Jüdisches Krankenhaus am Bosporus

Österreicher leistet Gedenkdienst in Istanbul

Bericht | Katharina Wienerroither, 1. Februar 2012, 10:38
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    Der Vorarlberger Hayri Can beginnt heute seinen Gedenkdienst in Istanbul.

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    Kein Sprung ins kalte Wasser: Hayri Can war bereits im jüdischen Museum in Hohenems tätig und hat sich dort auf die türkischen Juden im Holocaust spezialisiert.

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    Im jüdischen Or-Ahayim Krankenhaus in Istanbul tritt der Vorarlberger seinen Gedenkdienst an.

     

Ein Vorarlberger mit türkischen Wurzeln tritt als erster Österreicher seinen Gedenkdienst in Istanbul an

Wien- Istanbul ist ein magischer Ort: Eine Stadt auf zwei Kontinenten, getrennt durch den Bosporus, umgeben vom Marmarameer. Ein Stadtbild voller Kuppeln, Türme, Minarette. Kein Zufall, dass der Vorarlberger Hayri Can (28) diesen Ort der geographischen und kulturellen Symbiose für seinen Gedenkdienst gewählt hat. Hayri Can hat sich gegen das Bundesheer entschieden und für eine große Herausforderung. Als erster Österreicher wird er den Gedenkdienst - ein österreichischer Wehrersatzdienst - in Istanbul antreten, um sich dort in einem jüdischen Krankenhaus mit der Geschichte der türkischen Juden auseinanderzusetzen.

Hayri Can ist Österreicher mit türkischen Wurzeln. 1972 kam sein Großvater als Gastarbeiter nach Österreich. 1976 wanderte sein Vater,1981 seine Mutter nach Österreich aus. Can ist in Österreich geboren und hat in Schwarzach, in Vorarlberg, seine Kindheit verbracht. „Es ist unsere Heimat", sagt Can, der auch Jus in Innsbruck studiert. Nach der Matura hat er gleich mit dem Studium begonnen und den Zivildienst verschoben. "Ich bin froh darüber, denn sonst hätte ich mit großer Wahrscheinlichkeit keinen Gedenkdienst gemacht, da ich die Alternative zum ordentlichen Zivildienst gar nicht kannte", sagt er. „Die Nazizeit ist ein Teil der Geschichte Österreichs und Deutschlands. Ich bin ein Teil der Gesellschaft und deswegen muss ich mich auch dafür verantworten, was diese Gesellschaft gemacht hat", erklärt Can. Er ist seit Mitte Dezember vor Ort und tritt heute seinen Dienst im jüdischen Krankenhaus an.

Neue Gedenkdienststelle im jüdischen Krankenhaus

Beim Gedenkdienst handelt sich um einen österreichischen Wehrersatzdienst, der mindestens zwölf Monate im Ausland absolviert wird, hauptsächlich in Holocaust-Gedenkstätten. Seit diesem Jahr gibt es eine neue Stelle für den österreichischen Auslandsdienst: Das jüdische Or-ahayim Hospital in Istanbul. „Or-ahayim" bedeutet „Licht des Lebens" und wurde von einigen Ärzten als kleines Krankenhaus gegründet. Die Geschichte des Krankenhauses ist 114 Jahre alt. Es existierte bereits im osmanischen Reich als Stiftung. 1920 begann dann das moderne Krankenhauswesen.

1992 trat der erste Gedenkdiener im Museum Auschwitz-Birkenau  seinen Dienst an. „Am Anfang war es nicht einfach, weil sich Österreich als Opfer definiert hat", erklärt der Initiator des österreichischen Gedenkdienstes, Andreas Maislinger. "Erst nach der Rede von Vranitzky 1991, in der erstmals die Mitschuld Österreichs an der Shoa öffentlich erklärt wurde, hat zaghaft ein Umdenken stattgefunden. Eine Gedenkdienststelle in Istanbul einzurichten, ist Maislingers langgehegter Traum. Mit Hayri Can wird dieser Traum nun endlich Wirklichkeit. 


