeit beschäftigt und entsprechen nur halb versichert. Um voll versichert zu sein, zahlte ich die halbe Prämie selbst.

Kleine Firmen bekamen Probleme, wenn jemand eine fortlaufende Behandlung brauchte. Dann schnellte die Prämie für die Firma in die Höhe. Sie versuchten solche Leute los zu werden.

Gelsomina
00
31.1.2012, 00:49

Was meinen Sie mit "halb versichert"? Ein Basispaket? Die Mindest-Versicherungssumme?

Die oesterreichische Variante Ihrer Situation ist uebrigens der Werkvertrag, den immer mehr Arbeitnehmer abschliessen muessen, wenn sie keine traditionellen Arbeitszeiten haben wollen oder koennen.

Andreas Prucha
00
31.1.2012, 02:44
Najo, könnte auch ein Ding mit hohem Selbstbehalt sein.

Die Situation in Österreich würde ich aber nicht damit vergleichen, weil in Österreich die Krankenversicherungsbeiträge Einkommens- und nicht Risikoabhängig sind. In den USA hat dagegen ein Nicht-so-gut-Verdiener ein Problem, direkt eine Versicherung zu bekommen, wenn er ein Risiko darstellt und die erhöhten Prämien nicht zahlen kann.

Deutschland hat sich mit den PKV ja ein ähnliches Problem eingehandelt: Gutverdiener mit wenig Risiko gehen in die private, Schlechtverdiener und Risikopatienten in die Öffentliche, weil sie von den PVAs nicht gewünscht sind. Also Quersubventionierung der privaten. Wirklich problematisch wirds, wenn sich ein einst PKV-Versicherter die Präm. nicht mehr leisten kann.

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