Erstes Land in Eurozone

Sarkozy prescht bei Finanzabgabe vor

30. Jänner 2012, 13:26

Frankreich wagt bei der umstrittenen Transaktionssteuer ab August den Alleingang - Zudem soll die Mehrwertsteuer erhöht werden

Paris - Frankreich prescht bei der Finanztransaktionssteuer vor: Präsident Nicolas Sarkozy kündigte am Sonntagabend die Einführung der Steuer mit einem Satz von 0,1 Prozent ab August an. Außerdem will der Staatschef die Mehrwertsteuer um 1,6 Punkte erhöhen und zugleich die Arbeitgeber um 13 Milliarden Euro entlasten. Frankreich solle so wettbewerbsfähiger werden, sagte Sarkozy.

Frankreich ist das erste Land, das in der Eurozone die Finanztransaktionssteuer einführt. Sarkozy hatte bereits Anfang Jänner angekündigt, die Steuer notfalls im Alleingang einzuheben. Er hoffe, dass sein Schritt andere Länder dazu bringe zu folgen.

In Deutschland stößt eine Einführung der Steuer nur im Kreis der Euroländer in der FDP auf Widerstand. Einen gemeinsamen deutsch-französischen Vorstoß hatte die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bei einem Treffen mit Sarkozy in Berlin vor drei Wochen abgelehnt.

Höhere Mehrwertsteuer

Sarkozy zitierte in einem Interview mehrfach das Beispiel Deutschlands, wo die Lohnnebenkosten halb so hoch seien wie in Frankreich. Um Frankreich wettbewerbsfähiger zu machen, sollen die Arbeitsgeber um 13 Milliarden Euro entlastet werden. Zur Finanzierung soll ab Oktober die Mehrwertsteuer von 19,6 auf 21,2 Prozent erhöht werden.

Er hoffe, dass mit Anschaffungen, die die Franzosen vorher noch machen sollen, die Wirtschaft angekurbelt werde, sagte der konservative Staatschef. Als Vorbild nannte er auch die Reformpolitik des früheren deutschen Bundeskanzlers Gerhard Schröder (SPD).

Deutschland wird Sarkozy zunächst nicht bei dessen Vorpreschen zur Einführung einer Finanztransaktionssteuer folgen. Ein Sprecher von Finanzminister Wolfgang Schäuble verwies auf Vorschläge der EU-Kommission, auf deren Basis Deutschland Klarheit über eine Einführung dieser Steuer auf EU-Ebene gewinnen wolle. Die CSU begrüßte Sarkozys Vorstoß als beispielhaft und drückte aufs Tempo. Die SPD forderte Kanzlerin Angela Merkel auf, nun ebenfalls unverzüglich zu handeln. Der Bundesverband deutscher Banken dagegen sprach von einem Irrweg.

Opposition und Gewerkschaften sehen in einer Mehrwertsteuererhöhung eine Maßnahme, die vor allem die Unternehmer entlasten soll, während die Arbeitnehmer an Kaufkraft verlieren. Sarkozy will mit sogenannten "Wettbewerbsbündnissen" auch die 35-Stunden-Woche de facto abschaffen. Arbeitnehmer eines Betriebs sollen dadurch ihre Arbeitszeit der Auftragslage anpassen und beispielsweise auch auf Kurzarbeit wechseln können. Die Arbeitslosigkeit in Frankreich ist mit fast zehn Prozent so hoch wie seit zwölf Jahren nicht mehr.

