FPÖ-Begriffsverwirrung am Auschwitz-Gedenktag

Blog | Rubina Möhring, 29. Jänner 2012, 18:16
  • FPÖ-Chef Strache (l.) dürfte vor allem ein sehr individuelles Basiswissen über demokratiepolitische Werte haben. Demonstranten draußen vor der Tür nennt er antidemokratische Gewalttäter.
    foto: apa/fayer

    FPÖ-Chef Strache (l.) dürfte vor allem ein sehr individuelles Basiswissen über demokratiepolitische Werte haben. Demonstranten draußen vor der Tür nennt er antidemokratische Gewalttäter.

Jeder Bürger kann frei reden, schreiben und drucken, vorbehaltlich seiner Verantwortlichkeit für den Missbrauch von durch das Gesetz bestimmten Fällen

Erledigt. In aller Ehre und mancher Unehre wurde in Wien am 27. Jänner der "Auschwitz-Tag" - der internationale Gedenktag zur Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz vor 67 Jahren - über die Bühne gebracht. Welche Erinnerungen bleiben? Dank der Medien konnten alle überall dabei sein: vormittags beim Gedenken auf dem Wiener Heldenplatz, abends ebendort bei der Großdemo gegen alte und neue Ewiggestrige, dann beim Eingang der Wiener Hofburg zum Burschenschafterball. Nicht jedoch beim Ball selbst. Die Teilnehmer wollten unbehelligt bleiben. Nur die APA durfte hinein. Allerdings sagt gerade in solchen Fällen untersagte Information mehr aus als tausend Worte oder Bilder.

Ein "ZiB2"-Team fängt vor der Hofburg männliche Ballgäste ein, die angesichts der Kamera die Gesichter mit ihren Korporationskapperln verdecken. Warum eigentlich? Genieren sie sich für ihre Teilnahme an strammer Walzerseligkeit am Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust? Drinnen gerieren sich die Burschen weniger g'schamig und amüsieren sich bis 5.00 Uhr in der Früh bei Wein, Vaterlandsliebe und Burschenschaftsherrlichkeit. Es bedarf keiner sonderlichen Fantasie, um sich vorzustellen, dass Auschwitz dort kein Thema gewesen sein dürfte. Möglicherweise hat man sich sogar zu Strauss'schen Walzerklängen über die Empörung draußen lustig gemacht. Eins, zwei drei, eins, zwei, drei ...

In Deutschland übertragen am selben Tag TV-Sender live die Gedenkrede des Kulturjournalisten Marcel Reich-Ranicki vor dem versammelten deutschen Parlament in Berlin. Auch alle großen Zeitungen bieten auf ihren Websites die Rede an.

Ein zerbrechlich gewordener alter Mann, der zum Rednerpult geführt wird, erinnert sich mit inzwischen leise gewordener Stimme an die "Umsiedlung" des Warschauer Ghettos, des "jüdischen Wohnbezirkes" laut damaliger Nazi-Diktion. Seit dem Frühjahr 1942, spätestens jedoch am 21./22. Juli war dort, so Reich-Ranicki, für jedermann klar, dass Schlimmstes bevorstand: "Was die 'Umsiedlung' der Juden genannt wurde, war bloß eine Aussiedlung - die Aussiedlung aus Warschau. Sie hatte nur ein Ziel, sie hatte nur einen Zweck: den Tod."

Marcel Reich-Ranicki erinnert sich in seiner Rede auch daran, dass es ein in starkem österreichischem Dialekt sprechender SS-Sturmbannführer war, der damals die "Umsiedlung" der Warschauer Ghetto-Bewohner dem dortigen Judenrat verkündete. Draußen vor dem Haus vertrieben sich in Autos wartende SS-Männer die Zeit mit Walzermusik: "Wein, Weib und Gesang" von Johann Strauss, der, wie Reich-Ranicki anmerkt, übrigens kein Arier war.

Tiefe Betroffenheit im deutschen Parlament nach der Rede des 91-jährigen Zeitzeugen. Damals - vor 70 Jahren - wurden in kürzester Zeit 260.000 Menschen aus dem Warschauer Ghetto in Vernichtungslager deportiert. Insgesamt "durchliefen" ein halbe Million Menschen dieses Ghetto auf ihrem Weg in die Vernichtungslager. Am 20. Jänner desselben Jahres war auf der Berliner Wannsee-Konferenz die "Endlösung der Judenfrage" beschlossen worden. Erst mit der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz wurde dem Völkermord ein erstes Ende gesetzt.

