Ökumene: Wenn ein Papst vergeblich auf den lieben Gott wartet

Wolfgang Bergmann, 30. Jänner 2012, 10:53
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    foto: ap/l'osservatore romano

    Der derzeitige Papst sieht die ökumenischen Bemühungen überbewertet.

Die seit 1908 jeweils im Jänner abgehaltene Weltgebetswoche für die Einheit der Christen war wenigsten einmal schon für eine weltbewegende Überraschung gut. 1959 nutzte sie Johannes XXIII. für die Ankündigung des bisher letzten Konzils und setzte damit auch gleich ein Signal, welche Marschrichtung ihm vorschwebte.

Die Marschrichtung des Jahres 2012 ist eher ein Zickzack-Kurs.

Nehmen wir zuerst Zick:

• Die fehlende Einheit gefährde die Glaubwürdigkeit der Christen, meinte heuer der amtierende Papst.
• Jeder einzelne Christ sei für die Ökumene verantwortlich. Sie benötige eine "immerwährende Bekehrung".
• Der Papst wünscht Geduld und keine Resignation bei der Ökumene.

Dann kommt Zack!

Ein Schlag ins Gesicht langjähriger Bemühungen: In einer Ansprache vor Mitgliedern der Glaubenskongregation warnte er vor einer Überbewertung ökumenischer Arbeitspapiere. Es handle sich dabei nur um vorläufige Beiträge, die abschließende Bewertung obliege allein den zuständigen kirchlichen Autoritäten.

Man muss nicht viel Fantasie besitzen, um sich auszumalen, was die Wirkungsgeschichte eines solchen Zitates sein wird, wenn es genau vor den Bremsern der Reformen ausgesprochen wird. Vor dieser Zielgruppe wäre das Wort von der "immerwährenden Bekehrung" wohl passender gewesen.

Mantraartig wiederholt Benedikt XVI. auch, dass die Einheit nur von Gott geschenkt werden kann. Die Christen könnten sie nur erbitten.

Das erinnert an jenen hochtheologischen Witz, der zu jener Zeit erzählt wurde, als Bischof Kurt Krenn wortgewaltig Menschen aus der Kirche vertrieb:

Bischof Kurt Krenn droht im Morast zu versinken. Eine vorbeikommende Feuerwehr bietet Hilfe an. Krenn lehnt ab: "Ich vertraue auf Gott." Doch er versinkt immer weiter. Noch zweimal kommt die Feuerwehr vorbei, doch der Bischof nimmt diese Hilfe mit der Berufung auf die erwartete göttliche Rettung nicht an. Es kommt, wie es kommen muss: Bischof Krenn stirbt im Sumpf. Im Jenseits angekommen, drängt er sich wutschnaubend vor den Thron des Höchsten und klagt: "Ich habe für dich Zeugnis in der Welt abgelegt - und du lässt mich ersaufen." Und Gott antwortet ihm: "Was willst du? Ich habe dir doch eh dreimal die Feuerwehr vorbeigeschickt ..."

Der Papst tut doch tatsächlich so, als würden sich die Christen zwar nach Einheit sehnen, allein, der liebe Gott verweigere noch die Zustimmung.

Die Wahrscheinlichkeit, dass es genau umgekehrt ist, ist ziemlich hoch: Der liebe Gott versteht die Uneinigkeit der Menschen, namentlich seines Kaderpersonals, nicht. Längst hat er den Päpsten und Bischöfen Theologen vorbeigeschickt, die erklärt haben, dass die theologische Kluft überwindbar ist.

Längst schon ist klar, dass es nicht um Uniformität, sondern um Einheit in Vielfalt geht. Längst schon ist klar, dass es ein Missverständnis ist, den Papst als absolutistischen Führer zu sehen. Längst schon hat ein Papst, nämlich Johannes Paul II., eingesehen, dass auch das Papstamt umgestaltet werden muss (Enzyklika Ut Unum Sint - vgl. Das Papst-Orakel).