Oppostion läuft Sturm gegen höhere Mehrwertsteuer

Die sozialistische Parteichefin Martine Aubry warf Sarkozy in einem Radiointerview vor, er habe zu Beginn seiner Amtszeit die Reichen begünstigt und wolle nun kurz vor Ablauf seiner Amtsperiode die Mittelschicht zahlen lassen. Aubry verwies im Sender RTL darauf, dass die Wettbewerbsfähigkeit auch in Deutschland nicht allein von niedrigen Lohnkosten abhänge. Der frühere sozialistische Premierminister Laurent Fabius hob im Sender Europe 1 hervor, wenn der Präsident wiedergewählt werde, dann werde es eine "Sarkozy-Mehrwertsteuer" geben. Der Wirtschaftsberater des sozialistischen Präsidentschaftskandidaten Francois Hollande, Michel Sapin, kündigte an, dass dieser im Falle seiner Wahl diese Steuererhöhung rückgängig machen würde.

Zahnlose Schmalspurvariante bei Finanzabgabe

Die globalisierungskritische Attac dagegen ist von der angekündigten Finanzabgabe wenig überzeugt. Es handele sich um einen kleinen - allerdings vorrangig symbolischen - erster Schritt auf dem Weg zu mehr Stabilität auf den Finanzmärkten, so Attac-Mann David Walch in einer Aussendung von Attac Österreich: "Postiv ist, dass Frankreich hier die Rolle eines Vorreiters einnehmen will und so der politische Druck auf eine Einführung in der Eurozone steigt. Das Urteil fällt allerdings ernüchternd aus, wenn man den konkreten Vorschlag beurteilt - es handelt sich um eine relativ zahnlose Schmalspurvariante."

Die französische FTT soll laut Attac nur den Aktienhandel und Kreditausfallsversicherungen (Credit Default Swaps, CDS) erfassen. Völlig ausgenommen seien hingegen der Anleihen-, Devisen-, sowie Derivatehandel. Walch: "Der Sarkozy-Plan bleibt weit hinter den ohnehin schon lückenhaften Vorschlägen der EU-Kommission zurück."

Sarkozy, der seine Kandidatur für die Präsidentschaftswahl im April und Mai noch nicht erklärt hat, liegt seit Monaten in Umfragen deutlich hinter dem Sozialisten Francois Hollande. Die jüngste Befragung des Meinungsforschungsinstituts OpinionWay sah den Sozialisten für den ersten Wahlgang am 22. April bei 27,5 Prozent und Sarkozy bei 24 Prozent. Sarkozys Ankündigung wird Ende Februar oder Anfang März erwartet. Auf Nachfragen sagte der Präsident am Sonntag lediglich: "Ich habe ein Rendezvous mit den Franzosen, und ich werde mich dem nicht entziehen." (APA/red, derStandard.at, 30.1.2012)

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n0mad
21
31.1.2012, 10:14
Sehen Sie sich bitte folgende Grafik noch einmal an

https://anony.ws/i/sh87E.jpg

und Urteilen Sie selbst wie viel Auswirkung eine 0,1% Besteuerung des Aktienhandels alleine haben kann...

Appropos
00
Panikmache für Laien

Bitte den Chart als reine Volksverdummung ignorieren.

Wenn 1 Byte über 20 Routerhops laufen, bleibt es 1 Byte und sind's nicht plötzlich 20.

Wenn in einem Tennisspiel 500 "Bälle" gespielt werden, so bleibt es doch 1 realer Ball.

Wenn ein Dollar durchs Bankensystem wandert bis er vom Sparer schlussendlich bei einem Kreditnehmer landet, oder vom Exporteur beim Importeur, dann gibts genauso keine wundersame Geldvermehrung.

Reine Panikmache sowas. Faszinierenderweise mit riesigem politischem Impact auf Normalbürger.

warp.faktor
04
31.1.2012, 06:46
Die asozialste Form ...

... den Schäden der freien Finanzmärkte abzudecken ist es, die MWSt. zu erhöhen. Damit werden die Ärmsten proportional am stärksten belastet.

1116er
00
30.1.2012, 18:09
auch sarkozy

holt sich das geld nicht von den dieben.
im gegenteil: er sackelt die bestohlenen noch zusätzlich aus.

ein wahnsinn:
eine massensteuer zur beseitigung der schäden eines systems, von dem wenige profitiert haben. das jene propagiert und pervertiert haben, deren einkommen und vermögen in kurzer zeit explodiert sind.

frankreich ist das muster, nach dem auch bei uns und allen anderen ländern vorgegangen werden wird.

ein überdeutliches zeichen, wo die macht zu hause ist.

