Kommentar von Gudrun Harrer

Die Karawane zieht weiter

Kommentar | Gudrun Harrer, 29. Jänner 2012, 18:39

Beim Atomstreit mit Teheran geht es längst nicht mehr um den Anreicherungsstopp

Das haben wir alles schon einmal gehabt: Die Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEO) treffen im Iran ein; Teheran sichert treuherzig seine Kooperationsbereitschaft dabei zu, alle ausständigen Fragen zu klären; die "westlichen Diplomaten", die nicht zitiert werden wollen und immer aus denselben Ländern stammen, äußern sich pessimistisch; und die "unabhängigen Experten" , die sehr oft aus Anti-Iran-Lobbying-Kreisen kommen (was in den Medien nicht dazugesagt wird), kritisieren, dass die IAEO dem Iran wieder einen Zeitgewinn verschafft.

Nicht dass Letztere in dieser Beziehung unrecht hätten. Die Frage ist nur, wozu dieser Zeitgewinn dient: bereits konkret zum Bau einer Bombe, wie diese Experten entgegen den Ansichten der Geheimdienste (auch des israelischen) sagen, oder beim technologischen Sprung nach vorn, der den Iran den kompletten Nuklearbrennstoffzyklus meistern lässt. Und dass der Iran nebenbei an allen technischen Aspekten zu Nuklearwaffen forscht und arbeitet oder zumindest geforscht und gearbeitet hat, daran besteht auch wenig Zweifel.

Vielen Kommentatoren - und Konsumenten dieser Kommentare - sind diese Unterschiede natürlich egal, auch wenn sie rechtlich und politisch relevant sind. Aber während von der Bombe geredet wird, schafft es der Iran meisterhaft, das abzusichern, was er in den vergangenen Jahren erreicht hat: eine trotz interner technischer Schwierigkeiten und von außen kommender Cyberwar-Angriffe an Schwung gewinnende Urananreicherung. Genau diese Anreicherung ist ja der Inhalt der Uno-Sicherheitsratsresolutionen, deren Umsetzung vom Iran immer wieder eingefordert wird. Teheran soll sein Urananreicherungsprogramm suspendieren, nach dem Willen der Iran-Falken überhaupt für immer aufgeben.

Darauf wird gepocht, wenn man einem Vertreter der Iran-Antagonisten ein Mikrofon unter die Nase hält oder auch dem Uno-Generalsekretär Ban Ki-moon beim Weltwirtschaftsforum in Davos. Auch wenn niemand mehr daran glaubt. In Wahrheit hat sich die Diskussion längst weiterbewegt, nämlich zur Frage: Wie kann die Überwachung von Irans Urananreicherungsprogramm so gestärkt werden, dass ein Militärwaffenprogramm ausgeschlossen werden kann? Einen großen Schritt weiter geht die Diskussion um die Frage, wie mit einem Iran umzugehen sei, der die Fähigkeit hat, Atomwaffen zu bauen, oder, noch weiter, solche gebaut hat. Und welche Auswirkungen das auf andere Länder in der Region haben wird.

An einen Militärschlag als Lösung glaubt eigentlich keiner der wirklich unabhängigen Experten. Die Kosten-Nutzen-Rechnung geht einfach nicht auf. Abgesehen davon, dass der militärische Erfolg ungewiss wäre, werden die asymmetrischen Methoden, mit denen der Iran zurückschlagen könnte, aktuell als gefährlicher eingestuft als die noch nicht existierende Bombe.

Die Militärschlagsdrohung ist das wirksamste Mittel, die internationale Gemeinschaft auf Sanktionen, die in Richtung totale wirtschaftliche Isolation des Iran gehen, einzuschwören. Gleichzeitig wird die IAEO die Erfahrungen aus den - erfolgreichen, schon vergessen? - Irak-Inspektionen aus den 1990er-Jahren dazu benützen, einen Überwachungsplan für Irans Atomindustrie zu entwerfen. Teheran hat viel zu gewinnen, wenn es da mitmacht - unter anderem die Akzeptanz seines Anreicherungsprogramms. (DER STANDARD, Printausgabe, 30.1.2012)

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1 2
"Able Danger"
01
30.1.2012, 17:25
"was in den Medien nicht dazugesagt wird"

Hallo??