Wenige Türken wissen über Holocaust Bescheid

In Österreich hat Can bereits im jüdischen Museum in Hohenems gearbeitet und dort viele Führungen in Deutsch und Türkisch geleitet. Die Erforschung der Rolle der Türkei während des Nationalsozialismus, Öffentlichkeitsarbeit, Kontaktaufnahme und Interviews mit Zeitzeugen stehen neben vielen anderen Aufgaben am Plan des jungen Österreichers. „Hier in der Türkei wissen nur die wenigsten über den Holocaust Bescheid", so Can. Er selbst plane eine Ausstellung über den Holocaust, damit vor allem Schüler und Studenten in Istanbul eine Ahnung davon bekommen, was damals passiert ist.

"Juden und Türken lebten tausende Jahre lang in Frieden", erzählt Hayri Can."Weder im osmanischen Reich noch in der Republik Türkei gab es gegen Juden Pogrome. Jedoch mit der Einfuhr des Vermögensteuergesetzes in den 40er Jahren verließen einige Juden die Türkei." Die türkische Republik verbot bereits vor dem Zweiten Weltkrieg, ausländischen Juden Visa zu erteilen. Einige türkische Diplomaten umgingen dieses Dekret indem sie zahlreichen Juden die türkische Staatsbürgerschaft verliehen, um sie vor den Konzentrationslagern zu retteten.

Mehrmals sei Hayri Can bereits gefragt worden, wie es dazu kommt, dass ein Moslem einen Gedenkdienst zum Thema Juden antreten möchte. "Der Holocaust ist ein Anschlag auf die Menschheit, da Menschen aufgrund ihrer Herkunft,Rasse, Religion oder Gesundheit ermordet wurden", so Can. "Ganz gleich ob Muslime, Christen, Juden oder Atheisten. Jeder sollte aus Liebe zum Menschen zumindest einen kleinen Beitrag leisten, damit die nächste Generation dies nicht vergisst."

Wie ist es Hayri Can bisher ergangen? „Sehr viele schätzen, dass ich da bin und etwas über den Holocaust machen will", erklärt Can. „Sei es ein Jude oder ein Moslem." Von vielen Türken sei er schon gefragt worden, wieso er keinen Militäranzug trage. In der Türkei gibt es nämlich keinen Zivildienst. „Es war erst vor kurzem die Rede von einem Zivildienst in der Türkei. Die meisten finden das toll", sagt Hayri Can.

Juden können in Istanbul ihre Religion gut ausüben

Der Vorarlberger hat auch schon einige Juden in Istanbul kennengelernt. „Sie sind sehr zufrieden hier. Sie können ihre Religion gut ausüben, es gibt viele Synagogen und sie werden in der Öffentlichkeit nicht diskriminiert." Ein kultureller Unterschied zwischen Türken und Österreichern sei schon vorhanden, sagt Hayri Can. „Beim Fortgehen bin ich oft mit Leuten unterwegs, die auch aus dem Ausland kommen. Das hätte ich mir vorher nicht gedacht. Aber wir verstehen uns einfach besser." Zwölf Monate hat Hayri Can Zeit, seine Projekte im jüdischen Krankenhaus umzusetzen. „Wenn ich nach Österreich zurückkomme, werde ich wieder im Jüdischen Museum in Hohenems tätig sein. Das Museum bedeutet mir sehr viel." (wik, derStandard.at, 1.2.2012)

 

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 85
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ALEXANDER92
 
11
hmmm...

Herbert Vogl
31
Und dafür werden Steuergelder verschwendet...

Während sich im Land Österreich die Mehrheit noch als Naziopfer betrachtet, sollte man diese Gelder lieber dafür ausgeben im Inland, was in diese Richtung zu tun.
Es gibt anscheinend einen riesigen Bedarf, wie sich erst wieder kürzlich mit den HC-Ball-Meldungen erwiesen hat.
Den Rest würde ich den Türken überlassen es so zu handhaben und zu finanzieren, wie sie es für richtig halten.

So einen bezahlten Urlaub hätte ich auch gern gehabt!

featzaflügar
18
@hayri

Na so was, da sieht man sich jahrelang nicht und dann lacht der Kerl aus dem Standard. Tolle Sache jedenfalls, kannte ich bis dato auch nicht. Wünsch dir alles gute und viel erfolg bei deinen Projekten! Gruß SM

Opernballbesucher - Rangloge seit 1885
2221
Schön für den Mann.

Bezahlter Urlaub im Land der Väter.