Benedikt XVI. wartet lieber.

Sein Bremsmanöver hat der Pontifex Maximus langfristig eingeleitet: "Die Suche nach der Einheit hat noch viele Hindernisse vor sich", sagte er schon im Herbst 2010. In der letztjährigen Gebetswoche diagnostizierte er, dass "wir noch fern sind von der Verwirklichung jener Einheit, für die Christus gebetet hat". Nachdem dieses Gebet schon 2.000 Jahre alt ist, kann man ermessen, was der Papst unter Ferne versteht.

Darin liegt natürlich nicht nur ein vergebliches Warten auf ein Handeln Gottes, der längst schon gehandelt hat, sondern auch ein theologisches Missverständnis: Wenn nämlich durch das Evangelium das Reich Gottes nahe gekommen ist, dann kann die Ökumene nicht fern, sondern muss quasi um die Ecke sein. Allerdings: Wenn der Papst den einzigen Job, den er wirklich hat, nämlich Diener der Einheit zu sein, nicht ausübt, weil er lieber Alleinherrscher seines Schrebergartens ist, nützt das natürlich wenig ...

PS: Bei einem Gottesdienst erlebte ich kürzlich ein schönes Beispiel dafür, wie nicht wartend für Ökumene, sondern realisierend ökumenisch gebetet werden kann. Der Priester sprach im Hochgebet nicht nur die Gemeinschaft mit dem Papst und dem Ortsbischof aus, sondern schloss auch namentlich den ökumenischen Patriarchen Bartholomäus der orthodoxen Kirche ein. (Schön wäre es auch noch gewesen, die Repräsentanten anderer Kirchen dazuzunehmen.)

Damit verstieß er wohl gegen die römische Instruktion Redemptionis Sacramentum (aus Nr. 51: "'Man kann es nicht hinnehmen, dass einige Priester sich das Recht anmaßen, eucharistische Hochgebete zusammenzustellen' oder die von der Kirche approbierten Texte zu ändern ..."). Ich nenne ihn und seine Gemeinde daher lieber nicht. Gut getan hat es allemal, und ich glaube nicht, dass der Allmächtige wegen dieses kreativen Ungehorsams zürnt - im Gegenteil.

PPS: Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Verantwortung der Päpste und des Vatikans am internationalen Missbrauchsskandal geklärt werden muss. Der derzeitige Papst hat bisher lediglich zur Schuld einzelner Priester und Bischöfe Stellung genommen. Zu den Vorgängen innerhalb der vatikanischen Mauern fand er kein Wort. Benedikts beharrliches Schweigen dazu macht ihn als Papst unglaubwürdig.

Autor: Wolfgang Bergmann, Magister der Theologie (kath.), 1988-1996 Pressesprecher der Caritas, 1996-1999 Kommunikationsdirektor der Erzdiözese Wien und Gründungsgeschäftsführer von Radio Stephansdom. Seit 2000 Geschäftsführer von DER STANDARD.

2010 erschien sein Romanerstling "Die kleinere Sünde" (Czernin Verlag) zum Thema Missbrauch in der Kirche

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 81
1 2 3
CL
13

Also, als Frau in der RKK muss man androgyn wirken und sein, um zumindest annähernd an der Geruch der Seriosität heranreichen zu können.
Dabei weiß jedes Kind und so-gar die profane Welt, dass die Qualität der Spiritualität keinerlei kausalen Zusammenhang zu einer bestimmten Geschlechtszugehörigkeit aufweist. (Bitte nicht böse sein, dass dieser Satz - absichtlich - so geschwollen geschrieben ist.)
Damit beraubt sich diese Institution selbst ständig mindestens der Hälfte des möglichen Potenzials ...
Wofür also scheinheiligerweise ununterbrochen für Einheit und Frieden gebetet wird, erschließt sich wahrscheinlich nur mehr einem D#mm-KOPF!
So einfach ist eben die Welt - für einen Katholiken!