Selten hat ein Tag wie der 27. Jänner die Notwendigkeit freier Information und fundiert berichtender Medien bewiesen. Laut einer kürzlich veröffentlichten Umfrage des Wochenmagazins "Der Spiegel" weiß in Deutschland jeder Dritte nicht, in welchem Land Auschwitz liegt. 21 Prozent der unter 30-Jährigen ist Auschwitz kein Begriff. Die in der "ZiB2" gezeigten Wiener Burschenschafter könnten in diese Altersklasse passen.

FPÖ-Chef Strache ist zwar schon um einiges betagter, doch auch er dürfte, wie es scheint, vor allem ein sehr individuelles Basiswissen über demokratiepolitische Werte haben. Die demokratiebewussten Demonstranten draußen vor der Tür nennt er antidemokratische Gewalttäter, berichtet ein heimlicher derStandard.at-Kiebitz. Der Ball selbst ist für ihn, Strache, ein Symbol für Vaterlandsliebe, mehr noch, dieser Ball sei ein Zeichen der Meinungsfreiheit.

Hoppla, da ist in Sachen Geschichtskenntnis offenbar einiges falsch gelaufen, um nicht zu sagen, allerhand Begriffsverwirrung passiert. So jedenfalls war das selbst in der ersten europäischen Menschenrechtsdeklaration nicht gemeint. Schon 1789 wurde ganz klar und eindeutig in Artikel 11 festgehalten: "Die freie Äußerung von Gedanken und Meinungen ist eines der kostbarsten Menschenrechte: Jeder Bürger kann also frei reden, schreiben und drucken, vorbehaltlich seiner Verantwortlichkeit für den Missbrauch dieser in den durch das Gesetz bestimmten Fällen." Anders gesagt: Der Missbrauch von Meinungsfreiheit widerspricht dem Prinzip demokratischer Menschenrechte. Auch die der FPÖ nicht fremde Auschwitzlüge ist ein solcher Fall.

In Deutschland wurde währenddessen auch die Veröffentlichung von Auszügen aus Hitlers "Mein Kampf" verboten. Peter McGee, der britische Verleger und Herausgeber der Wochenzeitung "Zeitzeugen", beugt sich einem entsprechenden Münchner Richterspruch. Hitlers ideologische Ergüsse bleiben unter Verschluss, die entsprechenden Passagen in der Zeitschrift werden unleserlich gemacht. Wenigstens das.

In Argentinien entschuldigte sich eine Zeitung umgehend für eine den Holocaust verharmlosende Karikatur, erschienen am 20. Jänner, dem Jahrestag der Wannsee-Konferenz. In einem Cartoon des satirischen Blattes "Página 12" lädt ein Diskjockey in einem Konzentrationslager die Insassen zum Tanz ein. "Kommt, vergnügt euch, denn das Leben ist kurz", ist in der Sprechblase einer Adolf Hitler ähnelnden Figur zu lesen. Nach Protesten der argentinischen jüdischen Vereinigung erklärten Verlag und Autor: "Wir bedauern, Kummer und Schmerz bereitet zu haben, und bitten alle, die betroffen sein könnten, um Verzeihung." Im Internet wurde der Cartoon sofort gelöscht.

In Österreich wurde trotz vorausgegangener wochenlanger Proteste am 27. Jänner der Wiener Burschenschaftsball justament nicht abgesagt. Niemand entschuldigte sich. Im Gegenteil. Wenigstens die Österreichische UNESCO-Kommission hat ihre Konsequenzen gezogen. Die Wiener Ballsaison wurde von der Liste des Immateriellen Kulturerbes in Österreich ersatzlos gestrichen.

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langsam wird das Buch ja interessant

mehr denn je wird ja werbung gemacht für Hitler &Co
jetzt will ich auch langsam wissen wovon alle so begeistert sind... muss ja spannend sein....:-)
als Nichtösterreicherin hab ich nie verstanden was Euch Österreicher/Deutsche immer noch so fasziniert an dieser kurzen Epoche, aber langsam steckt man mich an :-)

Also das ist eines Standard nicht würdig

in dieser Art Stimmung zu machen, polemisch, tendenziös, mittels Maulwurfstrategie Schlagzeilen zu hypen. Ich erwarte objektive Artikel seriös recherchiert
sonst kann ich gleich Österreich oder Heute lesen.

