EU-Staaten kritisieren Berlin

Die deutsche Verpflichtung

Kommentar | Thomas Mayer , 29. Jänner 2012, 18:09

So eindringlich wie Marcel Reich-Ranicki hat schon lange keiner mehr erklärt, was wir an Europa haben

Es gibt Reden großer Menschen, die man sein Leben lang nicht vergisst. Eine solche hat François Mitterrand 1995 im EU-Parlament in Straßburg gehalten. Von einer Krebserkrankung schwer gezeichnet, erzählte der französische Präsident sein Leben, von Erfahrungen mit den Deutschen, vom Krieg, vom Leid der Menschen, von Aussöhnung. Er beendete sie mit dem Satz: "Nationalismus, das ist Krieg!" Dann ging er. Nicht wenigen Zuhörern im Plenum liefen die Tränen über das Gesicht. Monate später war Mitterrand tot, seine Rede ein Vermächtnis.

Nun hat Marcel Reich-Ranicki eine Schlüsselrede gehalten, im Bundestag, am Jahrestag der Befreiung des KZ Auschwitz. Der aus Polen stammende Literaturkritiker erzählte in einfachen Worten, was er am 22. Juli 1942 im Warschauer Ghetto als Übersetzer erlebte. Es war der Tag, an dem SS-Sturmbannführer Höfle (ein Österreicher) die Deportation hunderttausender Juden nach Treblinka anordnete. Er schloss mit den Worten: Die "Umsiedlung" hatte "nur ein Ziel, sie hatte nur einen Zweck: den Tod".

Da blieb es ewig lange still unter den Abgeordneten. Über Europa, neuen Nationalismus, Eurokrise, den Sinn von Solidarität verlor Reich-Ranicki kein Wort. Dennoch: So eindringlich hat schon lange keiner mehr erklärt, was wir an Europa haben, dass Geschichte lebt. Deutsches Auftrumpfen über andere Nationen braucht niemand. Gefragt ist deutsche (und österreichische) Verantwortung. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 30.1.2012)

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Posting 1 bis 25 von 27
1 2
Attila der Hunnenkönig
 
07
30.1.2012, 11:12
Die Nachkriegsgeneration,

stellt heute schon die Mehrheit der Bevölkerung in Deutschland und Österreich. Eine Verantwortung haben beide Staaten für die Erinnerung an die schrecklichen Ereignisse des 2. Weltkriegs, jedoch haben beide Staaten eine noch größere Verantwortung für die Zukunft von Europa und ihrer Staaten. Das kann daher nicht sein mit der Gießkanne das Geld in Europa zu verteilen.

durchausbeinander
15
30.1.2012, 10:44
ich verstehe nicht

was sie damit sagen wollen Herr Mayer - zahlts einfach, weil ihr seid geschichtlich verschuldet?
welche zukunft hat so ein konzept?
wie lange können staaten die eigentlich selbst schwer verschuldet sind, und deren bürger schon vielfach den gürtel sehr eng schnallen müssen, zahlen?

Stahl_____666
07
30.1.2012, 09:09
.

Hr. Mayer soll dann bitte aber auch dazuschreiben, was die wirtschaftliche Vormachtstellung Deutschlands in Europa mit den Ereignissen im WWII zu tun haben.

Deutschland übernimmt millardenschwere Verantwortung in Europa, wird aber sicher keine Almosen verteilen.

Dazu besteht, auch wenn es im letzten Jahrhundert zwei Kriege militärisch verloren hat, überhaupt kein Grund.

Kontrahent1
02
30.1.2012, 12:54
Ach, da werden Sie gleich zu hören bekommen,

daß man in den plattgebobten Städten ja Carepakete veteilte und einen Marshall-Plan installierte. Ausserdem kamen tausende Gastarbeiter, welche Deutschland wieder aufbauten, während sich die Deutschen auf Mallorca die Sonne auf den Bauch scheinen ließen;-)

so so ....
30
30.1.2012, 08:54

Versteht irgendwer, warum sich die Stahlhelme (im Unterschied zu ihren intelligenzbegabten deutschen Mitbürgern) weltweid selbstmitleidsvoll als Zahlmeister inszenieren ?

