Differenzierte Sicht auf die Finanzkrise

Im Teufelskreis: Schulden, Sparen, Zinsen

Gastkommentar | 30. Jänner 2012, 09:11

Zwischen "kopflos" Sparen und "tatsächlich" Sparen ist ein großer Unterschied - Von Paul Kellermann

Seit einiger Zeit wird - wieder einmal - viel über Schulden, Sparen und Zinsen geredet, geschrieben, gepredigt. In kaum einem Beitrag geschieht das differenziert und zusammenhängend. Statt die jeweils vielfältigen Situationen und Interessen zu berücksichtigen, wird zumeist einfältig auf die wahrgenommene oder bloß übernommene Sicht der aktuellen wirtschaftlichen Lage reagiert.

Zunächst sollte immer bedacht werden, dass den Schulden der einen Guthaben der anderen entsprechen; dass das Kürzen oder Streichen von bisherigen (also vergangenen) Ausgaben logisch nicht möglich ist und auch nicht wirklich Sparen bedeutet; dass es unterschiedliche Begründungen für Zinsen gibt.

Auf künftige Ausgaben kann man verzichten, oder - neutraler ausgedrückt - man kann planen, weniger Geld auszugeben als in der Vergangenheit. Wenn dadurch Geld übrig bleibt, also für anderes verfügbar ist, ist Geld tatsächlich gespart worden. Wenn hingegen durch das sogenannte Sparen die bestehenden Schulden nicht vergrößert werden sollen, bedeutet das nur, die Menge der bisherigen Ausgaben einschränken zu wollen. Die Folge ist eine gegenüber der vorhergehenden Periode geringere Inanspruchnahme von kaufbaren Gütern und Diensten, was seinerseits eine Verringerung der Standards auf verschiedenen Gebieten bewirkt: Es wird weniger Arbeitskraft und weniger Kapazität der Unternehmen genutzt, was in der Regel eine Reduzierung des Geldumlaufs und damit der Kaufkraft nach sich zieht. Dadurch ergeben sich - einem Teufelskreis vergleichbar - niedrigere Leistungs- und Versorgungsniveaus.

Von Stufe zu Stufe: Steigendes Risiko

Nun kommen die Zinsen ins Spiel: Wenn zunächst Finanzkapital, also Geld, von Finanziers/Gläubigern/Investoren zur Verfügung gestellt wird, um damit die Anschaffung von Produktivkapital, also Maschinen, zur Erhöhung der Produktivität zu ermöglichen, geht es um eine angemessene, "faire" Teilung des resultierenden Gewinns zwischen Unternehmern und Geldgebern; man könnte dann den für den Geldverleih anfallenden Gewinnanteil den "produktiven Zins" nennen. Im Fall eines Staates geht es nicht unmittelbar um Produktivkapital und Gewinn, sondern um die Verbesserung der Infrastruktur oder der allgemeinen Lebensverhältnisse und Steuern oder Gebühren. Fallen aber die Einnahmen geringer als erwartet aus und der Schuldner muss "frisches" Geld aufnehmen, um den fällig gewordenen Kredit samt Zinsen zu bezahlen, entsteht ein qualitativ neues Zinsmoment: Das Risiko, möglicherweise in der nächsten Periode die zweite Schuld mit einer dritten begleichen zu müssen.

Das steigende Risiko für die Gläubiger rechtfertigt einen entsprechend höheren Zinssatz in Form des "Risikozinses". Der damit eingeschlagene Pfad der weiteren Verschuldung läuft auf die Gefahr hinaus, das verliehene Geld letztlich überhaupt nicht mehr zurück zahlen bzw. zurück erhalten zu können. Der damit in Gang gekommene Prozess des von Stufe zu Stufe steigenden Risikos kumuliert auf Seiten der Geldgeber das potenzielle Guthaben und auf Seiten der Schuldner die reale Schuld. In einer solchen Situation des Schuldners undifferenziert ("kopflos") zu "sparen", trifft unvermeidbar auch die einzige Kraft, die Schulden zurück zu zahlen ermöglicht: Die Produktion, also das Erarbeiten und erfolgreiche Verkaufen von Leistungen.