1116er
00
30.1.2012, 18:01
bitte um information.

die präsidentenwahl findet im april/mai statt.
und sarkozy wird evtl nicht länger präsident sein.
doch die mehrwertsteuer-erhöhung wird per september erfolgen.
kann das so gemeint sein?

haxXor Jim Duggan
01
30.1.2012, 17:21
"... soll ab Oktober die Mehrwertsteuer von 19,6 auf 21,2 Prozent erhöht werden. Er hoffe, dass mit Anschaffungen, die die Franzosen vorher noch machen sollen, die Wirtschaft angekurbelt werde ..."

Grandioser Plan! Die Steuer erhöhen, damit die Leute sich zu Hamsterkäufen hinreißen lassen und so die Wirtschaft ankurbeln. Man sieht, hier wird vorausschauend und langfristig geplant ...

1116er
00
30.1.2012, 17:58
"Man sieht, hier wird vorausschauend und langfristig geplant ..."

eh.
oder halten sie einen zeithorizont bis april/mai nicht für langfristig?
;)

wuestenfuchs
00
30.1.2012, 17:13

interessant dass der konservative sarkozy hier dinge umsetzt, vor denen sich die österreichische sozialdemokratie fürchtet, weil sie sonst als kommunisten dargestellt würden...

ranchorelaxo
13
30.1.2012, 17:03
egal wohin man sieht ...

diesen rückgratlosen politkaschperln fällt echt nichts anderes ein als steuern zu erhöhen!
bloss nicht bei sich selbst den sparstift ansetzen...wenns nicht so traurig wäre würg

cookieberlin
00
30.1.2012, 17:31

Immerhin ist das der Beginn einer überfälligen Reformierung des Landes.
In fünf bis zehn Jahren kann die Ernte eingefahren werden.
Mal andersherum, hätte Österreich zu umfangreichen Reformen momentan überhaupt die Kraft?
Jetzt, wo noch ein kleines Zeitfenster da ist...bevor Euch die osteuropäischen Risiken um die Ohren fliegen?

Chris Quast
30
30.1.2012, 17:10

sparst du die gesamten politiker ein, kommt weniger rein als bei dieser schmalspurvariante wie sie es nennen.

naja ob das so vernünftig ist. soll ein weiser könig sagen wo es lang geht ?

andreas wreiser
 
00
30.1.2012, 16:59
Mogelpackung von Sarkozy, ist eine Abgabe nach dem Vorbild der britischen Stempelsteuer

dem kann sich sogar die FDP anfreunden.

http://www.stern.de/politik/f... 79912.html

system1
13
30.1.2012, 16:55
das nenn ich mal öffentlichen betrug....

die mehrwertsteuer um 1,6% erhöhen(!) und eine finanztransaktionssteuer von lumpigen 0,1% (!!!) einführen.... so kann man auch zum totengräber einer nation werden...

Elio Ambrosi
 
00
30.1.2012, 17:55
Milchmädchenrechnung

bei Geldtransaktionen wird jedesmal der Steuersatz eingehoben, die Mehrwertsteuer wird in der Leistungskette bis zum Endverbraucher immer rückvergütet.
Jedenfalls würde dieses 0,1% immerhin 1 Milliarde Euro pro Jahr bringen

LGM
11
30.1.2012, 22:10

Die eine Milliarde ist die Milchmädchenrechnung. Die Leute gehen bei der Kalkulation immer davon aus, dass der Markt nicht elastisch ist.
Wer kann, wird ins Ausland ausweichen -> weniger Steuer
Wer nicht ausweichen kann, wird nur mehr handeln, wenn es sich trotz Steuer auszahlt -> geringeres Transaktionsvolumen -> geringere Steuer.
Wie die Erwartung von der Realität abweicht, kann man schön am Ausgang des schwedischen Experimernts sehen-

Trombone53
 
00
30.1.2012, 16:21
Sarkozy, der Louis de Funès der Politik?