Freunde, wir brauchen Euren Verstand ! Bitte liefern.

Anton Friesl
01
29.1.2012, 23:41
Strenge Rechnung - gute Freunde.,.

Intelligenzplebejer
222
29.1.2012, 23:30
Recht plumper Versuch...

... die Geschichte für die aktuelle Tagespolitik zu instrumentalisieren und den Deutschen ein schlechtes Gewissen einzureden in der Hoffnung, sie würden sodann mit gesenktem Haupte ganz tief in die eigene Brieftasche greifen.

Kontrahent1
01
30.1.2012, 12:55
Funktionierte aber

bis jetzt recht gut;-)

Poldi Fesch
00
29.1.2012, 22:38
und wer kritisiert jetzt

D ? Von ein paar Legaclowns einmal abgesehen

bingoX
119
29.1.2012, 22:13
Nationalistisch

sind eher Staaten wie Griechenland und Italien, die das Eigenwohl über das Gemeinwohl stellen!

Zenith1
216
29.1.2012, 21:25
Ach ja...

Nationalismus ist pfui bei Deutschen, Österreichern... Bei Franzosen, Italiener, Briten ist es Patriotismuns, mindestens.

maxbz
315
29.1.2012, 21:00
Gefragt ist deutsches Geld,

das man überall in Europa gerne nimmt.

the_suck
11
29.1.2012, 23:43

die Griechen sind wie ein beleidigtes Kind und nutzen dann eben auch unpassende Beleidigungen für die Hand die sie füttert ...

aber mal ehrlich, die sind Bankrott und werden nur noch von ein paar EU Ländern durch Geld am leben gehalten, dem Geld der Steuerzahler, denn die EU hat kein Geld, was machen die Griechen? sie kaufen mal für 4,3 Milliarden ein paar Kampfjets, mann muss schließlich Prioritäten setzen ... und dann wundern sie sich wenn man ihnen einen Aufpasser zur Seite stellen will

Ed Sackbauer
21
30.1.2012, 10:57

die meisten waffen, die die griechen kaufen sind aus deutscher produktion, sichern deutsche arbeitsplätze..

dann gibt es noch einen haufen aus frankreich.

sowohl D als auch F pochen nicht darauf diese order zu stornieren, sondern auf deren einhaltung.

das ist nur ein beispiel, aber das bild ist komplex und erlaubt nicht nur eine perspektive.

the_suck
10
30.1.2012, 13:30

na dann sollns uns mal das Geld für die Eurofighter wiedergeben, wenns so ausschaut

btw die Kampfflugzeuge die die Griechen haben, sind aus US Produktion, somit kannst dir dein Gschichtl in die Haare schmieren

Kontrahent1
00
30.1.2012, 12:58
Die kleine Firma Rheinmetall

wäre mit ihren Arbeitsplätzen leicht zu verschmerzen und die Werften haben sich schon vor geraumer Zeit gesund geschrumpft. Nein nein, die Waffen kommen wohl woanders her.

abalada
00
30.1.2012, 17:03

Die "deutschen" U-Boote für Griechenland wurden auf den Hellenic Shipyards gebaut. Also in erster Linie griechische Arbeitsplätze.

Thomas Bayer
38
29.1.2012, 20:48
Gefragt ist

deutsches Geld. Wenn das so weitergeht wird man in 100 Jahren sagen: Der Euro, das ist Krieg.

kleiner Schelm
510
29.1.2012, 22:12

Drum wäre es besser - trotz aller Vorteile - den Euro möglichst schnell wieder abzuschaffen.

Getrennte Kassen - kein Streit - kein Krieg.