Verschärfte Situation

Nun allerspätestens müsste differenziert werden: Einerseits danach, was Leistung erbringt und welche Ausgaben oder fehlende Einnahmen nicht zur wirtschaftlichen Leistung beitragen; andererseits, welche sekundären Folgen sich aus der Neustrukturierung von finanziellen Regelungen ergeben. Sowohl der Verzicht auf produktive Kräfte durch "Sparen" als auch Streiks gegen das Kürzen von bisherigen Ausgaben verschärfen die Situation, weil dadurch dringend benötigte Leistungen nicht erbracht werden können.

An diesem Punkt ergibt sich eine Alternative von zwei Optionen: Entweder die Gläubiger bestehen auf der Rückzahlung ihrer Darlehen, was aber seitens des betreffenden Schuldners aus eigener Kraft nicht erfolgreich sein kann. Hilft in dieser Situation kein neuer Geldgeber, bricht die Produktionsstruktur zusammen und die Gläubiger verlieren zum Großteil ihre Rechte. Oder die Finanziers verzichten auf die sofortige Begleichung der gesamten Schuld und ermöglichen damit eine längerfristige Erholung der Wirtschaftsleistung des Schuldners.

Interessenkonflikte durch Mediation lösen

Je nachdem, welche Rolle den jeweiligen Beteiligten in diesem Drama zukommt, sind die Interessen verschieden oder gar gegenläufig. Letztlich kann es nur darum gehen, den Schaden für alle Betroffenen (das heißt auch für das gesamte Wirtschafts- und Gesellschaftssystem) möglichst gering zu halten, was - selbstverständlich - jeder Beteiligte wieder aufgrund seiner Rolle und Interessen anders sieht. Ein Interessenausgleich - sofern alle grundsätzlich darin übereinstimmen, Zusammenbruch und Ungerechtigkeit zu vermeiden - kann in der Regel dann nur durch die Hilfe einer akzeptierten, vermittelnden Instanz mit kreativem Potential (durch Mediation) erreicht werden. (Paul Kellermann, derStandard.at, 30.1.2012)

Autor

O. Univ.-Prof. Dr. oec. publ. Dipl.-Soziol. Paul Kellermann, Institut für Soziologie, Fakultät für Wirtschaftswissenschaften der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 33
1 2
her wig
00
31.1.2012, 09:29
Es wäre so einfach gewesen...

1. Wenn man einen Kredit aufnimmt sollte man sich vorher überlegen wie man ihn zurückzahlen kann. Alternativ: erstmal in Saus und Braus leben und dann vor der Erkenntnis stehen dass man sich das leider nicht mehr leisten kann, dann auf die böse Finanzwirtschaft schimpfen dessen Opfer man geworden ist usw.

2. Eine Überschuldung lässt sich nicht durch noch mehr Schulden beheben. Das bringt zwar eine kurzfristige Erleichterung, aber danach ist die Zinslast noch höher als sie vorher war. Am Sparen führt kein Weg vorbei. Wenn es dabei zu wirtschaftlichen Rückschritten kommt - die unvermeidlich sind wenn die vorigen Fortschritte rein durch Kreditausgaben zustande kamen - müssen eben auch die Gläubiger Verluste in Kauf nehmen.

J. Reichhart
04
31.1.2012, 06:43
das sind, herr kellermann, mit verlaub

binsenweisheiten.

banalitäten, wenn auch von unserer politik nicht beachtet oder nicht einmal realisiert.

nur ein umbau unseres gesellschafts- und geschäftsmodells - um dieses beliebte nullwort zu verwenden - hilft aus dem teufelskreis heraus zu kommen.

wohlstand oder gar sozialstaat auf pump ist betrug.

die diebe sind die politiker, die hehler aber die wähler!

da der hehler nicht besser ist als der stehler, liegt die verantwortung bei uns, bei dir und mir!

das problem ist, dass sich die hehler erst dann besinnen werden, wenn es nix mehr zu profitieren gibt - also wenn das ganze pyramidenspiel zusammen gebrochen ist!

also, auf in die katastrophe.

willkommen in der pleiterepublik!