NotDarkYet
42
Die Verantwortung des Papstes für den internationalen Missbrauchsskandal ist geklärt.

Es fehlt zwar die Klärung vor Gericht - die wird es auch nie geben - aber es gibt die "moralische Gewissheit", dass dieser Papst jahrelang pädophile Priester geschützt hat und damit direkt für die Vergewaltigung von hundertausenden Kindern verantwortlich ist.

Prislar
11

Es gibt die unmoralische Gewissheit, dass Sie einen Schmarren schreiben.

Pia
12
Es gehört noch geklärt, was passiert, wenn die 'klerischen Herren der Schöpfung'

nicht mehr weiter wissen:

Als Frau in der RKK wird man mit Folgendem konfrontiert:
Ja nicht aufmucken und immer brav wie bei den Zinnsoldaten folgen. Wenn frau doch aufbegehrt (zu Recht), dann wird zuerst begonnen, in eventuellen (blinden) Flecken herumzustochern - soo lange, bis alles Mögliche durch ist und sich am Ende herausstellt, dass die scheinbaren Schwachstellen keine waren. Wenn der sog. geistliche Mann dieser Institution dann nicht mehr weiter weiß, kommt die Sexualität ins Spiel. Nein - nicht das, was jetzt viele denken, sondern: Jesus Christus war Mann und nicht Frau und deshalb hast du gefälligst zu spuren.

wakeup
00
ja, wenn man den ganzen tag nur frohlockt...

bleibt einem ja kaum zeit für das management.

der schwitzbär der schwitzt sehr
00
das ist immer derselbe, der hier schreibt ?

wings
00
31.1.2012, 17:33
Hervorragender Witz!

Das sollte die Kirche lehren bei aller Liebe zum Übernatürlichen und zur letzten Wirklichkeit, die ihnen unbenommen sei, das Natürliche und Reale, im Rahmen dessen wir wissen und handeln, nicht zu vergessen. Der alte Mann lebt ja schon mehr im Drüben als im Hüben!

Eleazar
02
31.1.2012, 11:19

Wenn sich zwei streiten, dann freut sich der Dritte.

\m/

potamu
10
31.1.2012, 13:02
one single voice
03
31.1.2012, 16:25

ich wär für www.diskontia.at

Eleazar
00
31.1.2012, 13:07

nicht Die.

Die "Liebe" ist schon etwas göttliches.

Man redet halt leichter darüber, wenn man Diese auch kennt. Auch sollte man das Leben lieben.

Solemnly Soliloquising Somnambulist
03
31.1.2012, 10:18
ein einziges babylon

mich würde das gesamtvermögen der röm. kirche interessieren.

ich denke es liegt im billionen-bereich.

peter schmidt
 
03
31.1.2012, 13:06
Das ist gut möglich. Aber nachdem man den Stephansdom wohl nicht an japanische Konzerne

vermieten kann ist ein erheblicher Unterschied zwischen Substanzwert und Ertragswert zu beachten.

Solemnly Soliloquising Somnambulist
01
31.1.2012, 13:27
ich meine nicht die kirchengebäude

die an sich umwandelbar sind.

ich rede von länderein, aktienbeteiligungen, und staatsanleihen.

insgeheim vermute ich dass die kirche über banken und börse versucht durch die reformation/church of england verlorengegangenes vermögen zurückzuholen.

Pia
25
31.1.2012, 09:12
Das Problem ist, dass der Klerus unter seinesgleichen zerstritten ist - wie soll man(n) da zu einer segensreichen, tatsächlich gelebten Ökumene kommen!