Was genau ist Ihr Problem mit dem Artikel? Kann Ihre Vorwürfe überhaupt nicht nachvollziehen. Was ist hier unseriös recherchiert?

was hat das Thema des Artikels eigentlich mit "Pressefreiheit" zu tun?

Gibt es irgendeinen logische Grund, warum der Artikel in der Rubrik "Etat / Presse- und Meinungsfreiheit" erscheint ?????

weil der strache den demonstranten vorwirft

"Die demokratiebewussten Demonstranten draußen vor der Tür nennt er antidemokratische Gewalttäter"

und das meinungsfreiheit und pressefreiheit hand in hand gehen ist klar...oder?

ausserdem durfte niemand ausser der APA und die nur eingeschränkt vom ball berichten...

dass ist sicher keine ordentliche pressefreiheit!

Also das Kapperl...

erinnert mich immer an den Affen Abu aus Disneys Aladin...

mich an Toby und Tobias :-D

Mich an die fliegenden Affen aus dem "Zauberer von Oz".

mir scheint, burschenherrlichkeit und vaterlandsliebe werden gleich viel stärker betont, wenn man so ein lustiges käppi schräg auf den kopf gepappt hat, womöglich zusätzlich bis auf den oberschenkel reichende stiefel und hautenge hosen aus dem rotlichtmilieu und eine narbe im gesicht trägt, die aussieht, als hätte man seinem zuhälter nicht genug kohle abgeliefert. die lächerlichkeit des aufzugs muß durch auftrumpfen kompensiert werden

Die Stehen alle zu Freiheit und Vaterland und dann ist auf dem ganzen WKR-Ball keine Österreichische Fahne, sondern nur Schwarz-Rot-Gold zu sehen.

Was für ein verlogener Haufen! Weder ehrlich, noch fleißig!

Ich hab gedacht das man diese komischen Käppchen

nur bekommt wenn man Mitglied einer Studentenvereinigung ist.
Ist der Strache an einer Uni wenigstens schon einmal vorbei gegangen?
Oder sollte das glatt eine Ehrenmitgliedschaft sein? In diesem Fall sollten sich diese "Burschenschaften" auflösen.

Strache hat´, um bei den Burschis aufgenommen zu werden, eine Studienberechtigungsprüfung in Geschichte abgelegt und ist damit "gleichwertig" wie ein Maturant

ich frage mich allerdings, wer ihm die nachgeschmissen hat oder ob es etwas gekostet hat. Oder ob FPÖ- Historiker H*b*lt ein wenig interveniert hat...

was hat denn der strache studiert???

ich dachte, der sei zahntechniker? oder ist das auch schon eine akademische ausbildung (fachhochschule???)!

Abwertung von Lehrberufen

ist das besser als Rassismus.
ist das die gute Abwertung. Menschen aus unteren Bildungsschichten -hier hören die Menschen rechte auf..... das ist derw ahre Grund, waru, viele die FPÖ-(Wähler) hassen. Softies gegen Machos. "Gebildete" vs Pragmatike ohne Bildungs-Zertifikate

Hirn vs. Leidenschaft

Bildung und Nazis

@ M F,

vorweg, hr. s gehört nicht in die politik und ist meiner meinung nach gefährlich.
punkt 2.) viele achso gebildete menschen vergessen, dass gerade während des zweiten weltkrieges, ich möchte an die euthanasie-opfer "am spiegelgrund" erinnern, schlimmste greueltaten von akademikern durchgeführt ja, sogar befohlen würde.
diese akamdeiker waren es auch, die sich nach dem zweiten weltkrieg wieder im bund sozialistischer akademiker verstecken konnte, solange, bis man d. nürnberger-prozesse und andere direkten maßnahmen nach 1945, in den hintergrund brachte.

was ich damit sagen möchte, leider ist eine radikale einstellung, egal in welche richtung, nicht von bildung alleine abhängig. das ist meiner meinung nach ein großer IRRglaube.

ich versteh das posting nicht...