Leukozyt
 
00
31.1.2012, 02:47
Interessant und differenziert wird die ganze Sache,

wenn man Mal überlegt, woher die Gläubiger (das sind hier in erster Linie Geschäftsbanken) jenes Geld nehmen, das sie dem Staat leihen. Hmmmm. Haben die das durch großen Fleiß denn selbst erarbeitet? Oder wird es etwa durch die Kreditvergabe erst geschaffen?

Das Geld wird ja nicht durch Arbeit (Güter-/Dienstleistungsproduktion) erzeugt. Mir ist das noch nie passiert, dass ich den Garten umgegraben habe und plötzlich ist Geld vom Himmel gefallen.
Geld wird gedruckt, geprägt, oder einfach verbucht, von Instanzen, die mit der dazu nötigen Macht ausgestattet wurden, und von denen dann weitergegeben. Wer spricht wem diese Macht zu? Für wen wird Geld erzeugt und für wen nicht? DA wird's differenziert und interessant, Kellermann!

J. Reichhart
01
31.1.2012, 07:24
so isses!

die politik hat die geldschöpfung an die geschäftsbanken abgetreten! wohl nicht umsonst! möcht wissen, wer wann wie viel dafür kassiert hat!

die geldschöpfung müsste bei der notenbank liegen. und die geschäftsbanken müssten sich jeden cent, den sie weiterverleihen und dafür zinsen kassieren ebenso bei der notenbank - verzinst versteht sich - ausleihen müssen.

das heutige modell wirkt wie ein staubsauger: die banken saugen reales geld aus der wirtschaft und verleihen virtuelles geld gegen zinsen zurück. das führt letztlich zur umverteilung des realgeldes aus der wirtschaft zu den banken. und die wissen dann nicht, wohin damit und beginnen zu zocken.

pluralis modestatis
00
31.1.2012, 08:27
reales vs. virtuelles Geld

Wie kann ich reales von virtuellem Geld unterscheiden ?

Ist der Unterschied an der Billa-Kassa zu erkennen ?

pluralis modestatis
00
31.1.2012, 09:54
GELD

Jede Geldform, die auf Vereinbarung beruht (also kein Edelmetall, Perlen etc), ist virtuell.

pluralis modestatis
00
31.1.2012, 09:53
keine Antwort ?

J. Reichhart
00
31.1.2012, 08:33
mit virtuellem geld meine ich das,

welches die banken aus der luft 'schöpfen', indem sie einfach eine zahl auf ein kreditkonto schreiben. geld, das vorher nicht da war und das nie gedruckt wurde. dieses virtuelle geld muss nun vom kreditnehmer mit zinsen zurück gezahlt werden. da der schuldner kein geld aus der luft zaubern kann, muss er dafür eine leistung erbringen - arbeiten, produzieren, verkaufen - und mit 'realem' geld zurück zahlen.

Friedel Marksteiner
 
07
30.1.2012, 16:01
Das soll ein differenzierter Kommentar sein?

Die Misere, in der wir stecken, ist nicht dadurch zu lösen, dass man Investoren (mehr) Zinsen zahlt oder nicht, sondern dadurch, dass man Umschichtungen im Geschäftsmodell vornimmt. In unserem aktuellen kommt es zu einer Akkumulation von Vermögensgewinnen bei wenigen (in jeder Statistik nachzulesen), die aber nicht produktiv eingesetzt werden, da sie weder in Investitionen gehen (nicht lukrativ, Situation zu unsicher), noch zu höherem Konsum führen (mehr als 3 Maseratis und 4 Häuser machen keinen Sinn), sondern sie gehen in die Spekulation (und erhöhen damit die Preise) und Staatsanleihen (bei Banken und Versicherungen).
Wenn man also von den Schulden wegkommen will, muss man (vor allem) Vermögen (mehr) besteuern, so einfach ist das.

saunaecho
00
30.1.2012, 17:00
Kellermann ist nicht dumm !