IHR seid "die Medien", zumindest eines davon. Also geht doch mal mit gutem Beispiel voran und sagt solche Dinge dazu.

sollte-passwort-ändern
 
15
30.1.2012, 13:43
Verwirrt oder verwirren wollend??

Die IAEO kontrolliert ohnehin bereits laufend und der Iran spielt ohnehin bereits laufend mit. Die Militärschlagsdrohung ist also nicht zur Unterwerfung des Irans ständig am Tapet, sondern zur Gewöhnung der westlichen Öffentlichkeit, westliche Kriegsverbrechen als ganz normale politische Handlung des humanen westlichen Geistes zu betrachten. Und so ganz nebenbei und beiläufig streut Frau Harrer den unbewiesenen Verdacht als völlig feststehende Tatsache ein, um die Kriegspropaganda wirksamer werden zu lassen. Es geht um Kriegspropaganda, werte Frau Harrer, und nicht um eine nicht vorhandene Katze im vollkommen abgedunkelten Raum. Zu deren Habhaftmachung man wieder die Bomber ausschicken muß.

Arco Piloto
00
30.1.2012, 18:18
Ergänzung:

Meines Wissens wurden die größten Ölreserven in folgenden Ländern festgestellt: Saudi-Arabien (mit Abstand), dann Iran, Irak. Was folgt daraus? Einfach zum Nachdenken...

Don Quixote1
03
30.1.2012, 17:46
Unendliches Wachstum braucht die Zerstörung.

Es wird ein Krieg vorbereitet, man will einen Krieg führen. Da kommt etwas ganz schlimmes auf uns zu und ich kann nicht die Gewissheit haben, dass wir die Guten sind.
Es ist Zeit, dass Politik aufhört mit Geheimdiplomatie, Täuschung und Geheimdienste zu arbeiten. Verständigung muss auf Vertrauen und Transparenz basieren, sonst eskaliert es immer wieder wie seit Jahrhunderten.

Klaus Woltron
02
30.1.2012, 12:52
.....irgendwann in den nächsten 20 Monaten....

....werden wir in den Frühnachrichten hören, dass es gegen "nuklear relevante Ziele im Iran" einen überraschenden Militärschlag" gegeben hat. Read my lips.

Harry Meier
 
00
30.1.2012, 12:45
Die IAEO kann aber auch nur jene Anlagen kontrollieren

.. die vom Iran als solche angegeben werden. Die Anlage von Fordo ist erst seit 2009 bekannt.

Logyal
03
30.1.2012, 12:15
Fragliche Sanktionen

-China und Indien sind ebenfalls öldurstig...

Was beunruhigt, ist "Säbelrasseln": Vor ein paar Tagen winkte Obama "unter Protest" neue Rüstungsinvestitionen durch.
In allen Wirschaftskrisen suchte man zu einem von der Rüstungsindustrie gepushtem Wachstum (ja, die Arbeitsplätze...) Zuflucht, was irgendwann in die nächste Ebene (wo aus den unzufriedenen Arbeitern "Soldaten" werden) "Krieg" überging.

Arthur Harald Lambauer
 
01
30.1.2012, 10:44
Ad: "Genau diese Anreicherung ist ja der Inhalt der Uno-Sicherheitsratsresolutionen, deren Umsetzung vom Iran immer wieder eingefordert wird. Teheran soll sein Urananreicherungsprogramm suspendieren [...]."