Wladimir Burdajewicz
 
104
29.1.2012, 21:32
Gefragt ist deutsches Geld.

Glauben Sie wirklich das Millionen von Toten, Zerstörung in Billionenmilliarden Höhe Reichsmark (oder €, rechnen wie Sie wollen) an Gut und Haben, können Sie mit Geld ersetzen. Die, die diese Unheil eingerichtet haben sollten wenigsten alles tun um nichts aus dieser Zeit zu vergessen. Dazu gehört Erhaltung und Pflege der verbliebenen Gedenkstätten.

Ed Sackbauer
12
30.1.2012, 11:20

Stimmt vollkommen, aber was ist mit den Verwüstungen Ludwigs XIV in D, oder jener der Schweden in Mitteleuropa im 30-jährigen Krieg, oder die mörderischen Germanenzüge der Römer..?

Irgendwann sollte man im 21. jhdt. ankommen und kapieren, dass nichts Gutes dabei herauskommt, wenn Geschichte instrumentaliert wird. So oder so.

le chat botté
01
30.1.2012, 14:33

Beispiele zur gegenseitigen Aufrechnung gibt es in Europa endlos viele und lassen sich ganz nach Belieben bzw. Perspektive instrumentalisieren.

Gerade deshalb kann man die historische Leistung der Verständigung und Zusammenarbeit in einem gemeinsamen Staatenverbund nicht hoch genug einschätzen.

Wladimir Burdajewicz
 
21
30.1.2012, 12:04
Stimmt vollkommen, aber was ist mit den Verwüstungen Ludwigs XIV in D, oder jener der Schweden in Mitteleuropa im 30-jährigen Krieg, oder die mörderischen Germanenzüge der Römer..?

Also Unheil der neuesten Geschichte, wo industrielle Vernichtung der ganzen Völker mit irgend welchen Kriegen, wo zwischen verschiedenen Völkern oder eigenen Völkern (die hat schon immer gegeben, Preußen gegen Deutsch-stämmigen Österreichern beispielsweise) ist einfach nicht zulässig. Wenn ich meine "industrielle" heißt mit Bedacht und raffiniert mit allen nicht vergleichbarer Brutalität und Konsequenz. Und da können Sie aufzählen was Sie wollen, der II WK war beispiellos.

Ed Sackbauer
00
30.1.2012, 17:52

Ich werde Ihnen damit sicher nicht widersprechen. Die Schuld, die man auf sich geladen hat, ist unendlich.

Aber sagen Sie mal: wenn nach dem 2. WK etwas NOCH beispielloseres folgt, sind dann die Grauslichkeiten des 2.WKs genauso vergessen wie die vielen die Grauslichkeiten davor? Nach ihrer Logik, ja.

Anders gefragt: und sind sie NICHT vergessen, wenn NIX noch grauslicheres kommt..?

Sprich: wie lange ist die Halbwertszeit von Grauslichkeiten in der Historie im Sinne von Schuld und Sühne und Moral?

Wann mutiert das Grausliche zu reiner Geschichtswissenschaft (wie das Bellum Gallicum ja auch)?

Wladimir Burdajewicz
 
00
31.1.2012, 12:48
Aber sagen Sie mal: wenn nach dem 2. WK etwas NOCH beispielloseres folgt

Ich will nicht jetzt abwiegen welcher Feiertage wichtiger sind, Weihnachten oder Ostern, aber Sie sollten sich konzentrieren an "industrielle Vernichtung der Völker". Bedacht, seit Jahren mit gewissen Mechanismen geplant, überlegt, "Innovativ" und immer wieder Mordkapazität verbessert, mit einer nie dagewesenen Konsequenz (die letzten Juden /400000/ wurden noch nach "gelaufenem" Krieg in die Todeslager eingeliefert). Sie erwähnen 30 Jährigen Krieg. Die meisten Toten waren aber damals an Seuchen verstorben, und nicht an einem Genozid der Völker.

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