Der leichtsinnige Gläubiger ist interessiert den leichtsinnigen Schuldner zu sanieren - damit er eine möglichst hohe Rückzahlungsquote erhält. Und der leichtsinnige Schuldner "benötigt" den Gläubiger um nicht im Chaos unterzugehen und die Sanierung zu schaffen. Der eine muss seine Forderung und der andere seinen Lebensstandard "einschränken", damit es funktioniert. Kellermann hat recht ! Auch wenn blöde Politiker (noch) nicht begreifen, dass es anders nicht geht. Das Geld der FI sind übrigens unsere Spareinlagen.

Friedel Marksteiner
 
00
30.1.2012, 17:26
Welchen Lebensstandard sollen denn z.B. die Griechen einschränken,

um ihre Schulden zurückzahlen zu können?

pluralis modestatis
13
30.1.2012, 19:00

Na, z.B. den Luxus, unproduktive Verwaltungsbeamte zu schaffen.

Minister der Ökomonie
00
31.1.2012, 00:02

Also kosten Arbeitslose weniger als Beamte?

pluralis modestatis
00
31.1.2012, 07:31
Say, J.B.

Das ist die Alternative ?

Beamte oder Arbeitslose ?

Beamte SIND Arbeitslose, und sie verhindern
sinnvolle Produktion von Wirtschaftsgütern.

santa fe
 
26
30.1.2012, 14:31

das guthaben, das den schulden entspricht, ist im besitz derr FI (finanzindustrie). es akkumuliert zu einer masse, die uns alle gleichermassen erdrückt, entweder n der form von schulden oder in der form von investitionsblockade. beides basiert auf irrationaler habsucht. sucht endet in der regel durch überdosis. dem ist zuvorzukommen.

die FI muss auch aus eigenem interesse in die allgemeine kaufkraft investieren und einen gesunden kreislauf des kapitals herstellen. die 99% müssen ihren konsumwahn mässigen.

BEDINGUNSGSLOSES GRUNDEINKOMMEN für alle.

verzicht auf hab-und herrschsucht zugunsten der erneuerung der demokratie, die gerechte verteilung bedeutet, basierend auf einem höheren egoismus, der erkannt, dass alle von allen abhängig sind

pluralis modestatis
42
30.1.2012, 15:04
Sozio-politischer Massendefekt

Wo der Einzelne rational denkt und handelt, dort (denkt) handelt er als zoon politikon irrational.
a) Niemand arbeitet bedingungslos für Andere, aber viele fordern ein BEDINGUNGSLOSES GRUNDEINKOMMEN
b) Niemand will von Spenden seiner Kinder leben, aber viele sind für DEFICIT SPENDING
c) Niemand zahlt gerne Steuern, aber viele sind für STEUERERHÖHUNGEN
d) Niemand arbeitet gerne als Sklave, aber viele sind für den ZIVILDIENST
e) Niemand zahlt für die Nachhilfe fremder Kinder, aber viele sind gegen STUDIENGEBÜHREN
f) Niemand zahlt gerne für Beamte, aber viele haben gerne Postämter
g) Niemand widerlegte Sokrates, aber gemeinsam LEGTEN sie ihn UM
h) Niemand mag den Steuermann der Kirche, aber viele zahlen KIRCHENSTEUERN

santa fe
 
42
30.1.2012, 15:46
"a) Niemand arbeitet bedingungslos für Andere, aber viele fordern ein BEDINGUNGSLOSES GRUNDEINKOMMEN "

alle arbeitnehmer arbeiten letztlich für die FI, denn sie ist es, die uns mit einem geringfügigen anteil an der gemeinsamen wertschöpfung abspeist, sie finanziert die parteien und die politiker (und die medien), die den reallohn jedes einzelnen festlegen.

arbeite für mich oder werde mein almosen-empfänger ist eine schein-alternative. wir alle sind bereits almosen-empfänger der FI, gleichgültig ob wir aktiv für sie arbeiten oder aus profitgründen durch maschinen oder BEDINGUNGSLOSER ARBEITENDE ersetzt werden.

die meisten menschen sehnen sich nach freiwilliger, selbstverwirklichung fördender arbeit, nach einem leben, das sich nicht mehr bedingungslos dem lohn-und geldterror der FI unterwirft.

pluralis modestatis
42
30.1.2012, 16:16

willst du also freiwillig und bedingungslos für mich arbeiten ?