Im Ernst: Diese "Gedenkdienste" bitte endlich einsparen. Oder auch mir das Leben derart finanzieren - ich verspreche ebenfalls jeden Tag mehrere Stunden zu "gedenken"; Wochenenden und Feiertage nur gegen entsprechende Zuschläge!

bloody-nine
 
00
14.2.2012, 14:26
wer so lang schon auf den opernball geht

hats net notwendig dass wir ihm irgendwas finanzieren.

pipi pipifax
01
10.2.2012, 23:53

was sind denn sie fuer ein wuerschtel? seit wann ist es urlaub, in einem krankenhaus zu arbeiten. machen sie das einmal.

Corleone73
25

Immer die gleichen widerlichen, kleingeistigen neider, die überall etwas zu nörgeln finden....

Timagoras
 
24
"Immer die gleichen widerlichen, kleingeistigen neider, die überall etwas zu nörgeln finden...."

.
und die dann im standardforum auch noch immense zustimmung dafür finden.

tja ...

Animus Ashitakae
47

Mir hat dieser Bericht jedenfalls ein Lächeln auf's Gesicht gezaubert.

Dass sie so einen großartigen Dienst nicht zu würdigen wissen, zeugt von mangelndem Politik- und Geschichtsverständnis - von Empathiefähigkeit ganz zu schweigen. Daran sollten Sie wirklich arbeiten!

Avenarius Baumwax
67
mein lieber herr...

ein gedenkdienst kostet dem staate österreich weniger als ein normaler zivildienst. er wird weniger gefördert.

Mostbluzza
00
16.2.2012, 14:02
er tut ja auch nix. das ist (ge)denkarbeit.

so ein schmafu.

jeder zivi in öst. leistet soziale arbeit, die auch anstrengend und zeitraubend ist.

weit hammas bracht, wenn ich zivis verteidigen muss, aber ....

Frankfurter61
33
Viel Spaß beim Opernball

Aus der Loge des Opernballs kanns schon sein, dass man einen Dienst im Krankenhaus mit einem Urlaub verwechselt. Ich kann nur raten: selber mal arbeiten. Dann weiß man, das nicht alles, wo ein Bett drin steht, ein Hotelzimmer ist. Und nicht jeder der dort drin was macht ein Hotelgast ist.

SK26
46

da ist wohl jemand von der eifersuchtsbiene gestochen worden ;)

Pele_2008
20
Naja, wenn man seit 1885 in einer Rangloge der Oper festsitzt,

muss man das verstehen. Im Vergleich dazu ist sicher sogar Gedenkdienst in Istanbul ein Luxus!

the_suck
67

was genau passt dir nicht? das es ein Türke ist? das er sich mit etwas in Zusammenhang mit Juden engagiert? oder einfach nur grantig weil du heut Früh draufgekommen bist das die Milch sauer ist als du sie schon in deinen Kaffee gekippt hast?

Timagoras
 
95

der neid ist a hund, nicht wahr?
;o)

Opernballbesucher - Rangloge seit 1885
37
Gleich verliebt, hm? ;-)

Timagoras
 
91
"Gleich verliebt, hm?"

.
kann man so sagen. ja.

aber sowas kann Ihnen ja sicher nicht passieren ;o)

Opernballbesucher - Rangloge seit 1885
41
Nicht ins gleiche Geschlecht, richtig.

Quintus Beckloeffel
16
"Weder im osmanischen Reich noch in der Republik Türkei gab es gegen Juden Pogrome"

So?

http://de.wikipedia.org/wiki/Thra... ogrom_1934

serenad00
02

korrekt

da fehlt noch das Progrom von Istanbul 1955
http://de.wikipedia.org/wiki/Pogr... n_Istanbul

und nicht zu vergesseb natürlich die tausende von türkischen juden die im holocaust starben http://www.faz.net/aktuell/f... 85879.html

paradiselost
21
vermutlich

heisst das krankenhaus: or hahayim...

anonsten: eine feine geschichte!

khaleb
00
auf jeden Fall chajim, englische Transliteration bringt nichts in ener deutschsprachigen Zeitung

Andreas Maislinger
57
Bewerbung für Gedenkdienst in Istanbul

Bis Ende Februar 2012 kann man sich noch für die Nachfolge von Hayri Can in Istanbul bewerben.
info@auslandsdienst.at www.auslandsdienst.at
Österreicher türkischer Herkunft werden bevorzugt.

Neshama
12
Abstammungsnachweis erforderlich?

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