Wiener Südbahnhof für Nostalgiker

Ansichtssache | Jasmin Al-Kattib, 31. Jänner 2012, 12:06
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foto: roman bönsch

Der neue Bildband "Wien Südbahnhof. Bestand und Abbruch 2007-2010" porträtiert den Südbahnhof in den letzten zwei Jahren seines Betriebs, dokumentiert seinen Abbruch, gibt einen Ausblick auf den neuen Hauptbahnhof und liefert zudem einen Abriss über die historische Entwicklung des Bahnknotenpunkts südlich der Wiener Innenstadt.

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Keine große Kunst "einer der schönsten Bahnhöfe Europas" zu sein, wenn man die Schönsten ("Gründerzeit") ausnimmt.

Aber ganz ehrlich: Der Südbahnhof war immer schirch und wäre es auch geblieben. Ob der Neue jetzt besser wird, ist eine andere Sache.

Dem kann ich mich nicht anschließen. Der Südbahnhof war mit einem Wort: Trostlos. Das lag nicht am Erhaltungszustand, sondern schlicht an der Raumwirkung. Der Westbahnhof ist da um ein Vielfaches besser.

"dann wäre das bestimmt einer der schönsten Bahnhöfe Europas gewesen"

Das ist, mit Verlaub gesagt, Unsinn.
Natürlich hätte man mit ein wenig Sorgfalt vieles besser gestalten und so einen ganz ansehnlichen Bahnhof zustande bringen können, aber realistisch ist das nicht. Das Problem war ja gerade, dass für die Haupthalle kein Kompromiss zwischen Ästhetik und moderner Funtionalität möglich war.
Ansehnlichkeit hätte bedeutet, einen Großteil der Cafes, Geschäfte, Wettbüros, Automaten, Rolltreppen etc. zu entfernen. So hat man diese Serviceinrichtungen - wohl zurecht - alle untergebracht aber dafür halt den Gesamteindruck geopfert.

Die Geschmäcker unterscheiden sich?

Ja klar, aber dass das beim alten Südbahnhof der Fall sein soll, hab ich in den letzten 20 Jahren noch *nie* gehört.

mich würde interessieren was an diesem Südbahnhof schön gewesen sein soll?

Da kann es doch nur um persönliche Erinnerungen gehen, oder?

persönliche erinnerung

in den 60 igern (vor 1965 - dann taunus 12m) an der hand des vaters von der rosatante aus dem weinviertel, mit dreißig eiern, jedes einzelne in ein auf ca. a4 gerissenes zeitungspapier gewickelt, im ostteil am sonntag abend um 1/2 8 uhr ankommen...

ja,ja, die kindheitserinnerungen...

an eine schöne, aufregende zeit.
besonders bahnhöfe haben da etwas von aufbruch, vorfreude und endlich etwas wie ankommen, daheim sein.
selbst der alte schiache kostn südbahnhof.
es ist eben nix mehr von dauer.
alles schnell und neu und kriminell.
kein heimkommen, gehn.
rastlos weiter, immer anders, neu und ohne wert.

Nicht-Orte

Statt Raum, der den Anspruch hat, Raum zu sein, Tor, Bauch - Nicht-Orte. In Funktion hinein aufgelöste Formlosigkeit, sich sich selbst zum Verschwinden bringen möchte mit Glas und synthetisch (nur Statik zählt, dann ist jedes Material gefragt) aufs Minimum reduzierte Gerippe. Als Weltort gilt dann, was auf Welt hin durchlässig ist, während sich genau diese Welt auflöst.

Aber praktisch ist's ... Nur kein Leben mehr. Jeder muß zukünftig die Welt mit sich herzumtragen und ständig behaupten. Oder sich einfach Scheuklappen aufsetzen, und Kopfhörer auf, um durch die Nicht-Welt zu gehen, um zu übersehen, daß es nichts wahrzunehmen gibt.

Auch ich habe den Südbahnhof geliebt - er hatte Charakter. Was habe ich dort erlebt!

ooh ja...

war ich doch in den letzten 1o jahren nur mehr dann und wann kommender und gehender am alten süd,
kaufte ich mir doch ein bier, o an schnön kaffee.
und sie wurden immer weniger, die an der stehschenke,
von rauch, alk und moder stinkend, stoppelbärtig, fett
wie a eckhaus, aus müden augen starrend an mir vorbei
fragend, host an tschik?
das war ein stück wien, ein ehrliches.
kommende, gehende, dazwischen wartende, nicht wissend worauf...
für ein bier und a paar tschik konnte man eine stunde solo conference
bekommen, nicht wissend, ob wahr, oder erdacht.
aber oft glänzend dargeboten.
aus maus.

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