...stellte ich doch bloß die frage, womit strache sich die mitgliedschaft in einem ausgewiesenen akademikerbund. verdient hat! aber ich gebe zu, da$ mich auch fas bestehende fachhochschulunwesen, wo titelflut und ausbildungswut herrschen, verdutzt, wenn nicht irritiert! einem mba kann man ja mittlerweile in abwasser bewirtschaftung bis zebrahaltung erwerben! und wird dabei gleichzeitig abgezockt. so kann man auch die akademikerquote heben, ohne jedoch die ausbildungsqualität und -breite zu verbessern!

Zahntechniker ist

ein Lehrberuf...........

Halbwissen, wo man nicht wissen will?

Strache hat nach der Lehre auch eine Studienberechtigung gemacht und wohl kurz studiert
(die Info kann man leicht im web finden)

ähnlich wie Faymann ein paar Semester studiert hat....

Bildungssystem

@ M F

unsere unis werden kaputt gesparrt. seit jahren.
die wirtschaft stellt ihren mitarbeiter bedarf auf fachhochschüler um und jeder der da nicht mitmachen will/kann wird komisch angeschaut.
da wundert es auch nicht, dass leute wie hr.s soviel begeisterung erntet. die leut` hab aggressionen auf das ganze system, berechtigterweise ! und um diese auszutragen geht man dann in irgendeine partei um diese aufgestaute wut wieder los zu werden, tja, und dann streiten alle depat herum, statt dass man wirklich mal versucht innerste strukturänderungen vorzunehmen, denn in österreich läufts echt besonders seltsam, ein titelgeiles land voller verwaltungshürden, die kernprobleme scheint keiner lösen zu wollen/können, wer weiß das schon wirklich?!

Ein reichlich naiver Artikel.

"Mein Kampf" ist NICHT verboten, sondern die Veröffentlichung ist durch den Rechtinhaber beeinsprucht worden.
Na gut, wers wirklich lesen will, kann sich das Machwerk auch in Hinkunft aus dem Netz herunterladen (oder das Buch am Dachboden finden...) und UNKOMMENTIERT und zu Gänze lesen - nicht in der Form von wissenschaftlich kommentierten Ausschnitten. Wenn das besser sein soll...

langsam wird das Buch ja interessant

mehr denn je wird ja werbung gemacht für Hitler &Co
jetzt will ich auch langsam wissen wovon alle so begeistert sind... muss ja spannend sein....:-)
als Nichtösterreicherin hab ich nie verstanden was Euch Österreicher/Deutsche immer noch so fasziniert an dieser kurzen Epoche, aber langsam steckt man mich an :-)

Stimme zu.

Auch die Presse kann aus der Vergangenheit nicht lernen!

Ich selbst bin ein sogenanntes Nachkriegskind jüdischer Abstammung.
Trotzdem finde ich die Berichterstattung um diesen Ball aktuell und um die FPÖ schon seit langem bedenklich und kontraproduktiv.
Antisemitismus, Ausländerfeindlichkeit, deutschnationales Denken ist in Österreich nicht allein auf die FPÖ und deren heutige Wählerschaft beschränkt.
Machen Sie doch einmal eine anonyme Umfrage zu diesen Themen!

Wenn Sie weiterhin den Fehler machen, zu polarisieren und zu mobben, werden sie damit logischerweise nur weiteres FPÖ-Wählerpotenzial mobilisieren.
Das hat in der Vergangenheit schon Jörg Haider in die Regierung gebracht, wollen Sie diesen Fehler immer wieder begehen?

Denke selber ähnlich - das strikte "nein" der SPÖ und vor der letzten Wahl auch der ÖVP zur FPÖ sind mM. nach zwar prinzipiell ehrenhaft aber praktisch treibt diese Ausgrenzungspolitik sehr, sehr viele, mit der Regierung unzufriedene, in die Hände von HC

Des weiteren ist die Verallgemeinerung ala "am WKR Ball sind nur Neonazis unterwegs - die den Holocaust feiern" mit Sicherheit so auch nicht ganz richtig..

Für Menschen die sich wiederum mit der ganzen Materie nicht näher auseinander setzen (und ich denke das ist die allergrößte Mehrheit) ist die negative Berichterstattung zum WKR Ball sicher auch wieder ein Beweis dafür, dass der Arme HC wieder von allen gemobbt wird.

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