"...to be verified by the IAEA." - So heißt es in den Resolutionen des SR jeweils in Bezug auf die Aufforderung, "Sensitives" aufzuschieben. Und dieses Zitat lässt sich auch dahin übersetzen, dass das aufgeschoben werden soll, was die IAEA als sensitiv verifiziert.

Der Ball liegt demnach bei der IAEA, die aber nicht imstande ist, ihn abzuschießen, weil ihr offenbar das know how fehlt, was die Mängel im safeguard-System des NPT-IAEA-Statuten-System aufzeigt, die nicht Iran angelastet werden dürfen, sondern tunlichst und multilateral unter den NPT-Mitgliedern beseitigt werden muss.

Arthur Harald Lambauer
 
03
30.1.2012, 10:49
P.S.: Insgesamt aber, und unterm Strich, ein gelungener Kommentar.

;-)

Kontrahent1
02
30.1.2012, 12:31
Frau Harrer bringt es auf den Punkt.-

Nur sollte man beachten, daß der Iran den Atomwaffensperrvertrag unterschrieben hat. Die Perser sind keine Araber, denen das Täuschen der Ungläubigen ohne weiteres erlaubt ist und bevor man andere Erfahrungen hat, ist es unredlich, ohne Beweis etwas zu unterstellen. Hier fürchten Atommächte, daß der Iran autark wird und ohne teure Hilfe von aussen Forschung und Energieversorgung betreiben kann.

tka
03
30.1.2012, 08:42
leichte verbesserung feststellbar

meine mich zu erinnern, dass bis vor wenigen monaten die guha die west/US propaganda linie noch auf punkt und komma mitgetragen hat, mittlerweile kann man sogar schon fast kritik am westlichen wirtschafts- und terrorkrieg gegen den iran heraushören. und nichts anderes sind sanktionen und die ermordung und (cyber)sabotage.
ein aufrichtiger kommentar zu dem thema müsste allerdings auch die rolle der EU und österreich als willfährige erfüllungsgehilfen der US kriegsmaschine in bezug auf sanktionen etc in frage stellen.
außerdem stellt sich die frage, wie sich irgendjemand das recht herausnimmt, einem anderen land zu befehlen welche technologien es erforschen und entwickeln darf. können die US genauso österreich verbieten, a-waffen zu bauen?

Briareos
00
30.1.2012, 11:37
können die US genauso österreich verbieten, a-waffen zu bauen?

Das brauchen die USA Österreich nicht verbieten, denn das haben wir uns selbst verboten - mit der Unterzeichnung des Atomwaffensperrvertrages.

Fritz Meyer
01
30.1.2012, 08:10
Auftakt zum Ersten Weltkrieg - Neuauflage

Die Grossmächte rasseln mit den Säbeln, die Nationen, die sich unter ihrem Schutz sicher wähnen, spielen "va banque" und am Ende wird's fürchterlich schiefgehen.

Oder auf die jetzigen Verhältnisse übertragen...

Der Iran geht davon aus, dass die USA schon keinen weiteren Krieg vom Zaun brechen, weil's dort unten schon drei am verlieren sind und China sowie die Russen genug Druck machen werden.

Araquin
05
30.1.2012, 06:45
Alternative?

In den amerikanischen Radio- und Fernsehsendern macht der alte Brzezinski gerade die Talkshow-Runde (weil er ein neues Buch promoten will) und schlägt sinngemäß vor, daß wenn das einzige atomwaffenbesitzende Land im Nahen Osten sich trotzdem vom Iran bedroht fühle - also diesen vermeintlichen Schutzschild eh nicht als solchen sehe - dann könnte es ja dem Iran beiderseitige Atomwaffenabrüstung anbieten.

Finde ich zumindest einmal etwas origineller als das übliche Säbelrasseln.

paolo
01
30.1.2012, 00:46
uuh, wer hält länger durch

us ohne öl
oder
iran ohne geld

poster1231
00
30.1.2012, 08:13

...nicht nur der iran hat öl...

