Volksbegehren für Demokratie

Kein Luxusproblem

Kommentar | Thomas Neuhold, 29. Jänner 2012, 18:26

Trotz mancher Streitpunkte wollen die politisch Altvorderen das Richtige: verkrustete Strukturen aufbrechen

Die Initiative der politischen Altspatzen zur Reform der politischen Institutionen - oder soll man sagen, zur Rettung des Parlamentarismus? - ist für Österreich etwas Besonderes: ein Vorstoß zur Demokratiereform über alle Parteigrenzen hinweg. Dass so etwas nur von solchen kommt, die ein "Ex" vor der Funktionsbezeichnung tragen, sagt viel über die Aktiven aus.

Gewiss, man kann über einige Punkte des Begehrens streiten. Mehr Persönlichkeitswahlrecht und damit mehr unabhängige Abgeordnete klingt gut. In einer Zeit ohne Weltanschauungen und Programme, dafür mit Marketing und Rhetorik birgt das auch Gefahren. Karl-Heinz Unschuldsvermutung wäre auch gewählt worden. Und die im Volksbegehrenstext enthaltene Stärkung des Parlaments wie auch der direkten Demokratie in einem hat zumindest einmal ein Spannungsverhältnis in sich. Trotzdem, die politisch Altvorderen wollen das Richtige: verkrustete Strukturen aufbrechen, ohne dem Rechtspopulismus Raum zu geben, eher in der Hoffnung, ihm Raum zu nehmen.

Ob sie dafür genügend Unterstützung finden? Das wird davon abhängen, ob es gelingt, den Menschen klarzumachen, dass der Zustand der politischen Organe auch etwas mit ihrem Leben, ihren sozialen Problemen zu tun hat. Gelingt es nicht, von der reinen Institutionenreform den Bogen zu sozialen Fragen zu spannen, werden viele das Volksbegehren als Luxusproblem "von denen da oben" abtun. (DER STANDARD, Printausgabe, 30.1.2012)

1116er
10
30.1.2012, 19:33
meine unterstützung wird es nur geben für ein gesamtpaket.

mit recht detailliert beschriebenen änderungen.

was bis jetzt lt. artikel auf dem tisch liegt, ist ein einziges schwammiges gebilde.

was ich sicher nicht unterstützen werde, ist ein bündel von einzelmaßnahmen.
mit einzelmaßnahmen wurschteln wir uns schon seit jahrzehnten durch. DAS ist die wahre ursache für die "verkrustung".
in bezug auf demokratie wären einzelmaßnahmen nur weitere krätzen auf unserem geschundenen körper!

obibiber
00
30.1.2012, 09:15

"werden viele das Volksbegehren als Luxusproblem "von denen da oben" abtun."

wer würde das als luxusproblem abtun? so blöd sind die leute nun auch wieder nicht, dass sie den zusammenhang zwischen ihrem leben und politischen verhältnissen nicht herstellen können, insbesondere bei der thematik demokratie-stärkung...
hier geht's ja nicht um die frage, ob in den salat eine hell- oder dunkelgrüne gurke kommt. dass demokratie relevant ist, erkennen wohl die allermeisten...

Jepedaia Springfield
10
30.1.2012, 08:05
eine Sterkung des Parlaments und der direkten Demokratie ist nötig

beides wird sich wunderbar ergänzen. Wie man in der Schweiz sieht.

1116er
10
30.1.2012, 19:34

keine ahnung von der schweiz!

frank franki
02
29.1.2012, 21:14

Es gibt kein Spannungsverhältnis zwischen "Stärkung des Parlaments" und "direkter Demokratie". Mit "direkter Demokratie" sind ohnehin nur "direkt-demokratische Elemente" ergänzend zum jetztigen System gemeint.

Beides ist notwendig und längst überfällig.

1116er
00
30.1.2012, 19:36
vor ca 2 jahren gab es eine umfrage,

wen die österreicher "direkt-demokratisch" zum bundeskanzler wählen würden:

1. platz: hermann maier
2. platz: niki lauda

frank franki
00
30.1.2012, 21:29

Mhmmm, bestimmt...

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