Zuerst inszeniert er das Gesetz der Genozid-Leugnung und jetzt das Gesetz für Finanztransaktionssteuer. Das erste ist ihm gelungen, das zweite traue ich ihm zu.

Obwohl Sarkozy ein Politclown wie viele andere ist, hat er mit Louis de Funès etwas gemeinsam: In seiner naiv, dummen Intuition macht er das, was beim Volk ankommt. Vielleicht hat er sogar Chancen wiedergewählt zu werden.

Falls auch Merkel wiedergewählt würde, hätte sie gleich einen Vertrauten.

grainsdecafe
23
30.1.2012, 16:19
Mehrwertsteuererhöhung

angepeilt sind 1,6% aber dann kommt sicher noch der Rundungsfaktor hinzu und schliesslich werden es sicherlich satte 5% die der Konsument für Alltagsprodukte zahlen muss. Im Gegenzug ist das Realeinkommen massiv rückläufig , da seit Jahren nicht einmal mehr die Inflation abgegolten wird.
Der Staat muss an die Reichen ran ... Kapitalflucht ? Wohin ? In die Schweiz ... eine Lachnummer... das Kapital kann nirgendwo mehr hin fliehen ..die Grossanleger raufen sich die Haare aus da Ihnen die ANlagagemöglichkeiten ausgehen... also liebes Kapital zieh deine Runden ,du kommst immer wieder zurück ..

Grunzbert
00
30.1.2012, 15:48
Sarkozy dreht sich wie fuer Populisten ueblich wie eine Fahne im Wind:

http://diepresse.com/home/wirt... e-TobinTax

Funk1
11
30.1.2012, 15:20
er will das kapital aus europa verscheuchen?

stoppt ihn

system1
10
30.1.2012, 16:57
eher verscheucht er die

arbeitende mittelschicht aus seinem land. die kann nämlich, im gegensatz zu kapital, flüge buchen....

Quasselmodo
22
30.1.2012, 16:34
Lächerliche Sprüche

Das Kapital verscheuchen. Wer so was schreibt, glaubt sicher auch, dass Geld arbeiten kann.

Mostbluzza
00
30.1.2012, 15:10
zweck ist alleinig,

die beruhigung der märkte und die herstellung von einnahmen. wie und was ist egal. frankreich steht das wasser bis zum halse, darum muss er jetzt im wahlkampf auch so massiv sparen.

schwester angela hat ihm wohl gesagt, tu was mein guter, wenn ihr die nächsten seid, ist alles aus und das sofort.

GR braucht die milliarden, portugal braucht 30 mrd natürlich auch sofort, solange der pot noch gefüllt ist.

aber die schönen geschichten spielen sich ja in der ezb ab. die dt. bundesbank verursachte eine kreditklemme, weil sie kein geld mehr aufnehmen will, für die kumpane im süden. woher auch nehmen und nicht stehlen, 500 mrd target 2 gelder sind auch kein pappenstiel und vermutlich verloren.

bald gehts dann an die eingeweide ... unsere.

warp.faktor
63
30.1.2012, 15:04
Worauf wartet die EU?

Die Finanztransaktionssteuer ist doch von allen gewünscht, ausgenommen von ...

* der FTP, aber die existiert ohnehin nur noch symbolisch
* GB, aber die haben keinen Euro und sollten deshalb nicht mitreden.

Die FTS ist bisher der einzige Ansatz, der auf die Ursachen der Krise Bezug nimmt!

Elio Ambrosi
 
00
30.1.2012, 17:58
wer ist die

FTP

warp.faktor
00
31.1.2012, 06:36
Tschuldigung FDP natürlich.

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