Killer Bunny
00
30.1.2012, 08:08

Die Ausfälle vom Iran sind von den Saudis aufgefangen worden. Wie geht also die Rechnung?

Yar Ali
50
29.1.2012, 23:09
gott hat das schon besiegelt, das ungläubige darüber diskutieren, ist schon hinfällig ... oder stellt ihr euch über gott ? (bibel) .... oder stellt ihr euch gott gleich? (koran)

dr.b.
164
29.1.2012, 21:40
wer die perser kennt...

weiss, dass es voellig aussichtslos ist mit ihnen zu verhandeln.
Fuer sie ist das alles ein Basar, was versprochen wurde, ist morgen nicht mehr existent.
Eine Mentalitaet, die dem sogenannten aufgeklaerten Westen als Schwaechling sieht.
Die wollen die Bombe- so oder so.
Und der Praesident (der nicht unbedingt zu den Nobelpreistraegern gerechnet werden kann) wird sie auch gegen Israel einsetzen- und auch wenn es nur darum geht, bei den Islamisten als Unsterblicher ins Paradies einzugehen (wohin er auch schon lange hingehoert...)

Rose Bud
00
30.1.2012, 17:19
Das ist einfach nur Unsinn, was Du da absonderst...

Und obendrein ziemlich rassistisch.

WarpX
20
29.1.2012, 22:24
Die Perser ...

Eine Unterscheidung wäre notwendig.
Im Falle von einem totalitären Staates ist es eine Beleidigung des Vlokes (die Perser).

"Die Perse" könnten mit einer Atombombe auch die Israilis nichts antun, denn Palestina ist ja daneben!

LGM
00
30.1.2012, 21:18

Als ob Palästina die arabische Welt oder den Iran jemals gekratzt hätte

Müllers Mops
07
29.1.2012, 21:05
"Wie kann die Überwachung von Irans Urananreicherungsprogramm..

..so gestärkt werden, dass ein Militärwaffenprogramm ausgeschlossen werden kann?"

In dem man nicht Iranische Atomwissenschaftler vom Leben in den Tod befördert, in dem man nicht Cyberangriffe auf Iranische Atom- und Industrieanlagen durchführt.
Und diese auch nicht befürwortet, schon gar nicht von einer so offiziellen Seite her, wie dem SWP. Der ja quasi als Berater desr Deutschen Bundestages fungiert.
Aber gleichzeitig Verhandlungen (auf Augenhöhe??)
fordern. Eigentlich ist schon Krieg. Geheimdienstkrieg.

Wenn ich Indianer wäre,würde ich anhand oben beschriebener Vorkommnisse sagen:
Die Bleichgesichter sprechen mit gespaltener Zunge

santa fe
 
01
30.1.2012, 12:51

die bleichgesichter haben ein gespaltenes ich. sie zerstören alles, weil sie alles haben wollen. und sie verstehen nicht, dass sie zum "alles" gehören.

santa fe
 
28
29.1.2012, 20:50
ein militärschlag gegen den iran ist leider nicht auszuschliessen, er könnte viel mehr bereits beschlossen worden sein.

die ereignisse in syrien, dem engsten verbündeten des iran in der arabischen welt, könnten sehr leicht zum casus belli gegen teheran führen, indem die unterstützung des assad-regimes als unakzeptable bedrohung der angeblichen demokratisierung der arabischen welt hochgespielt wird.

diese angebliche demokratisierung bewirkt in wirklichkeit ein ebenso eskalierendes wie grauenhaftes bürgerkriegs-chaos, das seit 1991 bereits mehr als 2 millionen menschen das leben gekostet und noch mehr für immer verkrüppelt hat.

cui bono? in wirklichkeit geht es um einen wettlauf mit china um die kontrolle des grössten erdölgebiets der erde. china setzt auf diplomatie, wir, der westen, auf krieg, letztlich auch mit china.

wir sind mitverantwortlich.

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