- und darin deine Selbstverwirklichung sehen ?

santa fe
 
11
30.1.2012, 16:26

freiwillige arbeit ist an die bedingung der freiwilligkeit gebunden. die verwirklichung des BGE an die bedingung der freiwilligen mehrheitsentscheidung.

arbeit kann nie bedingungslos sein, denn wenn der arbeitgeber mord anordnet, muss arbeitsverweigerung erfolgen.

die FI zerstört die ökologische, ökonomische, psychische und demokratische basis der menschheit. sie eskaliert einen eroberungskrieg, der seit 1991 mehr als 2 millionen menschen das leben oder ihre gesundheit gekostet hat und deklariet ihn unfassbarerweise zum "demokratischen frühling".

für die FI bedingungslos zu arbeiten ist wahnsinn.

pluralis modestatis
00
30.1.2012, 18:58
bedinungsloses Einkommen > bedingungslose Arbeit

Wer ein bedinungsloses Einkommen fordert, der fordert bedingungslose Arbeit mit anschließender Enteignung.

Das Eine nicht ohne das Andere, daran ändert auch die Sozialisation und eine demokratische Abstimmung nichts.

Minister der Ökomonie
02
31.1.2012, 00:10

Kein Land, dessen Bürger in eine Lohnabhängigkeit gezwungen sind, um nicht zu verhungern und ein Bett zum Schlafen zu haben, kann von Wohlstand sprechen.

Wohlstand wäre, wenn die Bürger eines Landes es nicht notwendig haben, ihre Lebenszeit und Lebensenergie zu verscherbeln, um essen zu haben, und ein Dach über den Kopf, sondern dieses selbstverständlich für alle gesichert wäre. Somit stünde dem Volk zu, sich der Ausbildung und der Arbeit, der Kunst und der Innovation zu widmen, und diese voranzuteiben - nein - nicht nur um der Armut zu entfliehen.

Und ich denke, jeder Arbeitnehmer hat lieber freiwillige Angestellte, als zu wissen: Die tun das nur, weil ihre Biologie sie dazu zwingt. Frewillige statt Zwangsarbeiter.

metall81
00
31.1.2012, 11:09
Und wo Herr Minister,...

...soll der Wohlstand herkommen, der dann aus dem Fülhorn auf die glücklichen Bürger Ihres idealen Saates ausgegossen wird?

pluralis modestatis
00
31.1.2012, 07:37

"Wohlstand wäre, wenn die Bürger eines Landes es nicht notwendig haben, ihre Lebenszeit und Lebensenergie zu verscherbeln, um essen zu haben, und ein Dach über den Kopf, sondern dieses selbstverständlich für alle gesichert wäre."

Ich würde meinen, es gehört ganz einfach zum Leben dazu, für seinen Lebensunterhalt zu sorgen.

Natürlich ist es angenehmer, die GESELLSCHAFT oder schlicht ANDERE für meine Muße zu verpflichten.

Eine subtile Art von Sklavenhaltung (die natürlich auch bedingungslose Ansprüche haben).

Kurt Bayer
11
30.1.2012, 14:17
viele (leere) Worte?

Wenn der Herr Professor so seine Vorlesungen hält, wundert es mich nicht, daß das volkswirtschaftliche Wissen in Österreich so gering ist: wer soll denn das verstehen?
Kellermann hätte zwischen der Fetischisierung der öffentlichen Schulden und der Vernachlässigung der privaten Schulden hinweisen können, auf die Rolle Inland-Ausland bei der Verschuldung, auf die unterschiedlichen Betroffenheiten von Haushalten und Unternehmen je nach "Sparprogramm" (Ausgaben und Einnahmen), und vieles andere mehr.
Aber zwischen "produktiven" Zinsen und "anderen" zu unterscheiden: was solls?

pluralis modestatis
00
30.1.2012, 15:14

Die Unterscheidung zwischen Konsumkrediten und Investitionskrediten scheint mir durchaus sinnvoll.

Das Problem der Staatsverschuldung ist eben, dass sie private (produktive) Kreditnachfrage verdrängt (crowding-out) auf Kosten politisch motivierter Staatskonsumgeschenke.

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