Man kann sich gar nicht vorstellen, wenn man es nicht selbst mit eigenen Augen gesehen u. selbst erlebt hat, wie sehr diese alten Herren im Konkurrenzdenken untereinander zerstritten sind u. wie viele Eifersüchteleien es im eigenen Haus gibt.
Da können sie um Frieden u. Einheit beten bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag!
Das deutsche Wort "Ehr-geiz" drückt sehr gut aus, was in diesem Fall mörderisch ist: ein Zuviel des Ehr-geizes ist besonders im religiösen Bereich außerordentlich hinderlich!
Sich selbst zurück-nehmen u. Dinge tun, von denen man keinerlei (soziale) Anerkennung zu erwarten hat, kann hier oft zielführender sein!
In Wahrheit geht es Ratzinger nicht um das Heil seiner Institution, sondern in erster Linie um sein eigenes Karriere-Ego!

fibiundchillie
01
31.1.2012, 12:51
um sein eigenes Karriere-Ego!

ich stimme Ihnen zwar mehrheitlich zu, trotzdem würde mich intererssieren:

welchen Karrieresprung hat Benedikt XVI. noch in Aussicht?

Eleazar
08
31.1.2012, 12:57

Teufel!

Gott ist schon ein Anderer

Pia
09
31.1.2012, 09:21

Normalerweise geht man davon aus, dass ein religiöses Leben mit fortschreitender Dauer zu einer abgeklärten, in sich ruhenden, den Eitelkeiten der äußeren Welt fernstehenden Persönlichkeit führt.
Wenn man sich als (Berufs-)Geistliche(r) selbst im Alter noch mit habsüchtigem Konkurrenz-Hick-Hack herumzuschlagen hat, so ist das spirituelle Ziel am Lebensende eindeutig mit: 'Nicht genügend' bzw. 'erfolglos' zu messen und abzuschließen!

Pia
06
31.1.2012, 10:09
Der Rangstreit der Jünger

Mk 9,33-37:
Sie kamen nach Kafarnaum. Als er dann im Haus war, fragte er sie: Worüber habt ihr unterwegs gesprochen? Sie schwiegen, denn sie hatten unterwegs miteinander darüber gesprochen, wer (von ihnen) der Größte sei. Da setzte er sich, rief die Zwölf und sagte zu ihnen: Wer der Erste sein will, soll der Letzte von allen und der Diener aller sein. Und er stellte ein Kind in ihre Mitte, nahm es in seine Arme und sagte zu ihnen: Wer ein solches Kind um meinetwillen aufnimmt, der nimmt mich auf; wer aber mich aufnimmt, der nimmt nicht nur mich auf, sondern den, der mich gesandt hat.

imho1980
58
31.1.2012, 08:36

Der Papst stirbt und klopft ans Himmelstor. Petrus öffnet: "Wer bist du?"

"Ich bin der Papst!"

"Wer?"

"Der Stellvertreter Gottes auf Erden!"

Petrus holt Gott: "Du Chef, da ist einer, der behauptet, er wäre dein Stellvertreter!"

Gott kennt ihn auch nicht und holt Jesus: "Sag mal Sohn, kennst du den Typen?"

Jesus kommt lachend zurück: "Stellt euch vor, dieser alberne Fischerverein, den ich vor 2000 Jahren mal gegründet habe, den gibt's immer noch!"

Lectrice
15
31.1.2012, 11:48

Was in etwa die Wahrheit trifft.

Abgesehen davon, dass eine Welt grauslich wird, die von so alten, weltfremden und vor allem eitlen Zauseln bestimmt werden soll.

sonnenklang
00

jeder selber schuld der sich bestimmen lässt

Lectrice
02

Na das will ich mal sehen, wie Sie selbst bestimmen wenn der Ruach und das Gewürm wieder was zu sagen hat - da könnens nur so rasch als möglich abhauen.

Dollmen Horst
00
31.1.2012, 07:23

Ob Gott und der Papst sich verstehen?

"bevor Ihr die Menschen speiset und im seligen Frieden unterrichtet - streitet euch doch bitte um die "Ökumene"

Walter J. Ferstl
00
Den einen oder anderen Gott, der mit dem Papst sympathisiert, könnte es eventuell schon geben.

Aber das sind maximal drei, nehme ich an.

Also nicht repräsentativ.
;-)

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